Mit den arabischen Eroberungen im 7. und 8. Jahrhundert n.Chr. vollzog sich unter dem arabischen Kalifat eine tiefgreifende Umgestaltung des byzantinischen Staats- und Gesellschaftswesens. Neben außenpolitischen Problemen, wie den Abwehrkämpfen des byzantinischen Reiches gegen die Araber, Perser, Awaren und Slawen, stand Byzanz vor weiteren Herausforderungen. Während des Byzantinischen Ikonoklasmus musste das Reich zudem kirchenpolitisch einer Spaltung der christlichen Gesellschaft zwischen Ikonodulen und Ikonoklasten standhalten.
Der byzantinische Ikonoklasmus lässt sich nur in Anbetracht der gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen im 7. und 8. Jahrhundert verstehen. Daher werde ich zunächst kurz die arabischen Eroberungen in Byzanz im 7.Jahrhundert darstellen. Im Hauptteil dieser Hausarbeit werde ich dann den Byzantinischen Ikonoklasmus näher beleuchten. Hierbei kläre ich zunächst den Begriff „Byzantinischer Ikonoklasmus“, bevor ich, gestützt auf die Weltchronik Theophanes Confessors (759/60-818) , auf die ersten ikonoklastischen Maßnahmen des byzantinischen Kaisers, Leons III. (717-741) , und auf das bilderfeindliche Edikt des Umayyadenkalifen Yazids II. eingehe, welches Theophanes als Auslöser des Ikonoklasmus unter Leon sieht. In meinem Fazit werde ich die Ergebnisse meiner Hausarbeit resümieren und darstellen, inwiefern der islamische Ikonoklasmus Leon beeinflusst haben könnte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Arabisch-islamische Expansion in Byzanz im 7. Jahrhundert
3. Byzantinischer Ikonoklasmus
3.1. Begriffserklärung
3.2. Die ersten ikonoklastischen Maßnahmen Leons III.
3.3. Das ikonoklastische Edikt Yazids II. und dessen Einfluss auf Leon III.
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle des Umayyadenkalifen Yazid II. im Kontext des byzantinischen Bilderstreits unter Kaiser Leon III. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf der Frage, ob und inwieweit islamische ikonoklastische Strömungen oder Kontakte den ikonoklastischen Kurs des byzantinischen Kaisers beeinflusst haben könnten, während gleichzeitig die Verlässlichkeit der zentralen historiographischen Quellen wie der Chronik des Theophanes kritisch hinterfragt wird.
- Historische Analyse der arabisch-islamischen Expansion im 7. Jahrhundert und deren Auswirkungen auf Byzanz.
- Begriffsbestimmung und historische Einordnung des Byzantinischen Ikonoklasmus.
- Untersuchung der Rolle des Edikts von Yazid II. als vermeintlicher Auslöser für das Handeln Leons III.
- Kritische Würdigung der Quellenlage zum Bilderstreit, insbesondere der Weltchronik des Theophanes Confessor.
Auszug aus dem Buch
3.2. Das ikonoklastische Edikt Yazids II. und dessen Einfluss auf Leon III.
Im Jahr 723, so schreibt Theophanes, soll ein Jude, den er als Zauberer bezeichnet, zum Umayyadenkalifen Yazid II. (720-724) gekommen sein und ihm verkündigt haben, dass er 40 Jahre über die Araber herrschen würde, wenn er in seinem ganzen Herrschaftsbereich die hochheiligen Bilder, die in christlichen Kirchen verehrt werden, entfernen ließe. Daraufhin ordnete Yazid ein Edikt gegen alle heiligen Bilder an. Da Yazid im selben Jahr starb und diese „diabolische Irrlehre“, so schreibt Theophanes, nicht weiterführen konnte, übernahm Leon III. seine ikonoklastische Doktrin. Theophanes sieht in diesen Ereignissen den Auslöser für Leons Ikonoklasmus und greift dies im Laufe seiner Chronik auf, indem er spätere ikonoklastische Maßnahmen Leons auf dessen „sarazenenfreundliches Gemüt“ schiebt.
Diese Legende taucht bereits im 8. und Anfang des 9.Jahrhunderts in verschiedenen Versionen auf, wovon ich drei überlieferte Versionen hier darstellen werde. Bevor Theophanes sie Anfang des 9. Jahrhunderts in seiner Chronik niederschrieb, soll sie erstmals 787 von Johannes von Jerusalem im 7. ökumenischen Konzil vorgetragen worden sein. Die von Johannes von Jerusalem vorgetragene Version der Legende beinhaltete jedoch nicht Leon, sondern es war die Rede von dem Bischof von Nakoleia namens Konstantinos und seinen Anhängern, den Juden, die die „gottlosen Sarazenen“ bezüglich ihrer ikonoklastischen Lehre nachgeahmt hätten. Der Bischof von Nakoleia wird in Theophanes Chronik nur kurz erwähnt, indem er ihn neben Leon und seinem Komplizen, Beser als einen Initiator im Bilderstreit bezeichnet. In der Schrift Adversus Constantinum Caballinum, dessen Autor unbekannt ist, ist nur der zweite Teil der Legende, wie sie Theophanes in seiner Chronik verfasst, niedergeschrieben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die tiefgreifenden gesellschaftlichen Umgestaltungen durch das arabische Kalifat im 7. und 8. Jahrhundert sowie die kirchenpolitische Spaltung des byzantinischen Reiches und führt in die quellenkritische Problematik der Theophanes-Chronik ein.
2. Arabisch-islamische Expansion in Byzanz im 7. Jahrhundert: Dieses Kapitel beschreibt den Übergang von einem stammbasierten arabischen Volk zu einem expansiven Staatskörper und analysiert, wie zwei Drittel der byzantinischen Gebiete unter arabische Herrschaft fielen und welche Auswirkungen dies auf die byzantinischen Christen hatte.
3. Byzantinischer Ikonoklasmus: Das Kapitel definiert den Ikonoklasmus als religiöse Krise, untersucht die ersten Maßnahmen Leons III. unter Berücksichtigung von Quellenberichten zu Bilderstürmen und analysiert kritisch die Legende um das Edikt Yazids II. sowie dessen vermeintlichen Einfluss auf den byzantinischen Kaiser.
4. Fazit: Das Fazit resümiert, dass die Theophanes-Chronik Leon III. tendenziös darstellt und ein direkter Nachweis für einen maßgeblichen islamischen Einfluss auf Leons kirchenpolitische Entscheidungen aufgrund der schwierigen Quellenlage nicht abschließend erbracht werden kann.
Schlüsselwörter
Byzanz, Ikonoklasmus, Leon III., Yazid II., Theophanes Confessor, Bilderstreit, Arabisch-islamische Expansion, Ikonenverehrung, Quellenkritik, Kalifat, Christentum, Islam, Judentum, Religionspolitik, Kirchengeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Beziehung zwischen dem Umayyadenkalifen Yazid II. und dem byzantinischen Kaiser Leon III. im Kontext des ikonoklastischen Bilderstreits.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören die arabische Expansion, die Entstehung des Ikonoklasmus in Byzanz, die Kritik an zentralen historischen Quellen und die Analyse des Einflusses fremder Religionen auf die herrscherliche Politik.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, zu analysieren, ob die traditionelle Zuschreibung des byzantinischen Ikonoklasmus als Folge einer islamischen Beeinflussung unter Yazid II. historisch haltbar ist oder ob es sich um eine nachträgliche Konstruktion handelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quellenkritische Analyse der historiographischen Überlieferungen, insbesondere der Weltchronik des Theophanes Confessor, im Abgleich mit Parallelquellen durchgeführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Darstellung der arabischen Expansion, eine Begriffsklärung zum Ikonoklasmus, eine Untersuchung der Maßnahmen Leons III. sowie eine detaillierte Analyse der Legende um das Edikt Yazids II.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Die wichtigsten Begriffe sind Ikonoklasmus, Byzanz, Yazid II., Leon III., Theophanes-Chronik und Bilderstreit.
Welche Rolle spielt die Theophanes-Chronik für die Ergebnisse der Arbeit?
Sie fungiert als Primärquelle, wird jedoch als tendenziös und fehlerhaft eingestuft, insbesondere da der Autor Leon III. stark diffamiert und Ereignisse möglicherweise falsch verknüpft.
Wie bewertet die Arbeit den Einfluss des Islams auf Leon III.?
Der Einfluss wird als schwer beweisbar eingestuft; während Kontakte zwischen dem Kalifen und dem Kaiser feststehen, sind die direkten ikonoklastischen Beeinflussungen eher als spätere Legendenbildung und nachträgliche Interpolation zu sehen.
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- Anonym (Author), 2014, Die Rolle des Umayyadenkalifen Yazid II. im byzantinischen Bilderstreit unter Leon III., Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1504861