Eine konkrete und durchdachte Vorstellung von effektivem Classroom Management ist nicht nur für ein reibungsloses Funktionieren des Lehr- und Lern-Prozesses wichtig, sondern hat auch bedeutende Auswirkungen auf das Wohlbefinden der Lehrperson und auf den Lernerfolg der SuS. Eine Elsevier-Studie aus dem Jahr 2020, an der 395 neuseeländische Lehrpersonen aus der Primar- und Sekundarstufe teilgenommen haben, hat gezeigt, dass sich die eigene Vorstellung von Selbstwirksamkeit besonders bei jungen Lehrpersonen auf die tatsächliche Wirksamkeit ihrer Classroom-Management-Strategien auswirkt.
Es ist also besonders für angehende Lehrpersonen von zentraler Bedeutung, eine konkrete Vorstellung von Klassenführung zu haben und die damit zusammenhängenden Strategien konsequent umzusetzen. Dabei ist die sog. „Klasseneingangsphase“ ein entscheidender Zeitraum: Die ersten Unterrichtseinheiten in einer neuen Klasse definieren den Arbeitsmodus und die Verhaltenserwartungen, die sich durch den gesamten späteren Lehr- und Lernprozess ziehen.
Der vorliegende Fachartikel, welcher im Rahmen der Lehrveranstaltung „Erziehung und Leistungsbewertung – Schulpraktikum II“ verfasst wurde, beschäftigt sich mit zentralen Elementen dieser Klasseneingangsphase. Dazu sollen Inhalte aus der Fachliteratur mit Informationen aus den Experteninterviews, welche im Rahmen des Praktikums mit der Bezugslehrperson geführt wurden, konfrontiert werden. Außerdem sollen in diesem Zusammenhang Erfahrungen aus der Praktikumszeit reflektiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die drei Entwicklungsstadien einer Klassengemeinschaft
3. Die Bedeutung der ersten Unterrichtsstunde
4. Der Klassenvertrag
5. Die Bedeutung der Lehrperson
6. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Relevanz der Klasseneingangsphase für den langfristigen Lernerfolg und die Klassendynamik. Dabei wird analysiert, wie eine effektive Klassenführung durch Verhaltensverträge und eine bewusste Rolle der Lehrperson präventiv gestaltet werden kann, um eine produktive Lernumgebung zu schaffen.
- Bedeutung von Classroom Management für den Lernerfolg
- Entwicklungsphasen innerhalb einer neuen Klassengemeinschaft
- Etablierung von Regeln, Ritualen und Routinen
- Erstellung und Funktion von Verhaltensverträgen
- Die Rolle der Persönlichkeit und Führungskompetenz der Lehrperson
Auszug aus dem Buch
4. Der Klassenvertrag
Die Bezugslehrperson, mit der im Rahmen des Schulpraktikums II das Experteninterview geführt wurde, sah sich zu Beginn des Schuljahres 2020/21 mit einer neuen Schule und mit ca. 60 neuen SuS konfrontiert. Dieser bereits herausfordernde Schulstart wurde außerdem noch von der Pandemie und der damit zusammenhängenden Umstellung auf Online-Unterricht erschwert. Es stellt sich nun die Frage, welche Punkte in dieser so entscheidenden Klasseneingangsphase mit den SuS geklärt werden sollten und wie dabei vorgegangen werden kann. Rogers spricht in diesem Zusammenhang von einem sogenannten „Verhaltensvertrag“. Dieser soll im Folgenden erklärt und mit der Vorgehensweise des Praktikumstutors verglichen werden.
Im Verhaltensvertrag entwerfen Lehrperson und SuS ein gemeinsames Konzept für gutes Verhalten in der Klasse und verpflichten sich, die angeführten Regeln zu beachten. Dabei gibt es viele verschiedene Details, über die diskutiert werden muss. Alle Einzelheiten genau zu beschreiben, wäre einerseits zu aufwendig und andererseits nicht besonders sinnvoll, da je nach Klassengemeinschaft und Situation ein solcher Vertrag unterschiedlich gestaltet werden kann. Im Normalfall arbeiten SuS in diesem Prozess gut mit, da sie wissen wollen, was im Laufe des Schuljahres auf sie zukommen wird. Die Möglichkeit, individuelle Erwartungen und Wünsche auszudrücken, ist hierbei besonders motivierend.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die Bedeutung von effektivem Classroom Management für das Wohlbefinden und den Erfolg im Unterricht und führt in die Thematik der Klasseneingangsphase ein.
2. Die drei Entwicklungsstadien einer Klassengemeinschaft: Das Kapitel definiert nach Bill Rogers die Phasen der Klasseneingangs-, Konsolidierungs- und Kohäsionsphase als zentrale Abschnitte der Gruppenentwicklung.
3. Die Bedeutung der ersten Unterrichtsstunde: Hier wird der Fokus auf präventive Strategien sowie die Etablierung von Regeln und Ritualen gelegt, um von Beginn an ein gesundes Klassenklima zu fördern.
4. Der Klassenvertrag: Dieser Abschnitt erläutert das Konzept des Verhaltensvertrages zur gemeinsamen Definition von Rechten, Pflichten und organisatorischen Abläufen.
5. Die Bedeutung der Lehrperson: Das Kapitel thematisiert, wie Persönlichkeit, Authentizität und Führungskapazität einer Lehrperson entscheidend zur Bewältigung von Beziehungsdynamiken beitragen.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Classroom Management keine starre Anleitung ist, sondern Flexibilität und eine starke Persönlichkeit erfordert, um Lernende zielgerichtet zu unterstützen.
Schlüsselwörter
Classroom Management, Klasseneingangsphase, Verhaltensvertrag, Lehrperson, Klassengemeinschaft, Schulpraktikum, pädagogische Führung, Unterrichtsgestaltung, Selbstwirksamkeit, präventive Maßnahmen, Beziehungsdynamik, Lernprozess, Regelstruktur, Sozialkompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Gestaltung der Klasseneingangsphase und der zentralen Führungsrolle, die eine Lehrperson einnimmt, um eine funktionierende Klassengemeinschaft zu etablieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind Classroom Management, die Entwicklung von Klassengemeinschaften, die Implementierung von Regeln durch Verhaltensverträge sowie die Bedeutung der Lehrerpersönlichkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch eine durchdachte Vorbereitung der ersten Unterrichtsphasen und eine klare Führung ein produktives und wertschätzendes Lernumfeld für SuS geschaffen werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit kombiniert theoretische Ansätze aus der Fachliteratur mit der Reflexion von Erfahrungen aus dem Schulpraktikum sowie den Ergebnissen eines Experteninterviews mit einer Bezugslehrperson.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Stadien der Gruppenentwicklung, die Bedeutung der ersten Unterrichtsstunde, das Konzept des Verhaltensvertrages und die Rolle der Lehrperson als Führungspersönlichkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wesentliche Begriffe sind Classroom Management, Klasseneingangsphase, Verhaltensvertrag, Führungskapazität, Klassenführung und Beziehungsaufbau.
Welche Rolle spielt die Pandemie im Kontext der Arbeit?
Sie fungierte als erschwerender Faktor für den Schulstart 2020/21, der für die Bezugslehrperson eine zusätzliche Herausforderung bei der Etablierung von Regeln und der Organisation unter erschwerten Bedingungen darstellte.
Warum ist laut der Arbeit ein Verhaltensvertrag sinnvoll?
Ein Verhaltensvertrag ist sinnvoll, weil SuS durch die gemeinsame Erarbeitung motiviert werden und Klarheit über Rechte, Pflichten und Konsequenzen erhalten, was den flüssigen Unterrichtsverlauf fördert.
- Arbeit zitieren
- Luca Sebastiani (Autor:in), 2021, Fachartikel zum Thema "Klasseneingangsphase und Führungsrolle der Lehrperson", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1505249