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Ein Gemisch aus Märchen, Politik und Christentum

Betrachtungen der skoptischen Eschatologie unter besonderer Berücksichtigung der volksmythischen Rolle des Zaren

Title: Ein Gemisch aus Märchen, Politik und Christentum

Term Paper , 2009 , 23 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Daniel Meyer (Author)

Theology - Comparative Religion Studies

Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

„Auf diesem fürchterlichen Drachen muß ich sitzen für meine Geilheit und Lüsternheit nach
schamlosen Genüssen, und er martert mich mit unaussprechlicher Marter, er brennt mit
höllischem Feuer meine geheimen Glieder und mein ganzes Eingeweide zur Strafe für meine
bösen und vielen verruchten Taten.“
Es war einmal vor langer Zeit, da kamen zwei Mönche in ein kleines Dorf. Die Bewohner dieses
Dorfes lebten fromm und ließen sich nur selten etwas zu Schulden kommen. Ihr Dasein, obwohl
hart und beschwerlich, war einfach und demütig – demütig vor der Herrlichkeit und der
allgegenwärtigen Liebe Gottes. Doch wie überall in der Welt trafen die beiden Mönche auch hier
die Sünde an. Ein Weib, das Unzucht mit Blutsverwandten getrieben und sich den schamlosesten
leiblichen Vergnügungen hingegeben hatte, konnte mit ihrer Last nicht mehr leben und vertraute
sich deshalb einem der Mönche an. Doch ihre Vergehen waren so groß, dass sie ihre schlimmsten
Taten verschwieg. Der Mönch, unwissend über den Betrug des Weibes, sprach sie nach altem
Ritus ihrer Sünden frei und legte ihr die Buße auf. Doch kaum hatten die beiden Geistlichen das
Dorf verlassen, beschlich sie ein ungutes Gefühl. „Wahrlich, Bruder, sie hat eine Sünde
verschwiegen, laß uns zurückpilgern, Bruder, und sie zur Reue bekehren.“ Doch als sie in das
Dorf zurückgekehrt waren, fanden sie das Weib tot. Das Wehklagen der Mönche war so groß,
dass sie drei Tage großen Kummer hatten und zu Gott beteten, er möge der Seele dieser armen
Frau seine unendliche Güte zuteil werden lassen. Wie in einem Traum erschien den Mönchen die
tote Frau. Ein schreckliches Bild bot sich den beiden dar – das Weib litt Qualen. Sie war umringt
von Riesenschlangen, Fledermäusen, saß auf einem Drachen und ihr Leib war übersät mit
Wunden. Auf das Drängen der Mönche berichtete sie von ihrem Schicksal. Dieses hatte sie
verdient, weil sie die größte Sünde aus Scham verschwiegen hatte.
Diese und ähnliche Erzählungen bilden den Grundtenor der russischen Folklore. Oftmals geht es
darum, dass ein Mensch – der den Geboten Gottes zuwider gehandelt hat – nach seinem Tode mit
den größten Qualen bestraft wird. Der Auszug aus „Die Höllenqualen der Sünderin“ ist daher bei
weitem kein Einzelfall. Er steht Patron für eine ganze Reihe von Erzählungen [..]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Die Strafe für Geilheit und Lüsternheit – Die Skopzen im Kontext ihrer Zeit

2. Die Basis der skoptischen Eschatologie – Konglomerat aus Märchen, politischen Unruhen und christlichem Glauben

2.1. Es war einmal ein Zar, der… - Das russische Volk und seine Hoffnungen auf einen märchenhaften Retter

2.2. Die Idealisierung des Zarewitschs Petr Fedorovi – Von Ivanovi Pugaëv bis Kondratij Selivanov

2.3. Ein weiterer Prätendent oder die letzte Offenbarung Christi? – Die Gestalt des Kondratij Selivanov

3. Die Eschatologie der Skopzen – Zwischen Personenkult und Endzeit

3.1. Der Gottessohn in Petersburg und die 144.000 Lämmer – Voraussetzungen für das Eintreten der Endzeit

3.2. Paradies und Hölle – Zwei irdische Urteile im Jüngsten Gericht

3.3. Das Jüngste Gericht und der darauffolgende Zustand auf Erden

4. Ein Geheimnis, umgeben von einem Mysterium

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die eschatologischen Vorstellungen der russischen Skopzensekte unter Berücksichtigung der volksmythischen Rolle des Zaren sowie der Instrumentalisierung von Legenden durch Kondratij Selivanov.

  • Volksglaube und Folklore in Russland im 17./18. Jahrhundert
  • Die Peter-Legende und ihre politische sowie religiöse Bedeutung
  • Die Rolle des Prätendenten Kondratij Selivanov bei der Formierung der Sektenlehre
  • Eschatologische Konzepte der Skopzen (Jüngstes Gericht, Paradies, Endzeit)

Auszug aus dem Buch

Die Basis der skoptischen Eschatologie – Konglomerat aus Märchen, politischen Unruhen und christlichem Glauben

Andrej Sinjawskij bezeichnet das 17. Jahrhundert als die größte Tragödie Russlands. In diesem Jahrhundert wurde der innere Zusammenhalt des russischen Reiches auf eine starke Zerreißprobe gestellt. Die geeinte religiöse Gemeinschaft zerbrach, es kam zum Niedergang des alten Frömmigkeitsverständnisses, der Staat begann die Kirche zu dominieren und infolge dessen entwickelte sich Misstrauen im Volk. Dieses entlud sich gegen die weltliche Obrigkeit, die sich immer stärker in Fragen des Glaubens einmischte. Aber es bestand auch gegen die Kirche selbst Widerwillen, da sie der zunehmenden staatlichen Kontrolle durch Anpassung entgegenzuwirken versuchte. Diese Entwicklungen wurden vom Volk sehr argwöhnisch betrachtet, da man sie als Fehlentwicklungen verstand. Infolgedessen schuf das ausgehende 17. Jahrhundert die Basis für spätere Krisen – sowohl im geistlichen als auch weltlichen Milieu. Und genau in diesem Umfeld kam es zur Entwicklung der Skopzensekte.

Wie keine andere Gemeinschaft verstand es diese Gruppierung einerseits das völkische Bedürfnis nach Rettung anzusprechen, gleichzeitig auf den Wunsch der Restauration des alten Glaubens einzugehen und sich obendrein politisch zu legitimieren. Doch wie passen diese Aspekte zusammen? Es ist schwierig eine kurze und prägnante Antwort auf diese Frage zu geben, da die Lehre der Skopzen in sich nicht homogen war. Nicht grundlos bezeichnet Karl Konrad Grass die Lehre der Skopzen als ein „unentwirrbares Knäuel“ aus Widersprüchen, das nur unter Berücksichtigung der Zeit verstanden werden kann.

Zusammenfassung der Kapitel

Die Strafe für Geilheit und Lüsternheit – Die Skopzen im Kontext ihrer Zeit: Einführung in die Thematik anhand volkskundlicher Erzählungen, die sündhaftes Verhalten und dessen Bestrafung thematisieren.

Die Basis der skoptischen Eschatologie – Konglomerat aus Märchen, politischen Unruhen und christlichem Glauben: Analyse der historischen und religiösen Umbrüche des 17. Jahrhunderts, die den Nährboden für die Entstehung der Skopzen bildeten.

Es war einmal ein Zar, der… - Das russische Volk und seine Hoffnungen auf einen märchenhaften Retter: Untersuchung der russischen Folklore und der Sehnsucht nach einem gottgesandten Retter in einer unterdrückten Gesellschaft.

Die Idealisierung des Zarewitschs Petr Fedorovi – Von Ivanovi Pugaëv bis Kondratij Selivanov: Betrachtung der Bedeutung der Peter-Legende und der Instrumentalisierung des Zarenmythos durch politische Prätendenten.

Ein weiterer Prätendent oder die letzte Offenbarung Christi? – Die Gestalt des Kondratij Selivanov: Detaillierte Analyse der Rolle Selivanovs, der sich als Reinkarnation Jesu und Zar Peter III. stilisierte.

Die Eschatologie der Skopzen – Zwischen Personenkult und Endzeit: Untersuchung der spezifisch skoptischen Endzeitvorstellungen nach dem Ableben der Stifterfigur.

Der Gottessohn in Petersburg und die 144.000 Lämmer – Voraussetzungen für das Eintreten der Endzeit: Erörterung der biblischen Exegese der Skopzen und der notwendigen Voraussetzungen für den Beginn des Jüngsten Gerichts.

Paradies und Hölle – Zwei irdische Urteile im Jüngsten Gericht: Darstellung des von Selivanov konzipierten irdischen Paradieses und der Konsequenzen für Nicht-Gläubige.

Das Jüngste Gericht und der darauffolgende Zustand auf Erden: Analyse der Vision einer gereinigten Welt und der Vorstellungen über das Leben nach dem Jüngsten Gericht.

Ein Geheimnis, umgeben von einem Mysterium: Fazit der Arbeit, das die Komplexität und Widersprüchlichkeit der Lehre zusammenfassend bewertet.

Schlüsselwörter

Skopzen, Eschatologie, Volksglaube, Peter-Legende, Kondratij Selivanov, Endzeit, Jüngstes Gericht, Russisches Kaiserreich, Prätendenten, Sekte, Religion, Mythos, Folklore, Askese, Kastration.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der eschatologischen Lehre der russischen Skopzensekte und deren tiefen Verwurzelung im russischen Volksglauben des 18. Jahrhunderts.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentrale Themen sind die russische Folklore, die Bedeutung des Zarenmythos, die Rolle von Prätendenten wie Selivanov und die spezifischen Endzeitvorstellungen der Sekte.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie Selivanov bestehende, tief verankerte volksreligiöse Vorstellungen aufgriff und theologisch instrumentalisierte, um seine eigene, hybride Lehre zu begründen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine religionsphänomenologische und ideengeschichtliche Untersuchung, die auf der Analyse existierender Quellen und Literatur zur skoptischen Bewegung basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Entstehung der Peter-Legende, die Gestalt des Kondratij Selivanov und die konkreten eschatologischen Lehren hinsichtlich des Jüngsten Gerichts.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Skopzen, Eschatologie, Volksglaube, Peter-Legende und Selivanov geprägt.

Inwiefern spielte die Person Peter III. für die Lehre eine Rolle?

Peter III. diente Selivanov als ideale Projektionsfläche für seine messianischen Ansprüche, da er als "gerechter Zar" tief in der Hoffnung des einfachen Volkes verankert war.

Wie gingen die Skopzen mit dem Tod ihres Anführers Selivanov um?

Der Tod Selivanovs stellte die Sekte vor ein großes dogmatisches Problem, was zu einer Zersplitterung in verschiedene Strömungen führte, die das Ableben unterschiedlich interpretierten.

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Details

Title
Ein Gemisch aus Märchen, Politik und Christentum
Subtitle
Betrachtungen der skoptischen Eschatologie unter besonderer Berücksichtigung der volksmythischen Rolle des Zaren
College
http://www.uni-jena.de/  (Theologische Fakultät)
Course
Themen kontextueller Religionsphänomenologie
Grade
1,0
Author
Daniel Meyer (Author)
Publication Year
2009
Pages
23
Catalog Number
V144756
ISBN (eBook)
9783640537389
ISBN (Book)
9783640537686
Language
German
Tags
Skopzen Russland Volksglaube Zar Zarewitzsch Sekte Christentum Religionswissenschaft Seliwanow
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Daniel Meyer (Author), 2009, Ein Gemisch aus Märchen, Politik und Christentum, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/144756
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