Diese Magisterarbeit „Der elsässische Dialekt im 21. Jahrhundert“ hat zum Ziel, die aktuelle sprachliche Situation in einem Teil des Elsass zu ermitteln. Dazu wurden in drei Städten des Bas-Rhin Untersuchungen anhand von Fragebögen durchgeführt, deren Auswertungen Aufschluss über die Zukunft der im Elsass vorhandenen Sprachen gaben. Die Resultate der Auswertungen sind sehr interessant, da sich darin die veränderten politischen, aber auch kulturellen Bedingungen der heutigen Zeit spiegeln. Denn die Zeiten haben sich geändert und andere Faktoren bestimmen die gegenwärtige sprachliche Situation. Einflußreiche Denkanstöße durch die Europäische Union wie z.B. die Charta für Regionalsprachen sowie neue wirtschaftliche, politische und kulturelle Aspekte scheinen die Vergangenheit langsam aber sicher in Vergessenheit geraten zu lassen. Gerade heute ist das Elsass mehr denn je in Bewegung. Es gibt Schulklassen, die aufgrund dialektophoner Basis Deutsch lernen. Immer mehr Menschen interessieren sich für ihre Traditionen und lassen sie z.B. durch das Theater oder durch elsässische Literatur wieder aufleben. Es werden Interessengemeinschaften und Verbände gegründet, die es sich zum Ziel gesetzt haben, das Elsass und seinen Dialekt nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. All diese Faktoren haben zur Folge, dass sich viele Elsässer wieder auf ihre eigene Geschichte, ihr Brauchtum und ihre sprachlichen Wurzeln besinnen. Die junge Generation wächst in einem ganz anderem Umfeld und unter veränderten Bedingungen auf als ihre Eltern oder Großeltern. Dennoch sollte trotz dieser scheinbar guten Ausgangslage nicht vergessen werden, dass das Elsass und seine Sprachen selbst heute noch enorm durch die Geschehnisse des 20. Jahrhunderts belastet ist, da es zwei Weltkriege, vier Staatsangehörigkeitswechsel in 75 Jahren und vier diametral entgegengesetzte Sprachen- und Bildungspolitiken durchmachen musste, wobei die sprachliche Komponente damit nicht immer Schritt halten konnte (vgl. Hartweg 1981, 98). Daher wird vom 1.-3. Abschnitt dieser Arbeit ein Blick zurück in die elsässische Vergangenheit geworfen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Von den Kelten zur französischen Revolution
1.1. Das Erbe der Kelten und Römer
1.2. Die Alemannen und Franken
1.3. Die Straßburger Eide
1.4. Vom Heiligen Römischen Reich deutscher Nationen bis zum Westfälischen Frieden
1.5. Vom Westfälischen Frieden zur Französischen Revolution
1.6. Die Französische Revolution und ihre Auswirkungen im Elsass
1.7. Der Siegeszug des Französischen im Elsass
1.8. Die wachsende Identifikation mit Frankreich und den Idealen der Revolution
2. Das Elsass unter deutschem Einfluss
2.1. Das Reichsland Elsass-Lothringen nach dem deutsch-französischen Krieg
2.2. Der Erste Weltkrieg und seine Folgen für das Elsass
2.3. Die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf das Elsass
3. Die Rückkehr nach Frankreich
3.1. Die Nachkriegszeit im Elsass
3.2. Die Unterdrückung deutscher Sprache und Kultur
3.3. Die Rückbesinnung auf die sprachlichen Wurzeln
3.4. Das Erwachen des sprachlichen Bewusstseins
3.5. Die Ära Mitterand als Wegbereiter für die wachsende Eigenständigkeit der Regionen
3.6. Neue Perspektiven
4. Das Elsass als Schmelztiegel verschiedener Sprachen
4.1. Die ungeklärte Herkunft des Namen „Elsass“
4.2. Elsässisch, Elsässerditsch oder Alsacien ?
4.3. Die sprachliche Eingrenzung des Elsässischen
4.3.1. Das Elsässische – ein „dachloser“ Dialekt ?
4.4. Die Einbindung in die germanische Sprachlandschaft
4.5. Die elsässischen Sprachvarianten
4.6. Der Unterschied zwischen Ober –und Mitteldeutsch
4.7. Der französische Einfluss auf das Elsässische
4.7.1. Der deutsch-elsässische Einfluss auf das Französische
4.8. Die Charakteristika der elsässischen Dialektvarianten
5. Das Elsass zu Beginn des 21. Jahrhunderts
5.1. Die geographische Lage
5.2. Die politische Eingliederung
5.3. Das Elsass in Zahlen
6. Allgemeine Informationen zu den Untersuchungen
6.1. Haguenau
6.2. Wissembourg
6.3. Saverne
6.4. Bemerkungen zu den Auswertungen
6.4.1. Der Kinderfragebogen
6.4.2. Der Elternfragebogen
7. Auswertung der Kinderbögen
7.1. „Quelles langues parles-tu ?“
7.2. „Tu parles avec tes copains en... ?“
7.3. „Quelles langues parles-tu à la maison ?“
7.4. „Est-il utile de parler le dialecte ?“
7.5. „Serait-il bon d’enseigner le dialecte ?“
7.6. „Pensez-vous que le dialecte est déjà ...?“
8. Auswertung der Elternbögen
8.1. Auswertung über die französische Sprache
8.1.1. „Comment parlez-vous français?“
8.1.2. „Comment estimez-vous le comprendre?“
8.1.3. „ Parlez-vous français avec …?“
8.2. Auswertung über das Elsässische
8.2.1. „Parlez-vous alsacien?“
8.2.2. „Comment estimez-vous parler votre dialecte?“
8.2.3. „Comment estimez-vous le comprendre?“
8.2.4. „Avec qui parlez-vous alsacien?“
8.3. Auswertungen über die deutsche Sprache
8.3.1. „Parlez-vous allemand? “
8.3.2. „Comment estimez-vous parler allemand? “
8.3.3. „Comment estimez-vous le comprendre ? “
8.3.4. „Avec qui parlez-vous allemand? “
8.3.5. „Vous paraît-il important de parler l’allemand? “
8.4. „Auswertung der Fragen zur „Idéologie linguistique“
8.4.1. „Est-il utile de parler le dialecte?“
8.4.2. „Serait-il bon d’enseigner le dialecte? „
8.4.3. „Pensez-vous que le dialecte est déjà…?“
9. Conclusio
10. Bibliographie
11. Webographie
12. Anhang
12.1. Beispiel Elternfragebogen
12.2. Beispiel Kinderfragebogen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die aktuelle sprachliche Situation in einer Region des Elsass zu analysieren und Aufschluss über die Zukunft der dort existierenden Sprachen zu gewinnen. Dabei wird insbesondere untersucht, wie sich politische und kulturelle Veränderungen des 20. Jahrhunderts auf den Dialekt und die deutsche Sprache ausgewirkt haben.
- Historische Entwicklung der sprachlichen Situation im Elsass
- Einfluss des französischen Zentralismus auf die regionale Identität
- Empirische Analyse des Sprachgebrauchs durch Fragebögen
- Die Rolle des Dialekts als Kommunikationsmittel und Identitätsmerkmal
- Potenziale und Herausforderungen für eine zweisprachige Erziehung
Auszug aus dem Buch
1.1. Das Erbe der Kelten und Römer
Pour se faire une idée de l’emprise linguistique des Germains sur les parlers de la Gaule d’abord, de la France ensuite, il est indispensable de se rappeler très rapidement la forme et l’étendue de leurs infiltrations et invasions. Il s‘agit, dans l’ensemble d’une œuvre presque millénaire, d’un caractère historique et d’une efficacité linguistique forts différents d’une région à l’autre et suivant les époques, les méthodes, les acteurs, les circonstances générales. (Lévy 1929a, 3)
Das elsässische Territorium war um ca. 300 v. Chr. von den Kelten besiedelt, woraufhin sich auch ihre Sprache, das Keltische, verbreitete. Doch sie waren nicht lange die einzigen Bewohner, denn ihnen folgten im 1. Jh. v. Chr. die Germanen. Um 58 v. Chr. gelang es schließlich den Römern, diese Region in ihr Reich einzugliedern (vgl. Rieger/Weckmann 1988, 5). Diese Annexion hatte auch sprachliche Folgen: „[...] de reléguer le celtique de sa place prépondérante à celle d’un parler populaire et de conférer au latin le statut de langue officielle.“ (vgl. Rieger/Weckmann 1988, 6). Allerdings wurden die einheimischen Sprachen durch das Lateinische nicht vollständig verdrängt, sondern es existierten je nach Gebiet keltische, germanische oder lateinische Sprachvarianten nebeneinander. Lediglich der Schriftverkehr wurde in Latein abgewickelt (vgl. Dentinger 1987, 10). Trotz der Ausdehnung und Sicherung des Römischen Reiches konnten sich um 406 viele Alemannen durch eine Invasion in dieser Gegend niederlassen. Schließlich wurde um 451 das Ende des gallisch romanischen Reiches durch Attila den Hunnenkönig markiert. Dies bedeutete der Beginn des alemannischen Elsass und die Ausbreitung des germanischen Dialektes der Alemannen (vgl. Rieger/Weckmann 1988, 6).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Von den Kelten zur französischen Revolution: Dieser Abschnitt beleuchtet die historische Entwicklung des Elsass von der Antike bis zur Französischen Revolution, wobei die wechselnden sprachlichen Einflüsse und Herrschaftsverhältnisse im Zentrum stehen.
2. Das Elsass unter deutschem Einfluss: Hier wird der Einfluss des deutschen Kaiserreichs ab 1871 sowie die Auswirkungen der Weltkriege auf die politische und sprachliche Situation im Elsass untersucht.
3. Die Rückkehr nach Frankreich: Kapitel 3 beschreibt die schwierige Nachkriegszeit, die französische Assimilationspolitik und die spätere Rückbesinnung auf regionale Identitäten unter der Ära Mitterrand.
4. Das Elsass als Schmelztiegel verschiedener Sprachen: Dieser Teil analysiert die sprachlichen Besonderheiten des Elsässischen, seine Einordnung als „dachloser“ Dialekt und den permanenten Sprachkontakt zum Französischen.
5. Das Elsass zu Beginn des 21. Jahrhunderts: Ein Überblick über die geografischen, demografischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des heutigen Elsass als Hintergrund für die empirische Untersuchung.
6. Allgemeine Informationen zu den Untersuchungen: Einführung in die untersuchten Städte Haguenau, Wissembourg und Saverne sowie methodische Anmerkungen zur Erhebung mittels Fragebögen.
7. Auswertung der Kinderbögen: Detaillierte Darstellung und Analyse der Ergebnisse aus den Kinderfragebögen bezüglich Sprachgebrauch und Einstellungen zum Dialekt.
8. Auswertung der Elternbögen: Umfassende Auswertung der Elternfragebögen zur Selbsteinschätzung ihrer Französisch-, Deutsch- und Elsässischkenntnisse.
Schlüsselwörter
Elsass, Elsässisch, Dialekt, Sprachpolitik, Französisch, Deutsch, Identität, Zweisprachigkeit, Assimilation, Regionalsprache, Sprachkontakt, Bildungswesen, Mundart, Sprachkultur, Minderheitenschutz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Magisterarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die aktuelle sprachliche Situation im Elsass, insbesondere das Spannungsfeld zwischen der französischen Amtssprache und dem lokalen elsässischen Dialekt bzw. der deutschen Sprache.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die historische Genese der elsässischen Sprachlandschaft, die Auswirkungen der französischen Sprachpolitik des 20. Jahrhunderts sowie die heutige Einstellung der Bevölkerung zum Dialekt und zum Deutschunterricht.
Welches ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist die Ermittlung der gegenwärtigen sprachlichen Lage in ausgewählten Städten des Bas-Rhin und die Einschätzung der Zukunftschancen für die Erhaltung des Elsässischen durch gezielte Bildungsmaßnahmen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer empirischen Untersuchung, bei der Fragebögen an Schüler und Eltern in den drei Städten Haguenau, Wissembourg und Saverne verteilt wurden, um Sprachkompetenz und Einstellungen zu evaluieren.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte historische Rückschau, eine sprachwissenschaftliche Analyse der elsässischen Dialektvarianten sowie eine detaillierte Auswertung der erhobenen Daten aus den Fragebögen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Sprachassimilation, Identitätsbewusstsein, regionale Sprachvielfalt, Bilingualismus und die soziolinguistische Entwicklung im Grenzland geprägt.
Warum ist die räumliche Nähe zur deutschen Grenze für das Sprachverständnis wichtig?
Die Arbeit zeigt, dass Orte wie Wissembourg, die direkt an der Grenze liegen, eine stärkere aktive Nutzung des Dialekts und bessere Deutschkenntnisse aufweisen, da hier ein intensiverer wirtschaftlicher und persönlicher Austausch stattfindet.
Welche Bedeutung hat das Fehlen einer schriftlichen Norm für den Dialekt?
Das Fehlen einer normierten Schriftsprache wird als ein zentrales Hemmnis für einen formalen Unterricht im Schulwesen identifiziert, da die Dialektvarianten stark von Ort zu Ort variieren.
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- M.A. Tanja Geminn (Author), 2003, Der elsässische Dialekt im 21. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/151235