Nach der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8.Mai 1945 und dem damit einhergehenden Zusammenbruch des NS-Regimes, teilten die alliierten Siegermächte (USA, Frankreich, Großbritannien und die Sowjetunion) Deutschland in vier Besatzungszonen auf und erhielten durch das Einsetzen eines Alliierten Kontrollrates offiziell die Regierungsgewalt. Im Juli/August 1945 wurden auf der Potsdamer Konferenz u.a. neue Inhalte, Richtlinien und Zielen für das zukünftige Erziehungs- und Bildungssystem Deutschlands formuliert. Trotz der gemeinsamen Überzeugung, dass „die nazistischen und militaristischen Lehren völlig ausgemerzt“ (Peiffer, 2001, S. 372) werden müssen, sollte es nicht sehr lange dauern bis die Zusammenarbeit der Alliierten erste Risse bekam. So konnte keine Einigkeit über die Art und Weise der weiteren Behandlung Deutschlands erzielt werden. Dies lag nicht nur daran,
„dass das Demokratieverständnis der sowjetischen Besatzungsmacht sich grundlegend unterschied von dem der westlichen Alliierten“ (Peiffer, 2001, S. 372).
Auch wirtschaftliche Vorstellungen ragten weit auseinander. So schlossen sich die USA und Großbritannien zur ‚Bizone‘, einer Vereinigung auf wirtschaftlicher Basis, zusammen. Die Antwort der Sowjetunion auf diese von ihnen missbilligte Vereinigung, war die ‚Deutsche Wirtschaftskommission‘, welche die Umwandlung zur Planwirtschaft darstellte. Diese unüberbrückbaren Konflikte der politischen Systeme ließen die, anfangs nur für eine kurze Übergangszeit geplanten, Grenzen der Besatzungszonen weiter anschwellen und sie im Laufe der Zeit zu unüberwindbaren Hürden zwischen Ost und West anwachsen. 1949 kommt es schließlich zur Gründung zweier deutscher Staaten. Am 24.Mai 1949 wird die Bundesrepublik Deutschland (BRD) gegründet, am 7. Oktober 1949 die Deutsche Demokratische Republik (DDR). Die Entwicklung beider Staaten verlief nun vollkommen getrennt voneinander.
Durch die starke Prägung der Sowjetunion kam es in der DDR nicht zu einer sich eigenständig entwickelnden parlamentarischen deutschen Republik....
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 DIE MARXISTISCH-SOZIALISTISCHE PÄDAGOGIK
2.1 Erziehungs- und Bildungsziele
2.2 Bildungssystem der DDR
3 KÖRPERKULTUR
3.1 Sport
3.2 Körpererziehung
3.3 Erziehung im und durch Sport
3.3.1 Körpererziehung im Vorschulalter
3.3.2 Lehrpläne des Sportunterrichts an der Oberschule
3.3.3 Der außerunterrichtliche und außerschulische Sport
3.3.4 Wehrerziehung
4 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Erziehungskonzept des DDR-Schulsports und analysiert, wie der Sport als zentrales Instrument zur ideologischen Formung des sozialistischen Bürgers eingesetzt wurde. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie individuelle Interessen zugunsten kollektiver Anforderungen untergeordnet wurden und welche Rolle die planmäßige Körpererziehung in diesem autoritären Bildungssystem spielte.
- Grundlagen der marxistisch-sozialistischen Pädagogik in der DDR
- Die Rolle der Körperkultur und Körpererziehung als gesellschaftliche Aufgabe
- Strukturen und Lehrpläne des DDR-Sportunterrichts
- Integration des außerunterrichtlichen und außerschulischen Sports
- Wehrerziehung als Teil der sportlichen Ausbildung
Auszug aus dem Buch
3.3.2 Lehrpläne des Sportunterrichts an der Oberschule
Der Sportunterricht an der Oberschule wurde nach präzisierten und zentralen Lehrplänen durchgeführt. Inhalte und Lehrmethoden wurden von der parteilichen Führung genauso vorgegeben, wie zu erreichende Leistungen und Stundenanzahl. Die zentral erstellten Lehrpläne umfassten einen verallgemeinerten Jahresplan, einen verallgemeinerten Zyklenplan und verallgemeinerte Stundenbilder. Im Jahresplan war aufgelistet wie viele Stunden und in welchem Zeitraum die einzelnen Ausbildungsbereiche zu absolvieren waren. So betrieb man die leichtathletische Ausbildung beispielsweise in den Monaten April, Mai und Juni. Mit dem Zyklenplan begann dann die Feinplanung für die Vorgaben des Jahresplans. Die einzelnen Zyklen dauerten in der Regel zwei bis vier Wochen und bauten hinsichtlich Belastung und Anforderung auf den vorhergehenden Zyklen auf.
Bei der inhaltlichen Vorgabe der Lehrpläne ging es in erster Linie nicht um die Vermittlung spezieller Fertigkeiten oder Techniken, vielmehr sollte sichergestellt werden, dass eine gleichmäßige und vielseitige Ausbildung aller physischen und motorischen Eigenschaften erzielt wurde. Aus diesem Grund enthielten die Lehrpläne einen sehr umfangreichen Ausbildungsbereich der Grundlagenübungen. Dieser Bereich sollte also keine sportartspezifischen Techniken vermitteln, sondern vielmehr die allseitige Beweglichkeit der Schüler fördern. Doch auch in anderen Bereichen des Sportunterrichts wurde auf die technische Ausbildung wenig Wert gelegt. So sollte sich der Sportlehrer bei der Bewegungsschulung in der Leichtathletik vorrangig auf eine Grobformung der Schüler beschränken. Vielmehr sollten die Kinder und Jugendlichen allgemein kräftiger, schneller und ausdauernder werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Darstellung der historischen Rahmenbedingungen nach 1945 und der Gründung der beiden deutschen Staaten, die zur unterschiedlichen Ausrichtung der Bildungssysteme führte.
2 DIE MARXISTISCH-SOZIALISTISCHE PÄDAGOGIK: Erläuterung der ideologischen Grundlagen, die das DDR-Bildungssystem prägten und das Individuum in den Dienst der sozialistischen Gemeinschaft stellten.
2.1 Erziehungs- und Bildungsziele: Untersuchung der Zielsetzung, den „sozialistischen Menschen“ zu formen, der sein Leben dem Wohl des Volkes unterordnet.
2.2 Bildungssystem der DDR: Beschreibung der Struktur der polytechnischen Oberschule und der Verknüpfung von Bildung mit der industriellen Produktion.
3 KÖRPERKULTUR: Definition des Begriffs Körperkultur im DDR-Kontext als Instrument zur Leistungssteigerung und ideologischen Beeinflussung.
3.1 Sport: Analyse der Rolle des Sports als Mittel zur Demonstration der Überlegenheit des sozialistischen Systems.
3.2 Körpererziehung: Erläuterung der pädagogischen Absicht hinter der Körpererziehung zur dauerhaften ideologischen Formung über alle Altersstufen hinweg.
3.3 Erziehung im und durch Sport: Darstellung des Sports als zentrales Erziehungsmittel zur Etablierung sozialistischer Tugenden.
3.3.1 Körpererziehung im Vorschulalter: Frühe Vorbereitung der Kinder auf das Kollektivleben durch altersgerechte sportliche Aktivitäten.
3.3.2 Lehrpläne des Sportunterrichts an der Oberschule: Detaillierte Betrachtung der zentral gesteuerten Lehrpläne und der methodischen Vorgaben für den Sportunterricht.
3.3.3 Der außerunterrichtliche und außerschulische Sport: Beschreibung der Rolle von Schulsportgemeinschaften als Bindeglied zwischen Schule und Sportorganisationen.
3.3.4 Wehrerziehung: Untersuchung der vormilitärischen Ausbildungselemente im Sportunterricht vor dem Hintergrund des Kalten Krieges.
4 FAZIT: Zusammenfassende Bewertung der vollständigen Integration des Sports in das DDR-Erziehungskonzept und dessen ideologische Wirkung.
Schlüsselwörter
DDR, Schulsport, Körperkultur, Körpererziehung, Sozialismus, SED, Polytechnische Oberschule, Marxismus-Leninismus, Erziehungsziele, Wehrerziehung, Schulsportgemeinschaften, Kollektiv, Leistungssteigerung, Ideologie, Bildungsgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Hausarbeit befasst sich mit dem Erziehungskonzept des Sports im Schulwesen der DDR und analysiert, wie körperliche Betätigung zur ideologischen Formung der Staatsbürger instrumentalisiert wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die marxistisch-sozialistische Pädagogik, die Definition der Körperkultur, die Struktur des Schulsports sowie die Verbindung von Sportunterricht und politischer Erziehung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie das DDR-Regime den Sport systematisch nutzte, um Kinder und Jugendliche in das sozialistische Kollektiv zu integrieren und individuelle Interessen den Staatszielen unterzuordnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine tiefgehende Literatur- und Quellenanalyse, die zeitgenössische sporttheoretische Schriften und pädagogische Konzepte der DDR kritisch auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen der Körpererziehung, den Aufbau der Lehrpläne, die Rolle des außerunterrichtlichen Sports und die Einbettung der Wehrerziehung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie DDR-Schulsport, Körpererziehung, sozialistische Pädagogik, Kollektiv und ideologische Erziehung beschreiben.
Welchen Stellenwert hatte die Wehrerziehung im DDR-Schulsport?
Im Zuge der Verschärfung des Kalten Krieges gewann die Wehrerziehung an Bedeutung; sie sollte Schüler durch sportliche Übungen wie Marschieren auf die Landesverteidigung vorbereiten.
Wie flexibel waren Sportlehrer in der DDR bei der Unterrichtsgestaltung?
Die Sportlehrer hatten kaum inhaltliche Freiheiten, da die Lehrpläne zentral vorgegeben waren; sie konnten jedoch auf die individuellen Bedürfnisse leistungsstärkerer oder -schwächerer Schüler eingehen.
Warum war die Körpererziehung in der DDR nicht unabhängig vom Sport?
Der Sport war vollständig in das allgemeine Erziehungskonzept der DDR integriert, weshalb Körpererziehung stets als Mittel zur Vermittlung sozialistischer Werte und nicht als freier sportlicher Ausdruck verstanden wurde.
- Quote paper
- Patric Hahn (Author), 2009, Erziehungskonzept des DDR-Schulsports, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/150535