Es ist eine wichtige Aufgabe der Kommunikationswissenschaften, das Verständnis der Begrifflichkeiten mit denen sie operiert zu schärfen, um aktuelle Phänomene besser benennen und einordnen zu können. Vor diesem Hintergrund untersucht die Hausarbeit verschiedene Arten von Fake News und deren Funktionen, um diese eindeutig voneinander abzugrenzen. Außerdem soll erörtert werden, ob der allgemeinsprachliche Gebrauch des Begriffs Fake News noch angemessen ist.
Der Begriff "Fake News" ist nicht neu und auch die "Lüge" in der politischen Kommunikation hat es immer schon gegeben. Neu sind aber die Dimensionen, mit denen sich Fake News in einer vornehmlich digitalen Welt verbreiten lassen und welchen Einfluss diese auf die (politische) Meinungsbildung von Bürgerinnen und Bürgern nehmen können. Und neu ist ebenfalls, wie der Begriff Fake News und Fake News Media in der politischen Kommunikation eingesetzt wird. So begründete Donald Trump mit "You are Fake News" am Tag seiner ersten Pressekonferenz als Präsident der U.S.A., warum er einen bestimmten Reporter nicht zu Wort kommen ließ. Zwei Jahre später vergab er an diverse Medienberichte etwa von CNN, dem Time Magazine und der New York Times den "Fake News Award", einen eigens ausgedachten "Schmähpreis".
Daneben haben insbesondere zwei Ereignisse der jüngeren Vergangenheit den "alten Begriff zu neuem Leben erweckt": Der US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 und der Brexit. Beide Ereignisse wurden nachweislich von extrem vielen Fake News begleitet, die insbesondere über Social Media geteilt wurden und werden in der Literatur immer wieder angeführt, um zu verdeutlichen, wie sich das Phänomen Fake News verändert hat. Denn spätestens seitdem wird in Deutschland und auch in anderen europäischen Ländern immer wieder vor dem Einfluss und den Gefahren von Fake News in Form von gezielten Desinformationskampagnen gewarnt.
Schaut man sich die gegenwärtige wissenschaftliche Literatur zu Fake News an, wird schnell deutlich, dass eine eindeutige Definition der Begrifflichkeiten nicht vorliegt. Im Gegenteil: Fake News sind zwar allgegenwärtig, dennoch ist das begriffliche Konstrukt dahinter mit Vorsicht zu genießen. Denn während die einen hierunter ausschließlich empirisch falsche Tatsachenbehauptungen fassen, beziehen die anderen auch Gerüchte, Klatsch, Hoaxes, Parodien, Satire und Urban Legends mit ein, gleichwohl wie Verschwörungstheorien und politische Propaganda.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Fake News
2.1 Definitionen von Fake News
2.2 Problematik der Begriffsbestimmung
3. Fake News als Genre / Aktuelle Desinformation
4. Fake News als Label / Framing
5. Das Postfaktische Zeitalter und Alternative Fakten
6. Fake News und Social Media
6.1 Verbreitung von Fake News auf Social Media
6.2 Bestätigungsfehler und Echokammern
7. Schlussfolgerung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Vielschichtigkeit des Begriffs Fake News sowie dessen Wandlung im Kontext digitaler Kommunikation, um zu klären, ob der allgemeinsprachliche Gebrauch des Begriffs heute noch angemessen ist und welche Rolle er in politischen Diskursen spielt.
- Differenzierung zwischen Fake News als Genre (Desinformation) und als Label (Framing)
- Die Auswirkungen von Postfaktizität und "Alternativen Fakten" auf den öffentlichen Diskurs
- Die Rolle sozialer Medien als Beschleuniger für emotionale Meinungsbildung
- Psychologische Mechanismen wie Bestätigungsfehler und Echokammern bei der Rezeption von Falschinformationen
- Die politische Instrumentalisierung von Fake News zur Diskreditierung etablierter Medien
Auszug aus dem Buch
3. Fake News als Genre / Aktuelle Desinformation
Wie bereits erläutert hat sich der Bedeutungsinhalt von Fake News seit der US-Präsidentschaftswahl 2016 geändert. Fake News als Genre kann als einer von zwei wesentlichen Bedeutungshorizonten angesehen werden, die aktuell unter das Konzept zu fassen sind. Warum das so ist, werde ich im nachfolgenden erläutern.
Unter Fake News als Genre verstehen Egelhofer und Lecheler “deliberate creation of pseudojournalistic disinformation” (Egelhofer/Lecheler 2019: 97). Im Zuge ihrer Literaturrecherche konnten sie drei Charakteristika ausmachen, die gegeben sein müssen, um von Fake News dieser Art sprechen zu können. Diese drei Aspekte sind: low in facticity, journalistic format, intention to deceive.
“Low in facticity” – Dieses Argument wird dem Umstand gerecht, dass die meisten Autoren sich einig darüber sind, dass Fake News falsche Informationen enthalten, aber nicht zwangsläufig frei von Fakten sein müssen. Wie bei Wardle auch kann es sich also um eine Mischung aus Fakten und Fake handeln.
“Journalistic Format” – Dieses Charakteristikum zielt darauf ab, dass Fake News häufig in einem journalistischen Format präsentiert werden: “fake news does not simply mean false news but should be understood as an imitation of news" (Egelhofer/Lecheler 2019: 100 Hervorheb. im Original). Damit ist ein wichtiger Punkt angesprochen, denn viele Fake News erreichen erst durch ihr Ansinnen als Nachrichtenformat einen “seriösen Anstrich”, der ihnen das Vertrauen ihrer Rezipienten sichert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Relevanz von Lügen in der Politik ein und beschreibt, wie Ereignisse wie der Brexit und der US-Wahlkampf 2016 den Diskurs über Fake News als bewusstes Marketinginstrument und Desinformationskampagne prägten.
2. Fake News: Dieses Kapitel vergleicht verschiedene Definitionen von Fake News und verdeutlicht die Problematik, dass der Begriff als unscharfes Sammelbecken für unterschiedlichste Phänomene von Satire bis hin zu politischer Propaganda fungiert.
3. Fake News als Genre / Aktuelle Desinformation: Das Kapitel arbeitet das Konstrukt "Fake News als Genre" heraus, definiert durch geringe Faktizität, journalistisches Format und die bewusste Absicht zu täuschen.
4. Fake News als Label / Framing: Hier wird die Verwendung des Begriffs durch politische Akteure wie Donald Trump analysiert, um etablierte Medien gezielt durch Framing zu diskreditieren.
5. Das Postfaktische Zeitalter und Alternative Fakten: Das Kapitel beleuchtet den gesellschaftlichen Wandel hin zur "gefühlten Wahrheit" und erläutert, wie alternative Fakten den rationalen Diskurs und die Verständigung untergraben.
6. Fake News und Social Media: Der Fokus liegt auf der Rolle digitaler Netzwerke, die durch Algorithmen, emotionale Verstärkung und psychologische Mechanismen wie Echokammern die Verbreitung von Desinformation massiv fördern.
7. Schlussfolgerung: Die Schlussfolgerung führt die verschiedenen Aspekte zusammen und klassifiziert Fake News als komplexe Strategie zur Demokratiezersetzung.
Schlüsselwörter
Fake News, Desinformation, Framing, Postfaktizität, Alternative Fakten, Soziale Medien, Politische Kommunikation, Bestätigungsfehler, Echokammern, Journalismus, Propaganda, Manipulation, Meinungsbildung, Medienkritik, Diskursanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Es geht um eine Begriffsexploration von "Fake News", wobei der Autor untersucht, wie sich die Bedeutung des Begriffs durch den digitalen Wandel und politische Instrumentalisierung verändert hat.
Welche zentralen Themenfelder behandelt das Dokument?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Differenzierung von Desinformationsarten, die Rolle der sozialen Medien, psychologische Rezeptionsmuster und die politische Strategie des Framings.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die verschiedenen Dimensionen von Fake News zu klassifizieren und zu erörtern, ob der bisherige allgemeinsprachliche Gebrauch angesichts neuer Phänomene wie "aktueller Desinformation" noch angemessen ist.
Auf welche wissenschaftliche Methodik stützt sich die Arbeit?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der kritischen Analyse aktueller wissenschaftlicher Diskurse sowie Einzelfallbeispielen aus der politischen Kommunikation.
Was wird im Hauptteil der Arbeit analysiert?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Fake News als Genre, die Analyse als politisches Label, das Phänomen der Postfaktizität sowie die soziotechnischen Bedingungen innerhalb sozialer Medien.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung am besten?
Die zentralen Begriffe sind Desinformation, Framing, postfaktische Ära, Echokammern und die politische Instrumentalisierung von Nachrichten.
Warum spielt das Konzept der "Alternativen Fakten" eine solche Rolle?
Das Konzept ist zentral, da es den Geltungsanspruch objektiver Wahrheit unterminiert und als rhetorisches Werkzeug dient, um Fakten im öffentlichen Diskurs beliebig durch "gefühlte Wahrheiten" zu ersetzen.
Wie trägt die Verbreitung über Social Media zur Problematik bei?
Soziale Medien wirken als Beschleuniger, da ihr Algorithmus emotionale Inhalte wie Wut bevorzugt, wodurch Desinformation eine höhere Sichtbarkeit erhält als fundierte und nüchterne Berichterstattung.
Inwieweit hat sich die Wahrnehmung des Begriffs Fake News verändert?
Er hat sich von einem bloßen beschreibenden Begriff für Falschmeldungen hin zu einer ideologisch aufgeladenen Strategie zur Diskreditierung etablierter Institutionen und der demokratischen Presse gewandelt.
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- Marion Bachmann (Author), 2023, Ist der Begriff Fake News noch angemessen? Eine Begriffsexploration, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1449496