Diese Arbeit beleuchtet die kulturelle und wirtschaftliche Blütezeit Frankreichs, insbesondere in Paris während des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, und verbindet sie mit den tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen und der Entwicklung des Impressionismus. Besonderes Augenmerk liegt auf den Werken und Einflüssen von Impressionistinnen wie Berthe Morisot und Mary Cassatt, die durch ihre Kunst gesellschaftliche und klassenbedingte Themen reflektieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gendertheorien in der Kunstgeschichte
3. Feminisierte Motive und Stile des Impressionismus
4. Frauendarstellungen von impressionistischen Künstlerinnen und Künstlern im Vergleich
4.1. Der Spiegel und das Toilette-Motiv
4.2. Im Theater und in der Oper
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung von Frauen in der impressionistischen Malerei des späten 19. Jahrhunderts. Ziel ist es, unter Einbeziehung kunstgeschichtlicher Gendertheorien aufzuzeigen, wie Künstlerinnen (wie Berthe Morisot und Mary Cassatt) und ihre männlichen Kollegen die weibliche Identität und den sozialen Status der Frau innerhalb der privaten und öffentlichen Sphäre visuell verhandelten.
- Gendertheorien und der "weibliche" Stil im Impressionismus
- Die Dichotomie von öffentlichem und privatem Raum
- Das Motiv der Toilette und die Inszenierung der Eitelkeit
- Frauen als Akteurinnen und Beobachterinnen im Theater und in der Oper
- Vergleich der Blickregime bei impressionistischen Künstlerinnen und Künstlern
Auszug aus dem Buch
4.1. Der Spiegel und das Toilette-Motiv
In der Wahrnehmung der Weiblichen in der Moderne nahm die Damentoilette eine bedeutende Stellung ein. Ein schönes und gepflegtes Aussehen spielte für die bürgerliche Frau eine wichtige Rolle. Das traditionelle Vanitas-Motiv wird von den Impressionisten im Kontext ihrer Zeit präsentiert und zu einem festen Bestandteil des zeitgenössischen Impressionismus gemacht. Die privaten täglichen Rituale von Frauen bei der Toilette waren in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein beliebtes Thema für impressionistische Künstler*innen. Ihre Bilder führen uns in das Ankleidezimmer der Parisienne und zählen sukzessive Phasen der Toilette der wohlhabenden modernen Frau auf: Die Frau befindet sich vor dem Spiegel und ist mit ihrem eigenen Aussehen beschäftigt; sie schminkt sich, zieht sich an und wäscht sich sogar die Füße.23
Gemälde wie Morisots The cheval glass (Abb. 12, 1876) und Cassatts Woman with a sunflower (Abb. 7) kehren zur konventionellen Assoziation von Frauen und Spiegeln zurück.24 Das Motiv bezieht sich auf die traditionelle Ikonografie der Eitelkeit, die durch die nackte Venus oder eine andere weibliche symbolische Figur bei Betrachtung ihrer eigenen Spiegelbildes dargestellt wird. Während es keine Darstellungen von Männern solchen Aktivitäten gibt, wird in diesen Bildern die Vorstellung von Eitelkeit als natürlich für Frauen verewigt.25 Der Spiegel unterläuft die Idee eines Bildes als Reflexion und als Widerspiegelung der Realität. Rolle des Blicks und des Angeblickt-Werdens in der Formung von Weiblichkeit wurde repräsentiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Fragestellung zur Darstellung der Frau im Impressionismus und ordnet das Thema in den kunstgeschichtlichen Kontext ein.
2. Gendertheorien in der Kunstgeschichte: Dieses Kapitel skizziert die Entwicklung der Geschlechterrollen und die Marginalisierung von Künstlerinnen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts.
3. Feminisierte Motive und Stile des Impressionismus: Hier wird analysiert, wie sich die Motive der Künstlerinnen von denen ihrer männlichen Kollegen durch die Wahl häuslicher Räume unterschieden.
4. Frauendarstellungen von impressionistischen Künstlerinnen und Künstlern im Vergleich: Dieses Kapitel vergleicht exemplarisch Bildkompositionen und Blickregime anhand der Themen Spiegel/Toilette und Theaterbesuch.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie impressionistische Künstlerinnen innerhalb gesellschaftlicher Konventionen navigierten, um alternative Perspektiven auf das Leben von Frauen zu schaffen.
Schlüsselwörter
Impressionismus, Gendertheorien, Berthe Morisot, Mary Cassatt, Moderne, Weiblichkeit, Blicksysteme, Öffentlicher Raum, Privatsphäre, Kunstgeschichte, Malerei, 19. Jahrhundert, Geschlechterrolle, Soziale Identität, Toilette-Motiv.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Darstellung von Frauen in der impressionistischen Malerei des späten 19. Jahrhunderts und untersucht, wie Geschlechterkonzepte die Bildproduktion beeinflussten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Felder sind die geschlechtsspezifische Raumaufteilung, das häusliche Umfeld, die Rolle der Frau als schauendes Subjekt sowie die künstlerische Verarbeitung von Identität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Unterschiede in der künstlerischen Darstellung der Frau zwischen den Geschlechtern aufzuzeigen und zu verstehen, wie Künstlerinnen gesellschaftliche Hindernisse in ihrer Arbeit reflektierten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine kunsthistorische Analyse, die mit feministischen Gendertheorien arbeitet und den ikonografischen Vergleich von Werken nutzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische Grundlagen beleuchtet und anschließend konkrete Motive wie die Damentoilette und Szenen in Theater/Oper analysiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Kernbegriffe sind Impressionismus, Weiblichkeit, Gendertheorie, soziale Sphären und die spezifischen Werke von Morisot und Cassatt.
Wie unterscheidet sich der Blick einer Frau von dem eines Mannes in den analysierten Werken?
Die Arbeit verdeutlicht, dass der männliche Blick oft voyeuristisch ist, während Künstlerinnen wie Morisot und Cassatt Frauen häufig in einem reflektierten, intimeren und sozial bewussteren Kontext darstellen.
Welche Bedeutung hat das Spiegel-Motiv in der Arbeit?
Das Spiegel-Motiv wird als Symbol der erzwungenen Eitelkeit und als Mittel zur Hinterfragung der weiblichen Identitätsfindung (Spiegelphase nach Lacan) analysiert.
- Arbeit zitieren
- Thu Pham (Autor:in), 2021, Die Blütezeit des französischen Impressionismus. Feministische Perspektiven und kulturelle Veränderungen im Paris der Jahrhundertwende, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1466314