Für die Pädagogik – und damit den Lehrer - ist die Zukunft eine Kategorie von zentraler Bedeutung, da es eine ihrer Hauptaufgaben ist, Kinder und Jugendliche auf die Zukunft vorzubereiten. Dies kann ganz allgemein durch die Vermittlung von Wissen und Kompetenzen geschehen, die nachfolgende Generationen dazu befähigen, mit den Herausforderungen einer unbekannten Zukunft zu kooperieren. Darüber hinaus muss Schule, als Hauptschauplatz der Pädagogik, jedoch auch auf Probleme reagieren, die in der Gegenwart bereits bestehen und die voraussichtlich erhebliche Auswirkungen auf die Zukunft haben werden. Will Schule nicht nur für die Zukunft vorbereiten, sondern die Zukunft aktiv in einem positiven Sinne beeinflussen, muss sie diese Probleme in die Bildung einbeziehen, sie thematisieren, sie zu einem ihrer Wichtigkeit entsprechenden Bestandteil des Schulunterrichts machen. „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE) hat eben diese Aufgabe. Sie soll dazu beitragen, weltweit nachhaltiges Denken und Handeln zu entwickeln und zu stärken, zu verbreiten und zu verankern. Dass dies geschieht, wird von vielen Menschen als eine Voraussetzung für das Überleben der Menschheit angesehen. Allerdings steht dieser, auch von der UNESCO als internationale Instanz für BNE vermittelten, Dringlichkeit eine eklatante Zurückhaltung der Politik gegenüber, die vor einer tatsächlichen Reform der von der Schule vermittelten Inhalte und damit einer Reform hin zu einer Bildung für Nachhaltigkeit zurückschreckt. Wenn man von der Notwendigkeit einer Vermittlung von Bildung für nachhaltige Entwicklung überzeugt ist, bieten sich für den Lehrer jedoch mehrere Möglichkeiten, BNE trotzdem in den Schulalltag einzubringen. Zum einen kann dies durch Projekte geschehen, zum anderen durch das Einbringen von BNE-bezogenen Inhalten in den eigenen Unterricht. Es ist der Zweck dieser Arbeit darzustellen, warum letzteres wünschenswert und unter Umständen (lebens-) notwendig sein könnte und wie dieses Einbringen konkret aussehen kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 BNE (Bildung für nachhaltige Entwicklung) – Begriffe und Hintergründe
2.1 Nachhaltige Entwicklung
2.2 Bildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung
2.3 Die UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“
3 BNE und ihre Umsetzung
3.1 Die Umsetzung von BNE in Deutschland (Hessen)
3.2 Überleben durch (diese) Bildung?
4 Der Beitrag des Einzelnen: BNE in meinem Unterricht - BNE im Lehrplan des Faches Biologie
4.1 Konkrete Inhalte des Lehrplans der Sekundarstufe I und II und ihr BNE-Bezug
4.1.1 BNE im Lehrplan Biologie der Sekundarstufe I
4.1.2 BNE im Lehrplan Biologie der Sekundarstufe II (Entwurf)
4.2 Wie man mehr BNE aus dem Lehrplan Biologie herausholt
4.2.1 Methode I: Erweiterung gegebener Inhalte
4.2.2 Methode II: Bilden BNE-bezogener Themenkomplexe
5 Zusammenfassung, Ausblick, Schluss: Heute für das Morgen bilden
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Integration von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in den hessischen Gymnasialunterricht, mit einem speziellen Fokus auf das Fach Biologie, um aufzuzeigen, wie Lehrer BNE trotz mangelnder politischer Verbindlichkeit aktiv in den Schulalltag einbringen können.
- Grundlagen und Definitionen von Nachhaltigkeit und BNE
- Kritische Analyse der Umsetzung der UN-Dekade in Deutschland und Hessen
- Analyse des hessischen Biologie-Lehrplans hinsichtlich seines BNE-Bezugs
- Methoden zur Integration von BNE in den Regelunterricht (Erweiterung und Themenkomplexe)
Auszug aus dem Buch
3.2 Überleben durch (diese) Bildung?
Laut dem Bericht der Bundesregierung ist BNE als im Schulbereich gut verankert anzusehen. Auf den beiden Exkursionen, die wir im Zuge unseres BNE-Seminars unternahmen, mussten wir jedoch im Gegenteil feststellen, dass Bildung für Nachhaltige Entwicklung keineswegs im Schulalltag angekommen ist: die Mehrheit der Lehrerschaft weiß weder mit dem Begriff noch mit dem Konzept etwas anzufangen, die Integration von BNE in die Schule erfolgt auf Eigeninitiative, i.d.R. durch besonders motivierte und in dieser Hinsicht interessierte Einzelpersonen. Um diese Diskrepanz zwischen Bericht und Realität zu erklären, muss man sich zunächst vergegenwärtigen, dass es sich bei dem Bericht um ein politisches Papier handelt, dessen erste Aufgabe nicht die Objektivität ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit begründet die Notwendigkeit, Schule als aktiven Ort für die Vermittlung von BNE zu nutzen, um Schüler auf die Herausforderungen einer ungewissen Zukunft vorzubereiten.
2 BNE (Bildung für nachhaltige Entwicklung) – Begriffe und Hintergründe: Dieses Kapitel erläutert die terminologischen Grundlagen von nachhaltiger Entwicklung, Bildung und der UN-Dekade, wobei die Komplexität und die bestehenden Kontroversen im Diskurs verdeutlicht werden.
3 BNE und ihre Umsetzung: Es wird kritisch beleuchtet, wie die UN-Dekade in Deutschland und Hessen umgesetzt wird und warum der Bericht der Bundesregierung die reale Situation in den Schulen oft zu positiv darstellt.
4 Der Beitrag des Einzelnen: BNE in meinem Unterricht - BNE im Lehrplan des Faches Biologie: Die Autorin analysiert den hessischen Lehrplan auf BNE-Bezüge und stellt zwei konkrete Methoden vor, wie Lehrer BNE eigenständig in den Regelunterricht integrieren können.
5 Zusammenfassung, Ausblick, Schluss: Heute für das Morgen bilden: Das Fazit fasst die zentrale Rolle des Lehrers als Multiplikator zusammen und appelliert an ein engagiertes Handeln, das über die Vorgaben hinausgeht.
Schlüsselwörter
Bildung für nachhaltige Entwicklung, BNE, Nachhaltigkeit, Biologieunterricht, Lehrplananalyse, UN-Dekade, Schulpädagogik, Umweltbildung, Nachhaltige Entwicklung, Kompetenzvermittlung, Bildungsreform, Eigeninitiative, Sekundarstufe, Didaktik, Zukunftsvorsorge
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?
Die Arbeit plädiert dafür, dass Lehrer nicht auf politische Vorgaben warten sollten, sondern aktiv Möglichkeiten nutzen, Bildung für nachhaltige Entwicklung in den Schulalltag zu integrieren.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Analyse?
Die Arbeit behandelt die Konzepte der nachhaltigen Entwicklung, die staatliche Umsetzung der UN-Dekade sowie die konkrete Integration dieser Inhalte in den Biologieunterricht.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den geringen Stellenwert von BNE in den aktuellen Lehrplänen aufzuzeigen und praxistaugliche Methoden vorzustellen, um BNE trotzdem effektiv zu unterrichten.
Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?
Es wird eine didaktische Analyse der Lehrpläne des Landes Hessen durchgeführt, ergänzt durch Reflexionen aus der eigenen Unterrichtserfahrung und Exkursionen im Rahmen eines Seminars.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Lehrpläne der Sekundarstufe I und II und entwickelt zwei Methoden: die inhaltliche Erweiterung von Themen und die Bildung von BNE-bezogenen Themenkomplexen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Zu den zentralen Begriffen gehören BNE, Lehrplananalyse, Schulpädagogik, Nachhaltigkeit und pädagogische Eigeninitiative.
Warum hält die Autorin den Bericht der Bundesregierung für kritisch?
Die Autorin argumentiert, dass der Bericht ein politisches Dokument ist, das die tatsächliche, oft geringe Verankerung von BNE im Schulalltag hinter statistischen Daten verschleiert.
Was genau bedeutet die Methode der "BNE-bezogenen Themenkomplexe"?
Dabei werden verschiedene, scheinbar isolierte Inhalte unter ein übergeordnetes Nachhaltigkeitsthema gestellt, um so komplexe Zusammenhänge in das Unterrichtsgeschehen einzubetten.
- Arbeit zitieren
- I. Flathmann (Autor:in), 2009, Heute für das Morgen bilden, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/151434