„Unde welk knecht des nachtes utheslept buten synes heren hus, deme schal syn here vor yewelke nacht ses penninghe afslan von synem lone. Dede he des nicht, dat schal he beteren mis ses pennighen unde teyn schillinghen in der morghensprake.“
Der Geselle im Haus seines Meisters – diese Beziehung beruhte nicht nur allein auf dem Dasein als beschäftigter Angestellter, sondern ihr oblag auch eine Reihe von Aufgaben, die als vielfältig und bisweilen auch sehr streng bezeichnet werden können. Das oben aufgeführte Zitat aus der Satzung der Hamburger Bäcker von 1375 gibt diesem beschriebenen Wechselverhältnis ein ganz eigenes Licht. So durfte der Geselle keine Nacht außerhalb des Hauses zubringen und bei Missachten dieser Regelung wurde er mit Strafen belegt, die sein Einkommen empfindlich minderten. Die Erziehung der Gesellen sowie auch der Knechte und Lehrlinge, waren eine Hauptaufgabe der Zunft und des Meisters und um dieser Aufgabe nach bestem Wissen und Gewissen gerecht zu werden, fanden viele Regelungen Eingang in Zunftordnungen, nach denen sich der Meister richtete. Auch nach Ende der Gesellenzeit, wenn sich der Geselle aufmachte um weiter zu ziehen um in anderen Städten seine Fertigkeiten zu verbessern, war es für den Gesellen obligat, sich in Freundschaft von seinem Meister zu trennen hatte, andernfalls würde er bei keinem anderen Meister Anstellung finden.
In der neueren Forschung erfahren Gesellen, Meister und das gesamte Zunftwesen einen belebenden Auftrieb, was viele Publikationen zu regionalen Zünften, zur Zunftgeschichte allgemein und auch zu Gesellenstreiks deutlich machen. Das Verhältnis zwischen Meistern und Gesellen mit ihren Spannungen und Streitigkeiten innerhalb des Meisterhauses soll im Mittelpunkt der folgenden Betrachtungen stehen. Es wird versucht anhand ausgewählter Quellen Streitpunkte und Konfliktfelder zwischen Meistern und Gesellen im Meisterhaus auszumachen, diese näher zu beschreiben und die elementaren wie häufigsten Probleme zu behandeln. Im Vordergrund des Interesses sollen hierbei auch Modalitäten wie Lohn, Verkostung und Arbeitszeiten stehen, welche die Gesellen bei Unterbringung im Meisterhaus schließlich unmittelbar betrafen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Meister und Gesellen – der Versuch einer Charakterisierung
2.1 Der Meister
2.2 Der Geselle
3 Die Meisterstube oder Das Meisterhaus
3.1 Das Leben im Meisterhaus
3.1.1 Mitglieder des Meisterhauses
3.1.2 Die Arbeitszeit
3.1.3 Kost
3.1.4 Lohn
3.2 Streitgegenstände und Ursachen
3.2.1 In der Meisterstube
3.2.2 Im Meisterhaus
4 Fazit
5 Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Wechselverhältnis zwischen Meistern und Gesellen im zünftischen Handwerk des Hohen und Späten Mittelalters. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse der alltäglichen Lebens- und Arbeitsbedingungen innerhalb des Meisterhauses sowie den daraus resultierenden Konfliktfeldern, die maßgeblich durch ökonomische und soziale Faktoren bestimmt wurden.
- Strukturanalyse des mittelalterlichen Meisterhauses als Lebens- und Arbeitsgemeinschaft.
- Untersuchung von Arbeitsbedingungen, Lohnstrukturen und Verpflegungsmodalitäten.
- Identifikation und Kategorisierung zentraler Streitgegenstände zwischen Meistern und Gesellen.
- Analyse der Rolle moralischer Erziehung und gesellschaftlicher Repräsentation im zünftischen Alltag.
- Einfluss der beginnenden Korporationsbildung auf die Konfliktlösung und Vertragskultur.
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Mitglieder des Meisterhauses
Zunächst soll ein Blick ins Meisterhaus geworfen werden. Dort finden wir nicht nur die Familie des Meisters, sondern auch „zumeist nichtverwandtes, in der Regel unverheiratetes und kinderloses Dienstpersonal wie Hausknecht, Mägde oder Ammen.“ Daneben „lebten […] auch unverheiratete Handelsdiener, insbesondere aber unverheiratete Handwerksgesellen […] und Lehrlinge im Hause […] des Meisters unter dessen hausherrlicher Gewalt“. Alle aufgezählten Personen unterstanden dem Hausherrn und Meister und waren ihm in punkto Loyalität und Gehorsam untergeben, während ihm selbst die Führsorgepflicht oblag, die viele Bereiche abdeckte. Nicht nur im Krankheitsfall musste er zur Stelle sein, sondern zudem ein Auge auf die sittlich-moralische Erziehung haben und die Pflicht zur menschlichen Behandlungsweise gegenüber den Mitgliedern des Meisterhauses besitzen. Der Meister war der Repräsentant des Hauses und hatte zu Beginn des Spätmittelalters sogar die Pflicht, straffällig gewordenes Gesinde vor Gericht zu vertreten. Gesinde meint hier Mägde, Ammen und Knechte, die weitaus direkter dem Hausherrn verpflichtet waren als es zum Beispiel beim Gesellen der Fall war, der nach Ablauf seiner Dingzeit kündigen konnte.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der wechselseitigen Abhängigkeit zwischen Meistern und Gesellen ein und umreißt die wissenschaftliche Relevanz der Untersuchung des mittelalterlichen Zunftwesens.
2 Meister und Gesellen – der Versuch einer Charakterisierung: Das Kapitel charakterisiert die beiden Hauptgruppen des Handwerks, ihre sozialen Rollen, Qualifikationen und den Weg vom Lehrling zum Meister bzw. Gesellen.
3 Die Meisterstube oder Das Meisterhaus: Dieses zentrale Kapitel analysiert die tägliche Lebens- und Arbeitsgemeinschaft, beleuchtet ökonomische Aspekte wie Arbeitszeit, Kost und Lohn und untersucht die Ursachen für Konflikte sowohl in der Werkstatt als auch im häuslichen Bereich.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und hebt hervor, wie die zunehmende vertragliche Regelung der Arbeitsverhältnisse den Grundstein für spätere korporative Strukturen legte.
5 Literatur: Dieses Kapitel listet die für die Untersuchung herangezogene Fachliteratur und Quellen auf.
Schlüsselwörter
Mittelalter, Zunftwesen, Meister, Geselle, Meisterhaus, Handwerk, Lohn, Arbeitszeit, Zunftordnung, Konfliktmanagement, Sozialgeschichte, Korporationsbildung, Hausgemeinschaft, Wanderschaft, Lehrlingswesen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das soziale und ökonomische Zusammenleben von Meistern und Gesellen in Handwerksbetrieben des Hohen und Späten Mittelalters.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Hausgemeinschaft (Meisterhaus), die Arbeitsbedingungen, Lohnformen, sowie die Ursachen und Formen von Konflikten zwischen den beteiligten Gruppen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, anhand ausgewählter Quellen die täglichen Streitpunkte und Konfliktfelder zwischen Meistern und Gesellen im Meisterhaus zu identifizieren und zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Quellenanalyse, die auf Zunftordnungen, Stadtrechten und einschlägiger handwerksgeschichtlicher Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Charakterisierung der Akteure, die Untersuchung der Rahmenbedingungen im Meisterhaus (Kost, Logis, Arbeitszeit) sowie die Klassifizierung der Konfliktursachen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Zunftwesen, Meisterhaus, Gesellen, Lohnverhältnisse, Arbeitsdisziplin und die Entwicklung korporativer Strukturen.
Welche Rolle spielt die „moralische Erziehung“ im Meisterhaus?
Der Meister fungierte auch als Erzieher, der auf die sittliche Lebensführung seiner Gesellen und Lehrlinge achten musste, da deren Verhalten auch das Ansehen des Betriebes nach außen beeinflusste.
Warum war das „Gesellenwandern“ für das Zunftwesen so bedeutend?
Das Wandern diente der Qualifikationserweiterung und war oft Voraussetzung für den Erwerb der Meisterschaft; es förderte den Austausch zwischen den Handwerkern.
Inwiefern hat sich das Verhältnis im Meisterhaus gegen Ende des Mittelalters verändert?
Es fand eine stufenweise Entkopplung statt, bei der Gesellen vermehrt außerhalb des Meisterhauses in eigenen Unterkünften lebten, was zu neuen Vertrags- und Lohnstrukturen führte.
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- Roman Behrens (Author), 2009, Im Spannungsfeld der Abhängigkeit?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/142991