Diese Arbeit versucht, nachdem die Bewährungshilfe als solche beschrieben wird, zu erklären, welchen schwierigen Aufgaben sich Case Management im Bereich der Bewährungshilfe stellen muss und wie Case Management in diesem Bereich aussehen muss, um diese Aufgaben lösen zu können.
Im weiteren Teil geht diese Arbeit auf die verschiedenen Arten des Case Managements in der Bewährungshilfe ein und wirft einen kritischen Blick auf diese, um die Frage nach den Möglichkeiten von Case Management im Professionsbereich der Straffälligenhilfe zu beantworten. Im weiteren Verlauf wird Case Management in Teilen Großbritanniens betrachtet, wo es bereits vor einigen Jahren einen Wandel durchlaufen hat.
Bevor ein Fazit gezogen wird, versucht diese Arbeit anhand einer Befragung aus dem Jahr 2014 die Frage zu beantworten, wie die Case Manager*innen in der bayrischen Bewährungshilfe zu dem neuen wissenschaftlich generierten Wissen stehen, welches die Veränderungen der letzten Jahre mit sich gebracht hat.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen der Bewährungshilfe
3 Correctional Case Management
4 Verschiedene Methoden des Correctional Case Managements
4.1 Risikoorientiertes Case Management
4.2 Motivational Case Management
5 Evidenzbasierung in der Bewährungshilfe
6 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendbarkeit und die Herausforderungen von Case Management Methoden im Bereich der Bewährungshilfe. Dabei steht insbesondere die Frage im Mittelpunkt, wie der doppelte Auftrag von Unterstützung und Rückfallverhinderung im Kontext straffälliger Klientinnen und Klienten professionell bewältigt werden kann.
- Grundlagen und Rahmenbedingungen der Bewährungshilfe in Deutschland
- Analyse des Correctional Case Managements als spezifische Methode
- Vergleich zwischen risikoorientiertem und motivationalem Case Management
- Die Rolle der Evidenzbasierung in der praktischen sozialen Arbeit
- Interdisziplinäre Zusammenarbeit und Netzwerkarbeit im Strafvollzug
Auszug aus dem Buch
4.1 Risikoorientiertes Case Management
Das risikoorientierte Case Management ist eine Methode, um die beiden Aufträge Rückfallverhinderung und Hilfe angemessen zu berücksichtigen. Dabei wird betrachtet, was zur Hilfebedarfsdeckung und zur Rückfallverhinderung nötig ist. Diese beiden Prozesse werden innerhalb des risikoorientieren Case Management Ablaufs koordiniert (vgl. Klug, 2015, S. 87).
„Im Fall der Arbeit mit Straffälligen hat sich das „risk, need and responsivity“ (RNR) Modell von Andrews und Bonta (2007, 2010) als das bisher (nachgewiesenermaßen) effektivste herausgestellt.“ (Matt, 2015, S. 162)
Wie auch bei anderen Case Management Methoden, wird in der Phase des Assessments eine genaue Bestandsaufnahme gemacht: Es wird also nach Wünschen, Problemen, Ressourcen und Anliegen der Klient*innen geschaut. Doch beim risikoorientieren Case Management müssen in einem systematischen Risiko-Assessment die kriminogenen Faktoren analysiert werden, um dann eine Rückfallgefahr genauer bestimmen zu können. Hier können Klient*innen beispielsweise in drei verschiedene Gruppen eingeteilt werden:
x Nicht rückfallgefährdete Klient*innen, also Straftäter*innen ohne Rückfallgefahr
x Rückfallgefährdete Klient*innen, also Straftäter*innen, welche zwar rückfallgefährdet sind, aber deren Rückfall keine Gefahr für Leib und Leben bedeuten würde
x Risiko-Klient*innen, also Straftäter*innen, welche rückfallgefährdet sind und deren Rückfall eine immense Gefahr für Leib und Leben bedeuten würde (vgl. Klug, 2015, S. 88)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in den Wandel der Bewährungshilfe ein und umreißt das Ziel der Arbeit, Ansätze des Case Managements kritisch auf ihre Eignung im straffälligen Bereich zu prüfen.
2 Grundlagen der Bewährungshilfe: Das Kapitel definiert den gesetzlichen Auftrag der Bewährungshilfe sowie die Rahmenbedingungen für die Betreuung von verurteilten Personen.
3 Correctional Case Management: Hier werden die theoretischen Grundlagen des Correctional Case Managements erläutert, welche insbesondere die Verbindung von Unterstützung und Überwachung in den Fokus rücken.
4 Verschiedene Methoden des Correctional Case Managements: Dieses Kapitel vergleicht detailliert das risikoorientierte Case Management mittels RNR-Modell mit dem motivationalen Ansatz.
5 Evidenzbasierung in der Bewährungshilfe: Es wird untersucht, wie wissenschaftlich generiertes Wissen und empirische Erkenntnisse die Arbeit in der bayerischen Bewährungshilfe beeinflussen und welche Hürden dabei bestehen.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Implementierung von Case Management-Modellen als einen positiven Schritt hin zu einer strukturierten und messbaren professionellen Praxis.
Schlüsselwörter
Bewährungshilfe, Case Management, Correctional Case Management, Risikoorientierung, Motivational Interviewing, RNR-Modell, Resozialisierung, Rückfallverhinderung, Soziale Arbeit, Evidenzbasierung, Doppelmandat, Netzwerkarbeit, Fallsteuerung, Strukturreform, Straffälligenhilfe
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Einführung und Anwendung von Case Management Methoden innerhalb der deutschen Bewährungshilfe vor dem Hintergrund eines sich wandelnden Justizsystems.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Rolle der Bewährungshilfe, das Management von Rückfallrisiken bei Straffälligen sowie die Förderung von Veränderungsprozessen durch professionelle Methoden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Case Management dazu beitragen kann, den komplexen Auftrag zwischen helfendem Handeln und der Überwachung zur Rückfallverhinderung effizient zu bewältigen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse und den Vergleich etablierter Modelle wie das RNR-Modell sowie empirische Daten aus Befragungen in der bayerischen Bewährungshilfe.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretische Ansätze, vergleicht das risikoorientierte sowie das motivationale Case Management und diskutiert die Bedeutung evidenzbasierter Arbeitsweisen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Case Management, Resozialisierung, Rückfallverhinderung, evidenzbasierte Praxis und das Doppelmandat in der Sozialen Arbeit.
Was unterscheidet das risikoorientierte vom motivationalen Case Management?
Das risikoorientierte Modell fokussiert stark auf eine systematische Risikoanalyse und Sicherheitsaspekte, während das motivationale Modell verstärkt die Kooperation und Gesprächsführungstechniken integriert.
Welche Rolle spielt das "Doppelmandat" für die Bewährungshelfer?
Das Doppelmandat beschreibt den schwierigen Spagat der Bewährungshelfer, einerseits als unterstützender Berater agieren zu müssen und andererseits die Einhaltung gerichtlicher Auflagen und Sicherheitsanforderungen zu kontrollieren.
Warum ist die Netzwerkarbeit im Case Management so wichtig?
Da die Problemlagen der Klienten oft sehr vielschichtig sind, ist die Kooperation mit verschiedenen Hilfseinrichtungen notwendig, um ein passgenaues Unterstützungsangebot sicherzustellen, das über die Kapazitäten einer einzelnen Person hinausgeht.
- Quote paper
- Philipp Zimmermann (Author), 2022, Casemanagement in der Bewährungshilfe, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1406219