Geschichtsbewusstsein wird bei Jugendlichen heutzutage sehr stark durch das Medium Film (in Fernsehen, auf Video oder DVD) beeinflusst. Filme sind ein Teil der Geschichtskultur geworden, man betrachte nur die Zunahme der Dokumentationen im Fernsehen, aktuell die ZDF-Reihe „Die Deutschen“, die sogar didaktisch aufbereitetes Material zur Unterrichtsvorbereitung für Lehrer anbietet und Schüler zu der Mitmachaktion „Geschichte vor Deiner Haustür“ anregt. Doch nicht nur in Dokumentationen wird dem Zuschauer ein Geschichtsbild vermittelt, auch in Spielfilmen hat Geschichte nach wie vor ihren Stellenwert. War es in den 1950er Jahren Ernst Marischkas „Sissi“-Trilogie, die die Zuschauer begeisterte, so sind es heute Hollywood-Produktionen wie „Troja“ (2004) von Wolfgang Petersen oder auch deutsche Produktionen wie „Der Untergang“ (2004) von Oliver Hirschbiegel, die versuchen, Geschichte darzustellen.
Diese Arbeit soll aufzeigen, wie das Medium Film einerseits im Geschichtsunterricht fungieren kann, andererseits welches Wissen dem Schüler vermittelt werden muss, damit er reflektiert mit dem Film als Teil der Geschichtskultur umgehen kann. Zuerst werden allgemeine Hinweise zum Film im Geschichtsunterricht gegeben: Welche Vorteile kann die Arbeit mit dem Medium Film bieten? Weiterhin soll aufgezeigt werden, wie der Schüler das Medium Film aufnimmt und welche Vorarbeit nötig ist, um einen kompetenten Umgang mit dem Film im Geschichtsunterricht und darüber hinaus zu ermöglichen. Dies soll durch eine ausführliche Filmtypologie und durch die Darstellung der filmischen Mittel erreicht werden. Als Beispiel für eine Arbeit mit Filmen im Geschichtsunterricht werden daraufhin zwei Dokumentationen herangezogen. Dabei wird noch einmal ausführlich auf die positiven Aspekte der Arbeit mit Dokumentationen eingegangen, bevor dann der didaktisch aufbereitete Unterrichtsfilm „Machtergreifung und Gleichschaltung“ (1992) vom Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht (FWU) und die Spiegel-TV-Produktion „1933 – Hitlers Machtergreifung“ (2008) kurz vorgestellt und analysiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Film im Geschichtsunterricht
2.1 Vorteile der Arbeit mit Filmen im Geschichtsunterricht
2.2 Darstellungsvarianten
3. Filmerziehung
3.1 Filmtypologie
3.2 Filmsprache
4. Arbeit mit Dokumentationen
4.1 Ziele der Arbeit mit Dokumentarfilmen
4.2 Subgattungen des Dokumentarfilms
5. Filme zum Thema Machtergreifung
5.1 FWU-Film „Machtergreifung und Gleichschaltung“
5.1.1 Filminhalt
5.1.2 Filmkritik und Verwendung im Unterricht
5.2 Spiegel TV-Dokumentation „1933-Hitlers Machtergreifung“
5.2.1 Filminhalt
5.2.2 Filmkritik und Verwendung im Unterricht
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie das Medium Film effektiv im Geschichtsunterricht eingesetzt werden kann, um Schülern ein reflektiertes Verständnis für Geschichte und historische Medientexte zu vermitteln. Im Fokus steht dabei die Befähigung der Lernenden, filmische Narrative kritisch zu dekonstruieren und die eingesetzten filmischen Mittel als Instrumente historischer Darstellung zu erkennen.
- Didaktischer Mehrwert und Lernpsychologie des Filmeinsatzes
- Grundlagen der Filmtypologie und filmischen Gestaltungsmittel
- Methoden der Filmanalyse (De-Konstruktion) im Geschichtsunterricht
- Analysebeispiele: Unterrichtsfilme vs. Fernsehdokumentationen zum Thema „Machtergreifung“
Auszug aus dem Buch
a) das Filmdokument
Bei einem Filmdokument handelt es sich um „filmisches Quellenmaterial mit dem höchsten Authentizitätsgrad.“ Gemeint sind also alle Aufzeichnungen der Vergangenheit, die im Original – ohne nachträgliches Zufügen von Ton, Texten oder Bildern – erhalten sind. Dabei kann man Zufallsaufnahmen, Live-Sendungen oder auch Dokumentationen unterscheiden, die im Nachhinein nicht mehr bearbeitet wurden, also in Originalbild und Originalton auf dem Originalmedium erhalten sind. Jeweils „[m]it dem Grad der Bearbeitung nimmt die Authentizität und Wirklichkeitsnähe der Aufnahmen zu oder ab.“ Gerade beim Filmdokument steht der Film als Quelle besonders im Vordergrund, das Dargestellte darf aber nicht unumstößlich als Realität betrachtet werden, da der jeweilige Filmemacher schon im Vorfeld versucht, das Dargestellte „in Szene“ zu setzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle des Films als prägendes Element der Geschichtskultur und definiert die Zielsetzung, Schülern Kompetenzen für einen kritisch-reflektierten Umgang mit diesem Medium zu vermitteln.
2. Der Film im Geschichtsunterricht: Dieses Kapitel erörtert die didaktischen Potenziale von Filmen und betont, dass ihr Einsatz über den reinen Unterhaltungswert hinaus der Stärkung historischer Frage-, Methoden- und Orientierungskompetenzen dienen sollte.
3. Filmerziehung: Der Fokus liegt hier auf dem Erwerb von Medienkompetenz, wobei grundlegende Filmgattungen und die Bedeutung der Filmsprache für den Analyseprozess detailliert vorgestellt werden.
4. Arbeit mit Dokumentationen: Dieses Kapitel vertieft die Problematik des hohen Wahrheitsanspruchs von Dokumentarfilmen und liefert konkrete Fragenkataloge für eine kritische De- und Re-Konstruktion sowie eine Einteilung in Subgattungen.
5. Filme zum Thema Machtergreifung: Hier werden zwei konkrete Beispiele – ein didaktisch aufbereiteter FWU-Film und eine Spiegel TV-Dokumentation – analysiert, um die praktischen Einsatzmöglichkeiten und Grenzen im Unterrichtsalltag aufzuzeigen.
6. Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass erst die bewusste Analyse filmischer Gestaltungsmittel und der zugrunde liegenden Kommunikationsvorgänge den Schüler zu einem kompetenten und reflektierten Umgang mit historischen Filmen befähigt.
Schlüsselwörter
Geschichtsunterricht, Film, Dokumentarfilm, Historische Kompetenz, Filmanalyse, Medienkompetenz, Machtergreifung, FWU, Spiegel TV, Unterrichtsfilm, Quellenkritik, Filmsprache, De-Konstruktion, Re-Konstruktion, Filmdokument
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der didaktischen Einbindung des Mediums Film in den Geschichtsunterricht, wobei der Schwerpunkt auf der Vermittlung von Medienkompetenz zur Analyse historischer Filmdokumente liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die theoretischen Grundlagen der Filmtypologie, die Vermittlung filmischer Mittel und die praktische Anwendung von Analysemethoden an konkreten Beispielen zur Zeit des Nationalsozialismus.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Schüler dazu befähigt werden können, Filme nicht als objektive Wahrheit, sondern als konstruierte Geschichtsbilder zu durchschauen und kritisch zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen didaktisch-analytischen Ansatz, der die Analyse von Filmen anhand von Kategorien der Historischen Kompetenz und der Medienpädagogik (insbesondere nach Bodo von Borries und Peter Meyers) strukturiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Abschnitte zu Filmgattungen und filmischen Mitteln (Kamera, Ton, Montage) sowie in eine detaillierte Auseinandersetzung mit Unterrichtsmaterialien zum Thema „Machtergreifung“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Geschichtsunterricht, Filmanalyse, Historische Kompetenz, Quellenkritik und Mediale Inszenierung geprägt.
Wie bewertet die Autorin den Einsatz von Spielszenen in Unterrichtsfilmen?
Die Autorin kritisiert, dass fiktive Spielszenen in älteren Unterrichtsfilmen (wie im FWU-Beispiel) die Thematik oft ins Lächerliche ziehen und eher zur Belustigung als zur Förderung historischen Bewusstseins beitragen.
Warum ist die Dekonstruktion von Filmausschnitten laut Arbeit sinnvoll?
Angesichts schrumpfender Zeitkontingente im Unterricht und der kognitiven Überforderung bei langen Dokumentationen wird argumentiert, dass die fokussierte Analyse einzelner, aussagekräftiger Filmausschnitte methodisch legitimer und ertragreicher ist als der Verzicht auf das Medium.
- Arbeit zitieren
- Andrea Surner (Autor:in), 2008, Film im Geschichtsunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/138732