Die verschiedenen Bilder von Erziehung, die Tacitus zum einen von den Germanen und zum anderen von den Römern skizziert, sollen in dieser Arbeit anhand Tac. Germ. 20,1.1 und Tac. Dial. 29,1.1 verglichen werden. Dabei werden zunächst die verschiedenen Erziehungsmethoden erörtert und mit Hilfe der Textkritik auf sprachlicher und stilistischer Basis kontrastiert. Hierzu werden die Motive Tacitus‘ im Hinblick auf seinen persönlichen Hintergrund erarbeitet und in Relation zum historischen Kontext gesetzt. Der wissenschaftliche Kern, des von Tacitus selbst möglicherweise subjektiv gezeichneten Bildes, soll so zu einem objektiven herausgearbeitet werden. Dabei soll als Arbeitshypothese gelten, dass es sich bei dem Dialogus de oratoribus um eine taceteische Schrift handelt, dessen Annahme sich bewährt hat, obwohl die Verfasserfrage bis heute nicht strikt bewiesen ist. Die folgende Analyse befasst sich mit Tac. Germ. 20.1.1, durch dessen Interpretation im Vergleich mit Tac. Dial. 29,1.1 Gemeinsamkeiten und jeweilige Unterschiede aufgezeigt, speziell aber die verschiedenen eigentümlichen Charakteristika untersucht werden sollen.
Sowohl in seiner ethnographischen Schrift „De ritu, situ, moribus et condicione Germaniae descriptio“ (Germania) als auch in seinem „Dialogus de oratoribus“ befasst sich Publius Cornelius Tacitus in kurzen Episoden mit dem Thema Erziehung, woran der sittliche, geistige und politische Verfall der Republik erklärt werden soll.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Vergleich von Tac. Germ. 20,1.1 und Tac. Dial. 29,1.1
1. Übersetzung von Tac. Germ. 20,1.1
2. Interpretation
III. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert und vergleicht das Erziehungsideal der Germanen und Römer anhand ausgewählter Textstellen bei Tacitus, um den sittlichen und politischen Werteverfall der römischen Gesellschaft zu beleuchten.
- Vergleichende Analyse der Erziehungsmethoden bei Tacitus
- Gegenüberstellung germanischer und römischer Erziehungsideale
- Untersuchung des römischen Werteverfalls im historischen Kontext
- Rolle der Sklaven und Mütter in der Kindererziehung
- Interpretation der taciteischen Intention in "Germania" und "Dialogus"
Auszug aus dem Buch
a. Germania
Im Zentrum der Darstellung der Erziehung unter den Germanen in Tac. Germ. 20.1.1 steht das Heranwachsen eines germanischen Kindes. Die Kinder wachsen nudi ac sordidi (20.1.1) auf und werden von den Römern, sobald sie herangewachsen sind, aufgrund ihrer äußeren Erscheinung bewundert (in hos artus …, quae miramur, crescerunt [20.1.1-3]). Als Säugling werden sie von den eigenen Müttern und nicht von Ammen gestillt (mater … alit, nec … nutricibus delegantur [20.1.4f.]). Die Kinder selbst wachsen nicht nur zusammen mit Sklaven auf, sondern auch unter ihnen, zwischen Tieren auf dem Boden, inter eadem pecora, in eadem humo (20.1.7f.) und unterscheiden sich nicht in der Art der Erziehung, z.B. durch einen besonderen Genuss, (educationis deliciis dignoscas [20.1.5-7]).
Erst das Erwachsenenalter trennt Herrn und Sklaven voneinander (aetas separet [20.1.8f.]), indem der Germane mannhaft wird (virtus agnoscat [20.1.8f.]).
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Erziehung bei Tacitus ein und erläutert die methodische Herangehensweise durch den Vergleich von Germania und Dialogus de oratoribus.
II. Vergleich von Tac. Germ. 20,1.1 und Tac. Dial. 29,1.1: In diesem Kapitel werden die Erziehungspraktiken der Germanen und Römer gegenübergestellt und auf ihre soziologische Bedeutung hin untersucht.
III. Schluss: Das Fazit fasst die Kontraste zwischen der germanischen Stärke und dem römischen Werteverfall zusammen.
Schlüsselwörter
Tacitus, Germania, Dialogus de oratoribus, Erziehung, Erziehungsideal, Werteverfall, Germanen, Römer, Sklaven, Kindheit, virtus, gesellschaftliche Systeme, Ethnie, Redekunst, Antike
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Es geht um den Vergleich der Erziehungsideale der Germanen und Römer, wie sie von Tacitus in seinen Schriften Germania und Dialogus de oratoribus dargestellt werden.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Das Hauptthema ist der Einfluss der Erziehung auf die gesellschaftliche Entwicklung, insbesondere im Hinblick auf den sittlichen und politischen Verfall Roms.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch eine textkritische Analyse der Schriften von Tacitus aufzuzeigen, wie der Autor durch den Vergleich der Kulturen das Idealbild der Tugend (virtus) und den Wandel der römischen Gesellschaft kritisch reflektiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Der Autor verwendet eine literaturwissenschaftliche und historische Methode, die Textkritik an den Originalquellen sowie eine Einbettung in den historischen und gesellschaftspolitischen Kontext unter dem Prinzipat umfasst.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der direkten Gegenüberstellung der Erziehungspraktiken, der Rolle von Müttern und Ammen sowie der Bedeutung des Umgangs mit Sklaven in beiden Kulturen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die zentralen Schlagworte sind Erziehung, Werteverfall, Tacitus, Germania, Dialogus de oratoribus sowie der Kontrast zwischen germanischer Mannhaftigkeit und römischer Dekadenz.
Warum spielt der Begriff "virtus" eine wichtige Rolle für die Germanen bei Tacitus?
Der Begriff dient Tacitus als positives Attribut für die Germanen, um sie als moralisches Gegenbeispiel zum degenerierten Zustand der römischen Gesellschaft während der Kaiserzeit zu inszenieren.
Wie unterscheidet sich die Rolle der Mutter in der Germania von der im Dialogus?
Während in der Germania die leibliche Mutter ihr Kind selbst ernährt und somit einen engen Kontakt pflegt, wird in der römischen Erziehung (Dialogus) das Kind meist einer griechischen Amme überlassen, was Tacitus als Vernachlässigung und Ursprung des Werteverfalls wertet.
- Arbeit zitieren
- Lars Hofer (Autor:in), 2014, Das Erziehungsideal der Germanen und Römer bei Tacitus, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1474512