In dieser Ausarbeitung gilt es zu untersuchen: Ist der Roman Papierklavier nicht katholisch genug für den Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis und welche potenziellen Störfaktoren sind ausschlaggebend für die Versagung gewesen?
Der Katholische Kinder- und Jugendbuchpreis wird seit 1979 von der Deutschen Bischofskonferenz verliehen. Es werden deutschsprachige Bücher ausgezeichnet, welche beispielhaft und altersgemäß, religiöse Erfahrungen vermitteln, Glaubenswissen erschließen und christliche Lebenshaltungen verdeutlichen. Im Jahr 2021 wird das Jugendbuch „Papierklavier“ von Elisabeth Steinkellner von der Jury als Gewinner des Preises gekürt, doch die Deutsche Bischofskonferenz lehnte das Buch schlussendlich ab und der Preis wurde in diesem Jahr nicht verliehen. Für die Deutsche Bischofskonferenz entsprach das fiktionale Tagebuch einer 16-Jährigen, die mit Tod, Armut und den üblichen Leiden eines pubertierenden Teenagers, also auch der Sexualität, zu tun hat, nicht den Kriterien der Preisverleihung. Eine präzisere Begründung wurde nicht veröffentlicht.
Dass sich aus der Versagung des Preises eine Debatte entwickelt, die gerade die katholische Kirche erschüttert, ist aber erst in den darauffolgenden Wochen klar geworden. Mutmaßungen zu Folge fehle es dem Buch an christlicher Lebenswirklichkeit. Doch wie definiert sich diese und was bedeutet das für die Deutsche Bischofskonferenz? Nach Hernik kommt es aufgrund vieler Leerstellen in „Papierklavier“ zu einem Störungspotenzial. Viele Themen wie Sexualität und Diversität werden nur angerissen und es bleibt bei Erklärungsversuchen. Dadurch, dass vieles offen gelassen und ohne pädagogischen Hintergrund geschildert wird, wird den Leser*innen zu viel Freiheit und Selbstbestimmung gelassen, was im Endeffekt in einer Störung münden kann. Doch recht-fertigt dies schlussendlich die Versagung des Preises?
Die Ablehnung ruft massive Kritik hervor, die in einem offenen Brief mündet, in dem 222 Kinderbuchautor*innen die Entscheidung des Ständigen Rates kritisieren. Eine Gruppe von Privatleuten rief sogar einen neuen Preis, den christlichen Kinder- und Jugendbuchpreis ins Leben. Schlussendlich wurde sogar darüber diskutiert, ob dieser Preis noch zeitgemäß sei, wenn die Gesellschaft zunehmend von Diversität und Emanzipation geprägt ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Katholische Kinder- und Jugendbuchpreis
3 Mediale Aufmerksamkeit
4 Störungspotenzial des Werks
5 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Ausarbeitung untersucht die Gründe für die Nichtvergabe des Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreises an den Roman „Papierklavier“ von Elisabeth Steinkellner im Jahr 2021 und analysiert, inwiefern das Werk dem Störungspotenzial durch fehlende pädagogische Aufarbeitung und thematische Tabubrüche unterliegt.
- Analyse der Vergabekriterien des Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreises
- Untersuchung der medialen Reaktionen auf die Nichtvergabe
- Identifikation inhaltlicher Störfaktoren (Sexualität, transgeschlechtliche Identität, Familienbilder)
- Interpretation der „Leerstellen“ in der erzählten Welt von „Papierklavier“
- Reflexion über die Vereinbarkeit von zeitgemäßer Jugendliteratur und kirchlichen Normen
Auszug aus dem Buch
3 Mediale Aufmerksamkeit
Wie bereits im vorangegangenen Kapitel dargestellt, ist der Jugendroman „Papierklavier“ von Elisabeth Steinkellner im Jahr 2021 der Favorit für den Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis gewesen. Doch welchen Gründen wurde „Papierklavier“ schlussendlich abgelehnt? Da die Deutsche Bischofskonferenz keine begründete Stellungnahme abgegeben hat, werden im Folgenden ein paar mögliche Ursachen näher betrachtet.
Über allen möglichen Ursachen steht die Frage, ob „Papierklavier“ für den katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis nicht katholisch genug gewesen ist. In dem Jugendroman lassen sich viele Textstellen finden, an welchen sich die Bischöfe hätten stören können.
„Was aus uns wird, wenn wir gestorben sind, fragt die siebenjährige Heidi ihre Schwester Maia. Der Sechzehnjährigen liegt auf der Zunge: „Ich schätze, wir sind ein Festmahl für allerhand Tiere und Bakterien.“ Was sie aber nicht sagt. Stattdessen hört sie Heidi zu, wie die sich das jenseitige Dasein der gerade gestorbenen Nachbarin vorstellt – unsichtbar Schabernack treibend, mit dem Fahrrad nach New York fahrend und dergleichen mehr“ (Steinkellner 2021, S. 30f).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Umstände der Nichtvergabe des Preises an „Papierklavier“ und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der Störfaktoren.
2 Der Katholische Kinder- und Jugendbuchpreis: Dieses Kapitel beschreibt die Geschichte, die Jury-Zusammensetzung und die Kriterien des Preises.
3 Mediale Aufmerksamkeit: Hier wird die öffentliche Debatte und die Kritik an der Entscheidung der Bischofskonferenz beleuchtet.
4 Störungspotenzial des Werks: In diesem Teil werden inhaltliche Aspekte wie Sexualität und Identität analysiert, die den Anstoß für die Ablehnung gegeben haben könnten.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Nicht-Begründung der Absage Raum für Spekulationen lässt und hinterfragt die zeitgemäße Relevanz der Preisvergabe.
Schlüsselwörter
Papierklavier, Elisabeth Steinkellner, Katholischer Kinder- und Jugendbuchpreis, Deutsche Bischofskonferenz, Zensur, Jugendliteratur, Transsexualität, Sexualität, Störungspotenzial, Katholizismus, Literaturkritik, Gender-Identität, Patchworkfamilie, Diversität, Medienreaktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Kontroverse um die Nichtvergabe des Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreises 2021 für das Buch „Papierklavier“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind der Konflikt zwischen künstlerischer Freiheit in der Jugendliteratur und den Werten der katholischen Kirche sowie Themen wie Transsexualität und moderne Familienbilder.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu ergründen, warum das Werk als „nicht katholisch genug“ wahrgenommen wurde und welche inhaltlichen „Leerstellen“ für die Jury ein Störungspotenzial darstellten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Auswertung medialer Berichterstattung sowie fachspezifischer Kommentare (Hernik 2022).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung des Preises, die öffentliche Aufmerksamkeit und die detaillierte Analyse der Störfaktoren innerhalb des Romans.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Literaturkritik, Störungspotenzial, Diversität und die Auseinandersetzung mit kirchlichen Normen geprägt.
Warum wird die Rolle der Mutter als Störfaktor diskutiert?
Die Mutter im Roman entspricht mit ihrem unkonventionellen Lebensentwurf nicht dem traditionellen katholischen Familienideal, was laut Analyse bei der Jury auf Ablehnung stieß.
Welche Bedeutung hat der offene Brief der Kinderbuchautoren?
Der Brief verdeutlicht den Widerstand der Literaturszene gegen die mangelnde Transparenz und die Entscheidung der Bischofskonferenz.
Wie bewertet die Autorin das Ende der Preisvergabe durch die Bischöfe?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Kriterien der Preisvergabe hinterfragt werden müssen, da die fehlende Begründung für die Autorenschaft und Leserschaft nicht nachvollziehbar war.
- Arbeit zitieren
- Jana Degener (Autor:in), 2023, Betrachtung der Debatte über den Roman "Papierklavier" des katholischen Kinder- und Jugendbuchpreises, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1441555