Diese Hausarbeit behandelt das Motiv der Ehre im Roman "Effi Briest" von Theodor Fontane.
Sicherlich ist die Lektüre bzw. die didaktische Aufarbeitung des Werkes "Effi Briest" für Deutschlehrer keine dankbare Aufgabe, unabhängig davon, wie heterogen oder homogen die jeweilige Lerngruppe hinsichtlich der Abneigung oder Vorliebe für das Werk "Effi Briest" sein mag.
Worum geht es denn in diesem Roman? Im Mittelpunkt stehen die Ehe und deren Scheitern, wobei die eigentliche Affäre, die letztendlich ausschlaggebend für das Scheitern ist, nur marginal angedeutet wird. Eine Geschichte des Ehebruchs, die im Roman nur eine untergeordnete Rolle spielt? Von Schülern einer gymnasialen Oberstufe kann man - vor allem angesichts der heutigen modernen Zeit - nicht wirklich eine La-Ola-Welle der Begeisterung erwarten, wenn es denn nur darum im Werk ginge. Auch die permanenten Monologe Effis, die von Naivität und vielleicht sogar von einem leicht beschränkten intellektuellen Niveau zeugen, könnten die Schüler im Laufe der Lektüre über Gebühr beanspruchen, sodass man als Deutschlehrkraft mit einem kontinuierlich sich entwickelnden Desinteresse für die Lektüre seitens der Schüler rechnen kann.
Wie rettet man nun eine Unterrichtseinheit, wenn "Effi Briest" auf dem Lehrplan steht? Hoffnung könnte eine didaktische Fokussierung auf die Einbettung von Effis Ehe in den historischen und gesellschaftlichen Zusammenhang jener Zeit sein. Das Verhalten der Romanfiguren mit den jeweiligen Denk- und Verhaltensweisen ist besonders dem Geist der damaligen Zeit, genauer gesagt der Zeit nach der Reichsgründung Preußens, geschuldet und somit auch ansatzweise erklärbar.
Ein sehr ergiebiges didaktisches Thema ist der Komplex "Ehre" und der damit verbundene "Ehrenkodex", der mit Effis außerehelichen Beziehung zu Major Crampas, was natürlich auch nur angedeutet wird, in Zusammenhang steht. Mit dem "Auffliegen" jenes Tête-à-têtes, ausgerechnet von Instetten höchstpersönlich, nimmt das Schicksalhafte Fahrt auf, mündet letztendlich in einem Duell zwischen Instetten und Crampas, womit Instettens äußere und gesellschaftliche Ehre "schlagartig" zwar vermeintlich wiederhergestellt wird, aber dennoch seine Ehe sowie sein Leben zerstört. Was ist Ehre eigentlich heute? Welche Gedanken haben die Schüler angesichts dieser Frage? Gab es im Laufe der Geschichte einen Wandel des Begriffes und des Phänomens "Ehre"?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionsarbeit
3. Relevante Textstellen zum Begriff Ehre
3.1 Vorgeschichte zum Duell in Effi Briest
3.1.1 Lerneffekt bei den S*S
3.2 Duell zwischen Baron Crampas und Major Instetten
3.2.1 Lerneffekt bei den S*S
3.3 Materialgestützter Vortrag/Plenumsdiskussion
3.3.1 Historische Entwicklung
3.3.2 Duell zwischen Crampas und Instetten in Zeiten des Absolutismus
3.3.3 Wirksamkeit des Duells in Effi Briest
3.4 Alternativlösungen
4. Ehre heute
5. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das didaktische Potenzial des Ehrbegriffs und des Duellwesens in Theodor Fontanes „Effi Briest“, um Schülern einen Zugang zu den gesellschaftlichen Konventionen des 19. Jahrhunderts zu ermöglichen und ein Verständnis für historische sowie moderne Wertvorstellungen zu fördern.
- Historische Herleitung und Etymologie des Ehrbegriffs
- Analyse des Ehrenkodex und des Duellwesens im gesellschaftlichen Kontext
- Didaktische methodische Ansätze zur Verknüpfung von Literatur und Lebenswelt
- Gegenüberstellung von internalisierten Werten und gesellschaftlichem Zwang
- Diskussion von Alternativszenarien zur Handlungsweise der Romanfiguren
Auszug aus dem Buch
3.1 Vorgeschichte zum Duell in Effi Briest
Baron Instetten entdeckt beim Einräumen des Nähkästchens ein Bündel Briefe und erkennt beim genauerem Hinsehen ihm bekannte Schriftzüge, wobei er anschließend überlegt, ob er seiner Neugier nachgeben und die Briefe öffnen soll. Schließlich löst er das rote Band, mit dem die Briefe umwickelt sind, liest die Adresse und erkennt Crampas‘ Schrift, woraufhin ihm schwindelig wird. Er geht in sein Zimmer und liest die Briefe, die eine Korrespondenz zwischen Crampas und Effi Briest sind. Instetten wird sehr unruhig, verlässt das Haus und streift stundenlang durch die Stadt. In seiner Verzweiflung, dass ihn Effi Briest offenbar mit Major Crampas betrügt und das schon seit geraumer Zeit, hinterlässt er Wüllersdorf eine Nachricht mit der Bitte, ihn noch am selben Abend aufzusuchen. Vor lauter Fassungslosigkeit und Erschrockenheit schaut sich derweil Instetten, als er auf Wüllersdorf wartet, in seinem Zimmer Bilder aus Kessin an und liest einige Briefe mehrmals, wobei es ihm immer schlechter geht.
Als Wüllersdorf bei Instetten eintrifft, hat sich Instetten wohl bezüglich eines „Sich-Duellieren-Müssens“ schon entschieden, und bittet Wüllersdorf, eine Duellforderung zu überbringen und sein Sekundant zu sein. Instetten weiht Wüllersdorf anschließend in die Vorkommnisse mit der amourös angehauchten Briefkorrespondenz zwischen seiner Ehefrau Effi und dem Major Crampas ein und nennt ihn „einen Galan“ (vgl. Effi, 110) seiner Frau. Obwohl die Briefe schon sechs Jahre zuvor datiert sind und Instetten selbst eine „Verjährungstheorie“ in Betracht zieht, weiß er nicht, ob er sie in dem Fall gelten machen solle. Auf die Frage wie Wüllersdorf darüber denke, gibt er zu bedenken, dass Instettens Lage nun „furchtbar“ (ebd.) und sein „Lebensglück“ (ebd.) nun hin sei, jedoch, wenn er nun Effis Liebhaber totschießen sollte, sei sein „Lebensglück sozusagen doppelt hin“ (ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Herausforderung, das Werk „Effi Briest“ im Unterricht zu vermitteln, und schlägt eine Fokussierung auf den historischen Begriff der Ehre vor, um das Interesse der Schüler zu wecken.
2. Definitionsarbeit: Dieses Kapitel widmet sich der sprachlichen und semantischen Einordnung des Begriffs Ehre, der sich als abstraktes Phänomen erweist, das sowohl eine innere als auch eine äußere Ebene umfasst.
3. Relevante Textstellen zum Begriff Ehre: Dieser Hauptteil analysiert zentrale Passagen im Roman, insbesondere die Aufdeckung der Affäre und die daraus resultierende Duellentscheidung, eingebettet in den historischen Kontext der Ehre.
4. Ehre heute: Hier wird der historische Ehrbegriff mit modernen Auffassungen verglichen, wobei der Begriff der Würde an Bedeutung gewinnt und das alte Ehrkonzept als obsolet für die heutige Gesellschaft eingestuft wird.
5. Ausblick: Der Ausblick resümiert den Mehrwert der Thematisierung von Ehre im Literaturunterricht und betont die Bedeutung, gesellschaftliche Entwicklungsstufen im jeweiligen Zeitgeist zu verstehen.
Schlüsselwörter
Effi Briest, Theodor Fontane, Ehre, Duell, Ehrenkodex, Literaturdidaktik, Preußen, Gesellschaftsroman, Ehebruch, Identität, historischer Kontext, Normen, Moral, Würde, Sekundant.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der didaktischen Aufarbeitung eines literarischen Klassikers und untersucht, wie der historische Begriff der Ehre Schülern zugänglich gemacht werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen zählen die gesellschaftlichen Konventionen der Zeit Preußens, der Ehrenkodex unter Adligen sowie die ethische Reflexion über das Duellwesen als historisches und literarisches Phänomen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch die Analyse des Begriffs Ehre in „Effi Briest“ ein tieferes Verständnis für die Diskrepanz zwischen damaligen gesellschaftlichen Zwängen und heutigen moralischen Vorstellungen bei Lernenden zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert literaturwissenschaftliche Textanalyse mit didaktisch-methodischen Überlegungen für den Unterricht, unter Einbeziehung etymologischer und historischer Quellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse konkreter Romanepisoden, wie die Entdeckung der Briefe und das anschließende Duell, sowie die historische Entwicklung des Ehrbegriffs und mögliche alternative Handlungsoptionen der Protagonisten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind neben dem Hauptwerk „Effi Briest“ vor allem Ehre, Ehrenkodex, Duell, gesellschaftlicher Wandel, historische Kontextualisierung und literaturdidaktische Impulse.
Wie bewertet die Autorin die historische Bedeutung des Duells in der Erzählung?
Die Autorin stellt fest, dass das Duell eine gesellschaftlich definierte, tragische Konsequenz darstellt, die Instetten trotz fehlender Rachegefühle aus einem Gefühl des sozialen Zwangs heraus vollzieht.
Welche Rolle spielt die „Mitwisserschaft“ im Kontext des Ehrenkodex?
Die Mitwisserschaft, insbesondere durch Wüllersdorf, wird als zentrales Element identifiziert, das den sozialen Druck zur Durchführung des Duells erst vollständig aufbaut und eine Umkehr nahezu unmöglich macht.
- Arbeit zitieren
- Katja Heine-Bayat (Autor:in), 2021, Die Ehre in "Effi Briest". Unterrichtsvorschläge zum Motiv der Ehre, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1432086