Diese umfassende Arbeit untersucht die Umdichtung von Weihnachtsliedern während des Nationalsozialismus und deren Einfluss auf die Religionspädagogik. Zunächst wird eine quellenkritische Untersuchung der Lieder durchgeführt, gefolgt von einer historischen Einordnung im Kontext des Dritten Reichs. Besonderes Augenmerk liegt auf der Analyse von "Es ist ein Ros entsprungen", "Ihr Kinderlein kommet" und "Hohe Nacht der klaren Sterne". Weiterhin wird die theologische Bedeutung dieser Lieder erforscht, insbesondere im Hinblick auf christliche Symbole und kirchenhistorische Aspekte. Abschließend wird das religionspädagogische Potenzial dieser umgedichteten Lieder im Bildungskontext diskutiert, wobei das Kerncurriculum für die gymnasiale Oberstufe in Niedersachsen als Grundlage dient.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Quellenkritische Untersuchung
2.1. Ihr Kinderlein kommet
2.2. Es ist ein Ros entsprungen
2.3. Hohe Nacht der klaren Sterne
3. Einordnung der Quellen in den historischen Zusammenhang
3.1. Gesamthistorische Einordnung
3.2. Entstehung der „Deutschen Weihnacht“
3.3. Analyse verschiedener Aussagen der Quellen vor dem historischen Hintergrund
4. Einordnung der Quelle in den theologischen Zusammenhang
4.1. Christliche Symbole in Weihnachtsliedern
4.2. Kirchenhistorische Einordnung
4.3. Aussagen der Quellen vor dem kirchenhistorischen Hintergrund
5. Religionspädagogische Einordnung
5.1. Kirchengeschichtsdidaktische Einordnung
5.2. Schwerpunktsetzung im Unterricht
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das religionsdidaktische Potenzial von Weihnachtsliedern, die während der Zeit des Nationalsozialismus ideologisch umgedichtet wurden, um christliche Inhalte durch propagandistische Motive zu ersetzen. Durch eine historische und theologische Einordnung sowie die Analyse existierender Lehrpläne wird eruiert, wie diese Quellen für den heutigen Religionsunterricht nutzbar gemacht werden können.
- Historische Einordnung des Weihnachtsfestes im Nationalsozialismus.
- Quellenkritische Analyse der Lieder „Ihr Kinderlein kommet“, „Es ist ein Ros entsprungen“ und „Hohe Nacht der klaren Sterne“.
- Theologische Kontrastierung christlicher Symbolik mit NS-Ideologie (Blut-und-Boden-Kult, Mutterkult).
- Religionspädagogische Reflexion zur Vermittlung von Kirchengeschichte und Widerstand.
Auszug aus dem Buch
2.1. Ihr Kinderlein kommet
Der ursprüngliche Text des Weihnachtsliedes „Ihr Kinderlein kommet“ entstand in der Zeit der Spätaufklärung und wurde erstmals 1811 als „Weihnachtslied für Kinder“ publiziert und von Christoph Schmid herausgegeben. Der katholische Theologe und Pädagoge erlangte besonders durch seine viel rezipierten Werke „Genova“ und „Die Ostereyer“ auch im Ausland Ruhm und galt zeitweise als einer der meistgelesenen deutschsprachigen Autoren im Ausland. Neben der Erstveröffentlichung des Textes gibt es keine weiteren Dokumente oder Quellen, die den Text weiter datieren. Die uns heute bekannte Vertonung des Weihnachtsliedes stammt von Abraham Peter Schulz. Neben seiner Vertonung existieren allerdings auch noch weitere Vertonungen des Stückes. „Ihr Kinderlein kommet“ enthält im Original acht Strophen, wovon heute lediglich drei gesungen werden. Thematisch werden die Kinder eingeladen mit den in Lk 2,8-20 erwähnten Hirten nach Bethlehem zu gehen und dort das Kind in der Krippe zu suchen und zu verehren, was durch den jubelnden Engelschor verdeutlicht wird. Weitere Inhalte sind ein Vorgriff des Kreuzestodes Jesu in der fünften Strophe dargestellt durch das Lamm, sowie die Aufforderung Jesus für sein Opfer und die Erlösung der Menschheit zu danken. Dies wird besonders deutlich in der sechsten Strophe.
Besonders im Text hervorgehoben wird die Bedeutung der Krippe sowohl im Gottesdienstlichen Raum als auch auf familiärer Ebene. Im Zuge der Deutschen Weihnacht und dem Versuch neue Rituale zu etablieren sowie das Weihnachtsfest zu Säkularisieren wurde der Text von „Ihr Kinderlein kommet“ In den 1940er Jahren geändert. Das Symbol der Krippe wurde ersetzt durch einen Märchengarten zur Weihnachtszeit. Nordische und Germanische Mythen bekamen eine immer stärkere Bedeutung. Erste Erwähnungen des geänderten Textes finden sich in den Unterlagen zur Feiergestaltung in der SS von 1943. Zur Bedeutung der geänderten Textpassagen sowie zur dahinterstehenden Symbolik später mehr.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der ideologisch umgedeuteten Weihnachtslieder im Nationalsozialismus unter der Leitfrage nach deren religionsdidaktischem Potenzial ein.
2. Quellenkritische Untersuchung: Dieses Kapitel analysiert die Lieder „Ihr Kinderlein kommet“, „Es ist ein Ros entsprungen“ und „Hohe Nacht der klaren Sterne“ hinsichtlich ihrer Entstehung und nationalsozialistischen Umdichtung.
3. Einordnung der Quellen in den historischen Zusammenhang: Der Abschnitt bietet einen Überblick über das Dritte Reich und die gezielte Umgestaltung des Weihnachtsfestes zur „Deutschen Weihnacht“ durch das NS-Regime.
4. Einordnung der Quelle in den theologischen Zusammenhang: Es werden christliche Kernsymbole wie Krippe und Maria untersucht und dem Prozess der Entkonfessionalisierung durch die Nationalsozialisten gegenübergestellt.
5. Religionspädagogische Einordnung: Das Kapitel erörtert fachdidaktische Ansätze zur Thematisierung der Quellen im Religionsunterricht der gymnasialen Oberstufe.
6. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass umgedichtete Weihnachtslieder ein wertvolles Instrument für den Unterricht bieten, um das Verhältnis von Kirche, Staat und Ideologie zu verdeutlichen.
Schlüsselwörter
Weihnachtslieder, Nationalsozialismus, NS-Ideologie, Religionsunterricht, Kirchengeschichte, Säkularisierung, Propaganda, Religionspädagogik, Blut-und-Boden-Kult, Mutterkult, Entjudaisierung, Drittes Reich, Kirchenkampf, Didaktik, Christliche Symbolik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse bekannter Weihnachtslieder, deren Texte während der Zeit des Nationalsozialismus gezielt ideologisch verändert wurden, um als Propagandamittel zu fungieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Aufarbeitung der NS-Zeit, der theologischen Analyse christlicher Symbole und der fachdidaktischen Nutzbarmachung dieser Quellen für schulische Kontexte.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es, das religionsdidaktische Potenzial dieser umgedichteten Lieder zu ergründen und aufzuzeigen, wie sie im Unterricht genutzt werden können, um historische und politische Zusammenhänge greifbar zu machen.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Es handelt sich primär um eine quellenkritische Untersuchung, die durch die Einordnung in historische und kirchenhistorische Kontexte sowie die Auswertung von Kerncurricula gestützt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Im Hauptteil erfolgen die quellenkritische Analyse der drei Beispiel-Lieder, der historische Abriss der „Deutschen Weihnacht“ sowie die kirchenhistorische und religionspädagogische Einordnung.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Ideologische Umdeutung, NS-Propaganda, religionsdidaktisches Potenzial, Entkonfessionalisierung, christliche Symbolik und historisch-kritisches Liederlexikon.
Warum spielt der „Mutterkult“ eine so entscheidende Rolle in der Arbeit?
Der „Mutterkult“ wird im Dokument als zentrales Element der NS-Ideologie identifiziert, welches in den umgedichteten Liedern gezielt statt christlicher Frauenbilder instrumentalisiert wurde.
Was unterscheidet „Hohe Nacht der klaren Sterne“ von den anderen untersuchten Werken?
Im Gegensatz zu den anderen Beispielen, die umgedichtete Traditionals sind, handelt es sich hierbei um eine explizite Neukomposition aus der NS-Ära, die direkt die nationalsozialistische Ästhetik widerspiegelt.
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- Anonym (Author), 2021, Umdichtung von Weihnachtsliedern im Nationalsozialismus. Eine religionspädagogische Analyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1430117