Die letzten Jahre sind geprägt von leidenschaftlichen Diskussionen über das Renteneintrittsalter, Rente und Altersvorsorge im Allgemeinen. Viele Reformen später wurde die Gesellschaft und Politik mit der Realität konfrontiert: Altersarmut kann jeden treffen. Als Risikogruppen sind insbesondere Alleinerziehende, Rentner und auch junge Menschen einzustufen. Hierbei ist das Anfälligkeitspotenzial für Frauen besonders hoch. Wie ist das möglich? Deutschland gilt als eines der reichsten Länder der Welt und trotzdem müssen Frauen um ihre Zukunft fürchten. Selbstverständlich trugen Frauenbewegungen und das Aufbrechen traditioneller Geschlechterbilder dazu bei, dass die gesellschaftliche sowie finanzielle Situation von Frauen verbessert wurde. Allerdings reicht das nicht, da ein Abbau des Wohlfahrtstaats zu verzeichnen ist, sodass eine Eigeninitiative seitens der Bürgerinnen und Bürger gefragt ist. Das haben Kredit- und Versicherungsanstalten längst erkannt und entwickelten in diesem Zusammenhang ein breites Spektrum an abstrakten Finanzprodukten. Angepasst an die sogenannte weibliche Zukunft, sind zahlreiche Kampagnen entstanden.
Die vorliegende Arbeit untersucht das Anfälligkeitspotenzial von Frauen an Altersarmut zu leiden und berücksichtigt hierbei die „Renten-Gap“-Kampagne der Sparkassen-Finanzgruppe. Angefangen mit einem Überblick über die aktuelle sozialpolitische Situation in Deutschland wird anschließend ein Blick auf das deutsche Rentensystem geworfen. Welche Akteure den finanzpolitischen und gesellschaftlichen Diskurs dominieren, wird anschließend betrachtet. Ein Interview mit einer Kundenberaterin der Stadtsparkasse München soll einen näheren Einblick in die Finanzwirtschaft ermöglichen. Die Frage nach der gesellschaftlichen Verantwortung sowie die möglichen Präventionsmaßnahmen durch Finanzprodukte sind hierbei besonders wichtig. Die Arbeit endet mit einem Schlusswort.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Aktuelle, sozialpolitische Situation in Deutschland
2.1 Frauen und Altersarmut
3 Das deutsche Rentensystem
3.1 Akteure: Politik - Finanzwirtschaft
4 ,Renten-Gap‘-Kampagne der Sparkassen-Finanzgruppe
4.1 Experteninterview – Beraterin der Stadtsparkasse München
5 Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das latente Anfälligkeitspotenzial von Frauen für Altersarmut in Deutschland und analysiert kritisch, inwieweit mediale Kampagnen wie die „Renten-Gap“-Initiative der Sparkassen-Finanzgruppe hierbei unterstützend oder problemverschärfend wirken.
- Strukturelle Ursachen von Frauenaltersarmut in Deutschland
- Funktionsweise und Reformen des deutschen Rentensystems
- Rolle der Politik und Finanzwirtschaft bei der Altersvorsorge
- Kritische Analyse der Sparkassen-Kampagne „Renten-Gap“
- Reflektion über Eigenverantwortung und geschlechtsspezifische Risiken
Auszug aus dem Buch
Aktuelle, sozialpolitische Situation in Deutschland
Die Zukunft des Wohlfahrtsstaats hat sich in den letzten Jahren verschlechtert, sodass eine Eigeninitiative seitens der Bürgerinnen und Bürger in der Bundesrepublik erforderlich ist. Die Gesetzliche Rentenversicherung (GRV) reicht für das Leben im Alter nicht mehr aus. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Allerdings, so scheint es, liegt das Interesse seitens der Politik im Lösungsmanagement und weniger in der Ursachenforschung. Die zahlreichen Reformen der Bundesregierung beinhalteten überwiegend Diskussionen über Kürzungen und Aufschläge. Ebenso wurde der demografische Wandel als Erklärung von und zugleich als Rechtfertigung für jene Reformmaßnahmen missbraucht (Butterwegge, Chr. 2012: 13). Hinzu kommt, dass die Politik nach Schuldigen für das Versagen des Rentensystems suchte.
Butterwegge betont an dieser Stelle, dass Altersarmut ein gesellschaftliches Problem sei, das durch strukturelle Veränderungen erklärbar ist. Zurückzuführen ist dies, so Butterwegge, auf Entwicklungen im Wirtschafts- und Gesellschaftssystem (Butterwegge, Christoph 2012: ebd.) sowie im Abbau des Sozialstaates. Als Folge ist hierbei das sinkende Rentenniveau für Bürgerinnen und Bürger anzuführen. Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung von 2017 soll das sogenannte Armutsrisiko zwischen 2015 bis 2020 auf 20% steigen (Bertelsmann 2017: 7). Das bedeutet, dass das Einkommen dieser Risikogruppen unter 60% des durchschnittlichen Nettoeinkommens in Deutschland liegt. Die Thematik Frauenaltersarmut wird unter 2.1 genauer untersucht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Problematik von Altersarmut bei Frauen und Skizzierung des Forschungsinteresses sowie des inhaltlichen Aufbaus der Arbeit.
2 Aktuelle, sozialpolitische Situation in Deutschland: Analyse der Verschlechterung der ökonomischen Situation im Alter und der Notwendigkeit privater Eigenvorsorge.
2.1 Frauen und Altersarmut: Untersuchung der spezifischen Risikofaktoren für Frauen, wie atypische Arbeitsbiografien und strukturelle Benachteiligungen im Versorgungssystem.
3 Das deutsche Rentensystem: Überblick über die historische Entwicklung und die Reformschritte, die das Rentensystem maßgeblich beeinflusst haben.
3.1 Akteure: Politik - Finanzwirtschaft: Beleuchtung der Rollenverteilung zwischen staatlicher Absicherung und privatwirtschaftlichen Interessen bei der Altersvorsorge.
4 ,Renten-Gap‘-Kampagne der Sparkassen-Finanzgruppe: Detaillierte Darstellung des medialen Auftritts dieser spezifischen Kampagne und ihrer Zielsetzung.
4.1 Experteninterview – Beraterin der Stadtsparkasse München: Auswertung eines Experteninterviews zur praktischen Umsetzung und Philosophie der Finanzberatung in Bezug auf das Rente-Thema.
5 Schlusswort: Fazit zur Relevanz der strukturellen Debatte und Kritik an der alleinigen Verlagerung der Verantwortung auf das Individuum.
Schlüsselwörter
Altersarmut, Frauenaltersarmut, Rente, Renten-Gap, Sozialstaat, Finanzwirtschaft, Sparkassen-Finanzgruppe, Altersvorsorge, Gender-Pay-Gap, Demografischer Wandel, Altersvorsorgeprodukte, Eigenverantwortung, Sozialpolitik, Geschlechterbilder, Rentenversicherung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der gesellschaftlich hochaktuellen Problematik der Altersarmut, insbesondere mit deren spezifischen Auswirkungen und Ursachen für Frauen in Deutschland.
Welche zentralen Themen werden behandelt?
Im Fokus stehen das deutsche Rentensystem, die Auswirkungen des demografischen Wandels sowie die Rolle von Finanzdienstleistern und deren Werbekampagnen im Kontext der individuellen Altersvorsorge.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das Anfälligkeitspotenzial von Frauen für Altersarmut kritisch zu hinterfragen und zu analysieren, ob mediale Kampagnen wie die „Renten-Gap“-Initiative der Sparkasse tatsächliche Lösungen bieten oder lediglich den Verkauf von Finanzprodukten forcieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Neben einer umfassenden Literaturanalyse und der Untersuchung sozialpolitischer Grundlagen bildet ein geführtes Experteninterview mit einer Beraterin der Stadtsparkasse München den empirischen Teil der Arbeit.
Was deckt der Hauptteil der Arbeit ab?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der Rentenproblematik, eine Untersuchung sozialstruktureller Benachteiligungen von Frauen sowie die kritische Analyse der betriebswirtschaftlichen Marketingstrategien im Bereich der Altersvorsorge.
Wie lässt sich die Arbeit anhand ihrer Schlüsselwörter charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Altersarmut, Renten-Gap, Sozialpolitik, Finanzmarktorientierung und Gleichstellung beschreiben.
Warum spielt das Gender-Pay-Gap bei der Vorsorge eine so wichtige Rolle?
Das Gender-Pay-Gap führt zu niedrigeren Einkommen über die Erwerbsbiografie hinweg, was wiederum zwangsläufig in geringeren Rentenansprüchen resultiert und die Frauen in eine besonders prekäre Lage versetzt.
Welches Fazit ziehen die Autorin und die befragte Expertin bezüglich privater Vorsorge?
Es wird festgehalten, dass zwar einerseits Eigeninitiative und private Vorsorge aufgrund der staatlichen Lücken nahegelegt werden, diese jedoch nicht die strukturelle Ungleichheit in Politik und Wirtschaft als Hauptursache lösen können.
- Arbeit zitieren
- Laureta Mullaali (Autor:in), 2020, Frauenaltersarmut in Deutschland. Eine kritische Betrachtung des Anfälligkeitspotenzials für Frauen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1470288