Die nachfolgende Reflexion thematisiert eine Fallreflexion von meiner Arbeitsstelle in einer Clearinggruppe. Die Handelnden in diesem Fall sind die Mitarbeiter dieser Gruppe, eine Therapeutin und der Klient. Hierfür wird zunächst der Fall vorgestellt. Darauf folgt eine zweigeteilte Analyse. Zuerst hinsichtlich des lebensweltorientierten Arbeiten nach Hans Thiersch, in Verbindung mit einer Bezugnahme zu einem Teil aus dem Ethikkodex des DBSH. Danach bezogen auf die eigene Rolle in dem Fall und der prägnanten Schlüsselkompetenzen. Anschließend folgen alternative Handlungsansätze. Das Ziel dieser Reflexion soll es sein, Aufschluss über die sozialarbeiterischen Kompetenzen der Autorin zu erlangen und inwiefern dieser ein angemessenes Handeln als Sozialarbeiterin gelungen ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Vorstellung des Fallbeispiels
3 Analyse
3.1 Wissenschaftliche Reflexion und Bezug zum Ethikkodex
3.2Einschätzung der eigenen Rolle und Schlüsselkompetenzen
4 Alternative Handlungsmöglichkeiten
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit reflektiert das professionelle Handeln einer Sozialarbeiterin in einer Clearinggruppe für unbegleitete männliche Geflüchtete, wobei die Angemessenheit der angewandten Methoden, insbesondere der lebensweltorientierten Arbeit nach Hans Thiersch, kritisch untersucht wird.
- Lebensweltorientierte Soziale Arbeit nach Hans Thiersch
- Anwendung des Ethikkodex des DBSH
- Reflexion der eigenen professionellen Rolle in Clearingprozessen
- Einsatz von Schlüsselkompetenzen wie Empathie und emotionaler Reife
- Überprüfung alternativer Handlungsoptionen für die soziale Integration
Auszug aus dem Buch
3.1 Wissenschaftliche Reflexion und Bezug zum Ethikkodex
Das Fallbeispiel soll bezüglich des lebensweltorientierten Arbeiten nach Hans Thiersch und einem Teil des Ethikkodex des DBSH analysiert werden.
Das lebensweltorientierte Arbeiten baut auf die Rekonstruktion des Alltags auf, diese stellt die Schnittstelle zwischen den objektiven gesellschaftlichen Strukturen und der subjektiven Bewältigungsarbeit des Individuums dar (vgl. Thiersch, 2017. S. 5). SozialarbeiterInnen müssen dabei im gewöhnlichen Alltag der Klientel ansetzen und nicht an den vorhandenen Problemen (vgl. Thiersch, 2020, S. 88). In Betrachtung sollen dabei die Lebensgestaltung (die alltäglichen Lebensgestaltung) und die Lebensverhältnisse (die gesellschaftliche Grundkonstellation in Verbindung mit der Lebenssituation des Individuums) gesetzt werden (vgl. Thiersch, 2020, S. 44). SozialarbeiterInnen müssen daher die Lebenswelt verstehen und wahrnehmen, sowie beobachten, wie das Individuum mit seiner Umwelt intragiert (vgl. Thiersch, 2017, S. 6).
Das Ziel ist die Bewältigung des Alltags, sowie eine Chance auf ein gelingenderes Leben, wodurch der Selbstwert gesteigert werden soll (vgl. Thiersch, 2020, S. 45). Die Klientel soll die Möglichkeit bekommen innerhalb der eigenen Handlungsrahmen neu Strukturen zu etablieren und vorhandene Verhältnisse umzugestalten (vgl. Thiersch, 2017, S. 5). Die Klientel wird dabei als Experten ihrer Lebenswelt verstanden, weshalb die jeweiligen Erfahrungen und Anstrengungen respektiert und miteinbezogen werden müssen (vgl. Thiersch, 2017, S. 9). Das lebensweltorientierte Arbeiten baut dabei auf sechs Prinzipien auf. Die Reflexion der Macht (SozialarbeiterInnen verfassen Angebote, können sie jedoch nicht aufzwingen) (vgl. Thiersch, 2017, S. 11f.), die Alltagsnähe (SozialarbeiterInnen müssen Präsenz und Erreichbarkeit zeigen, sowie nah an der Lebenswelt arbeiten) (vgl. Thiersch, 2017, S. 13f.), die Prävention (Stabilität und ein gesteigerter Selbstwert sollen erreicht werden, sowie der Zugang zu Hilfeangeboten) (vgl. Thiersch, 2017, S. 14f.), die Integration und Inklusion (allen Individuen stehen die gleichen Rechte zu, jedoch sollen die Unterschiede zueinander respektiert werden) (vgl. Thiersch, 2017, S. 15f.), die Partizipation (Sicherung oder Ermöglichung der Teilhabe an der Gesellschaft) (vgl. Thiersch, 2017, S. 16) und die strukturierte Offenheit (Regeln können flexibel an die Situation und die Bedürfnisse des Klienten angepasst werden) (vgl. Thiersch, 2017, S. 18).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung umreißt das Ziel der Reflexion und legt den methodischen Rahmen fest, der sich auf das lebensweltorientierte Arbeiten und den Ethikkodex stützt.
2 Vorstellung des Fallbeispiels: In diesem Kapitel wird die Lebensgeschichte des 15-jährigen L., sein Fluchthintergrund und seine aktuelle Situation in der Clearinggruppe detailliert dargelegt.
3 Analyse: Die Analyse verknüpft das therapeutische und pädagogische Handeln mit theoretischen Konzepten und reflektiert die Rolle sowie Kompetenzen der Sozialarbeiterin.
3.1 Wissenschaftliche Reflexion und Bezug zum Ethikkodex: Hier wird das Handeln anhand der sechs Prinzipien von Thiersch und der Haltung des „Nichts-Wissens“ im Ethikkodex bewertet.
3.2Einschätzung der eigenen Rolle und Schlüsselkompetenzen: Dieser Abschnitt thematisiert die professionelle Identität und spezifische Kompetenzen wie emotionale Reife und Kooperationsfähigkeit.
4 Alternative Handlungsmöglichkeiten: Es werden alternative Ansätze aufgezeigt, wie etwa eine stärkere Vernetzung im Sozialraum oder eine intensivere Kooperation mit Psychologen.
5 Fazit: Das Fazit zieht Bilanz über die getroffenen Entscheidungen und formuliert Empfehlungen für das zukünftige professionelle Handeln.
Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Lebensweltorientierung, Clearinggruppe, Fallreflexion, unbegleitete minderjährige Geflüchtete, Ethikkodex, Nichts-Wissen, Alltag, Tagesstruktur, Sozialraum, Integration, Partizipation, Schlüsselkompetenzen, Trauma, Beziehungsarbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit stellt einen Reflexionsbericht über das professionelle Handeln einer Sozialarbeiterin in einer Clearinggruppe dar, in der ein jugendlicher Geflüchteter betreut wird.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die Begleitung im Alltag, die Integration von traumatisierten Jugendlichen unter Zeitdruck und die professionelle Distanz-Nähe-Regulation.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Angemessenheit des eigenen sozialarbeiterischen Handelns kritisch zu hinterfragen, Fehlerquellen zu identifizieren und die eigene professionelle Haltung weiterzuentwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Als methodische Grundlage dient das Konzept der lebensweltorientierten Sozialen Arbeit nach Hans Thiersch sowie die professionelle Haltung des „Nichts-Wissens“ gemäß dem DBSH-Ethikkodex.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Im Hauptteil liegt der Schwerpunkt auf der Rekonstruktion des Falls, dem Abgleich mit theoretischen Prinzipien, der Selbstreflexion der eigenen Rolle und der Evaluierung alternativer Handlungsoptionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Neben der Lebensweltorientierung sind Begriffe wie Clearinggruppe, Partizipation, emotionale Reife und Netzwerkarbeit für diese Arbeit prägend.
Warum wurde die psychologische Komponente in die Arbeit einbezogen?
Da der Klient unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet, ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Sozialarbeit und Therapie für den Erfolg der Betreuung essenziell.
Welche Herausforderungen bei der Arbeit in der Clearinggruppe werden genannt?
Eine zentrale Herausforderung ist die inhaltliche Beschränkung auf maximal drei Monate, die eine langfristige Beziehungsarbeit oder eine stabile soziale Anbindung an Vereine erschwert.
Wie unterscheidet sich der vorgeschlagene gesellschaftliche Ansatz vom gewählten Ansatz?
Der gewählte Ansatz war stark individuell auf den Klienten zugeschnitten, während der diskutierte alternative Ansatz stärker auf institutionelle Netzwerkarbeit und die Integration in externe Vereine gesetzt hätte.
- Quote paper
- Ann-Christin Hoppe (Author), 2024, Reflexionsbericht in der Jugendhilfe nach Hans Thiersch und dem Ethikkodex, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1499100