Diese Arbeit untersucht die sprachliche Vielfalt im Roman "Babel Tower" von Antonia S. Byatt sowie deren Auswirkungen, wobei der biblische Hintergrund des Turms zu Babel eine wichtige Rolle spielt. In dem Roman „Babel Tower“ der englischen Schriftstellerin Antonia S. Byatt geht es „um die Frage nach der Möglichkeit einer gemeinsamen Sprache oder, wäre eine solche illusorisch, den Verfall des Redens in wechselseitige Unverständlichkeit“. Sinnbildlich wird der Bau des Turms zu Babel und seine folgende Sprachverwirrung 2000 Jahre später dazu verwendet, Konsequenzen einer sprachlichen Vereinheitlichung aufzuzeigen. Interessant ist vor allem die Divergenz zwischen Byatts Versuch, Positives und Negatives solch einer gemeinsamen Sprache herauszuarbeiten, und der weitreichenden negativen Deutung der neun Verse im Sprachgebrauch.
Dabei dient zunächst die Arbeitsübersetzung mit angefügter Satzstruktur für die weiteren Ausführungen als Grundlage. Anhand der folgenden Textkritik sollen kritische Stellen auf Lesart und Überlieferungsgeschichte an ausgewählten Stellen überprüft werden und bestenfalls der ursprüngliche Wortlaut wiederhergestellt werden. Vor der synchronen Textanalyse, die durch die narrative Analyse, die die Oberflächen- und Tiefenstruktur und deren Wirkung untersucht, ergänzt wird, wird der Text von einem größeren Textkomplex abgegrenzt, in seinen Kontext eingeordnet und gegliedert, um ein verbessertes Verständnis zu erreichen. Da die Geschichte der alttestamentlichen Texte auf einer Sukzession von Rezeption und Produktion beruht, soll die Literarkritik seine Schichtung erschließen und dadurch eventuelle Fortschreibungen aufdecken. Daran anschließend werden Motive und Traditionen hinsichtlich ihrer Textbeeinflussung untersucht, sodass die Gattungskritik den „Sitz im Leben“ im Zusammenhang mit seiner Form beleuchtet. An die analytischen Ergebnisse der Literarkritik knüpft die Redeaktionsgeschichte an und eine Synthese versucht eine Gesamtinterpretation mit begründetem Fazit soll die am Anfang aufgeworfene Fragestellung abschließen, indem die erarbeiteten Ergebnisse sinnvoll miteinander verknüpft werden und ein Ausblick gegeben werden soll.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Arbeitsübersetzung
3. Textkritik
4. Gliederung, Textabgrenzung und Kontexteinordnung
5. Synchrone Textanalyse
6. Narrative Analyse
7. Literarkritik
8. Motiv- und Traditionskritik
9. Gattungskritik
10. Redaktionsgeschichte
11. Intertextuelle Bezüge
12. Synthese – Gesamtinterpretation und Fazit
13. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit widmet sich einer exegetischen Untersuchung der Erzählung vom Turmbau zu Babel (Gen 11, 1-9), um auf wissenschaftlicher Basis die Rezeption des Textes kritisch zu hinterfragen und zu prüfen, inwiefern die gottgegebene Mehrsprachlichkeit als Fluch oder Segen zu verstehen ist.
- Analyse der narrativen Struktur und des Spannungsbogens der Perikope.
- Untersuchung der zugrunde liegenden Motive (Turmbau, Sprachverwirrung, Zerstreuung).
- Kritische Einordnung des Textes mittels literarkritischer und redaktionsgeschichtlicher Methoden.
- Erkenntnisgewinn zum Verhältnis von Machtanspruch des Menschen und göttlichem Wirken.
- Klärung der Bedeutung von Vielfalt als dialektisches Prinzip von Nähe und Fremdheit.
Auszug aus dem Buch
6. Narrative Analyse
Der vorliegende Text wird aus der auktorialen Erzählperspektive erzählt, bei der der Erzähler von der Außenperspektive auf die beschriebenen Handlungen schaut und als Allwissender kommentiert (vgl. 11,9). Im folgenden werde ich den Plot des Textes analysieren, indem die Elemente des Plots den Textabschnitten zugeordnet werden und dadurch der Typus des Plot bestimmt werden kann.
Dabei berichtet die Erzählung von Gen 11,1-9 vom Versuch der Menschen, die in einer uniformen Welt leben, sich durch den Bau einer Stadt und eines Turms einen Namen zu machen, woraufhin Gott die Sprache der Menschen verwirrt, sie zerstreut und der Stadt den Namen "Babel" gibt.
Die Menschen befinden sich, nachdem sie sich in der Gegend um Schinar neu angesiedelt hatten, in einer Welt mit einheitlicher Sprache. Aus eigenem Antrieb und unisono schaffen die Menschen Baumaterialien heran und bauen Stadt und Turm, der bis an den Himmel reichen soll. Die Gründe scheinen klar: Die Menschen wollen sich einen Namen machen und nicht über die Welt zerstreut werden. Hier wechselt die Erzählung das Subjekt vom Menschen zu Gott hin, der zunächst hinabsteigen muss, um das Bauwerk der Menschen zu begutachten. Die Pointe ist, dass Gott nicht mit den Werken der Menschen einverstanden ist und befürchtet den Menschen wäre nun alles möglich. Gott handelt und setzt das von den Menschen befürchtete um. Er verwirrt die einheitliche Sprache und zerstreut die Menschen, die dadurch mit dem Stadtbau aufhören. Mit einer explikativen Beschreibung, dass die Stadt nun Babel aufgrund der Sprachverwirrung heißt, schließt die Perikope.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Sprachverwirrung ein und stellt die wissenschaftliche Zielsetzung der exegetischen Analyse vor.
2. Arbeitsübersetzung: Dieses Kapitel bietet eine philologische Basis durch eine direkte Übersetzung des hebräischen Quelltextes samt Satzstrukturanalyse.
3. Textkritik: Es werden textliche Differenzen in den Überlieferungen untersucht, um den ursprünglichen Wortlaut und die Qualität der Fassungen zu bewerten.
4. Gliederung, Textabgrenzung und Kontexteinordnung: Der Aufbau der Erzählung wird präzise strukturiert und der Kontext innerhalb des Alten Testaments bestimmt.
5. Synchrone Textanalyse: Hier werden die linguistischen Merkmale der Endgestalt des Textes auf ihre rhetorische und stilistische Wirkung hin untersucht.
6. Narrative Analyse: Das Kapitel widmet sich dem Plot, der Erzählperspektive und der krisenhaften Dynamik der Handlung im Text.
7. Literarkritik: Es wird die Frage nach der Entstehung und möglichen Schichtung des Textes sowie der Integration verschiedener Überlieferungskerne gestellt.
8. Motiv- und Traditionskritik: Die Untersuchung beleuchtet die Herkunft und Bedeutung der zentralen Motive wie Turmbau, Zerstreuung und Gottesbild.
9. Gattungskritik: Der Text wird als "Sage der Urgeschichte" eingeordnet, um seinen "Sitz im Leben" und seine intentionale Bedeutung zu klären.
10. Redaktionsgeschichte: Dieses Kapitel rekonstruiert die editorischen Bearbeitungsphasen des Textes und diskutiert Hypothesen zur Quellenzusammensetzung.
11. Intertextuelle Bezüge: Es werden Querverbindungen zu anderen biblischen Texten aufgezeigt, um die Bedeutungskonstitution des Turmbaus zu vertiefen.
12. Synthese – Gesamtinterpretation und Fazit: Alle Analyseschritte fließen in eine abschließende Interpretation zusammen, die die Bedeutung der Vielfalt theologisch bewertet.
13. Literaturverzeichnis: Hier werden alle für die Arbeit konsultierten wissenschaftlichen Quellen und Werke aufgelistet.
Schlüsselwörter
Altes Testament, Genesis, Turmbau zu Babel, Sprachverwirrung, Exegese, Literarkritik, Motivkritik, Zerstreuungsmythos, Babel-Ätiologie, Gottesbild, Erzählstruktur, Sargonbau, Völkertafel, Dialektik, Gemeinschaftsleben.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine exegetische Untersuchung der biblischen Erzählung vom Turmbau zu Babel in Genesis 11, 1-9 unter Anwendung verschiedener historisch-kritischer und synchroner Methoden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Mittelpunkt stehen die Themenfelder Sprachverwirrung, der menschliche Drang zur Selbstverherrlichung, das göttliche Eingreifen zur Zerstreuung sowie die historische und theologische Einordnung der Ätiologie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, wissenschaftlich zu hinterfragen, ob die in der Geschichte beschriebene Mehrsprachigkeit und Zerstreuung als göttliche Strafe zu werten sind oder ob sie neue Perspektiven für die Beziehung zwischen Gott und den Menschen eröffnen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Der Autor nutzt ein breites Spektrum, darunter Arbeitsübersetzung, Textkritik, narrative Analyse, Literarkritik, Motiv- und Traditionskritik sowie gattungsgeschichtliche und redaktionsgeschichtliche Kriterien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Untersuchung der Struktur, der Handlung, der sprachlichen Stilmittel und der Genese des Textes, ergänzt durch einen Vergleich mit anderen alttestamentlichen Texten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind Altes Testament, Genesis, Turmbau, Babel-Ätiologie, Sprachvielfalt, Gottesbild und die Dialektik von Nähe und Fremdheit.
Inwiefern spielt der Sargonbau für die Interpretation eine Rolle?
Der Autor zieht den historischen assyrischen Sargonbau als Vergleichs- bzw. Auslöser-Moment heran, um die Tradition und das Verständnis der Erzählung als "Babel-relecture" historisch zu verorten.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen menschlichem und göttlichem Handeln?
Die Analyse zeigt eine klare Zäsur in der Erzählung auf: Bis Vers 4 handeln die Menschen aus sich heraus zur Selbsterhebung, ab Vers 5 übernimmt Gott als Protagonist, um die menschlichen Pläne durch Sprachverwirrung neu zu ordnen.
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- Lars Hofer (Author), 2013, Biblischer Hintergrund und Analyse der Sprachvielfalt in A. S. Byatts "Babel Tower", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1466031