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Jugendliche zwischen Risiko und Abenteuerlust - Gesundheitsgewinn durch riskante Verhaltensweisen

Title: Jugendliche zwischen Risiko und Abenteuerlust - Gesundheitsgewinn durch riskante Verhaltensweisen

Master's Thesis , 2010 , 77 Pages , Grade: 1,85

Autor:in: Jochen Schwanekamp (Author)

Health - Miscellaneous

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Summary Excerpt Details

Die Adoleszenz ist eine Phase, die für Jugendliche mit vielen
Herausforderungen und Entwicklungsaufgaben verbunden ist. Riskante
Verhaltensweisen, insbesondere gesundheitliches Risikoverhalten ist ein normaler Bestandteil dieser Entwicklungsphase. Für einen Großteil der Jugendlichen sind riskante Verhaltensweisen Ausdruckeines natürlichen Ausprobier- und Neugierdeverhaltens, welches sich auf die Adoleszenz beschränkt und keinen negativen Einfluss auf die weiteren Entwicklungsprozesse hat. Im Gegenteil: Riskante Verhaltensweisen übernehmen eine Vielzahl von Funktionen für die Jugendlichen und es sind die gänzlich Abstinenten, die ein höheres Maß an Entwicklungsstörungen aufzeigen. Dennoch existieren unzählige Präventionsmaßnahmen, deren Ziel es ist, den Umgang aller Jugendlichen, speziell mit legalen oder illegalen Substanzen, verhindern, reduzieren oder beenden zu wollen. Dies passiert, da gesundheitliches Risikoverhalten ausschließlich als ein für die weitere Entwicklung negativ besetztes Kompensationsverhalten definiert wird. Die Erfolge der Prävention von gesundheitlichen Risikoverhaltensweisen Jugendlicher sind, gerade gemessen am Umfang und der politischen Legitimation der Maßnahmen, enttäuschend gering. Dringend notwendig und wesentlich erfolgversprechender scheint eine Form der Gesundheitsförderung zu sein, die sich durch befähigende Maßnahmen auf die Bildung von Schutzfaktoren, Ressourcen und einer Risikokompetenz im Umgang mit gesundheitlichem Risikoverhalten konzentriert. Das aktuell
vorherrschende Präventionsdogma beruht auf einer Defizit- und
normwertorientierten, stark biomedizinisch geprägten Sichtweise von Gesundheit und Krankheit und deren Bedingungen und Ursachen.
Betrachtet man jedoch die Gesundheit und das Risikoverhalten der
Jugendlichen aus einer ganzheitlichen salutogenetischen und
kulturhistorischen Perspektive, so wird den Funktionen und Vorteilen des Risikoverhaltens, wie Spaß, Genusserleben, Abenteuerlust, Identitätsbildung und Gruppenzugehörigkeitsgefühleine eine gleichberechtigte Rolle in der Bewertung für die Gesundheit der Jugendlichen zuteil.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Risikobegriff

2.1 Ursprung des Begriffs Risiko

2.2. Von Devianz zum Risikoverhalten

2.3. Normativität in den Gesundheitswissenschaften

2.4. Das Konstrukt Risiko

2.4.1 Karrieren sozialer Probleme

3. Formen von riskanten Verhaltensweisen im Jugendalter

4. Krankheits- und Gesundheitsmodelle

4.1 Das biomedizinische Krankheitsmodell

4.1.1 Das Risikofaktorenmodell

4.2. Das salutogenetische Gesundheitsmodell

4.3. Resilienz

5. Erklärungsmodelle für jugendliches Risikoverhalten

5.1. Das sozialisationstheoretische Belastungs-Bewältigungs-Modell

5.2 Funktionen von Risiko

5.3. Risikofaktoren als Schutzfaktoren?

6. Hilfsmaßnahmen für Jugendliche

6.1 Prävention oder Gesundheitsförderung?

6.2 Risikokompetenzen

7. Diskussion und Fazit

8. Literatur

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht kritisch die gesellschaftliche Wahrnehmung und medizinische Stigmatisierung von riskanten Verhaltensweisen bei Jugendlichen. Ziel ist es, aufzuzeigen, dass derartige Verhaltensweisen nicht nur als defizitäres Kompensationsverhalten zu werten sind, sondern Funktionen der Identitätsbildung, sozialen Integration und persönlichen Entwicklung erfüllen und somit einen positiven Beitrag zur Gesundheit von Jugendlichen leisten können.

  • Soziologische Analyse des Risikobegriffs und des Wandels von Devianz zu Risikoverhalten.
  • Kritische Auseinandersetzung mit biomedizinischen Krankheitsmodellen versus salutogenetischen Gesundheitsansätzen.
  • Untersuchung der Funktionen von Risikoverhalten (Spaß, Autonomie, soziale Anpassung).
  • Plädoyer für eine ressourcenorientierte Gesundheitsförderung statt rein präventiver Restriktion.
  • Bedeutung der Risikokompetenz im Rahmen einer begleiteten Identitätsentwicklung.

Auszug aus dem Buch

2.1 Ursprung des Begriffs Risiko

Der Ursprung des Begriffes Risiko ist zeitlich nicht eindeutig festzulegen. Nach Luhmann (1991:19) findet der Begriff im späten 14 Jahrhundert in Italien und Spanien den Eingang in den Sprachgebrauch, vor allem in Bereichen der Seefahrt und des Handels. Das der Begriff ausgerechnet in der Seefahrt seinen Ursprung findet, erscheint bei Betrachtung des Wesens der Schifffahrt nur logisch. Auf langen Reisen konnte an Schiffen eines Reeders immer etwas kaputt gehen, sie konnten von Freibeutern überfallen werden, die Fracht konnte ungenießbar werden oder schlechtes Wetter gar zum Untergang des Schiffes führen. Es ging also nicht direkt um Gefahren, sondern um etwas, wessen sich der verantwortliche Reeder bewusst war und er es trotz dieser Gefahren „riskierte“ (Bonß 1995:50). So wurden erstmals Versicherungen im Seehandel abgeschlossen, um eventuelle Schadensfälle zu regulieren.

Möglich wurde dieser Schutz vor allem durch die damals neu erlangten Erkenntnisse in Mathematik und Stochastik, die es möglich machten, verschiedene Unsicherheiten und Gefahren qualitativ ähnlicher Gruppierungen zusammenzufassen. Somit konnten durchschnittliche Werte kalkuliert werden, die die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Schadenfalls beschrieben und zum anderen die zu erstattende Schadendhöhe. Somit ist Risiko das Produkt aus Schadenshöhe und Schadenwahrscheinlichkeit. (vgl. Schmidt-Semisch 2004). Diese Bedrohungs- und verlustorientierte Risikodetermination findet sich auch in der heutigen medialen Risikoberichterstattung oder in den Gebrauchsanweisungen von Lebensmitteln und Medikamenten („Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“) (Bonß 1995:32). Da der damalige Sprachgebrauch bereits Wörter wie Wagnis, Gefahr, Zufall, Glück, Angst oder Mut enthielt, scheint der Grund für die neue Wortkreation allerdings auch in der Einsicht zu liegen, „daß manche Vorteile nur zu erreichen sind, wenn man etwas aufs Spiel setzt.“ (Luhmann 1991:19). Dies mag auch der genannte Reeder gewusst haben, als er sein Schiff auf die Reise schickte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die einseitig negative öffentliche Bewertung jugendlicher Risikoverhaltensweisen und formuliert die These, dass diese Verhaltensweisen sinnvoll für die gesunde Entwicklung sein können.

2. Der Risikobegriff: Dieses Kapitel analysiert die historische Entstehung des Risikobegriffs, den soziologischen Wandel von Devianz zum Risiko sowie die Normativität innerhalb der Gesundheitswissenschaften.

3. Formen von riskanten Verhaltensweisen im Jugendalter: Hier werden unterschiedliche Kategorien von Risikoverhalten definiert, unterteilt in substanzmittelbezogene, explizit risiko-konnotative, delinquente und finanzielle Verhaltensweisen.

4. Krankheits- und Gesundheitsmodelle: Das Kapitel kontrastiert das mechanistische, biomedizinische Krankheitsmodell mit salutogenetischen Modellen und dem Resilienzkonzept, um neue Analyseperspektiven auf Jugendgesundheit zu eröffnen.

5. Erklärungsmodelle für jugendliches Risikoverhalten: Das Kapitel diskutiert das sozialisationstheoretische Belastungs-Bewältigungs-Modell und erörtert verschiedene Funktionen von Risikoverhalten, wie den Spaßfaktor, die soziale Integration und die Autonomieentwicklung.

6. Hilfsmaßnahmen für Jugendliche: Dieses Kapitel plädiert für einen Paradigmenwechsel weg von rein verbotssorientierter Suchtprävention hin zur Förderung von Risikokompetenzen im Sinne der Gesundheitsförderung.

7. Diskussion und Fazit: Das Fazit fasst die zentrale These zusammen und fordert Erwachsene dazu auf, Jugendliche als Partner auf Augenhöhe auf ihrem abenteuerlichen Weg ins Erwachsenenalter zu begleiten.

8. Literatur: Verzeichnis der wissenschaftlichen Quellen und Internetressourcen.

Schlüsselwörter

Adoleszenz, Risikoverhalten, Gesundheitsförderung, Salutogenese, Resilienz, Prävention, Sozialisation, Identitätsbildung, Risikokompetenz, Jugendgesundheit, Risiko, Devianz, Schutzfaktoren, Bedürfnisbefriedigung, Lebensgestaltung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Bewertung von Risikoverhalten im Jugendalter. Sie hinterfragt die einseitig negative Sichtweise der Präventionspolitik und zeigt auf, dass dieses Verhalten eine wichtige Funktion in der Identitätsentwicklung einnehmen kann.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die Soziologie des Risikos, die Kritik am biomedizinischen Krankheitsmodell, das salutogenetische Modell der Gesundheit sowie die Rolle von Schutzfaktoren und Resilienz im Jugendalter.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, ein Verständnis dafür zu schaffen, dass jugendliches Risikoverhalten nicht per se als krankhaft oder rein negativ anzusehen ist, sondern als ein notwendiger Bestandteil auf dem Weg zur autonomen Persönlichkeitsbildung fungieren kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine theoretische, diskursanalytische Herangehensweise, indem sie verschiedene sozialwissenschaftliche und gesundheitswissenschaftliche Theorien vergleicht und kritisch auf die aktuelle Praxis der Prävention anwendet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine begriffliche Fundierung (Risiko/Devianz), eine Analyse von Gesundheitsmodellen (biomedizinisch vs. salutogenetisch) und die Diskussion der Funktionen von Risikoverhalten wie Spaß, Autonomie und soziale Anerkennung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen: Adoleszenz, Risikoverhalten, Salutogenese, Resilienz, Gesundheitsförderung, Sozialisation und Identitätsbildung.

Warum wird das biomedizinische Krankheitsmodell kritisiert?

Das Modell wird als zu mechanistisch und reduktionistisch kritisiert, da es den Menschen als „Maschine“ betrachtet, Krankheit nur als Defizit wertet und somit den Einfluss individueller Lebensbezüge und psychosozialer Faktoren ausblendet.

Welchen Nutzen stiftet das Rauchen oder der Alkoholkonsum für Jugendliche laut der Arbeit?

Das Risikoverhalten bietet Jugendlichen Möglichkeiten zur sozialen Integration, dient als Instrument der Autonomieabgrenzung gegenüber Erwachsenen und hilft bei der Identitätsfindung sowie der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben.

Was unterscheidet Gesundheitsförderung von klassischer Prävention?

Klassische Prävention ist oft defizitorientiert und versucht Verhalten zu verbieten. Gesundheitsförderung hingegen ist ressourcenorientiert und zielt darauf ab, die Kompetenzen der Jugendlichen zu stärken, damit diese verantwortungsvoll mit Risiken umgehen können.

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Details

Title
Jugendliche zwischen Risiko und Abenteuerlust - Gesundheitsgewinn durch riskante Verhaltensweisen
College
University of Bremen
Grade
1,85
Author
Jochen Schwanekamp (Author)
Publication Year
2010
Pages
77
Catalog Number
V144517
ISBN (eBook)
9783640548408
ISBN (Book)
9783640550579
Language
German
Tags
Jugendliche riskantes Verhalten Risiko Gesundheit Gesundheitsgewinn Abenteuer Salutogenese Resilienz Alkohol Rauchen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jochen Schwanekamp (Author), 2010, Jugendliche zwischen Risiko und Abenteuerlust - Gesundheitsgewinn durch riskante Verhaltensweisen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/144517
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