In der vorliegenden Hausarbeit werden die spätbronzezeitlichen Siedlungen von Troja thematisiert, die sich auf dem im äußersten Nordwesten Kleinasiens gelegenen Siedlungshügel Hisarlik-Tepebefinden, der ca. 7 km von den Dardanellen entfernt liegt. Dabei werden sowohl der architektonische Aufbau als auch die Handelskontakte dieser prähistorischen Siedlungen anhand der archäologischen Überreste untersucht und rekonstruiert. In diesem Zusammenhang wird am Ende dieser Seminararbeit die Frage beantwortet, welchem Kulturraum das spätbronzezeitliche Troja am ehesten zugewiesen werden kann.
Zu Beginn dieser Hausarbeit wird im Rahmen der modernen Forschungsgeschichte von Troja auf die neuzeitliche Suche nach dem homerischen Ilios eingegangen, wobei die Identifizierung dieser von Homer beschriebenen Stadt auf dem Siedlungshügel Hisarlik-Tepe im Zentrum der Betrachtung steht. Im darauf folgenden werden dann die spätbronzezeitlichen Siedlungen von Troja anhand der archäologischen Funde und Befunde thematisiert, wobei zunächst auf die Architektur der Burgsiedlungen Troja VI und Troja VIIa eingegangen wird. Im Anschluss daran werden dann die spätbronzezeitlichen Handelskontakte Trojas mit dem nördlichen Ägäisraum näher erläutert, die sich sowohl anhand der dort aufgefundenen Importkeramik als auch der in Troja entdeckten Funde lokaler Imitationen mykenischer Keramik nachweisen lassen.
Zum Abschluss wird die Historizität des Trojanischen Krieges thematisiert, wobei zunächst die Frage beantwortet wird, ob die spätbronzezeitliche Siedlung von Troja tatsächlich als bedeutende Handelsstadt bzw. Handelsmetropole gelten kann, wie insbesondere vom Altphilologen Joachim Latasz behauptet wurde. Im Anschluss daran wird dann der Frage nachgegangen, ob die spätbronzezeitlichen Grabungsbefunde von Troja einen Krieg in mykenischer Zeit belegen, da die Forschung den Trojanischen Krieg, sofern man ihn nicht für reine Fiktion hält, zumeist in das 12. Jh. v. Chr. datiert wurde.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Moderne Forschungsgeschichte
3. Die spätbronzezeitlichen Siedlungen von Troja
3.1 Die Architektur der Burgsiedlungen Troja VI und Troja VIIa
3.2 Trojas Handelskontakte mit dem Ägäisraum
4. Die Historizität des Trojanischen Krieges
4.1 War die Stadt Troja wirklich eine bedeutende Handelsmetropole?
4.2 Belegt der Befund von Troja einen Krieg in mykenischer Zeit?
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die spätbronzezeitlichen Siedlungsschichten von Troja (Hisarlik-Tepe) und analysiert deren architektonischen Aufbau sowie die Handelsbeziehungen zum ägäischen Raum, um den kulturellen Kontext der Stadt zu bestimmen und ihre Rolle im Kontext historischer Kriegserzählungen kritisch zu hinterfragen.
- Architektonische Analyse der Siedlungen Troja VI und VIIa.
- Untersuchung der Handelskontakte und Importkeramik aus der Ägäis.
- Kritische Auseinandersetzung mit der These einer spätbronzezeitlichen Handelsmetropole.
- Historische und archäologische Einordnung der Zerstörungsschichten im Hinblick auf den Trojanischen Krieg.
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Architektur der Burgsiedlungen Troja VI und Troja VIIa
Die Burgsiedlung Troja VI bildete sich wohl ca. 1750 v. Chr. heraus, wobei ihr Ende von den Ausgräbern auf 1300 v. Chr. datiert wird. Die Periode Troja VI wird allgemein in die drei Besiedlungsphasen Troja VI Früh, Troja VI Mitte und Troja VI Spät unterteilt. Dabei ist über die frühe und mittlere Phase von Troja VI wesentlich weniger bekannt, als über die späte Phase. Bei den archäologischen Untersuchungen der Burgsiedlung Troja VI wurde festgestellt, dass in jeder dieser drei Besiedlungsphasen eine neue Befestigungsmauer angelegt wurde, die im Laufe der Zeit an Höhe und Breite zunahm. Bereits in Troja VI Früh wurde die Burgmauer in einzelnen Abschnitten errichtet und mit sägeartigen Vorsprüngen versehen. Ab der mittleren Phase von Troja VI wurde die Mauer geböscht angelegt und darüber hinaus auch die einzelnen Abschnitte miteinander verzahnt, wodurch eine größere Stabilität des Mauerwerks erreicht wurde. Die überwiegend aus Steinquadern errichtete Burgmauer aus der Spätphase von Troja VI weißt im unteren Teil eine Breite von 4-5 m auf und hat sich bis zu einer Höhe von 8 m erhalten. Auf dem geböschten Mauersockel befand sich ursprünglich eine Obermauer aus Lehmziegeln, die später zugunsten einer bis zu 2 m hohen Steinkonstruktion ausgetauscht wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung steckt den räumlichen Rahmen Hisarlik-Tepe ab, definiert das Ziel der Untersuchung der Architektur und Handelskontakte und skizziert die methodische Vorgehensweise.
2. Moderne Forschungsgeschichte: Dieses Kapitel zeichnet die Suche nach dem homerischen Troja von den ersten topographischen Entwürfen im 18. Jahrhundert bis zu den Ausgrabungen von Schliemann und Dörpfeld nach.
3. Die spätbronzezeitlichen Siedlungen von Troja: Hier werden die architektonischen Befunde der Burgmauern von Troja VI und VIIa sowie die Keramikfunde als Indikatoren für regionale Handelsbeziehungen detailliert analysiert.
4. Die Historizität des Trojanischen Krieges: Eine kritische Untersuchung, die hinterfragt, ob Troja eine wirtschaftliche Metropole war und ob der archäologische Befund tatsächlich eine Zerstörung im Sinne des Trojanischen Krieges belegen kann.
5. Fazit: Das Fazit schließt die Arbeit mit der Schlussfolgerung, dass Troja aufgrund seiner Architektur und Funde stark in den mykenisch-griechischen Kulturkreis der nördlichen Ägäis eingebunden war.
Schlüsselwörter
Troja, Hisarlik-Tepe, Spätbronzezeit, Trojanischer Krieg, Troja VI, Troja VIIa, Mykenische Keramik, Handelskontakte, Ägäisraum, Burgsiedlung, Archäologie, Historizität, Siedlungsstruktur, Importkeramik, Homer
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die archäologischen Befunde der spätbronzezeitlichen Schichten Trojas, insbesondere die Siedlungsstruktur und die Handelsbeziehungen zur Ägäis.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Architektur der Burgsiedlungen VI und VIIa, der Herkunft von Importkeramik sowie der Historizität des Trojanischen Krieges.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die archäologische Einordnung Trojas in seinen regionalen Kontext und die Prüfung der These, ob Troja als bedeutende Handelsmetropole und Schauplatz des Trojanischen Krieges identifiziert werden kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Es handelt sich um eine archäologische Literaturanalyse, die Grabungsbefunde (Architektur) und Fundmaterial (Keramik/NAA-Analysen) interpretiert.
Was umfasst der inhaltliche Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil behandelt die Forschungsgeschichte, die detaillierte architektonische Analyse, die Auswertung von Handelskontakten durch Keramikfunde und die historische Interpretation der Zerstörungsschichten.
Welche Schlagworte charakterisieren die Untersuchung?
Besonders prägend sind die Begriffe Troja, Mykenische Kultur, Bronzezeit, Siedlungsarchäologie und der nördliche Ägäisraum.
Warum konnte Troja VI nach Ansicht des Autors nicht als bedeutende Handelsmetropole gelten?
Es fehlen archäologische Beweise für einen intensiven, groß angelegten Warenaustausch; der Befund spricht eher für einen gegenseitigen Austausch von Luxusgütern zur Pflege sozialer Bindungen.
Gibt es archäologische Beweise für eine kriegerische Zerstörung?
Nach Analyse der Befunde fehlen eindeutige Spuren für eine Belagerung; der Untergang von Troja VIIa könnte ebenso durch Naturkatastrophen oder Überraschungsangriffe erklärt werden.
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- Tristan Heuer (Author), 2020, Das spätbronzezeitliche Troja und seine Handelskontakte mit dem Ägäisraum, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1431047