Die vorliegende Arbeit untersucht die Anziehungskraft und die aufrechterhaltende Bindung der Hillsong Church, einer modernen Form des Christentums, welche insbesondere junge, global vernetzte Menschen anspricht. Der Fokus liegt auf der Erzeugung und Aufrechterhaltung von Solidarität innerhalb der Gemeinde durch das Konzept der "affective labor". Der Vergleich der Hillsong-Gemeinden in Konstanz und Oslo dient der Analyse, wie diese Solidarität konkret gestaltet wird und wie sie zur globalen Reichweite und zum Erfolg der Kirche beiträgt. Trotz kontroverser Ansichten und Herausforderungen bleibt die Hillsong Church ein bedeutender Akteur im Bereich der modernen christlichen Bewegungen, was die Untersuchung ihrer Praktiken und ihres Einflusses besonders relevant macht.
Auf der Grundlage des Konzepts der affektiven Arbeit versucht diese Arbeit zu veranschaulichen, wie Solidarität in den Gottesdiensten der Hillsong Church entsteht und aufrechterhalten wird. Die Analyse umfasst eine vergleichende Komponente von zwei Orten der pentekostalistischen Kirche, Konstanz und Oslo. Die Ergebnisse zeigen, dass es einige wichtige Hauptfaktoren gibt, die eine Schlüsselrolle bei der Erzeugung von Solidarität spielen und der Hillsong Church helfen, ihren Status als globale Megakirche zu erhalten.
"Lieben und dienen" - mit diesem Slogan wird man schon sehr früh konfrontiert, wenn man mit dem Gedanken spielt, an den Gottesdiensten der pentekostalistischen HillsongChurch teilzunehmen. Die in jüngster Zeit zunehmende Forschung zum Phänomen der Pfingstbewegung als moderne Form des Christentums, die sich vor allem auf die Bedürfnisse und Ansprüche einer jungen, international vernetzten Zielgruppe konzentriert, zeigt die wachsende Bedeutung solcher alternativen Gottesdienstformen. Hier spielt die Hingabe eine wichtige, wenn nicht sogar die wichtigste Rolle bei den wöchentlichen Zusammenkünften, verbunden mit einem allgemeinen Gefühl der Solidarität. Diese spezifische Form der Solidarität stellt Gott in die Position der Autorität, und die Mitglieder von Hillsong sind als seine Repräsentanten berechtigt, von den Besuchern der Gottesdienste verschiedene Formen der Anstrengung zu verlangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Bezugsrahmen und Stand der Forschung
2.1 Solidarität
2.2 Affective Labor
2.3 Stand der Forschung
3. Ziele und Methodik
3.1 Ziele
3.2 Methodik
3.2.1 Ethnografie
3.2.2 Grounded Theory
4. Durchführung
5. Analyse
5.1 Schlüsselkategorien
5.1.1 Erzeugte Emotionen
5.1.2 Zentrale Routineabläufe
5.1.3 Diversität der Anwesenden
5.1.4 Kommunikation
5.2 Vergleich Konstanz - Oslo
6. Methodische Reflexion
7. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie in den Gottesdiensten der Hillsong Church in Konstanz und Oslo Solidarität konstruiert und durch die Teilnehmenden aufrechterhalten wird. Dabei wird analysiert, welche Rolle das Konzept des affective labor spielt, um Anhänger_innen an die Institution zu binden und in deren Gemeinschaftslogik zu integrieren.
- Konstruktion von Solidarität in religiösen Institutionen
- Anwendung des Konzepts der affektiven Arbeit (affective labor)
- Ethnografischer Vergleich lokaler Hillsong-Gemeinden
- Gemeinschaftsbildung und emotionale Inszenierung
- Strukturen und Routineabläufe in der Pfingstbewegung
Auszug aus dem Buch
2.2 Affective Labor
Das Konzept der affective labor, also affektiven Arbeit, wurde erstmals von Hardt und Negri (2002) in ihrem Werk Empire entwickelt und von dort an in vielen folgenden Arbeiten aufgegriffen. Dabei gilt affektive Arbeit als eine Spezialform immaterieller Arbeit, da die erzeugten Produkte wie Pläne oder Konzepte nicht physisch greifbar sind (Hardt 1999, S. 96). Abzugrenzen ist sie etwa von emotionaler Arbeit, so wird affektive Arbeit nicht verrichtet, um eigene emotionale Erfahrungen erleben und bewältigen zu können, sondern um diese erst anderen zu vermitteln mit dem Ziel der „creation and modulation of affect in and through human contact, ethics of responsibility, and communication“ (Kostogriz 2012, S. 402). Diese Strategie der Erzeugung von Emotionen findet in vielen verschiedenen Bereichen Anwendung.
Hardt und Negri erstellten ihre Konzeption von affektiver Arbeit vor dem Hintergrund der kapitalistischen Modernisierung von Arbeit, welcher bei vielen Werken anderer Autor_innen, die darauf Bezug nehmen, nicht immer explizit verwendet wird. So existiert innerhalb des Stands der Forschung eine Diversität an thematischen Einsätzen des Konzepts affektiver Arbeit. Hofman (2015) behandelt die Arbeit professioneller Musiker_innen im konzeptuellen Rahmen affektiver Arbeit. Zentral ist dabei die Generierung spezifischer Atmosphären sowie die Erfüllung bestimmter Erwartungen an die genaue, dem Anlass entsprechende Art der Musik. Weit verbreitet ist die Verrichtung affektiver Arbeit weiterhin besonders im Dienstleistungssektor. Farrugia et al. (2018) zeigen die affektiven Praktiken unter jungen Beschäftigten in der Lokalität einer Bar auf, welche hauptsächlich darauf abzielen, vor Ort eine angenehme Stimmung zu erzeugen. Ip (2017) untersucht, wie die Tätigkeit in Schönheitssalons in Shanghai die Körper, Psyche sowie die Positionierung auf dem Heiratsmarkt von Migrantinnen beeinflusst. Dabei verbindet sie affektive mit ästhetischer Arbeit und betont die Ambivalenz affektiver Arbeit, da diese Körper und Psyche der Arbeitenden positiv wie negativ beeinflussen kann. Penz et al. (2017) stellen dar, wie Mitarbeiter_innen von Arbeitsagenturen in Form von Motivation und Unterstützung der von ihnen adressierten Personen affektive Arbeit leisten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die Bedeutung von Religion in modernen Zeiten und stellt die Hillsong Church als Forschungsgegenstand vor, um die Frage nach dem Reiz dieser „neuen“ Christlichkeit zu klären.
2. Theoretischer Bezugsrahmen und Stand der Forschung: Definiert Solidarität und affektive Arbeit (affective labor) als theoretische Basis und kontextualisiert die vorliegende Untersuchung innerhalb der Forschung zur Pfingstbewegung.
3. Ziele und Methodik: Erläutert die Zielsetzung der Untersuchung, eine qualitative Fallstudie mittels teilnehmender Beobachtung und der Methode der Grounded Theory durchzuführen.
4. Durchführung: Detailliert den Zugang zum Feld und die praktische Umsetzung der Feldforschung in den Gemeinden in Konstanz und Oslo.
5. Analyse: Präsentiert die gewonnenen Schlüsselkategorien, darunter Emotionen, Routinen und Diversität, und vergleicht die Beobachtungen zwischen den beiden Standorten.
6. Methodische Reflexion: Kritische Auseinandersetzung mit der Methodenwahl und der eigenen Rolle in der Feldforschung sowie des theoretischen Begriffs der affektiven Arbeit.
7. Fazit und Ausblick: Fasst die Ergebnisse zusammen, wonach affektive Arbeit ein zentraler Mechanismus der Solidaritätsstiftung ist, und identifiziert Ansatzpunkte für zukünftige Forschung.
Schlüsselwörter
Solidarität, Affective Labor, Hillsong Church, Pfingstbewegung, Grounded Theory, Ethnografie, Gottesdienst, religiöse Gemeinschaft, Emotionen, Routine, Partizipation, Megachurch, Fallstudie, Gemeinde
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie in den Gottesdiensten der Hillsong Church Solidarität unter den Teilnehmenden erzeugt wird und welche Rolle dabei affektive Arbeit spielt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die soziologische Analyse von religiösen Versammlungen, die Rolle von Emotionen in gemeinschaftlichen Prozessen und die Funktionsweise von modernen Freikirchen.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das primäre Ziel ist es, die spezifischen Praktiken aufzudecken, durch die die Hillsong Church eine Bindung zwischen der Institution und ihren Mitgliedern schafft und aufrechterhält.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine qualitative Fallstudie durchgeführt, die auf ethnografischer teilnehmender Beobachtung basiert und mithilfe der Methodologie der Grounded Theory nach Anselm Strauss ausgewertet wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Schlüsselkategorien wie Emotionen, zentrale Routineabläufe und die Diversität der Anwesenden sowie einen direkten Vergleich zwischen den Hillsong-Gemeinden in Konstanz und Oslo.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Kernbegriffe sind Solidarität, Affective Labor, Hillsong Church, Pfingstbewegung, Grounded Theory und Ethnografie.
Wie unterscheidet sich die Altersstruktur in Konstanz zu der in Oslo?
In Konstanz findet sich ein breites Altersspektrum von Kleinkindern bis zu Senior_innen, während die Gottesdienste in Oslo fast ausschließlich von einer sehr homogenen Gruppe junger Menschen zwischen 20 und 35 Jahren besucht werden.
Welche Rolle spielt die Sprache innerhalb der Gottesdienste?
Die Verwendung englischer Begriffe und feststehender Phrasen dient als Zeichen für die globale Verbundenheit der Hillsong Church und soll ein internationales Gemeinschaftsgefühl (Solidarität) vermitteln, unabhängig von der Alltagssprache vor Ort.
Welche Bedeutung haben die „Zentralen Routineabläufe“ für die untersuchte Gemeinde?
Diese Abläufe wie Musik, Begrüßung und Predigt dienen als affektive Arbeit, um Vertrautheit zu erzeugen und sicherzustellen, dass die Teilnehmenden wissen, wie sie sich in der Gemeinschaft zu verhalten haben, um zur Stabilität der Institution beizutragen.
- Arbeit zitieren
- Lucia Ellmaier (Autor:in), 2020, Solidarität und "Affective Labor" in der Hillsong Church. Ein Vergleich der Gemeinden Konstanz und Oslo, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1433524