Diese Arbeit geht der Frage nach, inwiefern Ethik in der Sozialen Arbeit eine Rolle spielt. Dabei stehen im ersten Teil die von von Spiegel entwickelten Wissensbestände der Sozialen Arbeit im Mittelpunkt. Zentral ist hier die Frage danach, inwiefern die Soziale Arbeit Theoriewissen benötigt und ob die Ausführungen von Spiegels nützlich für den Theorie-Praxis-Transfer sind. Dabei werden die Termini Profession und Disziplin unterscheidend definiert.
Im Anschluss soll insbesondere das Wertwissen berücksichtigt werden, weil es als Hinführung zu einer Ethik in der Disziplin der Sozialen Arbeit verstanden werden kann. Im zweiten Teil dieser Arbeit liegt der Fokus also auf der Frage, welche Notwendigkeit ethische Betrachtungsweisen für die Soziale Arbeit haben und welche Rolle Ethik heute in der Profession einnimmt. Dabei wird zunächst in die Ethik und deren beeinflussende unterschiedliche Werteströmungen vor dem Hintergrund historischer Entwicklungen eingeführt, um schließlich die Funktion der Ethik in der Sozialen Arbeit zu erläutern und dabei die Rolle der Berufsverbände zu berücksichtigen. Methodisch wird der Frage nach der Relevanz des Theoriewissens in der Sozialen Arbeit wie folgt nachgegangen. Auf die Metatheorie Hiltrud von Spiegels wird dabei zurückgegriffen, da sie als Basis weiterer Betrachtungen dient. Dabei erfährt das Erklärungswissen besondere Beachtung, weil dessen Gegenstand die Theoriebildung ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wissenschaftlich fundierte Praxis
2.1 Profession und Disziplin
2.2 Die vier Wissensbestände
2.3 Funktion von Theorien in der Sozialen Arbeit
3. Ethik
3.1 Geschichte der Ethik in der Sozialen Arbeit
3.2 Theologische Werte der Ethik
3.3 Philosophische Werte der Ethik
3.4 Ethik in der Sozialen Arbeit der Gegenwart
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutung von Ethik und wissenschaftlich fundierter Praxis in der Sozialen Arbeit. Zentrale Forschungsfrage ist es, wie Ethik und theoretisches Wissen in die professionelle Praxis integriert werden können, um ethisch begründetes und fachlich fundiertes Handeln in einer pluralistischen Gesellschaft zu gewährleisten.
- Wissenschaftlich fundierte Praxis als Basis professionellen Handelns
- Die Funktion und Notwendigkeit theoretischen Wissens (Wissensbestände)
- Historische Entwicklung und ethische Grundlagen der Sozialen Arbeit
- Die Rolle ethischer Kodizes und Leitlinien für die Profession
- Bedeutung der Partizipation und des Empowerments in der modernen Praxis
Auszug aus dem Buch
3.2 Theologische Werte der Ethik
In diesem Zusammenhang sind insbesondere das Christentum und Judentum zu nennen, welche die Soziale Arbeit in westlichen Ländern stark beeinflussten. Im Mittelpunkt der christlichen Ethik steht dabei die Nächstenliebe und die Liebe zu Gott. Daraus ergeben sich Handlungen aus Barmherzigkeit, die das Gebot zur Befriedigung der Grundbedürfnisse benachteiligter Menschen zur Folge haben. Thomas von Aquin (1225-1274), einer der einflussreichsten christlichen Theologen der Neuzeit, weist jedoch darauf hin, dass die geleistete Hilfe vorübergehender und individueller Natur war. Ein Wandel in der Gesellschaft oder auch eine dauerhafte Veränderung spielten dabei keine Rolle. Die Wohltätigkeit entsprang dem Wesen der Liebe eines sozial höher Gestellten zur Fürsorge des untergeordneten, armen Menschen. Die jüdische Auffassung unterscheidet sich davon, denn jeder Hilfsbedürftige hat demnach eine Würde inne, wodurch ihm Unterstützung durch seine Gesellschaft zusteht. Daher waren sozialarbeiterische Tätigkeiten schon früh wichtiger Bestandteil der jüdischen Gesellschaft. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts veränderte sich die christliche Ethik und Nächstenliebe und Gerechtigkeit wurden zentrale Bestandteile. Mildtätigkeit wurde nun als Verteidigung der Rechte der Schwächsten verstanden und beinhaltete dadurch politisches- sowie gesellschaftlichen Engagement. Daraus resultierte das oben genannte Umdenken im Moralverständnis und beeinflusste das ethische Verständnis der Sozialer Arbeit maßgeblich (vgl. Engelke 2003: S. 317).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Verknüpfung von wissenschaftlich fundierter Praxis und Ethik in der Sozialen Arbeit ein und legt den Aufbau sowie die Zielsetzung der Hausarbeit dar.
2. Wissenschaftlich fundierte Praxis: Das Kapitel definiert zentrale Konzepte wie Profession und Disziplin sowie die vier Wissensbestände nach Hiltrud von Spiegel und erörtert deren Bedeutung für die Professionalisierung.
2.1 Profession und Disziplin: Es werden die Unterschiede und wechselseitigen Bezüge zwischen der Profession als Handlungssystem und der Disziplin als wissenschaftliches Wissensfeld erläutert.
2.2 Die vier Wissensbestände: Die vier Säulen – Beschreibungswissen, Erklärungswissen, Wertwissen und Veränderungswissen – werden als Grundlage methodischen Handelns vorgestellt und spezifiziert.
2.3 Funktion von Theorien in der Sozialen Arbeit: Hier wird analysiert, inwiefern Theoriewissen die Praxis unterstützt, Legitimationsfunktion übernimmt und den Theorie-Praxis-Transfer ermöglicht.
3. Ethik: Dieses Kapitel verortet Ethik als philosophische Disziplin und erläutert deren Relevanz für verantwortungsvolles Handeln in der Sozialen Arbeit.
3.1 Geschichte der Ethik in der Sozialen Arbeit: Es wird die historische Entwicklung ethischer Reflexionen in der Sozialen Arbeit, ausgehend von der Professionalisierung und den Erfahrungen mit menschenverachtenden Praktiken, nachgezeichnet.
3.2 Theologische Werte der Ethik: Die Arbeit beleuchtet den Einfluss christlicher und jüdischer Traditionen auf das Verständnis von Fürsorge, Nächstenliebe und Gerechtigkeit in der Sozialen Arbeit.
3.3 Philosophische Werte der Ethik: Es wird der Bezug zu philosophischen Ethiktraditionen, insbesondere zur Gerechtigkeitstheorie von John Rawls, und deren Einfluss auf moderne Sozialstaatlichkeit hergestellt.
3.4 Ethik in der Sozialen Arbeit der Gegenwart: Das Kapitel diskutiert die Notwendigkeit berufsethischer Kodizes und Leitlinien, um den Herausforderungen einer komplexen Praxis und der Wahrung von Klientenrechten zu begegnen.
4. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über das Spannungsfeld zwischen wissenschaftlichem Wissen und ethischen Anforderungen in der Praxis der Sozialen Arbeit.
Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Wissenschaftlich fundierte Praxis, Ethik, Profession, Disziplin, Wissensbestände, Theorie-Praxis-Transfer, Berufsethik, Wertwissen, Menschenrechte, Leitlinien, Reflexion, Adressatenpartizipation, Empowerment, Soziale Gerechtigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der essenziellen Verknüpfung von ethischer Reflexion und wissenschaftlich fundiertem Handeln in der Sozialen Arbeit, um professionelles Handeln in einem komplexen Berufsfeld zu legitimieren und zu verbessern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themenfelder umfassen die wissenschaftliche Fundierung durch die vier Wissensbestände (nach Hiltrud von Spiegel), die historische Entwicklung der Berufsethik sowie die Rolle von Werten und Normen in der heutigen Praxis.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Professionelle durch die Integration von theoretischem Wissen und ethischen Grundsätzen Handlungsentscheidungen in einem spannungsgeladenen Arbeitsfeld fundiert treffen und kritisch reflektieren können.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Theorieanalyse. Dabei wird methodisch auf die Metatheorie von Hiltrud von Spiegel zurückgegriffen, um die Struktur wissenschaftlich fundierten Handelns und dessen Relevanz zu erläutern.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Wissensbestände, Verhältnis von Profession und Disziplin) sowie in eine detaillierte Auseinandersetzung mit ethischen Grundlagen, deren historischer Entwicklung und der Bedeutung von Ethikkodizes in der professionellen Gegenwart.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Wissensbestände, Theorie-Praxis-Transfer, reflexive Professionalität, Berufsethik, Menschenrechtsprofession und Partizipation.
Inwiefern beeinflussten theologische Traditionen die Soziale Arbeit?
Besonders christliche und jüdische Traditionen prägten das Verständnis von Nächstenliebe, Barmherzigkeit und der Würde des Menschen, was sich im historischen Verlauf in Richtung von Verteidigung der Rechte der Schwächsten entwickelte.
Warum hält die Autorin einen Ethikkodex für notwendig?
Da in der Praxis ständig Abwägungen zwischen richtig und falsch getroffen werden müssen, dient ein Ethikkodex als allgemeiner Handlungsrahmen, der Fachkräfte bei der Reflexion ihrer moralischen Entscheidungen unterstützt und ihre Rolle als Professionelle stärkt.
- Arbeit zitieren
- Gloria Nakouzi (Autor:in), 2021, Die Funktion von Ethik und wissenschaftlich fundierter Praxis in der Sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1491757