In dieser Hausarbeit werden die Besonderheiten im Schriftspracherwerb des Deutschen bei Seiteneinsteiger:innen untersucht, die bereits die Schriftsprache ihrer Erstsprache erlernt haben. Dafür werden Schreibprodukte zweier DaZ-Schüler mit der Erstsprache Kurdisch untersucht.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Theoretische Aspekte
Analyse
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht unter Berücksichtigung theoretischer Erwerbsmodelle die Besonderheiten und Herausforderungen beim Schriftspracherwerb von "Seiteneinsteigern" im DaZ-Kontext. Anhand einer exemplarischen Analyse zweier Schülertexte wird analysiert, wie sich der Einfluss der Muttersprache auf den Schreibprozess auswirkt und welche grammatikalischen sowie orthografischen Auffälligkeiten dabei zu Tage treten.
- Grundlagen des natürlichen und gesteuerten Zweitspracherwerbs
- Einfluss der Muttersprache (Transferleistungen) auf den Schriftspracherwerb
- Die Rolle der Interlanguagehypothese bei Seiteneinsteigern
- Analyse von Schülertexten hinsichtlich phonographischer, morphologischer und syntaktischer Aspekte
- Bedeutung der Literalität und Basiskompetenzen für den Spracherwerb
Auszug aus dem Buch
Theoretische Aspekte
Der Spracherwerb von SuS, die Deutsch als Zweitsprache erlernen, ist natürlich vor allem vom mündlichen Sprachgebrauch in ihrem Umfeld beeinflusst. Mit der mündlichen Sprache sind sie auch in außerschulischen Kontexten durchgehend konfrontiert (vgl. Belke 2016: ?). Diesen ungesteuerten und durch Kommunikation geprägten Spracherwerb bezeichnet man als natürlichen Zweitspracherwerb. Im Gegensatz dazu steht der gesteuerte Zweitspracherwerb durch gezielten Unterricht, der jedoch zur Eigenaktivität anregen sollte. (vgl. Günther/Günther 2007: 142). Für den Schriftspracherwerb ist dieser in der Regel nötig.
Es gibt verschiedene Hypothesen, wie der Spracherwerb in einer Zweitsprache stattfindet, die ich im Folgenden kurz zusammenfassen möchte. Nach der Identitätshypothese laufen der Erst- und Zweitsprachenerwerb gleich ab. Das bedeutet, dass der Lernende beim Erwerb einer zweiten Sprache unabhängig von seinem Alter nochmals einen Erstspracherwerb durchläuft. Daraus resultiert, dass die Sprache systematisch erworben wird und daher unabhängig von der jeweiligen Muttersprache des Lerners ist. Diese Hypothese konnte jedoch nur bei einem natürlichen Spracherwerb belegt werden (vgl. Corder 1967 in Rösch 2011: 12). Eine weitere Hypothese zum Zweitspracherwerb ist die Kontrastivhypothese. Sie behauptet, dass der Zweitspracherwerb auf Basis der Erstsprache stattfindet und der Lernende im Prozess Bezüge zwischen beiden Sprachen herstellt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Relevanz des Themas ein, definiert den Begriff "Seiteneinsteiger" und stellt die Forschungsfragen sowie die methodische Vorgehensweise anhand der zwei Schülerbeispiele vor.
Theoretische Aspekte: Hier werden zentrale Erwerbstheorien wie die Identitäts- und Interlanguagehypothese erläutert sowie die für Seiteneinsteiger spezifischen Herausforderungen im deutschen Schriftsystem und die Basisqualifikationen der Sprachaneignung diskutiert.
Analyse: Dieser Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung der zwei Schülertexte unter Berücksichtigung phonographischer, morphologischer und syntaktischer Besonderheiten sowie des Einflusses der kurdischen Muttersprache.
Fazit: Das abschließende Kapitel synthetisiert die Ergebnisse, stellt die individuellen Lernwege der Schüler gegenüber und plädiert für einen stärkeren Einbezug der Herkunftssprachen im DaZ-Unterricht nach kanadischem Vorbild.
Schlüsselwörter
Schriftspracherwerb, DaZ, Seiteneinsteiger, Interlanguagehypothese, Zweitspracherwerb, Transferleistung, Orthografie, Muttersprache, Literalität, Sprachdidaktik, Kurdisch, Phonem-Graphem-Korrespondenz, Schriftsystem, Erstsprache, Mehrsprachigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit den Besonderheiten, die beim Schriftspracherwerb von sogenannten Seiteneinsteigern auftreten, wenn diese bereits in ihrer Heimat alphabetisiert wurden.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen der natürliche versus gesteuerte Zweitspracherwerb, verschiedene Erwerbshypothesen sowie die spezifischen Probleme bei der Anwendung deutscher Rechtschreibprinzipien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie Seiteneinsteiger bestmöglich im Schriftspracherwerb unterstützt werden können und inwiefern sich ihr Erwerbsprozess von regulären Erwerbstheorien unterscheidet.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die methodische Vorgehensweise basiert auf einer theoretischen Einführung sowie der qualitativen Analyse von zwei authentischen Schülertexten von Kindern mit kurdischem Migrationshintergrund.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Texte zweier Schüler im Hinblick auf den Einfluss ihrer Muttersprache, typische Fehlerquellen bei der Großschreibung, Morphologie und Syntax sowie die Verwendung von Literalitätsmerkmalen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie DaZ, Seiteneinsteiger, Schriftspracherwerb, Transferleistung, Interlanguagehypothese und Mehrsprachigkeit.
Wie unterscheidet sich der Schriftspracherwerb der beiden analysierten Schüler?
Während Schüler 1 deutliche Transferleistungen aus seiner Muttersprache zeigt, weist Schüler 2 ein anderes Fehlerprofil auf, insbesondere im Bereich der Komposita, obwohl beide Kinder einen ähnlichen Hintergrund haben.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor für den Unterricht in Deutschland?
Der Autor empfiehlt einen stärkeren Einbezug der Muttersprachen in den DaZ-Unterricht und orientiert sich dabei an dem erfolgreichen sprachpädagogischen Konzept Kanadas.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2019, Welche Besonderheiten können für einen „Seiteneinsteiger“ beim Erwerb der deutschen Schriftsprache auftreten? Exemplarische Betrachtung anhand von Schreibprodukten, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1462313