In der vorliegenden Arbeit wird die Frage beantwortet, durch welche Faktoren sich die Teilzeitbeschäftigung von Frauen und Müttern in der Bundesrepublik Deutschland, in der DDR und auch nach der Wiedervereinigung veränderte. Es wird der Frage nachgegangen, weshalb die Wiedervereinigung einen Einfluss auf die Erwerbstätigkeit von Frauen und Müttern hatte.
In Westdeutschland galt das konservative 'male-bread-winner' und die Frau kümmerte sich um Kinderbetreuung und Haushalt, während in Ostdeutschland die Kinderbetreuung staatlich gut organisiert und die Frau vollzeiterwerbstätig war. Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurde eine theoretische Arbeit erstellt, die sich mit Studien zur Erwerbstätigkeit der ost- und westdeutschen Bevölkerung beschäftigt. In den Studien wurde nicht nur die Teilzeitquote untersucht, sondern auch die Entwicklung der Erwerbstätigkeit in der DDR, in der BRD und auch nach der Wiedervereinigung.
Die theoretische Arbeit hat gezeigt, dass sich die Quote der Teilzeitbeschäftigung von Frauen, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen, zwischen den beiden Staaten stark unterscheidet und sich nach der Wiedervereinigung in der Mitte der beiden Gegensätze trifft. Dies zeigt zum einen, dass ostdeutsche Frauen und Mütter nach der Wiedervereinigung von Vollzeitarbeit in Teilzeitarbeit wechselten. Und zum anderen, dass Frauen und Mütter in der BRD von der häuslichen Betreuung zu teilzeitbeschäftigt übergegangen sind.
Inhaltsverzeichnis
1. WESHALB IST ES WICHTIG SICH DAS THEMA ANZUSCHAUEN?
2. GESCHLECHTERROLLENEINSTELLUNGEN IN WEST- UND OSTDEUTSCHLAND
3. ENTWICKLUNG DER TEILZEITARBEITSQUOTEN IN WEST- UND OSTDEUTSCHLAND
3.1 INSTITUTIONELLE RAHMENBEDINGUNGEN IN WEST- UND OSTDEUTSCHLAND
3.1.1 Teilzeit- und Befristungsgesetz
3.1.2 Arbeitsmarktsituation
3.2 EINFLUSS DER RAHMENBEDINGUNGEN AUF DIE TEILZEITARBEITSQUOTE VON MÜTTERN UND VÄTERN
3.2.1 Reformen
3.2.2 Änderung des Arbeitsmarktes
4. DISKUSSION UND AUSBLICK
5. KONKLUSION
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der deutschen Wiedervereinigung auf die Teilzeitbeschäftigung von Müttern und Frauen. Ziel ist es zu analysieren, wie unterschiedliche staatliche Rahmenbedingungen, Geschlechterrollenbilder und familienpolitische Modelle in der ehemaligen DDR und der BRD die Erwerbsverläufe von Frauen nachhaltig prägten und welche Transformationen nach 1990 stattfanden.
- Historischer Vergleich der Geschlechterrollenbilder in Ost- und Westdeutschland
- Analyse der institutionellen Rahmenbedingungen zur Kinderbetreuung
- Entwicklung der Teilzeitquoten unter Einfluss politischer Reformen
- Auswirkungen des Übergangs vom DDR-Modell zum westdeutschen "Male-Bread-Winner"-Modell
Auszug aus dem Buch
3.1 Institutionelle Rahmenbedingungen in West- und Ostdeutschland
Seit Gründung der DDR wurden Kinderbetreuungseinrichtungen staatlich gefördert, dabei wurde ein besonderes Interesse auf die Betreuung von Kindern im Vorschul- und Schulalter gelegt. Auf diese Weise, so Hank (2001), sei bereits in den 1980er Jahren ein so flächendeckendes Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen entstanden, dass es für alle Kinder im Vor- und Grundschulalter zur Verfügung stand. Die Betreuung wurde jedoch nicht erst ab dem Kindergartenalter sichergestellt, sondern auch die Betreuung von Babys/Kindern in Krippen- und Hortalter war gewährleistet. So betrug die Krippenbetreuungsquote 80%, die Kindergartenbetreuungsquote ca. 95% und die Grundschulbetreuungsquote 80%.
Die Öffnungszeiten der Kindergärten ermöglichten es den Ehepartnern, ihre Kinder vor der Arbeit abzugeben und sie nach der Arbeit problemlos wieder abzuholen. Dabei wurden die Öffnungszeiten so angepasst, dass die Krippen und Kindergärten bereits ab 6.00 Uhr morgens öffneten und dann durchgehend bis 18.00 Uhr geöffnet waren. Wenn beispielsweise das Wochenende für eine Fortbildung genutzt wurde, konnte das Kind bei Bedarf auch am Samstag betreut werden. Auch die Öffnung der Einrichtungen während der Schulferien der Kinder hat sich als sehr hilfreich erwiesen, so dass die Eltern auch in den Schulferien berufstätig sein konnten. (vgl. Hank et al. 2001, S. 4).
Auch im Hinblick auf die Kosten wurde der größte Teil des Geldes vom Staat übernommen, so dass die Kosten für Eltern deutlich reduziert werden konnten. Lediglich die Mahlzeiten des Kindes wurden von den Eltern bezahlt. Diese belief sich in der Krippe auf 1,40 Mark pro Tag, im Kindergarten auf 0,35 Mark pro Tag und im Schulhort auf 0,55 Mark pro Tag. Damit war die Versorgung in den Einrichtungen auch für die Familien kostengünstiger als die Bereitstellung der Verpflegung zu Hause. Allerdings war es nie vorgeschrieben, eine Kita zu besuchen, so dass die Eltern frei entscheiden konnten, ob sie eine Kita in Anspruch nahmen oder nicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. WESHALB IST ES WICHTIG SICH DAS THEMA ANZUSCHAUEN?: Dieses Kapitel führt in die Fragestellung ein, ob und wie die Wiedervereinigung die Teilzeitquote von Frauen durch veränderte strukturelle Bedingungen beeinflusst hat.
2. GESCHLECHTERROLLENEINSTELLUNGEN IN WEST- UND OSTDEUTSCHLAND: Hier werden die sozioökonomischen Hintergründe und traditionellen Rollenbilder in beiden Staaten beleuchtet, die maßgeblich die Erwerbsbiografien von Männern und Frauen bestimmten.
3. ENTWICKLUNG DER TEILZEITARBEITSQUOTEN IN WEST- UND OSTDEUTSCHLAND: Dieses Hauptkapitel analysiert die statistische Entwicklung der Teilzeitbeschäftigung sowie die institutionellen Faktoren wie Kinderbetreuung und rechtliche Rahmenbedingungen.
4. DISKUSSION UND AUSBLICK: Es erfolgt eine kritische Betrachtung der politischen Folgen des westdeutschen Fördersystems für ostdeutsche Frauen sowie eine Diskussion aktueller Debatten wie dem Ehegattensplitting.
5. KONKLUSION: Das Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und resümiert, wie sich die Wiedervereinigung auf die Teilzeitarbeit von Frauen ausgewirkt hat.
Schlüsselwörter
Teilzeitbeschäftigung, Wiedervereinigung, DDR, BRD, Geschlechterrollen, Erwerbsbiografien, Kinderbetreuung, Male-Bread-Winner-Modell, Arbeitsmarkt, Familienpolitik, Ehegattensplitting, Frauenarbeit, Müttererwerbstätigkeit, Erziehungsgeld, Sozialpolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Einfluss der deutschen Wiedervereinigung auf die Teilzeitbeschäftigung von Frauen und Müttern und analysiert, wie sich die Arbeitsmarktsituation in den neuen Bundesländern im Vergleich zur alten Bundesrepublik verändert hat.
Welche zentralen Themenbereiche werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung der Kinderbetreuungssysteme, der Wandel von Geschlechterrollenbildern, ökonomische Haushaltsmodelle und die Auswirkungen politischer Reformen auf die Erwerbstätigkeit von Müttern.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Ziel ist es zu klären, durch welche Faktoren sich die Teilzeitquote nach der Wiedervereinigung veränderte und welchen Einfluss die Anpassung ostdeutscher Strukturen an westdeutsche Standards (z.B. das Male-Bread-Winner-Modell) hatte.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und dem Vergleich vorhandener Studien zur Erwerbstätigkeit der ost- und westdeutschen Bevölkerung basiert.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte bilden den Hauptteil?
Der Hauptteil behandelt die institutionellen Rahmenbedingungen, wie das Teilzeit- und Befristungsgesetz, die Organisation der Kinderbetreuung in der DDR versus BRD sowie die Auswirkungen von Reformen auf die Arbeitsmarktsituation.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Kern der Arbeit zusammenfassen?
Die wichtigsten Begriffe sind Teilzeitbeschäftigung, Wiedervereinigung, DDR, westdeutsche Familienpolitik, Geschlechterrollenbilder und Kinderbetreuungsquoten.
Welche spezifische Rolle spielt das Konzept des "Male-Bread-Winner-Modells" in der Untersuchung?
Das Modell des männlichen Alleinverdieners wird als zentrales Merkmal der westdeutschen Familienpolitik identifiziert, welches nach der Wende auch in den neuen Bundesländern zu einer Verschiebung der Erwerbsmuster führte.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der Kinderbetreuung in der ehemaligen DDR?
Die Autorin stellt fest, dass die DDR durch ein staatlich gefördertes und flächendeckendes Kinderbetreuungssystem die vollzeitnahe Erwerbstätigkeit von Frauen massiv unterstützte, was einen starken Kontrast zur damaligen Situation in der BRD darstellte.
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- Sindy Horitzky (Author), 2023, Auswirkungen der Wiedervereinigung auf die Teilzeitarbeit von Frauen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1433287