Der moralische Status von Embryonen ist ein relativ junges Thema der Ethik und ist daher auf den Dialog mit den Fachwissenschaften angewiesen. In der Beurteilung dieser Frage geht es darum, wm Menschenwürde warum (ab wann) eignet. Für den Zeitpunkt, von dem an von einem menschlichen Wesen gesprochen wird, welchem Menschenwürde zukommt,. werden im ethischen Diskurs verschiedene Argumente vorgebracht. So werden entweder die Kernverschmelzung, die Nidation, der Ausschluss der Mehrlingsbildung, die Ausbildung des Gehirns, die Geburt oder die Fähigkeit der Äußerung des Selbstbewusstseins in Anschlag gebracht. Andere vertreten die "SKIP-These" , um die Schutzwürdigkeit des Embryos zu begründen. Uneinigkeit herrscht in dieser Diskussion auch in der gegenwärtigen Diskussion in der deutschsprachigen evangelischen Ethik.[...]
Inhaltsverzeichnis
Ausgangspunkt der evangelisch-theologischen Diskussion – Eine problemorientierte Hinführung anstelle einer Einleitung
I. Biblisch-theologische Vorbemerkung
II. Menschenwürde als Zuschreibung
1.1. Johannes Fischer – Personen, nicht Organismen
1.1.1. Die Begründung der Schutzwürdigkeit menschlichen Lebens
1.1.2. Bestimmung der Menschenwürde
1.1.3. Der Status des Embryos
2. Ulrich H.-J. Körtner – Statuswechsel des Embryos
3. Reiner Anselm – Rechtfertigungstheologische Begründung
4. Zwischenbilanz
III. Menschenwürde als Merkmal allen menschlichen Seins
1. Ausgangslage
2. Wilfried Härle: Menschenwürde und Speziezismus
3. Eilert Herms – Sein im Werden
4. Der moralische Status des Embryos
5. Zwischenbilanz
IV. Zusammenschau
V. Stellungnahme und Abschluss
1. Die Begründung bei Kant
2. Theologische Stellungnahme hinsichtlich des moralischen Status von Embryonen
2.1. Was ist der Mensch?
2.2. Haben Embryonen Würde?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den moralischen Status des menschlichen Embryos innerhalb der evangelisch-theologischen Ethik. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit die Menschenwürde als Zuschreibung oder als unveräußerliches Merkmal menschlichen Seins verstanden werden kann und welche Konsequenzen dies für den Schutz von Embryonen in der modernen Reproduktionsmedizin hat.
- Vergleich verschiedener evangelisch-theologischer Ansätze zur Menschenwürde.
- Analyse der Unterscheidung zwischen biologischem Organismus und menschlicher Person.
- Diskussion des Potenzialitätsarguments im Kontext künstlicher Befruchtung (IVF).
- Kritische Reflexion der kantischen Philosophie in Bezug auf den Schutz von Embryonen.
- Darlegung der Bedeutung von Relationsontologie und Gottebenbildlichkeit.
Auszug aus dem Buch
1.1. Johannes Fischer – Personen, nicht Organismen
Vor der Frage, welchem Wesen Menschenwürde zukommt, steht zunächst eine Begriffsbestimmung. Sie komme erst einmal weder dem menschlichen Leben an sich, noch dem Organismus/ der Biologie bzw. einem Wesen der Gattung Mensch zu, sondern nur menschlichen Personen. Das menschliche Leben ist zunächst Teil seiner biologischen Natur, das Prädikat der Menschenwürde bezeichnet aber Angehörige der sozialen Welt.
Dem Menschen als Person, als Beziehungswesen, widmet sich die christliche Nächstenliebe. Seine Lebensmöglichkeiten sind zu fördern. Darum ist menschliches Leben schützenswert, weil es um den Schutz des Menschen geht, um dessen Leben es sich handelt. Wird der Lebensschutz aus der Menschenwürde abgeleitet, ist menschliches Leben zu schützen, weil und insofern es sich um das Leben eines Menschen handelt. Es sei daher irreführend, wenn in theologischen Texten in Bezug auf Embryonen von menschlichem Leben gesprochen wird, um daraus abzuleiten, dass diesen Menschenwürde zukommt.
Zusammenfassung der Kapitel
Ausgangspunkt der evangelisch-theologischen Diskussion – Eine problemorientierte Hinführung anstelle einer Einleitung: Das Kapitel führt in die ethische Problematik des moralischen Status von Embryonen im Kontext der modernen Reproduktionsmedizin ein.
I. Biblisch-theologische Vorbemerkung: Hier werden zentrale biblische Texte zur Gottebenbildlichkeit und zur Erwählung des Menschen vor seiner Geburt theologisch expliziert.
II. Menschenwürde als Zuschreibung: Dieses Kapitel diskutiert Ansätze, die Menschenwürde nicht als biologisches Faktum, sondern als soziale Zuschreibung im relationalen Kontext betrachten.
III. Menschenwürde als Merkmal allen menschlichen Seins: Gegen die Zuschreibungsthese stellen diese Autoren das Verständnis der Menschenwürde als ontologisch begründetes Merkmal, das dem Menschen ab seinem Beginn innewohnt.
IV. Zusammenschau: Eine komparative Analyse, die Gemeinsamkeiten und Differenzen der verschiedenen theoretischen Positionen aufzeigt.
V. Stellungnahme und Abschluss: Der Autor bewertet die Konzepte kritisch im Licht kantischer Philosophie und formuliert ein theologisches Fazit zur Würde des Embryos.
Schlüsselwörter
Menschenwürde, Embryonenschutz, evangelische Ethik, Person-Status, Relationsontologie, Gottebenbildlichkeit, Reproduktionsmedizin, IVF, Zuschreibung, Lebensschutz, Kant, Potenzialitätsargument, Rechtfertigung, Anthropologie, moralischer Status.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die ethische Debatte innerhalb der evangelischen Theologie darüber, ob und ab welchem Zeitpunkt einem menschlichen Embryo der Status einer Person und damit Menschenwürde zuzusprechen ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Fragen nach dem Lebensschutz, der Definition von Personsein, der Bedeutung von Fortpflanzungstechnologien sowie die Unterscheidung zwischen biologischem Werden und sozialem Sein.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt nach den theologischen Voraussetzungen und Begründungen für den moralischen Status des Embryos und prüft, ob eine einheitliche Position innerhalb der evangelischen Ethik möglich ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine systematisch-theologische und ethische Analyse, die verschiedene zeitgenössische Positionen einander gegenüberstellt und in den Dialog mit philosophischen Ansätzen, insbesondere Kant, bringt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine kritische Auseinandersetzung mit dem Zuschreibungsmodell und dem ontologischen Modell, wobei die Argumente namhafter Theologen wie Fischer, Körtner, Anselm und Herms detailliert untersucht werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Menschenwürde, Embryonenschutz, evangelische Ethik, Person-Status, Gottebenbildlichkeit und Reproduktionsmedizin.
Inwiefern unterscheidet sich die Sichtweise von Johannes Fischer von der von Eilert Herms?
Fischer vertritt ein Zuschreibungsmodell, bei dem Menschenwürde an soziale Interaktion und Personsein gebunden ist, während Herms den Menschen ontologisch als „Sein im Werden“ begreift, das bereits vor der Geburt unter dem Schutz der Menschenwürde steht.
Welche Rolle spielt der Begriff „Gottebenbildlichkeit“ in der Argumentation?
Die Gottebenbildlichkeit dient den Autoren als theologischer Ankerpunkt, um dem Menschen eine Würde zuzusprechen, die unabhängig von seinen tatsächlichen Fähigkeiten oder seinem Entwicklungsstadium besteht.
Wie bewertet der Autor den Einsatz der IVF?
Die Arbeit problematisiert den Status der durch IVF erzeugten Embryonen, insbesondere jener, die nicht mehr zur Einpflanzung vorgesehen sind, und hinterfragt kritisch die Instrumentalisierung von menschlichem Leben zu Forschungszwecken.
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- Michael Schuft (Author), 2009, Menschenwürde am Beginn des Lebens - Die aktuelle Debatte um den moralischen Status von Embryonen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/145770