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Kulturalisierung: Wie Interkulturalität Konflikte aufbaut anstatt sie zu lösen

Titel: Kulturalisierung: Wie Interkulturalität Konflikte aufbaut anstatt sie zu lösen

Wissenschaftlicher Aufsatz , 2010 , 27 Seiten

Autor:in: Hans-Werner Hess (Autor:in)

Kulturwissenschaften - Sonstiges

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

In der öffentlichen Diskussion Europas wird „Multikulturalität“ immer mehr zu einem fragwürdigen Begriff. Er wird ersetzt durch das Bild eines sich verschärfenden Kulturkontrastes, bei dem „der Islam“ zunehmend als Gegenentwurf zur Konstruktion einer „eigenen“, all-europäischen Scheinidentität benutzt wird. Der Beitrag befasst sich mit Aspekten der Entstehung dieses konfrontativen Konzeptes und seinen möglicherweise gefährlichen Auswirkungen auf die Gesellschaft.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

o Ein Diskurstopos entsteht: Der Islam als Antithese Europas

o Der Weg in eine „andere Kultur“: Arbeitsmigration und Ausländerpolitik

o Islam in Deutschland

o „Ostdeutsche küssen“ – Polykulturalität als Lebenserfahrung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die zunehmende Kulturalisierung von Konflikten im europäischen Diskurs und analysiert kritisch, wie das Konstrukt einer vermeintlichen Inkompatibilität zwischen dem Islam und europäischen Werten als politisches Feindbild instrumentalisiert wird, anstatt reale sozioökonomische Probleme der Integration zu adressieren.

  • Kritische Analyse der Debatte um Multikulturalität in Europa.
  • Untersuchung der Entstehung des "Framings" des Islam als Antithese zum Okzident.
  • Historische Einordnung der Arbeitsmigration und ihre Folgen für die soziale Segregation.
  • Gegenüberstellung der pauschalen Islamkritik mit der gelebten Lebenswirklichkeit in der deutsch-türkischen Literatur.
  • Hinterfragung des Begriffs der Interkulturalität im Kontext gesellschaftlicher Neudefinitionen.

Auszug aus dem Buch

Ein Diskurstopos entsteht: Der Islam als Antithese Europas

Im Rückblick der letzten zwanzig Jahre zeigt sich auch in Deutschland ein deutlicher Wandel hin zu einer konfrontativen Kulturalisierung Islam - Europa. In der öffentlichen Diskussion über die fremdenfeindlichen Angriffe auf Migranten in Hoyerswerda (1991), Rostock (1992) sowie Mölln und Solingen ging es noch hauptsächlich um die empörte Zurückweisung rechtsradikalen Gedankengutes. Die pogromartigen Übergriffe hatten jedoch für die betroffenen türkisch muslimischen Einwanderer durchaus schon eine frühe, von der Allgemeinheit nahezu unbeachtete Signalwirkung. Sie „wurden [...] zum Synonym des Rückzugs in die eigene Ethnie und der Abwendung von den Deutschen“ (Goldberg/Halm/en 2004:2). Parallel dazu konnten eben diese Migranten beobachten, wie auch in Deutschlands Nachbarländern rechtspopulistische Politiker erfolgreich mit „Überfremdungsängsten“ spielten, so z.B. Jörg Haider und die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ), Christoph Blocher und die Schweizer Volkspartei (SVP), Pia Kjaersgaard und die Dänische Volkspartei (DF), der Vlaams Blok (Flämische Bewegung) in Belgien (2004 wegen verfassungsfeindlicher Ausländerhetze verboten, aber sofort als Vlaams Belang/Flämische Belange neu gegründet), Umberto Bossi und die Lega Norte, eine Regionalpartei in Norditalien, sowie in Frankreich Jean-Marie Le Pen und der Front National. Wählern dieser rechtsextremen Gruppierungen ist die Wut über eine angeblich volksferne liberale politische Klasse gemeinsam, die Angst vor einem Kontrollverlust infolge von Europäisierung und Globalisierung, vor dadurch drohender Arbeitslosigkeit und sozialem Abstieg. Symptomatisch ist für sie alle ein primitiver Nationalismus, der „Ausländer“ lediglich als Konkurrenten um knappe einhemische Resourcen jeder Art sieht. Der wachsende Einfluss solcher Haltungen auf die Politik, besonders in Dänemark und Frankreich, trug zweifellos zur weiteren Verunsicherung bei.

Zusammenfassung der Kapitel

Ein Diskurstopos entsteht: Der Islam als Antithese Europas: Dieses Kapitel analysiert die historische Entwicklung der Islamfeindlichkeit in Europa und zeigt auf, wie rechtspopulistische Strömungen Ängste vor Überfremdung nutzten, um den Islam als Gegenspieler europäischer Identität zu etablieren.

Der Weg in eine „andere Kultur“: Arbeitsmigration und Ausländerpolitik: Die Ausführungen beleuchten die Folgen des verfehlten „Rotationsprinzips“ der Gastarbeiter-Ära und zeigen auf, wie politische Versäumnisse und rechtliche Barrieren zur Entstehung von Segregation und Ghettobildung in Deutschland beigetragen haben.

Islam in Deutschland: Dieses Kapitel kritisiert die Konstruktion des Islam als monolithisches, gewaltbereites Zwangssystem und setzt dem die soziale Realität der Migranten sowie die empirische Vielfalt muslimischer Lebensweisen entgegen.

„Ostdeutsche küssen“ – Polykulturalität als Lebenserfahrung: Anhand deutsch-türkischer Literatur zeigt das Kapitel auf, dass die Lebenswirklichkeit der Betroffenen weit differenzierter ist als die gängigen Klischees der Kulturkonfrontation und plädiert für einen polykulturellen Ansatz.

Schlüsselwörter

Kulturalisierung, Interkulturalität, Islam, Europa, Arbeitsmigration, Parallelgesellschaften, Framing, Integration, Rechtspopulismus, Identität, Multikulturalität, Segregation, deutsch-türkische Literatur, Orient, Okzident

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Auseinandersetzung über die Wahrnehmung von Multikulturalität in Europa und der Konstruktion des Islam als feindlichem Gegenentwurf zur europäischen Identität.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen die Kulturalisierung von sozialen Konflikten, die Auswirkungen von Migrationspolitik, die Rolle von Rechtspopulismus und die Diskrepanz zwischen öffentlicher Wahrnehmung und der gelebten Realität von Migranten.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die Mechanismen hinter dem "Clash of Civilizations"-Framing aufzudecken und zu zeigen, dass aktuelle Integrationsprobleme eher politisch-sozialer Natur sind als religiös-kulturell begründet.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine diskursanalytische Untersuchung, die sowohl medienkritische Analysen als auch eine Rezeption zeitgenössischer deutsch-türkischer Literatur kombiniert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Entstehung des Islam als Diskurstopos, die Geschichte der Arbeitsmigration in Deutschland, sowie die psychologisierenden Beschreibungsmodelle von Kritikern wie Kelek und Lachmann im Kontrast zur Selbstdarstellung in der Literatur.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Kulturalisierung, Interkulturalität, Framing, Segregation und Polykulturalität.

Inwiefern spielt das Konzept des "Framing" eine Rolle für die Darstellung des Islam?

Das Framing dient als Mechanismus, um den Islam assoziativ mit Terrorismus und Gewalt zu koppeln, wodurch eine differenzierte Auseinandersetzung mit der sozialen Realität verhindert und ein Feindbild verfestigt wird.

Wie unterscheidet sich die Lebenswirklichkeit in der Literatur von den medialen Klischees?

Die in der Arbeit behandelte Literatur beschreibt eine "Polykulturalität", in der kulturelle Grenzen fließend sind und die Identität als deutsch-türkisch eben nicht in einem "Kampf der Kulturen" gefangen ist, sondern kreativ ausgelebt wird.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Kulturalisierung: Wie Interkulturalität Konflikte aufbaut anstatt sie zu lösen
Hochschule
Hong Kong Baptist University
Autor
Hans-Werner Hess (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
27
Katalognummer
V151396
ISBN (eBook)
9783640629756
ISBN (Buch)
9783640630028
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kulturalisierung Interkulturalität Konflikte Multikulturalität Kulturkontrast Europäische Identität Islam und Europa Islam in Deutschland Türkische Migranten
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Hans-Werner Hess (Autor:in), 2010, Kulturalisierung: Wie Interkulturalität Konflikte aufbaut anstatt sie zu lösen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/151396
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  27  Seiten
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