Gegenstand dieser Hausarbeit ist die Analyse und Betrachtung des Kiezdeutschs. Das Ziel ist es, ermitteln zu können, ob Kiezdeutsch als Sprachverfall oder als Dialekt betrachtet werden kann. Zusätzlich ist es interessant zu wissen, ob das Nutzen des Kiezdeutschs bedeuten würde, dass der/die Sprecher:in ausschließlich dieses beherrscht, oder auch in der Lage ist, Deutsch als Standardsprache zu sprechen. Insbesondere wird auch betrachtet, inwiefern das Kiezdeutsch von der Norm abweicht und ob es als schlechtes Deutsch gesehen werden sollte. Wofür eine Befragung analysiert wird, in der es darum geht, zu sagen, ab wann Deutsch als "schlecht" betitelt werden kann.
Wenn man sich mit der deutschen Sprache befasst, ist man sich evtl. nicht darüber bewusst, wie allseitig diese sein kann, denn sie ist vielfältig und stellt sich aus mehreren Dialekten zusammen. Im Alltag hat man sicherlich schon einmal Kiezdeutsch zu hören bekommen, wobei man sich womöglich gefragt hat, ob diese Art des Sprechens den gewöhnlichen Verwendungsarten der deutschen Sprache gerecht ist. Das Sprechen von Kiezdeutsch wird oftmals einer bestimmten Menschengruppe zugeordnet, welche häufig eine türkische Herkunft aufweise. Jedoch seien dies nur Klischees, die nicht der Wahrheit entsprechen. Denn Kiezdeutsch wenden die Sprecher:innen nicht durchgängig an, sein Vorkommen ist abhängig von der Gruppe, in der es gesprochen wird, oftmals geschieht dies unter Freund:innen oder in einer Gruppe aus einem multiethnischen Viertel. Somit habe die Herkunft der Familie keinen Einfluss auf die Nutzung von Kiezdeutsch. Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass Kiezdeutsch mit vielen Vorurteilen zu kämpfen hat, welche analysiert und widerlegt werden sollten.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
2. Was ist Kiezdeutsch?
2.1 Definition Kiezdeutsch
2.2 Was ist „gutes“ Deutsch?
2.3 Merkmale von Kiezdeutsch
2.4 Position von Dialekten in der deutschen Sprache
2.5 Mythen von Kiezdeutsch
2.6 Welche Position hätte Kiezdeutsch in der Sprachnorm?
2.7 Einstufung von Kiezdeutsch als Dialekt
2.8 Kiezdeutsch aus sprachwissenschaftlicher Sicht
2.9 Ist Kiezdeutsch das Resultat einer gescheiterten Integration?
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen Kiezdeutsch, um die zentrale Forschungsfrage zu beantworten, ob es sich dabei um einen Sprachverfall oder um einen eigenständigen Dialekt der deutschen Sprache handelt. Dabei werden unter Einbeziehung linguistischer Analysen und öffentlicher Vorurteile die sozialen und sprachwissenschaftlichen Hintergründe beleuchtet.
- Analyse und Definition von Kiezdeutsch
- Vergleich der Sprachnorm und des Begriffs „gutes Deutsch“
- Untersuchung sprachlicher Merkmale und Dialektstrukturen
- Reflektion gesellschaftlicher Vorurteile und Mythen
- Bewertung des sozialen Status und der Sprachkompetenz
Auszug aus dem Buch
2.3 Merkmale von Kiezdeutsch
Im Kiezdeutschen wird die deutsche Sprache weitgehend vereinfacht gesprochen, das heißt, dass die standarddeutsche Grammatik z.B. verkürzt wird. Zu den Vereinfachungen gehören ebenso das Verkürzen und Auslassen von einigen Artikeln, Personalpronomen und Verben.5 Verben werden grundsätzlich so verändert, dass diese mit den Nomen verbunden werden. Außerdem halten die Sprecher:innen von Kiezdeutsch an keiner festen Satzabfolge fest, wie das im Standarddeutschen der Fall sei, wo das Subjekt, das Verb und das Objekt nacheinander zusammengestellt werden. Die Satzglieder sind somit anders zusammengestellt als in der Norm, bspw.:
„„Danach ich ruf dich an“ statt „Danach rufe ich dich an“.“6
Des Weiteren findet man im Kiezdeutschen oftmals Wörter, die als Lückenfüller dienen und keine Bedeutung haben. Wie zum Beispiel beim Wort „so“, welches in vielen Sätzen unter den Sprecher:innen seinen Platz findet, jedoch keine wirkliche Funktion besitzt. Man solle nach Wiese, Kiezdeutsch eher weniger als grammatikalisch reduzierte Sprache sehen, sondern eher als eine Varietät mit Unterscheidungen, welche dennoch in der deutschen Sprache ihren Platz finden.7 Wiese verdeutlicht hier, dass das Kiezdeutsche keinen Sprachverfall charakterisiert, sondern stattdessen eine sprachliche Entwicklung im Deutschen darstellt und als Spezialfall gesehen werden kann. Ebenso hat Wiese den Aufbau des Kiezdeutschen als Darstellung erfasst.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung führt in die Themenvielfalt der deutschen Sprache ein und skizziert die Zielsetzung der Arbeit, Kiezdeutsch hinsichtlich seines Status als Dialekt oder Sprachverfallserscheinung zu analysieren.
2. Was ist Kiezdeutsch?: Dieses Kapitel bildet den Rahmen der Arbeit, indem es Begriffe klärt, die deutsche Sprachnorm definiert und die grundlegenden Merkmale sowie Mythen rund um das Kiezdeutsch diskutiert.
2.1 Definition Kiezdeutsch: Hier wird der Begriff Kiezdeutsch als eine Form der Jugendsprache verortet, die sich im Alltag entkoppelt von ethnischer Herkunft als zusätzliche Ausdrucksform etabliert hat.
2.2 Was ist „gutes“ Deutsch?: Anhand von Umfrageergebnissen wird analysiert, welche subjektiven Kriterien – insbesondere die Aussprache und die Einhaltung grammatikalischer Regeln – zur Bewertung von „gutem“ Deutsch herangezogen werden.
2.3 Merkmale von Kiezdeutsch: Dieses Kapitel erläutert die grammatikalischen Vereinfachungen wie Satzbauveränderungen und das Auslassen von Artikeln und stuft diese als sprachliche Entwicklung statt als bloßen Verfall ein.
2.4 Position von Dialekten in der deutschen Sprache: Es wird untersucht, wie die negative gesellschaftliche Wahrnehmung von Dialekten direkt auf die Bewertung von Kiezdeutsch-Sprecher:innen abfärbt.
2.5 Mythen von Kiezdeutsch: Die Untersuchung entkräftet Vorurteile, nach denen Kiezdeutsch lediglich ein fehlerhaftes soziales Defizit darstelle oder ausschließlich von Sprecher:innen ohne Standardkenntnisse verwendet werde.
2.6 Welche Position hätte Kiezdeutsch in der Sprachnorm?: Dieses Kapitel diskutiert die kontroversen Ansichten in der Linguistik, wobei besonders die Kritik von Helmut Glück an der Anerkennung als Dialekt beleuchtet wird.
2.7 Einstufung von Kiezdeutsch als Dialekt: Wiese argumentiert hier, dass Kiezdeutsch durch spezifische Strukturen und die Anpassung an bestehende Dialektmerkmale als eigenständige Varietät des Deutschen zu sehen ist.
2.8 Kiezdeutsch aus sprachwissenschaftlicher Sicht: Die Perspektive von Pohle und Schumann wird angeführt, um die Funktion von Kiezdeutsch als identitätsstiftendes Element innerhalb von Gruppen zu untermauern.
2.9 Ist Kiezdeutsch das Resultat einer gescheiterten Integration?: Es wird geklärt, dass die Nutzung von Kiezdeutsch situationsabhängig und bewusst erfolgt, womit die These einer gescheiterten Integration widerlegt wird.
Fazit: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass Kiezdeutsch aufgrund seiner strukturellen Beschaffenheit als Dialekt anzuerkennen ist und die bisherige negative Abwertung primär auf sozialen Vorurteilen gegenüber bestimmten Bevölkerungsschichten basiert.
Schlüsselwörter
Kiezdeutsch, Sprachwissenschaft, Dialekt, Sprachnorm, Standarddeutsch, Sprachverfall, Jugendsprache, Sprachkontakt, Soziolekt, Identität, Grammatik, Migration, Sprachvarietät, Soziale Schichtung, Kommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem sprachwissenschaftlichen und gesellschaftlichen Status des Kiezdeutschs und der Frage, ob es als verfallene Sprache oder als legitimer deutscher Dialekt zu bewerten ist.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Neben der Definition und linguistischen Analyse der grammatikalischen Merkmale stehen die gesellschaftliche Wahrnehmung, Mythenbildung und der Vergleich zu Dialekten im Vordergrund.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Vorurteile gegenüber dem Kiezdeutsch zu hinterfragen und sprachwissenschaftlich zu begründen, ob es sich um eine eigenständige, regelgeleitete Sprachvarietät handelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Analyse der einschlägigen Fachliteratur, insbesondere auf die Theorien von Heike Wiese, sowie auf die kritische Auseinandersetzung mit Gegenpositionen wie denen von Helmut Glück.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Kiezdeutsch, die Analyse von Sprachmerkmalen, die Diskussion der gesellschaftlichen Einstellung zu Dialekten sowie die kritische Reflexion des Begriffs der „Sprachnorm“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Kiezdeutsch, Dialekt, Sprachnorm, Sprachvarietät, Soziolekt und Sprachkontaktphänomene.
Warum wird Kiezdeutsch oft als „schlechtes“ Deutsch abgewertet?
Die Arbeit stellt fest, dass dies oft an Vorurteilen gegenüber der sozialen Herkunft der Sprecher:innen liegt, anstatt die sprachlichen Eigenschaften neutral zu analysieren.
Wie steht die Autorin zur Kritik von Helmut Glück?
Die Autorin setzt sich kritisch mit Glücks These auseinander und argumentiert, dass seine Ablehnung von Kiezdeutsch als Dialekt unzureichend begründet ist und die sprachliche Dynamik ignoriert.
Ist Kiezdeutsch eine Sprache für Menschen, die kein Standarddeutsch beherrschen?
Nein, die Untersuchung zeigt, dass Sprecher:innen von Kiezdeutsch situationsbedingt zwischen diesem und der Standardsprache wählen können, was ihre Sprachkompetenz unterstreicht.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2023, Kiezdeutsch als Sprachverfall oder Dialekt? Eine Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1382973