Das moderne hispanoamerikanische Spanisch unterscheidet sich von dem Kastilischen und ist das Ergebnis des Zusammenwirkens verschiedener Faktoren.
In historischer Hinsicht begann seine Formation als Varietät des Europäischen Spanisch mit der Entdeckung und der Eroberung Amerikas. Das Kastilische wurde in den folgenden Jahren durch die Konquistadoren auf die neu gewonnenen Territorien verbreitet und ist mit den einheimischen Sprachen in Berührung gekommen. Während der nächsten fünfhundert Jahre hat sich das Spanische auf den beiden Seiten der Atlantik teilweise auseinander entwickelt. Kennzeichnend für die amerikanische Varietät sind die phonetischen, morphologischen und lexikalischen Änderungen, die sie aufweist.
Die modernen linguistischen Untersuchungen am lateinamerikanischen Lexikon haben zum Ziel die allgemeinen Abweichungen zwischen dem europäischen und amerikanischen Spanisch im Bezug auf den Wortschatz darzustellen, so wie die Ursachen dieser Veränderungen zu erklären. Um dies zu erreichen müssen einige Aspekte in berücksichtigt werden. Es ist zu beachten, dass sich das amerikanische Lexikon nicht nur im Bezug auf das Europäische unterscheidet. Aufgrund der Größe des Kontinents weist es selbst in Lateinamerika lokale Abweichungen auf.So entstehen, einerseits, große Regionen wie Chile und La-Plata-Raum, Andengebiet, Mittelamerika, Mexiko und Karibik, welche lexikalische Gemeinsamkeiten besitzen. Diese sind auf historische Aspekte wie Zeit der Kolonisation, Besiedlungsgeschichte, so wie die einheimischen Sprachen zurückzuführen. Anderseits bleibt der Sprachgebrauch trotz der gemeinsamen lexikalischen Merkmale nicht homogen.Sowohl innerhalb, als auch außerhalb eines Großgebietes sind Abweichungen festzustellen, die möglicherweise durch den Einfluss von innen- und außenpolitischen, auch ethnische, soziale und kulturelle Faktoren in den verschiedenen Regionen Mittel- und Hispanoamerikas zu erklären sind.
Das Ziel dieser Hausarbeit ist die Besonderheiten der hispanoamerikanischen Lexik in Bezug auf die europäische, so wie einige Unterschiede regionaler Bedeutung darzustellen. Es werden die Teilbereiche des amerikanischen Wortschatzes ausgeführt, so wie die anderen Sprachen, die ihn in den letzten fünfhundert Jahren beeinflusst haben. Im letzten Kapitel werden einige der Unterschiede im modernen lexikalischen Gebrauch zwischen Europa und Hispanoamerika aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Teilbereiche der hispanoamerikanischen Lexik und Definition des Amerikanismus
1.1. Teilbereiche der hispanoamerikanischen Lexik
1.2. Definition des Amerikanismus
II. Spanischer Erbwortschatz (Léxico patrimonial español)
2.1. Marinerismos
2.2. Archaismen (arcaísmos)
2.3. Spanische Regionalismen (regionalimos españoles)
III. Indigenismen (indigenismos americanos)
3.1. Indigenismen aus dem Karibikraum
3.2. Indigenismen aus „Náhuatl“
3.3. Indigenismen aus „Quechua“
3.4. Indigenismen aus „Guaraní“ und „Mapuche“
IV. Afrikanismen (afronegrismos)
V. Lexikalische Einflüsse anderer Sprachen
VI. Unterschiede im lexikalischen Gebrauch zwischen Europa und Hispanoamerika
Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Besonderheiten der hispanoamerikanischen Lexik im Vergleich zum europäischen Spanisch sowie die Ursachen für regionale Unterschiede. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Identifizierung der zentralen Wortschatzbestandteile und die Analyse der verschiedenen fremdsprachlichen und historischen Einflüsse, die über die letzten fünfhundert Jahre zur Entstehung der spezifisch amerikanischen Sprachvarietäten beigetragen haben.
- Strukturelle Analyse der hispanoamerikanischen Lexik
- Einfluss des spanischen Erbwortschatzes (Marinerismos, Archaismen)
- Bedeutung von Indigenismen aus indigenen Sprachen wie Náhuatl und Quechua
- Rolle von Afrikanismen und lexikalischen Einflüssen europäischer Sprachen
- Diskurs über die Auswirkungen des Angloamerikanischen auf das moderne Lexikon
Auszug aus dem Buch
2.1. Marinerismos
Die marinerismos gelten als ein sehr charakteristisches Merkmal der hispanoamerikanischen Lexik. Ihre weite Verbreitung auf dem neuen Kontinent, sowohl an der Meerküste, als auch im Inneren des Landes, lässt sich durch die Eroberungs- und Kolonisationsgeschichte Amerikas erklären.10
Diese Bezeichnungen aus der Seefahrt sind zwar bis in die Gegenwart hinein in dem amerikanischen Lexikon bewahrt, jedoch haben sie ihre ursprüngliche Fachbedeutung verloren. Aufgrund dieser semantischen Veränderung betrachtet Noll die marinerismos als Neologismen.11 Als Beispiele für solche Bezeichnungen aus der hispanoamerikanischen Lexik können die folgenden Wörter genannt werden: amarrarse („amarrar“, „atar“), in regionaler Bedeutung „casarse“; boliche („jábega pequeña” – „Netz“) könnte Ausschank, einen kleiden Laden oder Diskothek bedeuten; aguaitar („belauern, ausspähen“) bedeutet in Kolumbien „warten“;12 rumbar oder rumbear (tomar rumbo) „sich orientieren“; botar (tirar algo) hat in Hispanoamerika die Bedeutung von „wegwerfen“.13
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Darstellung der historischen Entwicklung des hispanoamerikanischen Spanisch und Definition des Untersuchungsziels, Unterschiede im Wortschatz zu untersuchen.
I. Teilbereiche der hispanoamerikanischen Lexik und Definition des Amerikanismus: Theoretische Einordnung der verschiedenen lexikalischen Komponenten und Klärung des Begriffs Amerikanismus.
II. Spanischer Erbwortschatz (Léxico patrimonial español): Untersuchung des von den Kolonisten mitgebrachten Wortschatzes, insbesondere durch Seefahrer-Terminologie und archaische Sprachformen.
III. Indigenismen (indigenismos americanos): Analyse des Einflusses einheimischer Sprachen, unterteilt nach geographischen Räumen wie Karibik, Mexiko und dem Andengebiet.
IV. Afrikanismen (afronegrismos): Untersuchung der lexikalischen Spuren afrikanischer Sklavensprachen, vorwiegend im karibischen Raum.
V. Lexikalische Einflüsse anderer Sprachen: Darstellung der Auswirkungen europäischer Sprachen und des Englischen auf den amerikanischen Wortschatz.
VI. Unterschiede im lexikalischen Gebrauch zwischen Europa und Hispanoamerika: Aufzeigen von Differenzen im täglichen Sprachgebrauch, die nicht rein historisch begründet sind.
Schluss: Zusammenfassende Betrachtung der diachronischen Entwicklung und Einschätzung der zukünftigen sprachlichen Differenzierung.
Schlüsselwörter
Hispanoamerikanisches Spanisch, Lexikologie, Semantik, Amerikanismen, Spanischer Erbwortschatz, Marinerismos, Archaismen, Indigenismen, Quechua, Náhuatl, Afrikanismen, Anglizismen, Sprachwandel, Regionalsprachen, Sprachkontakt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die lexikalischen Besonderheiten und die historische Entwicklung des Spanischen in Lateinamerika im Vergleich zur europäischen Variante.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen den spanischen Erbwortschatz, Einflüsse indigener Sprachen, afrikanische Spuren sowie die Wirkung europäischer Sprachen und des Englischen auf das Lexikon.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Abweichungen zwischen dem amerikanischen und europäischen Spanisch darzustellen und die historischen sowie soziokulturellen Ursachen dieser Veränderungen zu erläutern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine linguistische Analyse, die auf der Auswertung bestehender Fachliteratur und der diachronischen Untersuchung des Wortschatzes basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Erbwortschatz, Indigenismen, Afrikanismen, fremdsprachlichen Einflüssen sowie spezifischen Unterschieden im modernen Sprachgebrauch.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Hispanoamerikanismus, Indigenismen, Marinerismos, Sprachkontakt und lexikalischer Wandel.
Was genau sind Marinerismos?
Dies sind ursprünglich nautische Fachbegriffe aus der Zeit der Kolonisation, die in Lateinamerika in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen sind und dabei ihre ursprüngliche Bedeutung verloren haben.
Wie ist der Einfluss des Englischen auf das amerikanische Spanisch zu bewerten?
Das Englische übt heute einen starken Einfluss auf alle sozialen Schichten aus, was unter Linguisten kontrovers diskutiert wird – einige sehen darin eine Bedrohung, andere ein globales linguistisches Phänomen.
Warum unterscheidet der Autor zwischen „índice de conocimiento“ und „índice del uso“ bei Indigenismen?
Diese Differenzierung ist notwendig, da viele Indigenismen zwar in Wörterbüchern gelistet sind, aber im aktiven Sprachgebrauch nur noch selten verwendet werden.
- Arbeit zitieren
- Valentina Slaveva (Autor:in), 2007, Lexikologie und Semantik des hispanoamerikanischen Spanisch, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/139960