In dieser Hausarbeit liegt der Schwerpunkt auf den Auswirkungen häuslicher Gewalt auf die kindliche Entwicklung. Im ersten Abschnitt wird der Begriff "Gewalt" selbst betrachtet und ein Rahmen für den schwer zu definierenden Begriff "häusliche Gewalt" geschaffen. Dabei werden feministische Literatur, die die geschlechtsspezifische Komponente betont, sowie eine kriminologische Perspektive einbezogen. Vor diesem Hintergrund erfolgt eine Einordnung der gesamtgesellschaftlichen Häufigkeit, wobei einige Erklärungsansätze für die Entstehung und begünstigenden Faktoren von häuslicher Gewalt exemplarisch behandelt werden. Dabei werden sowohl individualpsychologische Aspekte als auch sozial vermittelnde Prozesse berücksichtigt.
Im Hauptteil werden die Auswirkungen häuslicher Gewalt auf die kindliche Entwicklung genauer aus einer entwicklungspsychologischen Perspektive betrachtet. Insbesondere aus der Bindungstheorie lassen sich empirisch gut nachweisbare Effekte ableiten. Im folgenden Abschnitt wird ein kurzer Überblick über die Bewältigungs- und Coping-Strategien der Kinder gegeben, wobei das Belastungs-Bewältigungs-Konzept nach Lazarus (1966) besonders berücksichtigt wird. Die Frage nach intergenerationaler Gewalterfahrung wird anschließend unter anderem unter lerntheoretischen Gesichtspunkten sowie Einflüssen auf die Identitätsentwicklung näher betrachtet.
Zum Abschluss wird ein kurzer Überblick über Interventions- und Präventionsmöglichkeiten gegeben, wobei die Rolle der Massenmedien besonders betrachtet wird. Hierbei wird auch die Position der Sozialen Arbeit erläutert, der aktuelle Stand erfasst und ein Ausblick auf zukünftige Notwendigkeiten sozialarbeiterischen Handelns gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Häusliche Gewalt
1.1. Eingrenzung des Gewaltbegriffs
1.2. Definition häuslicher Gewalt
1.3. Zur Prävalenz und Entstehung häuslicher Gewalt
2. Auswirkungen häuslicher Gewalt auf Kinder
2.1. Entwicklungspsychologische Perspektive
2.2. Bewältigungsstrategien
2.3. Intergenerationale Gewalterfahrung
3. Interventions- und Präventionsmöglichkeiten
3.1. Die Rolle der Massenmedien bei der gesellschaftlichen Reaktion
3.2. Die Rolle der Sozialen Arbeit
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen häuslicher Gewalt auf die kindliche Entwicklung und beleuchtet dabei sowohl die Definition und Ursachen von Gewalt innerhalb von Familien als auch mögliche Interventions- und Präventionsstrategien aus der Perspektive der Sozialen Arbeit.
- Theoretische Grundlagen und begriffliche Eingrenzung von häuslicher Gewalt
- Entwicklungspsychologische Folgen für Kinder bei häuslicher Gewalterfahrung
- Bewältigungs- und Coping-Strategien betroffener Kinder
- Intergenerationale Transmission von Gewalt
- Gesellschaftliche Wahrnehmung durch Massenmedien und die Rolle der Sozialen Arbeit
Auszug aus dem Buch
1.1 Eingrenzung des Gewaltbegriffs
Betrachtet man den Begriff Gewalt, so ist dieser keinesfalls eindeutig. Vielmehr ist seine Bedeutung in hohem Maße abhängig von der Sichtweise unterschiedlicher Disziplinen. So erfährt der Begriff Gewalt im strafrechtlichen Sinne durchaus eine eher trennscharfe – und zugleich notwendige – Definition, die keine oder nur wenig Interpretationsspielraum lässt. Wechselt man die Perspektive, beispielsweise aus Sicht der Sozialwissenschaften, zeigt sich derselbe Begriff in einem deutlich umfassenderen Spektrum. Kaiser (2012) subsumiert die sozialwissenschaftliche Perspektive der Gewaltforschung auf folgende Grundannahmen: Ein intentional handelndes Subjekt richtet seine Handlungen in Abhängigkeit von äußeren Rahmenbedingungen gegen ein Objekt, wobei Zuschreibungen an das Objekt ebenfalls handlungsleitend wirken können. Intentionales Handeln kann als zielgerichtet und teleologisch (zweckorientiert) beschrieben werden (Kaiser 2012, S. 20). Möller (2015) sieht Gewalt als gesellschaftliches Faktum nicht existent, sondern stets in sozialen Interaktionen prozessiert. Gewalt stelle demnach "als Moment eines Biographisierungsprozesses dar, der auf Grundlage einer Kette von situativen Selbstthematisierungen erfolgt, für die die Sedimentierungen und der je aktuelle konkrete Ablauf der Erfahrungen in der jeweiligen Biographie die entscheidenden Referenzpunkte bilden" (Möller 2015, S. 640).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Häusliche Gewalt: Dieses Kapitel definiert den Begriff "häusliche Gewalt", diskutiert dessen Komplexität und beleuchtet die Prävalenz sowie theoretische Erklärungsmodelle für die Entstehung von Gewalt innerhalb von Familien.
2. Auswirkungen häuslicher Gewalt auf Kinder: Hier werden die Folgen von häuslicher Gewalt auf die kindliche Entwicklung aus der Sicht der Entwicklungspsychologie analysiert, Strategien zur Bewältigung der Belastung untersucht und das intergenerationale Weitergeben von Gewaltmustern thematisiert.
3. Interventions- und Präventionsmöglichkeiten: Dieses Kapitel befasst sich mit der Rolle der Massenmedien bei der gesellschaftlichen Konstruktion des Themas sowie den spezifischen Aufgaben und Herausforderungen der Sozialen Arbeit im Umgang mit von Gewalt betroffenen Familien.
4. Fazit: Das Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse über die entwicklungspsychologischen Folgen der Exposition gegenüber häuslicher Gewalt zusammen und skizziert Anforderungen an eine nachhaltige, gewaltreduzierende Soziale Arbeit.
Schlüsselwörter
häusliche Gewalt, kindliche Entwicklung, Entwicklungspsychologie, Coping-Strategien, Intergenerationale Transmission, Sozialarbeit, Intervention, Prävention, Gewaltbegriff, Familiensystem, Kinderschutz, Medienwirkung, Identitätsentwicklung, Bindungstheorie, Machtstrukturen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem komplexen Themenfeld der häuslichen Gewalt, insbesondere im Hinblick auf das Miterleben von Kindern und dessen langfristige Auswirkungen auf deren Entwicklung und Identitätsbildung.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zu den Schwerpunkten zählen die begriffliche Definition von Gewalt, psychologische Auswirkungen auf Kinder, der Umgang betroffener Kinder mit dieser Belastung, das Risiko der Weitergabe von Gewaltmustern an die nächste Generation sowie die Intervention durch Soziale Arbeit und die Darstellung durch die Medien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein umfassendes Verständnis für die Folgen häuslicher Gewalt für Kinder zu schaffen und aufzuzeigen, wie professionelle Unterstützungsangebote der Sozialen Arbeit diesem Problem wirksam begegnen können.
Welche theoretischen Konzepte werden wissenschaftlich verwendet?
Es werden verschiedene Ansätze herangezogen, darunter die Bindungstheorie, das Belastungs-Bewältigungs-Konzept nach Lazarus, Bourdieus Konzept des Habitus sowie lerntheoretische Modelle zur Erklärung von Gewaltverhalten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Gewaltformen und ihrer Ursachen, die entwicklungspsychologische Analyse der kindlichen Folgen, die Erläuterung von Bewältigungsstrategien der Kinder, die Problematik der intergenerationalen Transmission sowie Interventionsmöglichkeiten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Schlagworte wie häusliche Gewalt, Entwicklungspsychologie, Soziale Arbeit, Coping-Strategien, Prävention, Kinderschutz und intergenerationale Gewalterfahrung.
Warum ist die Rolle der Medien bei der Thematisierung von häuslicher Gewalt so bedeutsam?
Medien fungieren als Meinungsbildner. Die Art der Darstellung beeinflusst das gesellschaftliche Verständnis sowie politische Entscheidungen und Interventionsstrategien im Kinderschutz massiv.
Welche Rolle spielt die Soziale Arbeit laut Autor in diesem Zusammenhang?
Die Soziale Arbeit agiert im Spannungsfeld zwischen Hilfe und gesetzlichem Kontrollauftrag. Sie wird als entscheidende Instanz gesehen, um durch langfristige infrastrukturelle Arbeit und Unterstützung destruktive Gewaltzyklen zu durchbrechen.
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- Andre Kwiotek (Author), 2017, Kinder als Zeugen häuslicher Gewalt. Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung sowie Interventions- und Präventionsmöglichkeiten, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1421356