Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Frage, welche Ereignisse im 17. Jahrhundert zu einer signifikanten Veränderung des Türkenbildes führten. Im Zentrum steht dabei die Untersuchung, wie sich das Bild der Türken im Laufe dieses Jahrhunderts wandelte und welche Auswirkungen die osmanische Niederlage bei der Zweiten Wiener Belagerung auf diese Wahrnehmung hatte. Zwar ließe sich die Entwicklung des Türkenbildes theoretisch in jedem europäischen Land analysieren, doch konzentriert sich diese Arbeit auf die deutschsprachigen Regionen und die dort vorliegenden Quellen.
Der Analyse liegen drei zeitgenössische Quellen aus dem 17. Jahrhundert zugrunde. Diese werden dahingehend untersucht, welches Türkenbild sie vermitteln und wie dieses im Vergleich zu den vorhergehenden Jahrhunderten modifiziert wurde. Vor der eigentlichen Analyse erfolgt eine Klärung zentraler Begrifflichkeiten wie Islam, Türken und Osmanen, um zu verdeutlichen, weshalb diese Termini häufig synonym verwendet werden. Zudem wird der historische Kontext des 17. Jahrhunderts dargestellt, um die relevanten Ereignisse im Blick zu behalten und die Ursachen für den Wandel des Türkenbildes besser nachvollziehen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Islam – Türken – Osmanen
3. Historischer Kontext – Das 17. Jahrhundert
4. Quellenanalyse
a. Holzfigur
b. Türkenlied
c. Theater
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel des Türkenbildes im 17. Jahrhundert, insbesondere im Kontext der Ereignisse nach der Zweiten Wiener Belagerung von 1683, um zu analysieren, wie sich die Wahrnehmung der Türken in dieser Zeit wandelte und welche Auswirkungen die osmanische Niederlage auf dieses Bild hatte.
- Historische Einordnung des europäischen-osmanischen Konflikts im 17. Jahrhundert.
- Analyse der Begrifflichkeiten Islam, Türken und Osmanen in zeitgenössischen Quellen.
- Auswertung spezifischer Quellen (Holzfigur, Türkenlied, Theaterstück).
- Untersuchung des Wandels vom Bild des "unbesiegbaren Feindes" zum "Schwachen und Besiegten".
- Darstellung der Rolle von Stereotypen in der gesellschaftlichen Wahrnehmung.
Auszug aus dem Buch
c. Theater
In diesem Teil der Arbeit widmen wir uns der Analyse eines musikalischen Theaters. Die zweiteilige Oper „Der Glückliche Groß-Vezier Cara Mustapha, Erster Theil/ Nebenst Der grausahmen Belagerung/ und Bestürmung der Käyserlichen Residentz-Stadt Wien“55 von dem Dichter Lucas von Bostel und dem Komponisten Johann Wolfgang Franck erschien 1686 in Hamburg.
Die Oper besteht aus drei Vorspielen und zwei Hauptteilen, mit jeweils drei Akten. In diesem Musikdrama wird das Leben des osmanischen Großwesirs Kara Mustafa (1635–1683) und die Belagerung Wiens im Jahr 1683 dargestellt. Der Zweck dieses Werkes, so der Dichter, ist es, die „abschaulichen Thaten“ künstlerisch zu schmücken und die Grausamkeiten des Türken bildlich darzustellen.56
Aufgrund der umfangreichen Natur des Stücks wird in dieser Analyse nicht das gesamte Werk aufgeführt. Stattdessen werden ausgewählte Passagen herausgenommen, analysiert und interpretiert.
Der erste Teil des Stückes beginnt mit dem Siegeszug der Osmanen. Zu sehen sind der Großwesir Kara Mustafa, gefangene Christen und tanzende Janitscharen. Die Handlung entfaltet sich durch zahlreiche Dialoge, in denen sich herausstellt, dass Mustafa Zuneigung zu einer verheirateten Frau namens Baschlari hegt. In einer Passage des Stücks sagt der osmanische Großwesir:
„Ich biete Trotz dem Himmel und der Hoellen / Ob sie sich so zornig stellen [...] / Das acht ich alles nicht.“57
Hier wird deutlich, dass Kara Mustafa bereit ist, alles für seine Liebe zu Baschlari aufzugeben. Er schätzt ihre Zuneigung mehr als alles andere, sogar den Untergang seines Reiches, wie in der folgenden Passage deutlich wird:
„Ja das Reich mag untergehen.“58
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische und mediale Präsenz des Islam und der Osmanen im Europa des 17. Jahrhunderts und skizziert die Forschungsfrage nach dem Wandel des Türkenbildes.
2. Islam – Türken – Osmanen: Dieses Kapitel klärt die oft synonym verwendeten, aber historisch unterschiedlichen Begriffe, um ein präziseres Verständnis für die Analyse zu schaffen.
3. Historischer Kontext – Das 17. Jahrhundert: Hier werden die kriegerischen Ereignisse zwischen der Habsburgermonarchie und dem Osmanischen Reich, insbesondere die Belagerungen von Wien, als Basis für den Wandel des Türkenbildes dargestellt.
4. Quellenanalyse: Anhand einer Holzfigur, eines Türkenliedes und eines Theaterstücks wird der konkrete Wandel des Türkenbildes vom furchteinflößenden Feind zur verspotteten Figur nach 1683 untersucht.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie der Zeitraum 1683–1699 zu einer maßgeblichen Veränderung des Türkenbildes führte, weg vom Bild der unbesiegbaren Bedrohung hin zum unterlegenen, schwachen Gegner.
Schlüsselwörter
Türkenbild, Osmanisches Reich, 17. Jahrhundert, Zweite Wiener Belagerung, Islam, Stereotype, Kara Mustafa, Quellenanalyse, Kriegsberichterstattung, historische Transformation, Feindbild, Musikdrama, Türkenlied, kollektive Wahrnehmung, frühneuzeitliche Literatur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit untersucht den Wandel der Wahrnehmung des Osmanischen Reiches bzw. der Türken in der europäischen, speziell deutschsprachigen Bevölkerung im Verlauf des 17. Jahrhunderts.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit verknüpft historische Ereignisse (wie die Belagerungen von Wien) mit der kulturellen Produktion (Literatur, Theater, Volkskunst) und analysiert, wie diese Medien das Türkenbild prägten.
Was ist die zentrale Forschungsfrage der Untersuchung?
Es wird der Frage nachgegangen, wie sich das Türkenbild nach der Zweiten Wiener Belagerung 1683 veränderte und warum es von einer negativen, aber ehrfurchtsvollen Angst hin zu einer Darstellung als lächerlicher, schwacher Gegner kippte.
Welche wissenschaftliche Methodik kommt zum Einsatz?
Die Autorin verwendet eine quellenbasierte Analyse, wobei sie zeitgenössische Zeugnisse wie eine Holzfigur, ein Türkenlied sowie ein zeitgenössisches Opernmanuskript in ihren historischen Kontext einbettet und interpretiert.
Was bildet den inhaltlichen Schwerpunkt im Hauptteil?
Nach der Klärung notwendiger Begrifflichkeiten und dem historischen Kontext liegt der Fokus auf der tiefgehenden Analyse der drei gewählten Primärquellen aus dem späten 17. Jahrhundert.
Wie lässt sich die Arbeit anhand von Schlüsselwörtern charakterisieren?
Die zentralen Aspekte sind das Türkenbild, das Osmanische Reich, das 17. Jahrhundert, die Zweite Wiener Belagerung, Stereotype und die Analyse historischer Quellen.
Warum wird im Bereich "Theater" speziell die Oper über Kara Mustafa analysiert?
Das Stück dient als Beispiel dafür, wie zeitgenössische Kunst genutzt wurde, um osmanische Persönlichkeiten zu dämonisieren und gleichzeitig durch die Darstellung moralischer Verfehlungen (wie Wollust und Untreue) das Bild des "orientalischen Feindes" herabzusetzen.
Welche neue Dimension der Türken-Darstellung wird durch die Analyse laut Autorin sichtbar?
Die Analyse zeigt die Entstehung eines neuen Stereotyps: der wollüstige, von seinen körperlichen Genüssen getriebene Türke, der als moralisch unterlegen und unfähig zur Vernunft dargestellt wird, was das bisherige Bild der reinen militärischen Bedrohung erweitert.
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- Enes Bag (Author), 2019, Der Wandel des Türkenbildes im 17. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1505806