Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, ein tiefgreifendes Verständnis der Herausforderungen und Belastungen zu vermitteln, denen Kinder psychisch erkrankter Eltern ausgesetzt sind. Durch eine umfassende Untersuchung der häufigsten psychischen Störungen, der damit verbundenen Belastungsfaktoren für die Kinder und der Auswirkungen dieser Faktoren auf ihre Entwicklung, zielt die Arbeit darauf ab, Bewusstsein zu schaffen und effektive Bewältigungsstrategien für betroffene Kinder aufzuzeigen.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Psychische Krankheiten
1. Depression
2. Schizophrenie
III. Wie erleben Kinder die Krankheit der Eltern
1. Unmittelbare Probleme:
a.) Desorientierung
b.) Schuldgefühle
c.) Tabuisierung (Kommunikationsverbot)
d.) Isolation
2. Folgeprobleme
a.) Betreuungsdefizite
b.) Parentifizierung
c.) Loyalitätskonflikte
d.) Zusatzbelastungen
IV. Auswirkung auf die kindliche Entwicklung
1. Neugeborene und Säuglinge
2. Kleinkinder im Alter von zwei bis vier Jahren
3. Kinder im Schulalter
4. In der Adoleszenz
V. Bewältigungsstrategien der Kinder psychisch erkrankter Eltern
VI. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit beleuchtet die schwierige Lebenssituation von Kindern, deren Eltern an psychischen Erkrankungen leiden, und analysiert die vielfältigen Belastungsfaktoren sowie deren Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung.
- Belastungsfaktoren für Kinder psychisch kranker Eltern
- Auswirkungen der elterlichen Krankheit auf die kindliche Entwicklung
- Rollenverhalten und Bewältigungsstrategien von betroffenen Kindern
- Die Familiendynamik und das Tabuthema psychische Erkrankung
Auszug aus dem Buch
b.) Schuldgefühle
Durch den bestehenden Mangel an Wissen über die Existenz und die Erscheinungsformen psychischer Erkrankungen, gehen Kinder häufig davon aus, dass sie selbst die Verantwortung für die Erkrankung des Elternteils tragen. Sie stufen das elterliche Verhalten nicht als krankhaft ein, sondern werten es stattdessen als Reaktion auf die eigene Person. Folglich empfinden sie ein Gefühl des Abgelehntseins, fühlen sich schuldig und geben sich der Illusion hin, durch besseres Verhalten ihrerseits den Ausgangszustand wieder herstellen zu können.
In besonderem Maße trifft dies auf Kinder im Alter zwischen 4 und 8 Jahren zu. Jean Piaget beschreibt in dieser Phase des anschaulichen Denkens (präoperationale Phase) den kindlichen Egozentrismus. Das Kind ist in dieser Entwicklungsphase nicht in der Lage, die eigene Sichtweise als eine von mehreren Möglichkeiten zu begreifen, stattdessen findet eine Zentrierung auf Zustände statt. Des Weiteren nennt er in diesem Zusammenhang die animistische, die artifizielle und die finalistische Denkweise. Im animistischen Denken können Kinder nicht zwischen belebten und unbelebten Gegenständen unterscheiden, was Piaget als unreifes Kausalverständnis interpretiert. Im artifiziellen Denken wird die Natur gedeutet als sei sie vom Menschen geschaffen, im finalistischen Denken wird der Zweck von Naturgegebenheiten wie menschliche Handlungen gedeutet (vgl. Oerter/Montada 2012, S. 442). Auch Sigmund Freud beschreibt einen solchen Egozentrismus in dem sich Kinder magischen Allmachtsphantasien hingeben. Für ihn stellt diese Magie eine Technik des Animismus dar, er erklärt sie als praktisches Bedürfnis der Kinder, um sich der Welt zu bemächtigen (vgl. Diem-Wille 2007, S. 127 ff.).
Beispielsweise könnte ein Kind denken, dass es der Mutter heute besonders schlecht geht, da das Kind am vorherigen Tag sein Zimmer nicht aufräumen wollte. Verstärkt werden kann das Schuldempfinden durch direkte Schuldzuweisungen des erkrankten Elternteils oder anderer Familienmitglieder (vgl. Beeck (a) 2010, S. 11; Mattejat 1998, S. 72; Lenz 2014, S. 101).
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die psychische Erkrankung als Familienerkrankung und betont die lange Zeit vernachlässigten Bedürfnisse der Kinder als "vergessene Risikogruppe".
II. Psychische Krankheiten: Dieses Kapitel gibt einen kurzen Überblick über Depressionen und Schizophrenie als Beispiele für schwerwiegende Störungen, um das Verständnis für die Belastungen der Betroffenen zu fördern.
III. Wie erleben Kinder die Krankheit der Eltern: Es werden die unmittelbaren Probleme wie Desorientierung und Schuldgefühle sowie Folgeprobleme wie Betreuungsdefizite und Parentifizierung erörtert.
IV. Auswirkung auf die kindliche Entwicklung: Das Kapitel erläutert, wie sich die elterliche Erkrankung altersentsprechend von Säuglingen bis zur Adoleszenz negativ auf die Entwicklung auswirkt.
V. Bewältigungsstrategien der Kinder psychisch erkrankter Eltern: Hier werden Wege aufgezeigt, wie Kinder versuchen, mit der Stresssituation umzugehen, etwa durch Rollenübernahmen oder das Suchen von Unterstützung.
VI. Fazit: Das Fazit fasst die extremen Belastungen zusammen, die Kinder psychisch kranker Eltern erfahren, und unterstreicht die Dringlichkeit der Aufklärung und Unterstützung.
Schlüsselwörter
Kinder psychisch kranker Eltern, Psychische Erkrankung, Familiensystem, Bewältigungsstrategien, Parentifizierung, Schuldgefühle, Resilienz, Vernachlässigung, Kindesentwicklung, Tabuisierung, Isolation, Psychosoziale Belastung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Lebenssituation von Kindern, die in Familien aufwachsen, in denen mindestens ein Elternteil an einer psychischen Krankheit leidet.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die Belastungsfaktoren der Kinder, die Auswirkungen der Erkrankung auf ihre psychische und soziale Entwicklung sowie ihre individuellen Strategien zur Krankheitsbewältigung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die speziellen Belastungen dieser Kinder sichtbar zu machen und aufzuzeigen, wie sehr die elterliche Erkrankung ihr Leben und ihre Entwicklung prägt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender Studien und Forschungsergebnisse zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in betroffenen Familien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Probleme (wie Desorientierung oder Schuldgefühle) und Folgen (wie Betreuungsdefizite), mit denen betroffene Kinder konfrontiert sind.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Parentifizierung, Loyalitätskonflikte, Resilienz, Tabuisierung und der Einfluss psychischer Krankheiten auf das Kindeswohl.
Was bedeutet Parentifizierung im Kontext der Arbeit?
Parentifizierung beschreibt eine Rollenumkehr, bei der Kinder Aufgaben der Eltern übernehmen, wie etwa die Haushaltsführung oder die emotionale Stabilisierung der Eltern, was ihre kindliche Entwicklung gefährden kann.
Warum fühlen sich viele Kinder für die Erkrankung ihrer Eltern schuldig?
Aufgrund mangelnder altersgerechter Aufklärung interpretieren viele Kinder das elterliche Verhalten fälschlicherweise als Reaktion auf ihr eigenes Verhalten, was zu unberechtigten Schuldgefühlen führen kann.
Welche Rolle spielt die Tabuisierung in diesen Familien?
Tabuisierung führt oft zu einem Kommunikationsverbot, welches die Kinder daran hindert, ihre Ängste und Sorgen zu teilen, und trägt maßgeblich zu Isolation und Einsamkeit bei.
Was ist das Ergebnis der Resilienzforschung für diese Zielgruppe?
Die Resilienzforschung zeigt, dass vor allem verlässliche Alltagsroutinen, soziale Kontakte außerhalb der Familie und der Kontakt zu anderen betroffenen Kindern als wichtige Schutzfaktoren fungieren.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2017, Bewältigung der Herausforderungen. Kinder psychisch kranker Eltern und ihre Entwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1453629