In der vorliegenden Arbeit geht es im Sinne des Kulturtransfers um die kulturelle Amerikanisierung in Deutschland und Frankreich nach 1945. Zunächst wird zu klären sein, was man unter dem Begriff „Amerikanisierung“ verstehen kann und warum an dieser Stelle das Attribut „kulturelle“ hinzugefügt wurde. Unter Rückgriff auf den Transferbegriff werden in vergleichender Weise verschiedene Akteure und Orte einer möglichen Amerikanisierung zu analogen Zeiten betrachtet. Der angestrebte Vergleich ist unmittelbar um die ersten Nachkriegsjahrzehnte angesetzt. Die Ausführungen bleiben auf die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts beschränkt, Phänomene aus der jüngeren Geschichte finden allenfalls am Rande Beachtung.
Methodisch gliedert sich die Hausarbeit in zwei größere aufeinander folgende Hauptabschnitte. Jeder dieser Abschnitte ist einem der beiden Länder - Deutschland und Frankreich – gewidmet und beginnt mit einem kurzen Abriss zur Ausgangssituation nach 1945. Daran schließen sich jeweils verschiedene kulturelle Transferprozesse, die anhand von zwei Beispielen konkretisiert werden. Schließlich folgt ein Vergleich der Amerikanisierung in beiden Ländern, bevor die Arbeit ihren Abschluss in einem zusammenfassenden Fazit findet. Auf dem Weg zu einem solchen Resümee werden zudem folgende Thesen zu bestätigen bzw. zu widerlegen sein:
1. Das Verhältnis der Franzosen als auch der Deutschen gegenüber den USA ist ambivalent: Einerseits üben sie harsche Kritik an den sozialen, politischen und ökonomischen Zuständen (Konsumstreben, Kommerzialisierung, Rassismus, globale Dominanz...), andererseits werden amerikanische Kultur-/Konsumgüter und Praktiken partiell akzeptiert und in den eigenen kulturellen Kontext aufgenommen.
2. Die kulturelle Amerikanisierung in Frankreich ist, vergleichbar mit der in Deutschland, eine „Amerikanisierung von unten“ . Das französische Volk, vor allem die junge Generation, stehen den amerikanischen Gütern, Ideen und Praktiken aufgeschlossen gegenüber, während die französische Elite bestehend aus Medien, Intellektuellen und der politischen Linken solche als eine Bedrohung der Eigenkultur empfinden und ablehnen.
3. Die kulturelle Amerikanisierung in Frankreich verlief im Vergleich zu Deutschland verlangsamt und weniger unmittelbar, weil die USA als Besatzungsmacht im Nachkriegsdeutschland, ungleich Frankreich, konkrete macht-, sicherheits- und kulturpolitische Interessen sowie direkten Einfluss hatte.
Inhaltsverzeichnis
1. Amerika – land of the free, home of the brave
2. Amerikanisierung – Versuch einer Definition
3. Zur kulturellen Amerikanisierung in Deutschland nach 1945
3.1 Die Nachkriegsjahre als Ausgangssituation für eine Amerikanisierung
3.2 Aspekte der kulturellen Amerikanisierung in Deutschland
DIE AMERIKAHÄUSER
DIE HALBSTARKEN: JUGENDKULTUR IN DEN 50ERN
4. Zur kulturellen Amerikanisierung in Frankreich nach 1945
4.1 Die Nachkriegsjahre als Ausgangssituation für eine Amerikanisierung
4.2 Aspekte der kulturellen Amerikanisierung in Frankreich
EURODISNEYLAND PARIS
JAZZ:PRO UND CONTRA AMERIKA
5. Amerikanisierung oder Globalisierung? – ein Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht im Rahmen des Kulturtransfers die Aspekte der kulturellen Amerikanisierung in Deutschland und Frankreich nach 1945, wobei die Forschungsfrage darauf abzielt, wie sich diese Prozesse in beiden Ländern vollzogen, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Wahrnehmung und Aneignung US-amerikanischer kultureller Einflüsse bestehen und inwiefern diese zur Identitätsbildung oder Abgrenzung beitrugen.
- Vergleichende Analyse des Kulturtransfers in Deutschland und Frankreich nach 1945.
- Untersuchung der "Amerikanisierung von unten" am Beispiel der Jugendkulturen (Rock'n'Roll vs. Jazz).
- Analyse institutioneller Einflüsse durch die Amerikahäuser in Deutschland und Disneyland Paris in Frankreich.
- Bewertung des Begriffs der Amerikanisierung und dessen Abgrenzung zur Globalisierung.
- Reflektion über die Rolle nationaler Identitätskonstruktionen im Kontext amerikanischer Kultureinflüsse.
Auszug aus dem Buch
DIE AMERIKAHÄUSER
Das erste “US-Information-Center” – so die offizielle Bezeichnung für Amerikahaus im Amerikanischen, wurde 1945 in Frankfurt am Main gegründet. Das Office of Military Government for Germany U.S. (OMGUS) beauftrage die ICD (Information Control Division) mit der Bildung, Ausführung und dem Erhalt von Büchereien und Informationszentren. Tatsächlich waren diese Zentren ursprünglich privat initiiert und wurden erst nach und nach von der ICD übernommen. Das Amerikahaus in Frankfurt a. M. sollte nicht lang das einzige seiner Art bleiben, sodass die Eingliederung dieser Informationszentren in das Reeducation Programm mit der Eröffnung mehrerer Häuser, auch durch die deutsche Bevölkerung selbst, recht schnell erfolgte.
Diese Institutionen beherbergten vor allem Bibliotheken und Freihandmagazine, später wurde das Programm erweitert auf Filmvorführungen, Vorträge und Diskussionsrunden sowie mobile Büchereien. Als Kontrastprogramm zum traditionellen deutschen Bildungsbetrieb waren die Amerikahäuser bei der westdeutschen Bevölkerung sehr beliebt und weithin bekannt. Nach Jahren der kulturellen Isolation und propagandistischen Manipulation boten sie den Bürgen die Möglichkeit, sich über weltweite Entwicklungen zu informieren. Betrachtet man den Durchschnittsbesucher der Amerikahäuser, so war dieser vor allem männlich mit einem höheren Bildungsabschluss, höherem Einkommen und Englischkenntnissen. Demnach erreichten die Amerikahäuser nur eine relativ kleine, vor allem bildungsbürgerliche Elite. Dennoch waren sie ein bedeutendes Element des Reeducation Programms, da sie als Multiplikatoren fungierten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Amerika – land of the free, home of the brave: Einführung in den "Mythos Amerika" als Paradoxon und Untersuchung der ambivalenten Wahrnehmung des Landes durch europäische Akteure.
2. Amerikanisierung – Versuch einer Definition: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Begriff der Amerikanisierung und Abgrenzung zu verwandten Konzepten wie Westernisierung und Kulturtransfer.
3. Zur kulturellen Amerikanisierung in Deutschland nach 1945: Analyse der deutschen Ausgangssituation und der US-amerikanischen Reeducation-Strategien, unterteilt in organisierte Kulturoffensiven und lebensweltlichen Wandel.
3.1 Die Nachkriegsjahre als Ausgangssituation für eine Amerikanisierung: Skizzierung der machtpolitischen und ökonomischen Verhältnisse nach 1945, die den Rahmen für den kulturellen Transfer bildeten.
3.2 Aspekte der kulturellen Amerikanisierung in Deutschland: Detaillierte Betrachtung der organisierten Umerziehung durch Amerikahäuser sowie der demonstrativen Aneignung durch Halbstarke als Jugendkultur.
4. Zur kulturellen Amerikanisierung in Frankreich nach 1945: Darstellung der französischen Identitätskrise nach dem Krieg und des ambivalenten Umgangs mit amerikanischen Einflüssen.
4.1 Die Nachkriegsjahre als Ausgangssituation für eine Amerikanisierung: Analyse der französischen nationalen Identitätsbildung im Spannungsfeld zwischen ökonomischer Stärke der USA und dem Bedürfnis nach kultureller Autonomie.
4.2 Aspekte der kulturellen Amerikanisierung in Frankreich: Konkretisierung der kulturellen Interaktion am Beispiel von Disneyland Paris als institutionelles Projekt und Jazz als kulturelles Instrument zur Reflexion.
5. Amerikanisierung oder Globalisierung? – ein Fazit: Zusammenführender Vergleich der Transferprozesse, Bestätigung der Thesen zur "Amerikanisierung von unten" und kritische Hinterfragung des Begriffs der Amerikanisierung.
Schlüsselwörter
Amerikanisierung, Kulturtransfer, Reeducation, Jugendkultur, Deutschland, Frankreich, Identität, Jazz, Rock'n'Roll, Amerikahäuser, Disneyland, Modernisierung, Hegemonie, Nachkriegszeit, Globalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die kulturelle Amerikanisierung in Deutschland und Frankreich in der Zeit nach 1945 aus der Perspektive des Kulturtransfers.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Rolle der Jugendkulturen, die Auswirkungen offizieller US-Kulturprogramme (wie der Amerikahäuser) und der Vergleich der nationalen Identitätsbildung in Deutschland und Frankreich gegenüber dem amerikanischen Einfluss.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede des kulturellen Transfers zu identifizieren und zu analysieren, wie beide Nationen selektiv amerikanische Elemente aneigneten oder ablehnten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einem kulturwissenschaftlichen Ansatz unter Rückgriff auf das Modell des Kulturtransfers sowie auf Theorien zur kulturellen Hegemonie und symbolischem Kapital.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden für beide Länder jeweils die Ausgangssituation nach 1945 sowie konkrete Fallbeispiele (Jugendkulturen einerseits und institutionelle Projekte wie Amerikahäuser oder Disneyland andererseits) untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kulturtransfer, Amerikanisierung, Jugendkultur, Reeducation, Identitätsbildung und Hegemonialkämpfe.
Warum wird im Kontext der französischen Amerikanisierung Disneyland Paris als Fallbeispiel gewählt?
Disneyland Paris dient als Beispiel für eine institutionelle Kulturoffensive, die aufgrund fehlender Anpassung an lokale Gepflogenheiten und einer Vernachlässigung französischer Identitätsbedürfnisse auf Widerstand stieß.
Welche Rolle spielt die "Amerikanisierung von unten" bei den Halbstarken?
Die Arbeit beschreibt die Aneignung von US-Lebensstilen durch die Halbstarken als einen bewussten "semiotischen Krieg" und eine Form des Protests gegen bürgerliche Normen der 1950er Jahre.
Wie unterscheidet sich die Rolle des Jazz in Frankreich von der des Rock'n'Roll in Deutschland?
Während der Rock'n'Roll in Deutschland eher als Protestphänomen gegen Autoritäten gedeutet wird, fungierte der Jazz in Frankreich zusätzlich als Instrument zur Reflexion über Rassismus und zur Identitätsfindung, wobei die "Blackness" des Jazz als unbedrohlich für die französische Hochkultur wahrgenommen wurde.
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- Silke Breithaupt (Author), 2007, Aspekte kultureller Amerikanisierung in Deutschland und Frankreich nach 1945 , Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/142152