Italien als Land vieler unterschiedlicher Sprachen und Dialekte kennzeichnet sich ebenfalls durch die Trennung der lingua parlata und lingua scritta sowie auch der unterschiedlichen Nutzung der Sprache innerhalb der Familie und in der Öffentlichkeit. Lepschy und Lepschy unterscheiden hier „zwischen einer spontanen, familiären und einer präzisen, formellen Sprechweise.“
Der Dialekt trägt sowohl zum Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb einer Gruppe bei als auch zur scharfen Abgrenzung gegenüber Bewohnern der anderen Regionen Italiens. Deshalb ist es vollkommen natürlich, dass der Dialekt vor allen anderen in der Familie genutzt wird, um die Identität und die Herkunft eines jeden einzelnen zu bewahren. Doch wie sieht es in der öffentlichen Gesellschaft eines Landes aus, das sich immer noch auf dem Weg der Alphabetisierung zu befinden scheint? Dort treffen verschiedene Schichten und Gruppen aufeinander, die möglicherweise die unterschiedlichen Dialekte und auch die italienische Standardsprache nur wenig oder gar nicht beherrschen. Wie stellen sich Migranten diesem Problem? Welche Sprache nutzen die Medien? Welche Rolle spielt die Schule in dieser Bewegung?
Die vorliegende Arbeit untersucht die italienische Sprachkultur hinsichtlich dieser Fragen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Sprache in der Öffentlichkeit
2.1 Die Disposition der Sprachniveaus
2.2 Probleme der inneren Migration
2.3 Sprache in der Medienwelt
2.3.1 Die Printmedien
2.3.2 Die Werbung
2.3.3 Das Radio
2.3.4 Das Fernsehen
2.4 Die Verständigung im Militärdienst
2.5 Die Sprachnutzung in der Schule
3 Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die italienische Sprachkultur und analysiert, wie verschiedene Schichten und Gruppen in einer Gesellschaft, die sich noch im Prozess der Alphabetisierung befindet, mit dem Spannungsfeld zwischen Dialekten und der italienischen Standardsprache umgehen.
- Das Verhältnis zwischen lingua parlata und lingua scritta im öffentlichen Raum.
- Die Rolle der Binnenmigration bei der Verbreitung des Standarditalienischen.
- Der Einfluss verschiedener Medien (Printmedien, Radio, Fernsehen) auf die Sprachvereinheitlichung.
- Die Herausforderungen der Sprachintegration in staatlichen Institutionen wie dem Militär und der Schule.
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Disposition der Sprachniveaus
Italiens Sprachengebilde lässt sich nicht nur durch den Begriff der Standardsprache ausdrücken, sondern auch durch unterschiedliche Ebenen von regionalen Einteilungen und Dialekten.
Der Dialekt tritt als regionale Variante einer Sprache auf, wobei er sich vor allem in der Aussprache und im Wortschatz von der Standardsprache unterscheidet. Infolgedessen bewegen sie sich auf völlig verschiedenen sprachlichen Niveaus. Eine schriftliche Normierung der Orthographie und der Grammatik existiert im Bereich der Dialekte nicht. Jedoch kann es passieren, dass sich der schriftliche Standard einer Sprache aus einem gesprochenen Dialekt entwickelt. Der toskanische Dialekt dominierte zum Beispiel alle anderen damaligen Dialekte Italiens, so dass er sich mit Hilfe Dante Alighieris und Francesco Petrarcas zur italienischen Standardsprache entwickelte. Allerdings ist es schwierig, eine scharfe Grenze zwischen den einzelnen Dialekten oder zwischen Dialekt und Standardsprache zu ziehen. Allerdings kann man Dialekte derselben Sprache daran erkennen, dass die gesprochenen Varianten über eine gemeinsame Schriftsprache verfügen.
Die geschriebene Sprache entspricht in der Regel der Standardsprache. Sie genießt ein höheres Prestige als die gesprochene Form und verfügt über eine komplexere grammatische Struktur und einen spezielleren Wortschatz.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der italienischen Sprachkultur ein, insbesondere in die Trennung zwischen lingua parlata und lingua scritta sowie die Bedeutung der Dialekte für die regionale Identität.
2 Sprache in der Öffentlichkeit: Dieses Kapitel analysiert die verschiedenen Sprachniveaus in Italien, beleuchtet die sprachlichen Herausforderungen der Migration und untersucht den Einfluss von Medien, Militär und Schule auf die Verbreitung des Standarditalienischen.
3 Schlusswort: Das Schlusswort resümiert die Faktoren, die zur Vereinheitlichung der Sprache beitrugen, und betont das fortbestehende Spannungsfeld zwischen dem Streben nach Einheit und der lebendigen Dialekttradition.
Schlüsselwörter
Italien, Italienisch, Sprachkultur, Dialekt, Standardsprache, lingua parlata, lingua scritta, Alphabetisierung, innere Migration, Medien, Sprachvereinheitlichung, Schule, Militär, italienische Identität, Varietätenpluralismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der italienischen Sprachsituation und der Entwicklung einer Standardsprache in einem historisch durch starke dialektale Unterschiede geprägten Land.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der sozialen Funktion von Dialekten, dem Einfluss der Binnenmigration, der Rolle der Medien als demokratisierendes Sprachinstrument und den Problemen der Sprachintegration im Bildungssystem.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu ergründen, wie sich die italienische Sprachlandschaft im öffentlichen Raum unter dem Einfluss von Modernisierung und gesellschaftlichem Wandel entwickelt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgestützte Analyse soziolinguistischer Forschungsansätze, die verschiedene Fachpositionen zur italienischen Sprache gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einordnung der Sprachniveaus, die Auswirkungen der Binnenmigration, die Funktion der Massenmedien sowie die sprachliche Situation in staatlichen Institutionen wie Armee und Schule.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Dialekt, Standarditalienisch, Alphabetisierung, sprachliche Varietäten und soziale Identität.
Welche Rolle spielten die Schulreformen für die Sprache?
Die Schulreformen wie das Legge Casati oder Legge Gentile sollten die Schulpflicht ausweiten, kämpften jedoch lange Zeit mit massiver Analphabetenquote und der Schwierigkeit, Standarditalienisch gegenüber der starken dialektalen Prägung durchzusetzen.
Wie bewertet die Autorin das Verhältnis von Dialekt und Standardsprache?
Sie argumentiert, dass Dialekte zwar für die Identität wichtig sind, aber eine gemeinsame Standardsprache für die gesellschaftliche Teilhabe und den öffentlichen Austausch notwendig wurde, ohne dabei die kulturelle Vielfalt der Dialekte zwangsläufig auszulöschen.
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- Simone Mihm (Author), 2008, Die Sprache in der Öffentlichkeit im heutigen Italien, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/141195