Diese Arbeit wirft einen Blick auf die Kooperation von Grundschullehrkräften und Sonderpädagog:innen in multiprofessionellen Lehrkräfteteams und stellt die Frage, welche potenziellen Hindernisse dieser Zusammenarbeit im Wege stehen könnten. Ebenso möchte diese Arbeit aber auch untersuchen, welche Hindernisse es in multiprofessionellen Teams aus Lehrkräften und dem weiteren pädagogischen Personal geben kann. Dies untersucht diese Arbeit beispielhaft mit dem Fokus der Inklusion von Schüler:innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Grundschulen – eine Übertragung auf andere Heterogenitätsdimensionen, bei denen Kooperation notwendig ist, ist dabei aber in Teilen möglich.
Inhaltsverzeichnis
1. Herausforderungen multiprofessioneller Kooperation an Schulen
1.1. Forschungsstand
2. Soziologische Aspekte inklusiver Schulentwicklung
3. Begriffsklärungen
3.1. Inklusion und Schule
3.2. Multiprofessionelle Kooperation und Teams
4. Herausforderungen für multiprofessionelle Lehrkräfteteams
4.1. Lehrer:innenüberzeugungen zu Autonomie
4.2. Vertiefte Kooperation als Entwicklungsaufgabe
4.3. Organisationsstrukturen und Ressourcen
5. Herausforderung im weiteren multiprofessionellen Team
5.1. Heterogenität der Professionen
5.2. Statusunterschiede
5.3. Strukturelle Rahmenbedingungen und Ressourcen
6. Hindernisse multiprofessioneller Kooperation – ein Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Hindernisse einer multiprofessionellen Kooperation im Kontext der inklusiven Grundschulentwicklung, mit dem Ziel, Gelingensbedingungen für eine effektive Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften, Sonderpädagogen und weiterem pädagogischen Personal aufzuzeigen.
- Soziologische Grundlagen der inklusiven Schulentwicklung
- Lehrer:innenüberzeugungen und deren Einfluss auf die Autonomie
- Stufenmodell der Kooperation und deren Bedeutung für Inklusion
- Herausforderungen durch Heterogenität der Professionen und Statusunterschiede
- Bedeutung struktureller Rahmenbedingungen und Ressourcen
Auszug aus dem Buch
4.1. Lehrer:innenüberzeugungen zu Autonomie
Ein herausragendes Merkmal im Rollenverständnis vieler Lehrkräfte ist, dass sie das autonome Arbeiten im Klassenzimmer mit Scjüler:innen als definierenden Bestandteil ihrer Arbeit ansehen. In der Wahrnehmung solcher Lehrkräfte findet sich, wie Müller es formuliert, oft kein „voll ausgebildetes »Organisationsbewusstsein«, sondern weitgehend die Perspektive »Ich und meine Klasse« anstelle der Sichtweise »Wir und unsere Schule« […]“ (Müller 2012, S. 93). Eine Erklärung für dieses Selbstbild wird oft in der besonderen organisatorischen Struktur von Schulen gesehen, in der das autonome Handeln einer Lehrkraft das definierende Element derer Berufstätigkeit ist (Terhart & Klieme 2006, S. 164). Auf schulische Strukturen, die kooperationshemmend wirken, wird in Kapitel 4.3 noch eingegangen. Wie in der soziologischen Einführung jedoch anhand der Systemtheorie Niklas Luhmanns gezeigt wurde, konstituieren sich Systeme und Individuen gegenseitig. Daher greift es in den Augen des Verfassers zu kurz, das System Schule alleinverantwortlich für kooperationshemmende Einstellungen von Lehrkräften zu machen. Vielmehr handelt es sich hierbei um einen Prozess, in dem auch eine gegenseitige Verfestigung von tradierten Strukturen und Selbstbildern stattfindet. Lehrkräfte mit einem hohen Anspruch an Autonomie erhalten das bestehende System aufrecht, das System wirkt dann andererseits aber auch wieder auf Lehrkräfte ein – und umgekehrt. Dadurch kann ein Teufelskreis entstehen, der Kooperation enorm behindert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Herausforderungen multiprofessioneller Kooperation an Schulen: Das Kapitel führt in die Notwendigkeit multiprofessioneller Kooperation zur Bewältigung zunehmender Heterogenität und inklusiver Anforderungen ein, wobei auch der bisherige Forschungsstand skizziert wird.
2. Soziologische Aspekte inklusiver Schulentwicklung: Es werden drei soziologische Grundpositionen zur Beschreibung menschlichen Verhaltens vorgestellt, um die Rolle von Individuen, Gruppen und Systemen bei der Schulentwicklung zu theoretisch einordnen.
3. Begriffsklärungen: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe Inklusion, insbesondere bezogen auf sonderpädagogischen Förderbedarf, sowie multiprofessionelle Kooperation und deren theoretische Anforderungen.
4. Herausforderungen für multiprofessionelle Lehrkräfteteams: Die Analyse konzentriert sich auf die Hindernisse zwischen Lehrkräften, wie Autonomieüberzeugungen, die Notwendigkeit vertiefter Kooperationsstufen und strukturelle Schulbedingungen.
5. Herausforderung im weiteren multiprofessionellen Team: Hier werden die spezifischen Hürden in der Zusammenarbeit von Lehrkräften mit weiterem pädagogischen Personal wie Sozialpädagogen thematisiert, insbesondere Heterogenität, Statusgefälle und institutionelle Defizite.
6. Hindernisse multiprofessioneller Kooperation – ein Fazit: Das Fazit fasst die Analyse zusammen und betont, dass eine erfolgreiche inklusive Schulentwicklung eine systemische Betrachtung erfordert, die gleichzeitig individuelle Haltungen und strukturelle Rahmenbedingungen adressiert.
Schlüsselwörter
Multiprofessionelle Kooperation, Inklusive Schulentwicklung, Grundschule, Lehrkräfte, Sonderpädagogik, Heterogenität, Autonomie, Schulentwicklung, Teamarbeit, Pädagogisches Personal, Statusunterschiede, Systemtheorie, Inklusion, Kooperationshindernisse, Schulstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Hindernisse, die einer effektiven multiprofessionellen Kooperation an Grundschulen im Kontext der inklusiven Schulentwicklung entgegenstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit behandelt soziologische Theorien, das Rollenverständnis von Lehrkräften (Autonomie), das Spektrum multiprofessioneller Teamarbeit sowie strukturelle Bedingungen wie Ressourcen und Schulkultur.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen dem theoretischen Anspruch an multiprofessionelle Kooperation zur Inklusionsförderung und der schulischen Realität zu beleuchten und hemmende Faktoren zu identifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die auf einer fundierten Auswertung aktueller Forschungsliteratur zur Schulentwicklung und Kooperation basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die soziologische Einordnung, die Begriffsklärung und die detaillierte Analyse von Hindernissen, getrennt nach Lehrkräfteteams und interdisziplinären Teams mit weiterem pädagogischen Fachpersonal.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Multiprofessionalität, inklusive Schulentwicklung, Lehrerautonomie, Kooperationsstufen und professionelle Identität.
Warum spielt die Systemtheorie nach Luhmann eine Rolle in der Arbeit?
Die Systemtheorie dient dazu, die gegenseitige Abhängigkeit von pädagogischen Akteuren und den Strukturen des Systems Schule zu verdeutlichen, um einfache Kausalzuschreibungen zu vermeiden.
Inwiefern werden Lehrkräfte als „Gatekeeper“ bezeichnet?
Lehrkräfte fungieren als Gatekeeper, da die Kontaktaufnahme anderer Professionen zu den Schüler:innen oft von ihrer Vermittlung oder Freistellung abhängt.
Was ist die Kernthese der Arbeit zur Kooperationsverbesserung?
Die Arbeit postuliert, dass Kooperation kein bloßes „Obendrauf“ ist, sondern eine koordinierte Entwicklung auf individueller Ebene (Haltungen) und struktureller Ebene (institutionelle Zeitfenster und Leitbilder) benötigt.
Was schließt die Arbeit über die Veränderbarkeit der Bedingungen?
Der Verfasser schließt, dass die Beseitigung von Kooperationshindernissen ein langwieriger Prozess ist und die Reflexion tief verwurzelter Berufshabitus sowie die Schaffung von Vertrauenskultur unabdingbar sind.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2022, Ist multiprofessionelle Kooperation an Schulen zum Scheitern verurteilt? Hindernisse an Grundschulen unter besonderer Berücksichtigung der inklusiven Schulentwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1382650