Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit zwei unterschiedlichen Texten zur Lyriktheorie, die in mehreren Punkten verglichen werden sollen. Dabei handelt es sich einerseits um den ersten Punkt „Ihr Wesen“ des Kapitels b „die lyrische Dichtung“ aus Friedrich Theodor Vischers „Ästhetik oder: Wissenschaft des Schönen“1 und andererseits um das Kapitel „Lyrischer Stil Erinnerung“ aus Emil Staigers „Grundbegriffe der Poetik“2.
Der Vergleich wird zeigen, ob Staiger auf Vischer aufbaut und ihn erweitert, einer gegenteiligen Meinung ist oder etwas ganz Neues aufwirft.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Allgemeine Darstellung der Primärliteratur
2.1. Friedrich Theodor Vischer: „Ästhetik oder: Wissenschaft des Schönen“ Kapitel b „die lyrische Dichtung“, „1. Ihr Wesen“, Paragraph 884- 888
2.2. Emil Staiger: „Grundbegriffe der Poetik“, Kapitel 1 „Lyrischer Stil: Erinnerung“, Abschnitt 1-8
3. Vergleich
3.1. Vorraussetzungen für Lyrik
3.2. Komposition des Gedichts
3.3. Was ist lyrisch?
3.4. Empfindungen
3.5. Unterschied zur Musik
3.6. Erläuterung der verwendeten Beispiele
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Hausarbeit verfolgt das Ziel, die lyriktheoretischen Positionen von Friedrich Theodor Vischer und Emil Staiger kritisch gegenüberzustellen und zu untersuchen, inwieweit Staiger auf Vischers Thesen aufbaut, diese erweitert oder ihnen widerspricht.
- Vergleich der zentralen Begriffsbestimmungen von „Lyrik“ bei Vischer und Staiger.
- Analyse der Bedeutung von Subjekt, Objekt und Erinnerung im lyrischen Prozess.
- Untersuchung der formalen Aspekte wie Metrik, Rhythmus und der Rolle der Sprache.
- Gegenüberstellung der Ansichten zu den Voraussetzungen und Grenzen lyrischen Schaffens.
Auszug aus dem Buch
3.1. Vorraussetzungen für Lyrik
Staiger und Vischer nennen verschiedene Vorraussetzungen, die ein lyrisches Gedicht erfüllen muss. Doch was bei beiden eine zentrale Rolle spielt ist die Eingebung, die Vischer mit der Metapher „punktuelles Zünden der Welt im Subjekte“ umschreibt. Staiger erläutert die Eingebung näher, indem er sagt: "Der Dichter leistet nichts. Er überläßt sich - das will buchstäblich verstanden sein - der Ein-gebung. Stimmung und in eins damit Sprache wird ihm eingegeben." Vischer beschreibt Eingebung als Wiedergeben des Zusammenhangs der Situation des Zündens. Dabei gibt die Phantasie den Impuls. In späteren Kapiteln dieser Arbeit werde ich noch zeigen, dass Staiger sich direkt auf Vischers „Zünden der Welt“ bezieht. Man kann also sagen, dass Staiger und Vischer die selben oder zumindest sehr ähnliche Vorraussetzungen für die Entstehung von Lyrik sehen oder sogar, dass Staiger Vischers Annahme übernimmt.
Doch Staiger führt den Gedanken weiter und sieht für das lyrische Schaffen im Hintergrund erst noch die Idee. Die reine Idee für ein Gedicht kann nicht entsprechend in Sprache umgesetzt werden, sondern bedarf bei der Umsetzung epischer und dramatischer Elemente. Das ist bei Vischer nicht der Fall. Er entwickelt nicht eine zuvor entstandene Idee; die Eingebung kommt spontan. Darauf werde ich noch näher im Kapitel „Was ist lyrisch?“ eingehen, da dort der genaue Ablauf des Gedichtsschreibens nach Vischer geschildert werden soll. Vischer sieht aber auch noch weitere Vorraussetzungen als wichtig an. Den aus der Antike stammenden und sehr bekannten Musenkuss, mit dem sein „Zünden" direkt zu vergleichen ist, schreibt er hauptsächlich dem jungen Dichter zu. Im Alter fällt das „Zünden" schwerer. Das hat einen direkten Zusammenhang damit, dass Vischer weiter eine Art Reife voraussetzt, die man erlangt, wenn man einer Bindung und „Dunkelheit der Zustände" entwachsen ist, was er mit historischen Beispielen verallgemeinert zeigt. Weiter braucht der Lyriker demnach die naive epische Freude, das Ideal des jugendlichen Geistes, aber verbunden mit Hartnäckigkeit, die ihn zur Lyrik überhaupt erst befähigt. Während Staiger sich also eher mit der frühen Zustandsform des Werkes selbst im Kopf des Dichters beschäftigt, beleuchtet Vischer die Zustandsform des Lyrikers.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Arbeit stellt zwei grundlegende lyriktheoretische Positionen vor, um die theoretische Kontinuität oder Divergenz zwischen Vischer und Staiger zu prüfen.
2. Allgemeine Darstellung der Primärliteratur: Die Kapitel stellen die theoretischen Ausgangspunkte von Vischers Ästhetik und Staigers Grundbegriffen der Poetik in ihrer jeweiligen Zeitkontextualisierung vor.
3. Vergleich: Dieser Hauptteil systematisiert die theoretischen Unterschiede und Gemeinsamkeiten hinsichtlich der Entstehung, Form und Charakteristika des Lyrischen.
4. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass Staiger zwar zentrale Thesen Vischers übernimmt, diese jedoch unter neuen Aspekten modifiziert und in eigenständige Richtungen weiterentwickelt.
Schlüsselwörter
Lyriktheorie, Friedrich Theodor Vischer, Emil Staiger, Poetik, Ästhetik, Eingebung, Lyrisches Ineinander, Subjekt-Objekt-Verhältnis, Sprachphilosophie, Rhythmus, Erinnerung, Lyrischer Stil, Metapher, Literaturwissenschaft, Gedichtanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht vergleichend zwei zentrale lyriktheoretische Texte, um die unterschiedlichen Auffassungen vom Wesen der Lyrik bei Vischer und Staiger herauszuarbeiten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Analyse konzentriert sich auf die Entstehung von Lyrik, die Rolle von Subjekt und Objekt, formale Kompositionsmerkmale sowie den Stellenwert von Empfindungen und Erinnerung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die wissenschaftliche Einordnung der Thesen beider Autoren und die Klärung der Frage, ob Staiger auf Vischers ästhetischen Grundlagen aufbaut.
Welche methodische Vorgehensweise wird gewählt?
Die Arbeit verwendet eine vergleichende literaturwissenschaftliche Methode, bei der zentrale Begriffe und Thesen beider Autoren direkt gegenübergestellt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden spezifische Themen wie Vorraussetzungen für Lyrik, Gedichtkomposition, das Wesen des Lyrischen, Empfindungen und der Vergleich zur Musik anhand der Primärquellen erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Lyriktheorie, Poetik, Ästhetik, Eingebung, lyrisches Ineinander und das Verhältnis von Subjekt und Objekt.
Wie unterscheidet sich laut Vischer das lyrische Subjekt von dem bei Staiger?
Vischer setzt eine Trennung von Subjekt und Objekt voraus, bei der das Subjekt die Welt in sich aufnimmt, während Staiger diese Trennung ablehnt und stattdessen ein „lyrisches Ineinander“ postuliert.
Warum hält Staiger eine klassische Gedichtanalyse für problematisch?
Staiger vertritt die Ansicht, dass eine Analyse das ästhetische Vergnügen und die Unmittelbarkeit des Gefühls zerstört, da das Gedicht auf einem „lyrischen Ineinander“ basiert, das sich der logischen Zergliederung entzieht.
- Arbeit zitieren
- Magistra Artium Frauke Itzerott (Autor:in), 2005, Vergleich der lyriktheoretischen Aufsätze "Ästhetik oder: Wissenschaft des Schönen" von Friedrich Theodor Vischer und "Grundbegriffe der Poetik" von Emil Staiger, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/147780