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Doppelt bestraft? Das Verhältnis zwischen Disziplinarmaßnahmen und strafrechtlichen Verurteilungen

Titel: Doppelt bestraft? Das Verhältnis zwischen Disziplinarmaßnahmen und strafrechtlichen Verurteilungen

Hausarbeit , 2023 , 15 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Stefan Groß (Autor:in)

Jura - Öffentliches Recht / Verwaltungsrecht

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Beamte, die aufgrund einer begangenen Straftat verurteilt wurden, sehen in dem anschließenden beamtenrechtlichen Disziplinarverfahren häufig eine weitere Verfolgung und damit eine unzulässige Doppelbestrafung.
Die vorliegende Ausarbeitung beschreibt das Verhältnis einer Strafe aus einem Strafverfahren zu der Sanktionierung aus einem Disziplinarverfahren und der daraus resultierenden hypothetischen Annahme einer Doppelbestrafung. Als Basis dient der Grundsatz ne bis in idem, der als wesentlicher Grundpfeiler im rechtsstaatlichen Gebilde auch in dieser Arbeit einen entsprechend gewichtigen Anteil hat. Zunächst wird das Verbot der Doppelbestrafung kurz erläutert und auf die Verortung im Grundgesetz, sowie dessen Systematik eingegangen. Nach einer begrifflichen Konkretisierung, möglichen Ausnahmen von dem Grundsatz und einer eingehenden Betrachtung seiner Voraussetzungen, wird die Entstehungsgeschichte beleuchtet. Das darauffolgende Kapitel beschäftigt sich mit der Kollision des Straf- und Disziplinarrechts, also deren Zusammenhänge und Abhängigkeiten, sowie Gegenläufigkeiten mit alleinigem Bezug zum Bundesbeamtentum. Thematisiert wird die Zweckbestimmung der beiden Rechtsgebiete, grundsätzliche Verfahrensweisen, wie der Verfolgungsgrundsatz und dessen Aussetzung, Ermittlungsbeschränkungen und etwaige Disziplinarhemmung durch Freispruch. In einer Schlussbetrachtung wird das Verhältnis der Rechtsgebiete zueinander resümiert und auf die Hypothese der Doppelbestrafung eingegangen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

A. Grundsatz ne bis in idem

I. Überblick des Art. 103 Abs. 3 GG

II. Grundsatz und Systematik

III. Ausnahmen

IV. Mehrfachverfolgungsverbot als begriffliche Konkretisierung

V. Elemente und Anwendungsvoraussetzung

VI. Entstehung und historischer Verlauf des Mehrfachbestrafungsverbots

B. Kollision von Straf- und Disziplinarverfahren

I. Zweckbestimmung des Disziplinar- und Strafrecht

II. Verfolgungsgrundsatz und dessen Aussetzung

III. Gesetzliche Ermittlungsbeschränkungen im Disziplinarverfahren

IV. Die Auswirkungen des Maßnahmenverbots des § 14 Abs. 1 BDG

V. Keine Disziplinarhemmung durch Freispruch

VI. Pflichtermahnungsbedürfnis gegenüber dem Beamtem

C. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen strafgerichtlichen Verurteilungen und darauffolgenden beamtenrechtlichen Disziplinarverfahren, insbesondere unter dem Aspekt der hypothetischen Annahme einer unzulässigen Doppelbestrafung. Die Forschungsfrage widmet sich der Klärung, ob der verfassungsrechtliche Grundsatz "ne bis in idem" ein Verfahrenshindernis für Disziplinarmaßnahmen darstellt.

  • Verfassungsrechtliche Grundlagen des Verbots der Doppelbestrafung (Art. 103 Abs. 3 GG)
  • Differenzierung der Zweckbestimmungen von Straf- und Disziplinarrecht
  • Prozessuale Auswirkungen des Maßnahmenverbots gemäß § 14 BDG
  • Ermittlungsbeschränkungen und Bindungswirkung strafgerichtlicher Urteile

Auszug aus dem Buch

VI. Entstehung und historischer Verlauf des Mehrfachbestrafungsverbots

Das Verbot der Mehrfachbestrafung ist bis in das römische Recht und die Rechtsbücher des deutschen Mittelalters in der Zeit vom 8. bis 15. Jahrhundert zurückzuführen. Bereits hier war die dem ne bis in idem-Grundsatz nahe Formel res semel iudicata amplius iudicari non potest zu finden. Diese drückt aus, dass eine einmal beurteilte Angelegenheit nicht erneut beurteilt werden kann. Ab dem 13. Jahrhundert erfand das Mehrfachbestrafungsverbot eine Unterbrechung. Mit dem hier herausgebildeten Inquisitionsverfahren, was einzig darauf gerichtet war, die Wahrheit zu ermitteln, war dieser Grundsatz nicht vereinbar. Zur Verwirklichung dieses Ziel musste es dem Staat möglich sein, beim Auffinden neuer Beweise oder gar weiterer Anschuldigungen ein Verfahren erneut zu führen und den Beschuldigten sogar erneut zu bestrafen.

Zwischen dem 17. und frühen 19. Jahrhundert strahlte das Inquisitionsverfahren nicht nur in die Praxis der Deutschen Gerichte, sondern auch in die Gesetzestexte der Länder, wie die preußische Kriminalordnung oder die Strafprozessordnung für Württemberg aus. Erst im späten 19. Jahrhundert entwickelte sich das, auf die Aufklärung zurückzuführende, Verständnis darüber, dass Rechtssicherheit ein Kernelement der Freiheit einer Person darstellt und ein Strafverfahren nicht nur der Wahrheitsfindung, sondern auch zur endgültigen Entscheidung in einer Sache diene. Dies schlug sich im Folgenden im sogenannten Anklageprozess nieder, den die Länder im weiteren Verlauf einführten und der durch die Frankfurter Nationalversammlung mit § 179 Abs. 1 in die Verfassung des deutschen Reiches einzog.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Überblickt die Problemstellung des Spannungsverhältnisses zwischen Straf- und Disziplinarverfahren für Beamte und führt in die Thematik der Doppelbestrafung ein.

A. Grundsatz ne bis in idem: Erläutert die verfassungsrechtliche Verankerung, Systematik und historische Entwicklung des Verbots der Mehrfachverfolgung.

B. Kollision von Straf- und Disziplinarverfahren: Analysiert die fachspezifischen Rechtsgrundlagen, die Zweckbestimmungen beider Rechtsbereiche sowie prozessuale Mechanismen bei zeitlichem Zusammentreffen.

C. Schlussbetrachtung: Resümiert, dass "ne bis in idem" grundsätzlich nicht zwischen den beiden Rechtsgebieten anwendbar ist, und diskutiert die verbleibenden Schnittstellen der Rechtsgebiete.

Schlüsselwörter

ne bis in idem, Doppelbestrafung, Art. 103 Abs. 3 GG, Disziplinarrecht, Strafrecht, Bundesdisziplinargesetz, BDG, Maßnahmenverbot, Strafanspruch, Rechtsfrieden, Beamtenverhältnis, Pflichtverletzung, Ermittlungsbeschränkung, Mehrfachverfolgungsverbot, Rechtsstaatlichkeit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Frage, ob ein Disziplinarverfahren gegen einen Beamten nach einer strafgerichtlichen Verurteilung eine unzulässige Doppelbestrafung darstellt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Ausarbeitung?

Im Fokus stehen das verfassungsrechtliche Verbot der Mehrfachverfolgung (ne bis in idem), die unterschiedlichen Zwecke von Straf- und Disziplinarrecht sowie die gesetzlichen Regelungen zur Koordination beider Verfahren.

Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?

Das Ziel ist die juristische Einordnung des Verhältnisses zwischen den beiden Sanktionssystemen, um zu klären, ob ein Verfahrenshindernis für Disziplinarmaßnahmen aufgrund eines vorausgegangenen Strafurteils besteht.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine juristische Facharbeit, die auf Basis einer Literatur- und Rechtsprechungsanalyse die dogmatischen Grundlagen und gesetzlichen Bestimmungen des Disziplinarrechts interpretiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Grundsatzes "ne bis in idem" und eine darauf aufbauende Untersuchung der Kollision zwischen Straf- und Disziplinarverfahren inklusive spezifischer Vorschriften des Bundesdisziplinargesetzes.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?

Wichtige Begriffe sind ne bis in idem, BDG, Maßnahmenverbot, Strafanspruch, Beamtenverhältnis und Rechtsfrieden.

Gilt das Verbot der Doppelbestrafung auch für Disziplinarklagen?

Nein, der Autor stellt dar, dass der Grundsatz "ne bis in idem" zwar innerhalb des Disziplinarrechts gilt, jedoch nicht als unmittelbares Hindernis gegenüber einer strafgerichtlichen Verurteilung fungiert, da beide Rechtsgebiete unterschiedliche Zwecke verfolgen.

Welche Bedeutung hat das "Maßnahmenverbot" für Beamte?

Das Maßnahmenverbot (§ 14 BDG) dient dem rechtsstaatlichen Gebot der Verhältnismäßigkeit und ermöglicht den Verzicht auf Disziplinarmaßnahmen bei leichten bis mittelschweren Pflichtverletzungen, wenn bereits eine strafrechtliche Sanktion erfolgte.

Was unterscheidet einen "echten" Freispruch von anderen Verfahrensabschlüssen bezüglich der Disziplinarwirkung?

Ein Freispruch im materiellen Sinne kann ein Hindernis darstellen, während Freisprüche, die lediglich die Verwirklichung beamtenrechtlicher Pflichtverletzungen unberührt lassen („disziplinarischer Überhang“), weiterhin disziplinarisch verfolgt werden können.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Doppelt bestraft? Das Verhältnis zwischen Disziplinarmaßnahmen und strafrechtlichen Verurteilungen
Hochschule
Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung Brühl - Fachbereich Allgemeine Innere Verwaltung
Note
1,3
Autor
Stefan Groß (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2023
Seiten
15
Katalognummer
V1475487
ISBN (eBook)
9783389026786
ISBN (Buch)
9783389026793
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Disziplinarrecht Strafrecht Strafmaßnahme Disziplinarmaßnahme ne bis in idem Art. 103 Abs. 3 GG Beamte Verurteilung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Stefan Groß (Autor:in), 2023, Doppelt bestraft? Das Verhältnis zwischen Disziplinarmaßnahmen und strafrechtlichen Verurteilungen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1475487
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Leseprobe aus  15  Seiten
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