Diese Arbeit will darlegen, warum die musikalischen Bestrebungen Berglingers zum Scheitern verurteilt sind. Dazu wird zuerst das Verhältnis von "Das merkwürdige musikalische Leben des Tonkünstlers Joseph Berglinger" zu den restlichen Kapiteln der "Herzensergießungen" dargelegt.
Unter diesem Punkt werden der Künstlerbegriff der Romantik und der Begriff der Kunstreligion aufgezeigt, da diese Termini als theoretische Grundlage für die restliche Arbeit funktionieren und wiederkehrende Elemente in Wackenroders Werk sind. Mit ihnen kann die Beziehung zwischen Musik und Religion im letzten Kapitel untersucht werden, um die Rolle der Kunstreligion in “Das merkwürdige musikalische Leben des Tonkünstlers Joseph Berglinger” zu ergründen.
In einem anschließenden Exkurs wird die Musikästhetik in der Romantik erläutert, die Wackenroder und Tieck nachweislich mit ihren Erzählungen prägten. Im Anschluss steht der Begriff des Dilettantismus im Fokus der Betrachtung, da auch in diesem Forschungsfeld nach den Gründen gesucht werden muss, warum Joseph Berglinger letztendlich mit seinen musikalischen Bestrebungen scheitern musste und nicht in das Bild des genialen romantischen Komponisten passt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das letzte Kapitel der „Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders“ als kontrastierende Ausnahme
2.1 Der Künstlerbegriff in der Romantik
2.2 Die Kunstreligion in der Romantik und die Einflüsse der Herzensergießungen
3. Exkurs: Die Musikästhetik in der Romantik
4. Joseph Berglinger als Dilettant
4.1 Berglingers Scheitern und der Verdacht des Dilettantismus
4.2 Berglinger und der Begriff des Dilettantismus
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Gründe für das künstlerische Scheitern der Romanfigur Joseph Berglinger und analysiert dessen Einordnung als Dilettant im Kontext der romantischen Ästhetik. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sein Charakter und Umgang mit Musik dem zeitgenössischen romantischen Ideal des gottgleichen Künstlergenies entgegenstehen.
- Analyse des romantischen Künstlerbegriffs und der Kunstreligion
- Untersuchung der romantischen Musikästhetik und ihrer theoretischen Grundlagen
- Gegenüberstellung von Joseph Berglinger und den idealisierten Künstlern bei Wackenroder
- Klärung der Definition und Relevanz des Dilettantismus um 1800
Auszug aus dem Buch
4.1 Berglingers Scheitern und der Verdacht des Dilettantismus
Beim Versuch zu verstehen, warum die künstlerische Karriere Joseph Berglinger zum Scheitern verurteilt ist, ist es notwendig, den Kapellmeister genauer zu untersuchen. Vergleicht man den seinen Charakter und seine Herangehensweise an die Musik mit einem Künstler wie Raffael, welcher in einigen vorherigen Kapiteln vom Erzähler als Idealkünstler beschrieben wurde, erkennt man, dass sich die Erschließung der Kunst bei beiden enorm unterscheidet. Der Grad der emotionalen Involviertheit, ihr Musikempfinden und ihre Beziehung zur Umwelt weichen stark voneinander ab. Die einzige Gemeinsamkeit, die Berglinger mit den großen Künstlern zu haben scheint, ist seine Frömmigkeit.
Wie bereits in den vorhergegangenen Kapiteln zum Kunstbegriff und zur Musikästhetik in der Romantik gezeigt wurde, ging der damalige Künstlerbegriff einher mit wichtigen Voraussetzungen; die Romantiker verehrten den Künstler als gottgleiches Genie. Jedoch musste dieser einige Anforderungen erfüllen und nur das Künstlergenie war demnach in der Lage wirklich Herausragendes zu schaffen. Im musikalischen Gebiet waren die Anforderungen sogar noch größer: Die Musik wurde als die höchste aller Künste eingestuft. Folglich ist es nur dem genialen musikalischen Meister möglich in angemessener romantischer Manier zu komponieren. Berglinger schafft dies nicht, da er nicht die Eigenschaften mit sich bringt, die ein wahres Genie selbstverständlich besitzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Bedeutung von Wackenroders „Herzensergießungen“ ein und stellt die zentrale Fragestellung zum Scheitern der Figur Joseph Berglinger vor.
2. Das letzte Kapitel der „Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders“ als kontrastierende Ausnahme: Es wird dargelegt, warum die Geschichte Berglingers in Tonfall und Fokus eine bewusste Abweichung vom Rest des Werkes darstellt.
2.1 Der Künstlerbegriff in der Romantik: Dieses Unterkapitel definiert das idealisierte romantische Künstlerbild und dessen Verbindung zur göttlichen Inspiration.
2.2 Die Kunstreligion in der Romantik und die Einflüsse der Herzensergießungen: Hier wird das Konzept der Kunstreligion als Ersatz für traditionelle Religiosität erläutert.
3. Exkurs: Die Musikästhetik in der Romantik: Dieser Abschnitt beleuchtet die theoretischen Grundlagen der romantischen Musiktheorie, insbesondere die Bedeutung der „Musica poetica“ und der absoluten Musik.
4. Joseph Berglinger als Dilettant: Dieses Kapitel verknüpft die zuvor erarbeiteten theoretischen Begriffe mit der konkreten Figur Berglingers.
4.1 Berglingers Scheitern und der Verdacht des Dilettantismus: Die Analyse konzentriert sich auf Berglingers übermäßige Emotionalität und den Mangel an emotionaler Distanz zu seinem Werk.
4.2 Berglinger und der Begriff des Dilettantismus: Hier wird der historische Dilettantismus-Begriff untersucht und auf die spezifische Situation des Protagonisten angewandt.
5. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass Berglingers Scheitern als notwendiges negatives Gegenbeispiel dient, um die Erhabenheit des wahren Künstlergenies zu kontrastieren.
Schlüsselwörter
Joseph Berglinger, Wackenroder, Herzensergießungen, Romantik, Kunstreligion, Dilettantismus, Musikästhetik, Künstlergenie, Emotion, Transzendenz, Instrumentalmusik, Gottgleiches Genie, Musiknovelle, Romantische Kunstanschauung, Schaffensprozess.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, warum die literarische Figur Joseph Berglinger in seiner Laufbahn als Musiker scheitert und inwiefern er im Vergleich zu anderen Künstlern des Werkes als Dilettant einzustufen ist.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Kerngebiete sind die romantische Kunsttheorie, der Begriff der Kunstreligion, historische Musikästhetik sowie das spezifische Künstlerbild der Frühromantik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Wackenroder durch Berglingers Scheitern ein negatives Gegenmodell zum idealisierten romantischen Künstler schafft, um letzteren stärker zu konturieren.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Es handelt sich um eine literatur- und kunsttheoretische Analyse, die mit dem Vergleich von Primärtexten und der Einbeziehung zeitgenössischer sowie fachwissenschaftlicher Sekundärliteratur arbeitet.
Was sind die Schwerpunkte im Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Künstlerbegriff, Kunstreligion, Musikästhetik) und deren Applikation auf die Figur Berglinger, um den Dilettantismus-Vorwurf zu erhärten.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Die wichtigsten Termini sind das romantische Künstlergenie, die Kunstreligion als Ersatzreligion und die Abgrenzung von wahrer Kunst zu dilettantischer Liebhaberei.
Warum wird Berglingers Emotionalität als hinderlich für sein Künstlertum bewertet?
Nach romantischem Verständnis führt ein Zuviel an subjektiver Emotionalität zu einem Identitätsverlust des Künstlers, der statt als Werkzeug Gottes zu wirken, sich in seinen eigenen Gefühlen verliert.
Inwieweit stellt die in der Arbeit untersuchte Passionsmusik eine Ausnahme dar?
Die Komposition der Passionsmusik ist der einzige Moment, in dem Berglinger seine subjektiven Affekte überwinden und ein Werk schaffen kann, das Allgemeingültigkeit und künstlerische Reife erreicht.
Warum wird im Dokument explizit auf den Dilettantismus-Begriff um 1800 Bezug genommen?
Da der Begriff vor 200 Jahren eine andere Nuance hatte – zwischen Liebhaberei und abwertender Beurteilung –, wird die historische Debatte analysiert, um Berglingers Einordnung präzise zu begründen.
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- Anonym (Author), 2015, Untersuchungen zu Joseph Berglingers musikalischen Scheiterns in "Das merkwürdige musikalische Leben des Tonkünstlers Joseph Berglinger", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1392025