Die vorliegende Hausarbeit setzt sich mit der Frage auseinander, welche Narrative die deutschen Bundestagsparteien einsetzen, um „Flüchtlinge“ beziehungsweise „Asylbewerber*innen“ in einem bestimmten Licht, passend zu ihrer inhaltlichen parteiinternen Ausrichtung im Feld der Migrationspolitik, darzustellen. Zu diesem Zweck werden die Wahlprogramme der Parteien zur letzten Bundestagswahl aus dem Jahr 2017 herangezogen sowie auf ihre inhaltliche Positionierung zu diesem Themenbereich untersucht.
Spätestens seit dem Jahr 2015 ist die Thematik der aus Kriegs- und Krisengebieten nach Europa fliehenden Menschen in Deutschland einer der sowohl gesamtgesellschaftlich als auch politikwissenschaftlich heiß diskutiertesten Policy-Inhalte, wodurch auch das Politikfeld der Migrations- und Asylpolitik noch stärker in den Fokus gerückt ist und an Relevanz gewonnen hat. Dabei ist zu beobachten, dass die aktuell im Deutschen Bundestag sitzenden Parteien jeweils sehr unterschiedliche und teils entgegengesetzte Strategien und Herangehensweisen hinsichtlich einer Regulation sowie Integration der nach Deutschland kommenden Asylbewerber*innen vertreten. Insbesondere das Bild „des Flüchtlings“ wird je nach Partei mit unterschiedlichen Beschreibungen, Konnotationen und Bewertungen gezeichnet, wodurch sich in der Folge unterschiedliche Deutungsrahmen in Bezug auf daraus abgeleitete politische Einstellungen, Entscheidungen und Handlungen der Parteien im Bereich der Migrationspolitik ergeben.
In diesem Kontext erscheint die Frage ebenso interessant wie relevant, welcher stilistischen, rhetorischen und inhaltlichen Mittel sich die verschiedenen Parteien bedienen, um Asylbewerber*innen auf eine bestimmte Art und Weise darzustellen und so ihre eigene Immigrations- und Asylpolitik zu begründen. An dieser Schnittstelle bietet sich eine Verknüpfung mit der sogenannten Narratologie an, die als „Erzähltheorie“ erforscht, auf welchem Weg und mit Zuhilfenahme welcher Mittel Geschichten im politischen oder auch alltäglichen Leben erzählt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theorie
2.1. Was ist „Framing“?
2.2. Was sind Narrative?
3. Methoden
4. Die narrative Darstellung des „Asylbewerbers“ in den Wahlprogrammen der Bundestagsparteien
4.1. Die narrative Darstellung des „Asylbewerbers“ im Wahlprogramm der CDU/CSU
4.2. Die narrative Darstellung des „Asylbewerbers“ im Wahlprogramm der SPD
4.3. Die narrative Darstellung des „Asylbewerbers“ im Wahlprogramm der AfD
4.4. Die narrative Darstellung des „Asylbewerbers“ im Wahlprogramm der FDP
4.5. Die narrative Darstellung des „Asylbewerbers“ im Wahlprogramm der Linken
4.6. Die narrative Darstellung des „Asylbewerbers“ im Wahlprogramm von Bündnis 90/Die Grünen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie deutsche Bundestagsparteien den Begriff des "Flüchtlings" in ihren Wahlprogrammen zur Bundestagswahl 2017 narrativ verwenden, um ihre spezifische Immigrations- und Asylpolitik zu framen und zu legitimieren.
- Anwendung der Framing-Theorie und Narratologie auf politische Texte.
- Analyse der Wahlprogramm-Rhetorik aller im Bundestag vertretenen Parteien.
- Identifikation von "Held", "Opfer" und "Feindbild"-Konstruktionen in der Migrationsdebatte.
- Vergleich der unterschiedlichen Deutungsrahmen bezüglich Integration und Sicherheit.
Auszug aus dem Buch
4.3. Die narrative Darstellung des „Asylbewerbers“ im Wahlprogramm der AfD
Das Wahlprogramm der AfD, die bei der Bundestagswahl 2017 drittstärkste Kraft wurde, ist von einer überwiegend ablehnenden Grundeinstellung gegenüber Immigration gekennzeichnet. Die Abschnitte, in denen es um Fragen der inneren Sicherheit sowie der Asylpolitik geht, nehmen inhaltlich einen recht großen Umfang innerhalb des Wahlprogramms ein und können daher als zwei zentrale Thematiken der AfD bezeichnet werden. Immigration wird insgesamt als problematisch angesehen und als Bedrohung für die Sicherheit und Integrität Europas sowie speziell Deutschlands geframed.
Die bereits kurz vorgestellten narrativen Mittel, welche Ludvig Norman im Feld der Migrationspolitik identifiziert, können hier sehr gut auf die Rhetorik der AfD übertragen werden. Nach Norman gibt es drei zentrale Elemente, aus welchen sich sein Konzept der „Securitization“ zusammensetzt: die Bedrohung, das bedrohte Objekt und all jene Maßnahmen, die im Zuge der „Versicherheitlichung“ vorgeschlagen werden, um das bedrohte Objekt vor der Bedrohung zu schützen (vgl. Norman 2006, S. 34). In Anwendung auf das Wahlprogramm der AfD kann man Immigration als die Bedrohung identifizieren, welche der Partei zufolge die kulturellen Werte und Traditionen Deutschlands und insbesondere die deutschen Sozialsysteme gefährdet (vgl. AfD 2017, S. 29, 34).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz der Migrationsdebatte seit 2015 und führt in die theoretische Verknüpfung von Framing und Narratologie zur Untersuchung politischer Wahlprogramme ein.
2. Theorie: Dieser Abschnitt definiert wissenschaftlich die Konzepte "Framing" nach Robert Entman sowie die Bedeutung von Narrativen als Instrumente der Wirklichkeitskonstruktion im politischen Kontext.
3. Methoden: Hier wird der Einsatz der Schneeballtechnik zur Literaturrecherche sowie die Auswahl und systematische Analyse der sechs relevanten Parteien-Wahlprogramme aus dem Jahr 2017 als Datenbasis erklärt.
4. Die narrative Darstellung des „Asylbewerbers“ in den Wahlprogrammen der Bundestagsparteien: Im Hauptteil werden die einzelnen Parteiprogramme detailliert analysiert, um die spezifischen narrativen Mittel und Deutungsrahmen gegenüber Asylbewerbern herauszuarbeiten.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass jede Partei durch unterschiedliche Narrative ein spezifisches Bild des Flüchtlings erzeugt, um ihre jeweilige politische Agenda und die notwendigen Maßnahmen zu begründen.
Schlüsselwörter
Framing, Narrative, Asylpolitik, Bundestagswahl 2017, Migrationsdebatte, Securitization, politische Rhetorik, Wahlprogramme, Flüchtlingsbild, politische Kommunikation, Deutschland, Parteienvergleich, Diskursanalyse, Sicherheitsdebatte, Integration
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, welche sprachlichen und erzählerischen Strategien deutsche Parteien nutzen, um das Thema Flucht und Asyl in ihren Wahlprogrammen zu besetzen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Migrations- und Asylpolitik, die Wahrnehmung innerer Sicherheit sowie die ökonomische und kulturelle Bewertung von Zuwanderung.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Das Ziel ist es, die Unterschiede in der narrativen Darstellung von Asylbewerbern zwischen den verschiedenen Parteien aufzudecken und zu verstehen, wie diese Frames politische Entscheidungen begründen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Untersuchung?
Die Arbeit nutzt eine politikwissenschaftliche Diskursanalyse im Rahmen der Framing-Theorie und Narratologie, basierend auf den Wahlprogrammen der Bundestagswahl 2017.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Einzelanalysen jeder Bundestagspartei (CDU/CSU, SPD, AfD, FDP, Linke, Grüne) hinsichtlich ihrer spezifischen Wortwahl und Narrativ-Einsätze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Framing, Narrative, Asylpolitik, Parteienvergleich und politische Rhetorik prägnant erfassen.
Wie unterscheidet sich die Darstellung von Asylbewerbern zwischen AfD und Grünen?
Während die AfD Asylsuchende als Bedrohung und Belastung framed (Securitization), betonen die Grünen die Menschlichkeit und Empathie und versuchen, Flüchtlinge als Teil der Gesellschaft zu normalisieren.
Welche Rolle spielt der Begriff "Securitization" in dieser Arbeit?
Er dient als analytisches Werkzeug, um zu verstehen, wie politische Akteure Immigration als Sicherheitsrisiko darstellen, um drastische migrationspolitische Maßnahmen zu rechtfertigen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2020, Der Begriff des "Flüchtlings" in den Wahlprogrammen der deutschen Bundestagsparteien, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1388993