Diese Arbeit befasst sich mit der Frage, warum diverse Autor*innen, die während des zweiten Weltkrieges verboten waren, nach dem Krieg einfach verdrängt und vergessen wurden. Dabei dient Auguste Lazar, eine österreichische Kinder- und Jugendbuchautorin, mit zwei ihrer Bücher "Sally Bleistift in Amerika" und "Jan auf der Zille" als Beispiel. Durch Lazar wird auch der feministische Blick geschärft, da auffällig ist, dass hauptsächlich Autorinnen aus dem gesellschaftlichen Gedächtnis verbannt wurden.
Unter anderen als Antwort auf die deutsche Propaganda gingen viele Autorinnen und Autoren mit ihrer Kinder- und Jugendliteratur in den Widerstand und versuchten so, eine Sinnesänderung bei der Bevölkerung während des zweiten Weltkrieges zu bewirken. Viele schrieben dabei im Exil, einige sogar aus Deutschland oder Österreich heraus. Neben den vermittelten wichtigen Inhalten und dem Mut, den es zur aktiven Veröffentlichung erfordert, ist auch die hohe literarische Qualität zu betonen. Trotz dieser Leistungen sind ihre Namen und Werke auf dem Weg zur Gegenwart verloren gegangen. Ich versuche im Folgenden einige Aspekte zu beleuchten, die zum Vergessen dieser SchriftstellerInnen und ihrer Werke geführt haben könnten und eine hypothetische Antwort darauf zu geben.
Inhaltsverzeichnis
1. Erklärung der Forschungsfrage - Einleitung
2. Literaturverhältnisse im zweiten Weltkrieg
2.1 Schreiben aus Deutschland
2.2 Schreiben im Exil
3. Frau und Schriftstellerin
4. Kinder – und Jugendliteratur im zweiten Weltkrieg
3. Kinder- und Jugendliteratur nach dem zweiten Weltkrieg
4.1 DDR
4.2 BRD
4.3 Österreich
5. Auguste Lazar
6. Beantwortung der Forschungsfrage
7. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Gründe für das Vergessen und die Verdrängung verbotener Autorinnen nach dem Zweiten Weltkrieg, wobei die österreichische Kinder- und Jugendbuchautorin Auguste Lazar als zentrales Fallbeispiel dient. Dabei werden literaturpolitische Rahmenbedingungen, geschlechtsspezifische Aspekte bei Verboten und die unterschiedliche Rezeption in der Nachkriegszeit beleuchtet.
- Literatur unter dem Nationalsozialismus und in der Exilsituation
- Die Rolle der (Schriftsteller-)Frau zwischen 1933 und 1945
- Vergleich der Aufarbeitung in DDR, BRD und Österreich
- Biografische Analyse und Werk von Auguste Lazar
- Ursachen für das Verschwinden zeitgeschichtlicher Kinder- und Jugendliteratur
Auszug aus dem Buch
2.2 Schreiben im Exil
Durch Berufsverbote, Zensuren, unmittelbarer Bedrohung und der gegnerischen Einstellung zum Regime emigrierten viele AutorInnen zunächst ins europäische Ausland, mit zunehmender Gefahr jedoch, während einer regelrechten Emigrationswelle um 1939 bis 1940, in die USA, Südamerika, Sowjetunion und das heutige Israel. Ihrer aller Gemeinsamkeit war die Nichtidentifikation mit dem nationalsozialistischen Deutschland und meistens auch das Ziel der Darstellung des „anderen“ oder „besseren“ Deutschlandes.
Viele der geflüchteten SchriftstellerInnen versorgten die heimischen Widerstandsbewegung mit literarischen Material aus dem Ausland, in dem vorrangig aufgeklärt, vor dem dritten Reich gewarnt und sich gesellschaftlicher und politischer Problemstellungen hingewendet wurde. Anders als aus Deutschland heraus passierte dies in der bevorzugten Gattung Roman, mit der man höhere Veröffentlichungschancen hatte. So heißt es beispielsweise in dem Roman von Auguste Lazar: „Aber ihr glaubt gar nicht, was für einen Blödsinn man den Menschen einreden kann, besonders wenn’s ihnen schlecht geht und sie so gerne an Wunder oder sowas glauben möchten, das ihnen helfen könnt.“ 2
Es wurden keine großen formalen Experimente gemacht, sondern sich den Lesebedürfnissen des Publikums angepasst, weshalb hauptsächlich Romane und zum Beispiel Lyrik quantitativ gering verfasst wurde, wenn überhaupt fand diese eine Platz in der Exilpresse. Eine solch starke Orientierung an RezipientInnen liegt an der besonders erhöhten Schwierigkeit die eigene Existenz durch das Schreiben in einem anderen Land zu sichern. Die materiellen Verhältnisse variierten, doch die meisten hatten Probleme, denn obwohl es vereinzelt Verlage nur für deutsche Exilliteratur gab, war die Veröffentlichung in einem fremdsprachigen Land auf Deutsch begrenzt. Trotzdem wurde weiter auf deutsch verfasst, die Tradition des deutschen Geistes und der deutschen Sprache stellte eine Priorität dar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Erklärung der Forschungsfrage - Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Widerstand von AutorInnen durch Literatur und stellt die Forschungsfrage nach den Gründen des Vergessens am Beispiel von Auguste Lazar vor.
2. Literaturverhältnisse im zweiten Weltkrieg: Dieses Kapitel analysiert die „Gleichschaltung“ der Literatur unter den Nationalsozialisten sowie die Bedingungen für das Schreiben im Exil.
3. Frau und Schriftstellerin: Hier wird thematisiert, wie Schriftstellerinnen nach 1933 aufgrund von Verfolgung, Vertreibung oder politischer Ideologie aus der Literaturgeschichte verdrängt wurden.
4. Kinder – und Jugendliteratur im zweiten Weltkrieg: Es wird die Etablierung verschiedener Gattungen und der propagandistische Missbrauch von Literatur zur Erziehung der nächsten Generation analysiert.
3. Kinder- und Jugendliteratur nach dem zweiten Weltkrieg: Dieser Teil untersucht die unterschiedliche Aufarbeitung und Verbreitung dieser Literatur in der DDR, BRD und Österreich.
5. Auguste Lazar: Eine biografische Darstellung von Auguste Lazar, ihren Erfahrungen im Widerstand und ihrem Schaffen als Autorin.
6. Beantwortung der Forschungsfrage: Synthese der Erkenntnisse, warum das Werk von Lazar und anderen Autorinnen historisch in Vergessenheit geriet.
7. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung über die Notwendigkeit der Aufarbeitung der Literaturgeschichte und die Bedeutung der (Kinder- und Jugend-)Literatur.
Schlüsselwörter
Auguste Lazar, Kinder- und Jugendliteratur, Exilliteratur, Nationalsozialismus, Widerstand, Verdrängung, österreichische Literatur, DDR, BRD, literarisches Vergessen, Aufarbeitung, Zeitgeschichte, Schreibverbot, NS-Zeit, Literaturgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Schicksal verbotener Autorinnen während und nach der Zeit des Nationalsozialismus sowie die Gründe, warum ihre Werke und Namen nach 1945 aus dem kulturellen Gedächtnis verdrängt wurden.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die Literaturpolitik in der NS-Zeit, die Exil-Erfahrungen von Schriftstellerinnen, die spezifische Situation von Autorinnen sowie die unterschiedliche Rezeption von zeitgeschichtlicher Kinder- und Jugendliteratur in der DDR, der BRD und Österreich.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Frage zu beantworten, warum verbotene AutorInnen nach dem Zweiten Weltkrieg verdrängt wurden. Dies wird exemplarisch an der österreichischen Autorin Auguste Lazar durchleuchtet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse, indem sie zeitgenössische Quellen sowie Sekundärliteratur zu den literaturpolitischen Rahmenbedingungen und der Biografie von Auguste Lazar auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Literaturverhältnisse unter dem NS-Regime, die Situation im Exil, die geschlechtsspezifische Verdrängung, einen regionalen Vergleich der Aufarbeitung (DDR, BRD, Österreich) sowie eine detaillierte biografische Untersuchung zu Auguste Lazar.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Auguste Lazar, Exilliteratur, Nationalsozialismus, Widerstand, Kinder- und Jugendliteratur, Verdrängung sowie Literaturgeschichte.
Welche Rolle spielte Auguste Lazars Werk "Sally Bleistift in Amerika"?
Das Buch diente als Beispiel für den aktiven Widerstand durch Literatur. Es wurde trotz internationaler Bekanntheit im Nachkriegsdeutschland weitgehend ignoriert, da Lazar im Exil lebte und später in der DDR publizierte.
Warum wird die Kinder- und Jugendliteratur in der Forschung vernachlässigt?
Die Arbeit argumentiert, dass dieses Feld historisch oft als untergeordnet oder "nicht zur eigentlichen Literatur gehörend" angesehen wurde, was zu einer anhaltenden Vernachlässigung in der Forschung und Lehre sowie zur Abwesenheit in Büchereien führt.
- Arbeit zitieren
- Merle Proll (Autor:in), 2022, Verdrängte und vergessene AutorInnen nach dem zweiten Weltkrieg. Die österreichische Kinder- und Jugendbuchautorin Auguste Lazar, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1418296