In der vorliegenden Arbeit wird der Angstbegriff von Paul Tillich untersucht, den er in besonderer Weise in seinem Werk „Der Mut zum Sein“ aus dem Jahr 1952 herausarbeitet. In seinem Buch spürt Tillich zur Schaffung einer wissenschaftstheoretischen Grundlage der Frage nach, wie Mut und Angst vor dem Hintergrund von Nichtsein und Sein zu einem Gott über Gott führen und wie eben dieser dann wiederum Sein ermöglicht und den nötigen Mut zum Sein spenden kann.
Der 1886 in Deutschland geborene und 1965 in den USA verstorbene protestantische Theologe und Religionsphilosoph emigrierte 1933 in die USA und lehrte unter anderem an der Universität von Chicago und Harvard. Im Jahr 1950 wurde er dazu aufgefordert eine Vorlesungsreihe der Terry-Lectures an der Universität in Yale zu gestalten, die er später in die sechs Kapitel von „The Courage to Be“ einarbeitete. Mit seinen Themen von „dem Verhältnis von Gewissheit und Zweifel, dem Glauben als Mut zum sein sowie der Rede von einem Gott über Gott“ schloss er an seine früheren Erkenntnisse über die besonderen Qualitäten der menschlichen Natur an und leistete ebenfalls einen frühen Beitrag zu der Auseinandersetzung mit Emotionen in der Theologie.
Ziel dieser Hausarbeit ist es den Angstbegriff kurz und prägnant in seinen Grundzüge darzustellen, weshalb zunächst Tillichs Unterscheidung von Angst und Furcht aufgezeigt werden soll. Anschließend werden die drei prägnanten Angsttypen Tillichs vorgestellt, die er neben weiteren Ängsten als Haupttypen nennt und die sich anschließend verschiedenen Epochen zuweisen lassen. In dem darauf folgenden Unterkapitel wird dann dargestellt wann Angst pathologisch werden kann und welche Kriterien sich aufstellen lassen. Im vorletzten Abschnitt wird die Angst und ihr Verhältnis zum Mut beleuchtet, um die Grundlage für die abschließende Darstellung der Bedeutung von Angst im Bezug auf Gott zu bilden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Angst
2.1 Furcht und Angst
2.2 Die drei Angsttypen
2.3 Epochen der Angst
2.4 Die pathologische Angst
2.5 Mut und Angst
2.6 Angst und Gott
3 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Hausarbeit analysiert den Angstbegriff von Paul Tillich, insbesondere in Bezug auf sein Werk „Der Mut zum Sein“, um das Verhältnis von Angst, Mut und ontologischer Selbstbejahung des Menschen vor dem Hintergrund des „Nichtseins“ darzustellen.
- Unterscheidung zwischen existentieller Angst und Furcht
- Systematisierung der drei Haupttypen der ontologischen Angst
- Die Rolle der „pathologischen Angst“ innerhalb von Tillichs Ontologie
- Das dynamische Wechselverhältnis zwischen Mut und Angst
- Die religionsphilosophische Verbindung von Angst, Sein und Gott
Auszug aus dem Buch
2.1 Furcht und Angst
In dem Kapitel „Die wechselseitige Abhängigkeit von Furcht und Angst“ beginnt Paul Tillich direkt mit der Unterscheidung von Angst und Furcht, indem er die Verhältnisbestimmung der beiden Begriffe vor ihrer ontologischen Bestimmung beschreibt und vervollständigt sie durch seine Differenzierungen im folgenden Hauptkapitel, indem er dort auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus dem Bereich der Biologie und Psychologie eingeht um seine vorherigen Erkenntnisse zu erweitern.
Seiner Ansicht nach kann sich die existentielle Angst in verschiedenen Variationen – durch das Bewusstsein eines möglichen / sicheren Nichtsein – manifestieren. Die dabei häufiger auftretenden Furcht kann dabei nicht durch eine klare Trennung von Angst unterschieden werden, da ihre Übergänge fließend sind. Tillich eröffnet eine gängige Unterscheidung der beiden Begriffe, indem er auf die nötige Objektbezogenheit von Furcht hinweist. Furcht benötigt demnach immer ein Objekt, an dem sie (zum Beispiel durch Liebe) partizipieren kann um ihm zu begegnen, es zu überwinden und es so „in die eigene Selbstbejahung hinein[zu]nehmen“. Angst hingegen „hat kein Objekt oder, paradox ausgedrückt, ihr Objekt ist die Negation jedes Objekts“. Durch die fehlende Möglichkeit auf Angst zu reagieren, reagiert der Mensch mit Orientierungslosigkeit da er mit ihr nicht umgehen kann. Nach Ihben-Bahl bewirkt Tillichs Definition von Angst als „Negation jedes Objekts“ zudem, dass das Nichtsein einer möglichen Verharmlosung („Definition der Angst als Furcht vor dem Unbekannten“) entgeht und seine feste Größe behält, dessen reale Bedrohung für das Subjekt durch Angst sichtbar gemacht wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Werk „Der Mut zum Sein“ ein und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, den Angstbegriff von Paul Tillich strukturiert darzustellen.
2 Angst: Dieses Kapitel dient als theoretische Grundlage für die Analyse der verschiedenen Aspekte und Kontextualisierungen von Tillichs Angstbegriff.
2.1 Furcht und Angst: Hier wird die zentrale Unterscheidung zwischen Furcht als objektbezogenem Gefühl und Angst als konfrontationslose Bedrohung durch das Nichtsein erarbeitet.
2.2 Die drei Angsttypen: In diesem Teil werden die drei ontologischen Formen der Angst – Schicksal/Tod, Leere/Sinnlosigkeit und Schuld/Verdammnis – detailliert erläutert.
2.3 Epochen der Angst: Dieses Kapitel betrachtet Angst als zeitlose ontologische Größe, die sich jedoch in verschiedenen geschichtlichen Epochen unterschiedlich manifestiert.
2.4 Die pathologische Angst: Hier wird untersucht, wie Tillich pathologische Zustände in sein ontologisches System der Angst integriert, ohne sie allein psychologisch zu erklären.
2.5 Mut und Angst: Dieses Kapitel beleuchtet das dynamische Wechselverhältnis zwischen den beiden ontologischen Größen Mut und Angst im existierenden Dasein.
2.6 Angst und Gott: Der Abschluss der theoretischen Untersuchung zeigt auf, wie Tillichs Ontologie letztlich auf Gott als „Sein-Selbst“ und den „absoluten Glauben“ hinweist.
3 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht die Bedeutung des Mutes zum Sein als Antwort auf die existentiellen Ängste des Menschen.
Schlüsselwörter
Paul Tillich, Angst, Furcht, Nichtsein, Mut zum Sein, Existentialismus, Ontologie, pathologische Angst, Selbstbejahung, Sinnlosigkeit, Schicksal, Schuld, religiöser Glauben, göttliches Sein, Selbstsein.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem spezifischen Angstbegriff des Theologen und Religionsphilosophen Paul Tillich, wie er insbesondere in seinem bekannten Werk „Der Mut zum Sein“ von 1952 entfaltet wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Differenzierung von Furcht und Angst, die drei ontologischen Angsttypen, die Dynamik zwischen Angst und Mut sowie die Einbettung dieser Thematik in Tillichs weites Verständnis von Gott und Religion.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, den Angstbegriff Tillichs prägnant darzustellen und aufzuzeigen, wie der Mensch durch diese Erkenntnisse sein eigenes Sein und die Bedrohung durch das „Nichtsein“ reflektieren kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine systematisch-theologische Textanalyse, die Tillichs Primärliteratur mit der Sekundärliteratur von Ihben-Bahl kombiniert, um ein zusammenhängendes Argumentationsgerüst zu erstellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine systematische Untersuchung der Angstformen, ihre geschichtliche Bedingtheit, die Abgrenzung zur pathologischen Angst und die schließliche Überwindung der Angst durch den „Mut zum Sein“ im Kontext von Gott.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den zentralen Begriffen gehören Ontologie, Angst, Furcht, Nichtsein, Selbstbejahung, Mut zum Sein, pathologische Angst und der absolute Glaube.
Wie unterscheidet Tillich laut der Arbeit genau zwischen Furcht und Angst?
Laut der Hausarbeit zeichnet sich die Furcht durch eine spezifische Objektbezogenheit aus (man fürchtet sich vor etwas), wohingegen die Angst bei Tillich eine Negation jedes Objekts darstellt und das Nichtsein als existenzielle Bedrohung erfahrbar macht.
Welche „drei Angsttypen“ werden im Text definiert?
Die Arbeit identifiziert drei ontologische Formen der Angst: die Angst vor dem Schicksal und dem Tod, die Angst vor der Leere und der Sinnlosigkeit sowie die Angst vor der Schuld und der Verdammnis.
Welche Funktion hat das Fazit innerhalb der Gesamtdarstellung?
Das Fazit resümiert, dass die Angst für Tillich ein Medium ist, das dem Menschen hilft, sein „Sein-Selbst“ zu erfassen und die Notwendigkeit des Mutes zu erkennen, um in einer endlichen Welt bestehen zu können.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2021, Paul Tillichs Angstbegriff, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1420433