Thema dieser Hausarbeit ist die sogenannte Kulturkonflikthypothese. Diese ist ein Produkt der sogenannten Ausländerpädagogik der 1990er Jahre. Durch die Migration vieler Gastarbeiter in der Nachkriegszeit wuchs in Deutschland eine zweite Generation von Menschen mit Migrationshintergrund heran, die zwar in Deutschland geboren wurden, aber deren Familien doch aus anderen Kulturkreisen stammten.
Sie sprachen von Haus aus nicht Deutsch und hatten im Falle der türkischstämmigen Migranten auch eine andere Religion. Diese Jugendlichen sahen sich mit Integrations- bzw. Assimilations-Schwierigkeiten konfrontiert, die ihre Elterngeneration noch nicht in gleicher Form betraf, da diese in ihrem Heimatland geboren und sozialisiert wurden. Ihre Probleme erklärte man sich dadurch, dass die kulturellen Unterschiede zwischen Einwanderungs- und Heimatkultur einfach zu groß seien. Das heißt, die Anpassungs-Probleme dieser Jugendlichen wurden zwar wahrgenommen, aber nicht gänzlich erfasst und verstanden.
Es wird die Entwicklung der Individualisierung analysiert, um verständlich zu machen, auf welcher Grundlage Ulrich Beck in den 1980er Jahren seine Individualisierungstheorie aufstellte. Im Resümee wird darlegt, worin sich in der Kulturkonflikthypothese die von der Interkulturellen Pädagogik abgelehnte Defizitorientierung zu erkennen gibt und wie die Kulturkonflikthypothese und die Individualisierungstheorie in Zusammenhang stehen und das im Hinblick auf aktuelle internationale Entwicklungen.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Hauptteil
1. Kulturkonflikt
1.1 Kulturkonflikthypothese
1.2 Kulturkonflikthypothese
1.3 Mehrfach-Identität und Defizitorientierung
1.4 Hybridität
1.5 Anerkennung von Mehrfachzugehörigkeit
2. Die Individualisierung
2.1 Die Entwicklung der Individualisierung
2.2 Die Individualisierungstheorie nach Beck
III. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Kulturkonflikten und modernen Individualisierungsprozessen, wobei der Fokus auf den Konzepten der Hybridität und Mehrfachzugehörigkeit von Menschen mit Migrationshintergrund liegt.
- Kritische Analyse der Kulturkonflikthypothese der Ausländerpädagogik
- Untersuchung von Identitätskonstruktionen im Kontext von Mehrfachzugehörigkeit
- Analyse des Konzepts der Hybridität nach Paul Mecheril
- Theoretische Herleitung der Individualisierung nach Ulrich Beck
- Herausforderungen durch gesellschaftliche Anforderungen und Institutionen
Auszug aus dem Buch
1.1 Kulturkonflikttheorie
Zum Verständnis der Kulturkonflikthypothese wird im Folgenden die sogenannte Kulturkonflikttheorie erläutert, die sich mit „Unverträglichkeiten zwischen zwei Voll- oder Normalkulturen“ (Bock 2019, S. 69, Erstauflage, 1994) befasst. (Vgl. Shoahm 1968, S. 55-82) Diese wurde in den 1930er Jahren von dem US-amerikanischen Sozio- und Kriminologen Thorsten Sellin aufgestellt, als Reaktion auf durch Einwanderer begangene Kriminalität. Sellin unterscheidet zwischen einem unmittelbaren kriminogenen und einem mittelbaren kriminogenen Kulturkonflikt.
Bei ersterem handelt es sich um einen Konflikt, der dadurch entsteht, dass die Normen der Kultur des Herkunftslandes mit dem Strafrecht des Einwanderungslandes divergieren. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn im Heimatland eine andere kulturelle Vorstellung von Ehre herrscht als im Einwanderungsland bzw. die Einwanderer aus einem bestimmten Kulturkreis stammen. Bock nennt hier als Beispiel die „süditalienische Vendetta (Blutrache)“ (Bock 2019, S. 70) und nimmt hiermit Bezug auf die Lebensweise der sizilianischen bzw. amerikanischen Cosa Nostra, die ihr Hoch in den 1930er Jahren hatte und große Teile der kriminellen Unterwelt beherrschte.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung führt mittels einer Filmszene aus "Lost in Translation" in die Problematik von Kultur, Sprache und Identitätsverlust bei Migration ein und erläutert die Zielsetzung der Arbeit.
II. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die Kulturkonflikthypothese, das Konzept der Hybridität sowie die Transformation der Identität durch die Individualisierungstheorie nach Ulrich Beck.
1. Kulturkonflikt: Dieses Kapitel definiert die Kulturkonflikttheorie und diskutiert Entstehungsursachen von kriminogenem Verhalten im Zuge von Normdivergenzen zwischen Herkunfts- und Aufnahmegesellschaft.
1.1 Kulturkonflikttheorie: Erläutert die theoretischen Grundlagen des Kulturkonflikts nach Thorsten Sellin und unterscheidet zwischen unmittelbarer und mittelbarer Kriminalität durch Einwanderer.
1.2 Kulturkonflikthypothese: Diese Sektion kritisiert die defizitorientierte Sichtweise der Ausländerpädagogik der 1990er Jahre auf Jugendliche mit Migrationshintergrund.
1.3 Mehrfach-Identität und Defizitorientierung: Untersucht anhand eines Fallbeispiels die Problematik der "halb-halb" Identität und die soziale Diskriminierung bei Mehrfachzugehörigkeiten.
1.4 Hybridität: Beschreibt Hybridität als Mischzustand und pluralistische Identitätsform, die von der klassischen Erwartung einwertiger kultureller Zugehörigkeiten abweicht.
1.5 Anerkennung von Mehrfachzugehörigkeit: Analysiert Strategien der Anerkennung, darunter affirmative und transformative Ansätze, um den hybriden Lebensformen gerecht zu werden.
2. Die Individualisierung: Dieses Kapitel beleuchtet die historische Entwicklung der Individualisierung als soziologischen Prozess über mehrere Jahrhunderte hinweg.
2.1 Die Entwicklung der Individualisierung: Verfolgt die Entstehung der Individualisierung von der Christianisierung Europas bis zur Moderne durch verschiedene gesellschaftliche Schübe.
2.2 Die Individualisierungstheorie nach Beck: Erläutert die drei Dimensionen der Individualisierung nach Ulrich Beck: Freisetzung, Entzauberung und Reintegration.
III. Resümee: Das Resümee fasst die Kritik an der Defizitorientierung zusammen und setzt die behandelten Theorien in Bezug zu aktuellen globalen Entwicklungen.
Schlüsselwörter
Kulturkonflikt, Individualisierung, Hybridität, Mehrfachzugehörigkeit, Migrationshintergrund, Ausländerpädagogik, Identitätsbildung, Integrationsschwierigkeiten, Ulrich Beck, Paul Mecheril, Soziale Institutionen, Kulturtheorie, Assimilation, Transformation, Globalisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Auseinandersetzung von Kulturkonflikten und deren Einfluss auf die Identitätsbildung in einer durch Individualisierung geprägten Gesellschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Kulturkonflikthypothese, das Konzept der Hybridität, die Kritik an der Defizitorientierung in der Migrationsforschung und die Individualisierungstheorie.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Konzepte von Kulturkonflikt und Individualisierung zu verknüpfen, um moderne Lebensrealitäten von Menschen mit Mehrfachzugehörigkeiten besser zu verstehen und wissenschaftlich einzuordnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse soziologischer und pädagogischer Diskurse, um theoretische Grundbegriffe zu definieren und diese kritisch gegenüberzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Kulturkonflikten (inkl. Hybridität und Anerkennung) und eine detaillierte Analyse der Individualisierungstheorie nach Ulrich Beck.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist maßgeblich durch die Begriffe Hybridität, Mehrfachzugehörigkeit, Kulturkonflikt und Individualisierungsskizzen charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die "transformative Anerkennung" von der "affirmativen Anerkennung"?
Transformative Strategien zielen auf die Dekonstruktion von Machtstrukturen und starren binären Identitätsschemata ab, während die affirmative Anerkennung eher auf die Sichtbarkeit und Artikulation der hybriden Identität im gegebenen Raum setzt.
Warum wird der Begriff der "Defizitorientierung" so kritisch hinterfragt?
Der Begriff wird kritisiert, weil er die Identität von Jugendlichen mit Migrationshintergrund als zwangsläufig gespalten und defizitär wahrnimmt, anstatt die Mehrfachzugehörigkeit als Ausdruck von Pluralität zu begreifen.
Welche Rolle spielt die Individualisierungstheorie für das Verständnis moderner Migration?
Die Theorie nach Beck hilft zu verstehen, wie das Individuum aus klassischen sozialen Bindungen wie dem Nationalstaat gelöst wird, was die Frage nach der Zugehörigkeit in einer globalisierten Welt für Migranten und Einheimische gleichermaßen neu stellt.
- Arbeit zitieren
- Marleen Büngen (Autor:in), 2020, Kulturkonflikt und Individualisierung. Unter besonderer Berücksichtigung von Hybridität und Mehrfachzugehörigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1452505