In der vorliegenden Studienarbeit habe ich die theoretischen Methoden der Systemischen Beratung, wie Zirkuläre Fragen, Hypothesenbildung, Konstruktivismus, und die klientenzentrierte Beratung auf Praxissituationen aus meinem Praktikum in einer Offenen Ganztagsschule (Grundschule) bezogen und diese erläutert. Hierbei zeigte sich, dass die Beratungsmethoden auch positiv und effektiv im Grundschulbereich Anwendung finden können.
Die Studienarbeit war die Modulabschlussprüfung Aufbaumodul 4 im Studiengang Erziehungswissenschaften (Bachelor) an der Universität zu Köln, Note: 1,0,, 2024
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Situation und subjektive Deutung
2.1 Situationsbeschreibung
2.2 Subjektive Deutung
3. Erkenntnistheorien und Anwendung auf das Fallbeispiel
3.1 Klient*innenzentrierte Beratung nach Karl Rogers
3.1.1 Theorie der Klient*innenzentrierte Beratung nach Karl Rogers
3.1.2 Klientenzentrierte Beratung im Fallbeispiel
3.2 Konstruktivismus
3.2.1 Theorie des Konstruktivismus
3.2.2 Konstruktivismus im Fallbeispiel
3.3 Hypothesenbildung in der systemischen Arbeit
3.3.1 Theoretischer Hintergrund der Hypothesenbildung
3.3.2 Hypothesenbildung im Fallbeispiel
3.4 Zirkuläre Fragen
3.4.1 Theoretischer Hintergrund Zirkularität
3.4.2 Zirkuläre Fragen im Fallbeispiel
4. Positionen nach den neu gewonnenen Perspektiven
5. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit reflektiert Möglichkeiten der systemischen Beratung bei der Betreuung von Grundschulkindern, basierend auf praktischen Erfahrungen mit einem Kind, das durch Nähe suchendes und sexualisiertes Verhalten auffiel, um daraus professionelle Handlungsoptionen abzuleiten.
- Reflexion systemischer Beratung im außerschulischen Bereich
- Klient*innenzentrierte Beratung nach Karl Rogers
- Anwendung konstruktivistischer Ansätze auf Fallbeispiele
- Einsatz von Hypothesenbildung und zirkulären Fragen
- Professionalisierung des Umgangs mit Nähe-Distanz-Problematiken
Auszug aus dem Buch
3.2.2 Konstruktivismus im Fallbeispiel
Beim Versuch die häufigen Umarmungen von Kevin konstruktivistisch einzuordnen, könnte der Junge gefragt werden: „Was bedeutet es für dich, sie immer wieder zu umarmen?“ Seine Antworten (vielleicht: „Ich mache es, weil ich sie nett finde und, weil ich es gerne mag, wenn mich jemand umarmt“) können Hinweise darauf geben, warum das häufige Umarmen für den Jungen wichtig ist und für ihn gerade Sinn macht.
Vielleicht werden seine diesbezüglichen Bedürfnisse in seiner Familie nicht hinreichend erfüllt und er hat die Erwartung aufgebaut, dass er stattdessen die Praktikantin im Offenen Ganztag umarmen kann.
Wenn diese Erwartung nicht mehr regelmäßig erfüllt wird, durch die Rückmeldung, dass die häufigen Umarmungen in der Beziehung Schüler – Praktikantin dauerhaft nicht im gewünschten Umfang erfüllt werden können, kann zunächst eine Verstörung bei dem Jungen entstehen. Aber, wenn er nun feststellt, dass seine eigene Konstruktion der Wirklichkeit nicht mehr viabel erscheint, kann er allmählich eine neue aufbauen, z.B. indem er mit seinen Eltern über sein Bedürfnis nach (körperlicher) Nähe spricht und diese es optimalerweise auch in angemessener Form erfüllen können. Oder der Junge versucht enge Kontakte zu Freunden aufzubauen, die er umarmen kann, ggf. auch ein Geschwisterkind oder Haustier.
Andererseits könnten die Umarmungen von Kevin und das Ausziehen mit den Mädchen auch darauf hinweisen, dass der Junge im familiären Rahmen erlebt, dass Grenzen von anderen überschritten werden, z.B., dass er von Familienmitgliedern, wie z.B. Großeltern umarmt wird, obwohl er es nicht möchte. So könnte konstruktivistisch gesehen bei ihm der Sinn in seinem Verhalten darin bestehen, dass er Distanzlosigkeiten regelmäßig erlebt und dies für normal hält, sich selbst im Verhältnis zu anderen ebenfalls distanzlos zu verhalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Themas und der persönlichen Motivation durch ein Praktikum in einer OGS sowie Formulierung der Zielsetzung.
2 Situation und subjektive Deutung: Deskription der erlebten Situationen mit dem Kind Kevin und Reflexion der eigenen subjektiven Deutungen.
3. Erkenntnistheorien und Anwendung auf das Fallbeispiel: Theoretische Einführung und praktische Anwendung von Beratungsmodellen (Rogers, Konstruktivismus, Hypothesenbildung, Zirkuläre Fragen).
4. Positionen nach den neu gewonnenen Perspektiven: Synthese der angewandten Methoden und Reflexion über neue Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit dem Kind und den Eltern.
5. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung der systemischen Methoden im OGS-Kontext und kritische Reflexion der Grenzen.
Schlüsselwörter
Systemische Beratung, OGS, Grundschule, Nähe-Distanz-Verhältnis, Klientenzentrierte Beratung, Karl Rogers, Konstruktivismus, Hypothesenbildung, Zirkuläre Fragen, Sexualpädagogik, Vorpubertät, Pädagogische Reflexion, Fallarbeit, Kindeswohl, Interaktionsmuster.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit reflektiert einen Praxisvorfall aus einer Offenen Ganztagsschule, in dem ein 9-jähriger Junge durch häufiges, überschwängliches Umarmungsbedürfnis und sexualisiertes Verhalten auffiel.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit verbindet systemische Beratungstheorien wie den Konstruktivismus, die Klientenzentrierung nach Rogers sowie spezifische Techniken der systemischen Arbeit mit der pädagogischen Reflexion im Grundschulkontext.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das Verhalten des Jungen aus einer systemischen Perspektive zu verstehen, um eine professionelle und wertschätzende Reaktion zu entwickeln, die über reine Verbote hinausgeht.
Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?
Es wird eine fallorientierte Reflexionsmethode angewendet, die verschiedene systemische Ansätze auf eine konkrete Praxissituation überträgt und diese mithilfe theoretischer Modelle analysiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Theorien sowie deren Anwendung auf das Fallbeispiel, wobei insbesondere die Elternarbeit und die Rolle der Fachkraft im Fokus stehen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Systemische Beratung, Nähe-Distanz-Verhältnis, Klientenzentrierung, Konstruktivismus und Reflexivität sind prägende Begriffe.
Wie sollte laut der Arbeit mit sexualisiertem Verhalten in der Schule umgegangen werden?
Die Autorin plädiert für eine Beobachtung, behutsame Thematisierung in wertschätzender Haltung und bei Bedarf die Einbindung von Fachberatungsstellen, um Vorurteile zu vermeiden.
Warum wird die klientenzentrierte Haltung als besonders wichtig hervorgehoben?
Sie ermöglicht einen kooperativen Zugang zum Kind und zu den Eltern, vermindert die Verteidigungshaltung und schafft die Basis für ein vertrauensvolles Beratungsgespräch.
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- Sophie Schäfer (Author), 2024, Systemisches Arbeiten im außerschulischen Bereich. Reflexion von Situationen aus dem Praktikum in der Betreuung von Grundschulkindern in einer Offenen Ganztagsschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1481898