Die Aussiedler und Spätaussiedler bilden die stärkste Migrantengruppe Deutschlands. Seit 1950 sind über vier Millionen Vertriebene und (Spät-)Aussiedler in die Bundesrepublik Deutschland eingereist.
Bei den Spätaussiedlern handelt es sich um Personen deutscher Herkunft, die in den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion und in den anderen ehemaligen Ostblockstaaten leben.
Deutsche Volkszugehörige wurden in Folge des Zweiten Weltkrieges auf Grund ihrer deutschen Volkszugehörigkeit massiv verfolgt und noch Jahrzehnte nach Kriegsende zum Teil erheblich benachteiligt.
Spätaussiedler werden oft auch als „Die Zuspätgekommenen“ bezeichnet. Im Gegensatz zu den Flüchtlingen und Vertriebenen des zweiten Weltkrieges kehrten sie erst Jahrzehnte später zurück in die „alte Heimat“. Doch wie definiert man den Personenkreis der Spätaussiedler, welche historischen Ereignisse bildeten die Basis für die spätere Spätaussiedlermigration und aus welchen Herkunftsländern kehrten sie zurück nach Deutschland? Neben diesen Fragen möchte ich in meiner Hausarbeit auch auf die Rechtslage bezüglich der Spätaussiedler eingehen.
Zu Beginn meiner Ausarbeitungen möchte ich zunächst einige Begriffsbestimmungen durchführen, um den Begriff des Spätaussiedlers näher einzugrenzen. Hierbei werde ich ihn in Abgrenzung zu Flüchtlingen oder Vertriebenen des zweiten Weltkrieges genauer differenzieren. Im Anschluss daran werde ich auf die Rechtslage in Deutschland bezüglich der Spätaussiedlermigration eingehen, um deutlich zu machen, welchen Personenkreis man rechtlich unter dem Begriff „Spätaussiedler“ fasst, und wie sich die Rechtslage in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat.
Nachdem ich dargelegt habe, welchen Personenkreis man definitorisch und rechtlich zu den Spätaussiedlern zählt, werde ich auf die historischen Ereignisse und Hintergründe eingehen, welche für das Verständnis und die Ursprünge der Spätaussiedlermigration von Bedeutung sind.
Nach dem historischen Exkurs widme ich mich einigen empirischen Grundlagen. Dazu gehört die zahlenmäßige Dimension der Spätaussiedlermigration, aus welchen Herkunftsländern sich die Spätaussiedler anteilsmäßig zusammensetzen und wie ihre Altersstruktur aussieht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsabgrenzungen
2.1 Flüchtlinge, Vertriebene
2.2 Aussiedler
2.3 Spätaussiedler
3. Rechtsgrundlage zur Aufnahme und Integration von Aussiedlern und Spätaussiedlern
3.1 Der Artikel 116 des Grundgesetzes
3.2 Bundesvertriebenengesetz vom 19. Mai 1953 (BVFG)
3.3 Aussiedleraufnahmegesetz vom 28. Juni 1990
3.4 Kriegsfolgenbereinigungsgesetz vom 21. Dezember 1992
3.5 Zuwanderungsgesetz vom 01. Januar 2005
3.6 Aktuelle Fassung des § 4 des Bundesvertriebenengesetzes
4. Historischer Hintergrund
4.1 Vorgeschichte – Deutsche in Russland
4.2 Der zweite Weltkrieg und seine Folgen
4.3 Die Situation der Deutschen in Russland nach dem zweiten Weltkrieg
4.4 Die Ostverträge
5. Empirische Grundlagen
5.1 Einreisen von Spätaussiedlern nach Deutschland
5.2 Herkunftsländer von Spätaussiedlern
5.3 Verteilung der Aussiedler auf die Bundesländer
5.4 Altersstruktur
6. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit befasst sich mit den historischen und empirischen Grundlagen der Spätaussiedlermigration nach Deutschland. Das primäre Ziel ist es, den Begriff des Spätaussiedlers definitorisch und rechtlich abzugrenzen, den historischen Kontext der Migration – insbesondere von Russlanddeutschen – zu beleuchten und aktuelle empirische Daten zur Zuwanderungsentwicklung zu analysieren.
- Historische Einordnung der deutschen Minderheit in Russland
- Rechtliche Rahmenbedingungen und deren Entwicklung (BVFG, Zuwanderungsgesetz)
- Differenzierung zwischen Flüchtlingen, Vertriebenen, Aussiedlern und Spätaussiedlern
- Analyse der Zuwanderungszahlen und Herkunftsgebiete
- Auswirkungen der Migration auf die Altersstruktur der Bevölkerung
Auszug aus dem Buch
4.1 Vorgeschichte – Deutsche in Russland
Die Geschichte der Deutschen in Russland begann bereits im Mittelalter. Um 1200 kamen Deutsche ins alte Russland, da Lübecker Kaufleute ein Hansekontor in Nowgorod einrichteten. Zudem wurden unter der Herrschaft einer Reihe von Zaren deutsche Fachleute angeworben, die nach Russland siedelten.
Im 14. Jahrhundert kann der Aussiedlungsstrom nach Osten durch große Menschenverluste im Westen aufgrund der Pest völlig zum Erliegen. Erst Anfang des 18. Jahrhunderts begann wieder eine nennenswerte Auswanderungsbewegung in Richtung Osten. Russland wurde nach Westen geöffnet und so kamen angeworben von Zar Peter dem Großen deutsche Fachkräfte wie Offiziere, Ärzte, Wissenschaftler oder Handwerker nach St. Petersburg und Moskau. Bemerkenswert ist, dass es bereits im Jahre 1728 eine deutschsprachige Zeitung in St. Petersburg gab (vgl. Brand/Malchow/Tayebi 1990, S. 17).
Das Zeitalter des Merkantilismus war insgesamt geprägt durch eine Bevölkerungs- u. Wirtschaftspolitik, die eine Vermehrung der Steuerzahlenden Untertanen anstrebte. Besonders unter der Herrschaft von Katharina II. (1762 – 1796) begann ein zahlenmäßig hoher Siedlungsstrom Deutscher nach Russland. Auch Katharina II. verfolgte eine Bevölkerungspolitik, durch die sie sich der Populationstheorie entsprechend mehr Macht und Reichtum für den Staat erhoffte. Um ein Bevölkerungswachstum zu erreichen warb sie vor allem im Ausland um Siedler, um die Wolgasteppe und das Schwarzmeergebiet zu kolonisieren.
In einem Einladungsmanifest warb sie im Jahre 1763 mit einer Reihe von sozialen und religiösen Privilegien vor allem deutsche Siedler an. Dazu gehörten zum Beispiel die Religionsfreiheit, Befreiung vom Militärdienst oder die Selbstverwaltung auf lokaler Ebene mit Deutsch als Sprache. Dies war dadurch möglich, dass die Kolonisten in der Regel in verödeten Gebieten angesiedelt wurden, wo sie genug Platz neben den Alteingesessenen fanden (vgl. Brand/Malchow/Tayebi 1990, S. 14).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hier wird die Relevanz des Themas erläutert und die Zielsetzung der Arbeit zur Analyse der Spätaussiedlermigration dargelegt.
2. Begriffsabgrenzungen: In diesem Kapitel werden die unterschiedlichen Migrantengruppen (Flüchtlinge, Vertriebene, Aussiedler, Spätaussiedler) definiert und voneinander abgegrenzt.
3. Rechtsgrundlage zur Aufnahme und Integration von Aussiedlern und Spätaussiedlern: Es erfolgt eine detaillierte Darstellung der rechtlichen Basis, vom Artikel 116 GG bis hin zum Zuwanderungsgesetz von 2005.
4. Historischer Hintergrund: Dieses Kapitel behandelt die Geschichte der Deutschen in Russland, beginnend im Mittelalter über die Zeit Katharinas II. bis hin zu den Folgen des Zweiten Weltkrieges.
5. Empirische Grundlagen: Hier werden statistische Daten zu Einreisezahlen, Herkunftsländern, der regionalen Verteilung und der Altersstruktur der Spätaussiedler ausgewertet.
6. Schlusswort: Das Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und ordnet die aktuelle Situation der Spätaussiedler ein.
Schlüsselwörter
Spätaussiedler, Russlanddeutsche, Migration, Bundesvertriebenengesetz, Zuwanderung, Integrationspolitik, Geschichte, Aussiedler, Demographie, Kriegsfolgenbereinigungsgesetz, Volkszugehörigkeit, Altersstruktur, Rechtsgrundlagen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die historischen Hintergründe und die empirischen Entwicklungen der Spätaussiedlermigration nach Deutschland.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder umfassen die rechtliche Definition und Geschichte der Aussiedler, die rechtliche Entwicklung der Aufnahmekriterien sowie eine statistische Analyse des Zuzugs.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, den Personenkreis der Spätaussiedler präzise einzugrenzen, die historischen Ursachen der Auswanderung zu erklären und die aktuelle Rechtslage darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive Arbeit, die auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von Statistiken und Gesetzesgrundlagen basiert.
Welche Inhalte stehen im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in eine rechtliche Analyse der Aufnahmegesetze sowie einen historischen Abriss der Lebenssituation der Deutschen in Russland.
Welche Schlagworte charakterisieren das Dokument am besten?
Die wichtigsten Schlagworte sind Spätaussiedler, Russlanddeutsche, Kriegsfolgenbereinigungsgesetz und Zuwanderung.
Warum wird im Dokument so stark auf die Geschichte der Russlanddeutschen eingegangen?
Da Russlanddeutsche den größten Anteil der Spätaussiedler stellen, ist ihre spezifische Geschichte für das Verständnis des Migrationsphänomens unerlässlich.
Welchen Einfluss hat das Zuwanderungsgesetz von 2005 auf die Spätaussiedleraufnahme?
Das Gesetz verschärfte die Voraussetzungen, indem es nun Grundkenntnisse der deutschen Sprache als Einreisevoraussetzung für mitreisende Familienangehörige verlangt.
Was besagt die Analyse zur Altersstruktur der Spätaussiedler?
Die Daten zeigen, dass die zuwandernden Spätaussiedler im Schnitt jünger sind als die Gesamtbevölkerung, was zu einem positiven Verjüngungseffekt führt.
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- Ivonne Luenstroth (Author), 2009, Spätaussiedlermigration, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/139917