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Das „Bildniß mitleid-schöner Qual“ - Ein Vergleich der Varianten von Eduard Mörikes Peregrina-Zyklus zwischen 1824 und 1867

Titel: Das „Bildniß mitleid-schöner Qual“ - Ein Vergleich der Varianten von Eduard Mörikes Peregrina-Zyklus zwischen 1824 und 1867

Diplomarbeit , 2008 , 129 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Michelle Bayona (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Der Peregrina-Zyklus hat seinen festen Platz in jeder Gedichtausgabe Mörikes bis zu dessen Tod behauptet; er ist zudem lyrischer Bestandteil des „Maler Nolten“. Dennoch finden sich zwischen den ersten überlieferten Handschriften und den zu Lebzeiten des Autors gedruckten Ausgaben der Gedichte zahlreiche Abweichungen und Varianten. Das Ziel der vorliegenden Diplomarbeit ist, die Peregrina-Gedichte innerhalb der zehn bekannten Varianten zwischen 1824 und 1867 zu vergleichen und auf mögliche Trends in Mörikes Umformungsprozess zu untersuchen. Ausgehend von einem Kerngedicht (Peregrina III), das auf das Jahr 1824 datiert wird, hat Mörike bis zum Erscheinen seiner ersten Gedichtsammlung 1838 die heute bekannten vier übrigen Peregrina-Gedichte zu einem Zyklus zusammengefügt. Neben ihrer Stellung als selbstständiger Gedichtkreis wurden sie im Voraus bereits einzeln oder in abweichenden Kombinationen veröffentlicht.
Die vorliegende Arbeit möchte einen Beitrag zum Verständnis der Peregrina-Dichtung leisten, indem sie die Ergebnisse der diversen Theorien zur Datierung des Zyklus’ zusammenführt und diese in der praktischen Analyse in einen Kausalzusammenhang mit den relevanten Überarbeitungsstufen bringt. Ausgehend von der thematischen Eingrenzung der vorliegenden Arbeit soll im Folgenden eine These formuliert werden, die es im Verlauf der Analyse auf ihre Richtigkeit zu untersuchen gilt.
Ziel der Arbeit ist es, Entwicklungen im Überarbeitungsprozess Mörikes aufzuzeigen, die sich dadurch auszeichnen, dass sie im Gesamtzusammenhang der Peregrina-Gedichte eine bewusste Verharmlosung im Sinne einer Zurücknahme dämonischer Elemente einleiten. Die neueren Varianten scheinen v.a. Hinweise auf den Wahnsinn Peregrinas beziehungsweise auf das Dämonische im Zyklus zugunsten realistischer Darstellungen systematisch zu tilgen. Es gilt also, Mörikes literarischen Schaffensprozess durch eine konsekutive Interpretation der Varianten nachzuvollziehen, und, wo nötig, auf weitere Werke des Dichters zu verweisen, die zum Verständnis des Peregrina-Zyklus’ beitragen können. Da gerade die Lyrikanalyse einen breiten Deutungsspielraum bietet, soll versucht werden, polarisierende Forschungspositionen in die Interpretation der Gedichte einzubeziehen und zu bewerten.
Die Herausforderung der Peregrina-Gedichte liegt in ihrem komplexen Bezug zu Erlebnis und Dichtung, zu Wirklichkeit und Fantasie und in der Aufdeckung ihrer entstehungsgeschichtlichen Zusammenhänge.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

A EINHEIT UND VIELFALT DES PEREGRINA-ZYKLUS’

1. THEMATISCHE EINGRENZUNG

2. ZIELSETZUNG UND METHODISCHE VORGEHENSWEISE

B ENTWICKLUNG UND AUFNAHME DER PEREGRINA-DICHTUNG

1. URBILD – DIE SCHÖNE FREMDE MARIA MEYER

Exkurs: Eine andere Perspektive

2. VORBILD: LITERARISCHE REMINISZENZEN

3. BILDENTWICKLUNG: DIE TEXTGENESE UND DAS PROBLEM DER DATIERUNG

3.1 Mörikes dichterischer Arbeitsprozess

3.2 Chronologie und Entstehungszeiträume der Gedichte

4. ÖFFENTLICHKEITSBILD: ZEITGENÖSSISCHE REZEPTION IN WORT UND BILD

Exkurs: Vertonungen

C DER GEDICHTZYKLUS UND SEINE VARIANTEN

1. DAS SPIEGELBILD: PEREGRINA I

1.1 Die Verführung

1.2 Die Doppelung der Verführung

2. DAS HOCHZEITSBILD: PEREGRINA II

2.1 Das ‚fantastische’ Umfeld der Hochzeit

Exkurs: Phantasmagorie

2.2 Die seltsame Braut

2.3 Der Lust-Garten

2.4 Der magische und der erotische Liebesbund

3. DAS TRUGBILD: PEREGRINA III

3.1 Der Liebesverrat

Exkurs: Das Prinzip Verstoßung

3.2 Wahnsinn und Schuldfrage

3.3 Die Rückwirkung der Verstoßung

3.3.1 Zwischen Welt und „Heideland“ – Varianten von 1824 - 1856

3.3.2 Der Zwang des Zauberfadens – Varianten ab 1867

4. DAS „BILDNIß MITLEID-SCHÖNER QUAL“: PEREGRINA IV

5. DAS HEILIGENBILD: PEREGRINA V

5.1 Die Büßerin am Pfahl

5.2 Der endgültige Verlust

D DIE PEREGRINADICHTUNG IM WERKKONTEXT DES „MALER NOLTEN“

1. „ER HAT MIR’S GESCHWOREN“ – DIE BINDUNG DES MANNES AN DAS WEIBLICHE ELEMENTARWESEN

2. MAGISCHE SCHICKSALSORTE

3. ABBILDER PEREGRINAS

3.1 Agnes, die hysterische Pastorentochter

3.2 Elisabeth, die unschuldige Verführerin

E EDUARD MÖRIKES PROZESS „MITLEID-SCHÖNER QUAL“

1. TENDENZEN IM VERLAUF DER PEREGRINA-DICHTUNG

2. DIE PEREGRINA-DICHTUNG UND MÖRIKES LITERARISCHE ÄSTHETIK

3. FAZIT

Zielsetzung & Themen

Die Diplomarbeit untersucht die Entwicklung der Peregrina-Gedichte von Eduard Mörike über einen Zeitraum von über vierzig Jahren (1824–1867). Das Hauptziel besteht darin, die zahlreichen Varianten und Überarbeitungen innerhalb der verschiedenen Druckfassungen zu vergleichen, um mögliche Trends in Mörikes Schaffensprozess – insbesondere eine Tendenz zur Verharmlosung und Entmythifizierung – zu identifizieren und in den literaturwissenschaftlichen Kontext einzuordnen.

  • Entwicklung des Peregrina-Zyklus und die Rolle der Textgenese.
  • Biografischer Kontext: Das Verhältnis zu Maria Meyer im Spiegel der Lyrik.
  • Literarische Reminiszenzen und Vorbilder (Mignon, Loreley).
  • Einbettung der Gedichte in den Roman "Maler Nolten".
  • Thematisierung von Wahnsinn, Sünde und Dämonie im Wandel der Fassungen.

Auszug aus dem Buch

3.1 Mörikes dichterischer Arbeitsprozess

Bevor auf die Datierung der diversen Varianten eingegangen wird, soll in diesem Zusammenhang Mörikes schriftstellerische Vorgehensweise dargestellt werden. Ein Kennzeichen der Mörike’schen Lyrik ist das verhältnismäßig rasche Verfassen von Gedichten innerhalb weniger Stunden, gerade wenn sie für bestimmte Personen gedacht sind; für die Veröffentlichungen hingegen unterzieht er seine Lyrik oft einem Prozess der Umarbeitung. Dieser Prozess scheint dabei motiviert vom Perfektionieren eines bereits fertigen Textes, der durchaus bereits publiziert sein kann. Mörike feilt Zeit seines Lebens an den Peregrina-Gedichten und stellt sie in seiner ersten Gedichtsammlung bereits als Gruppe aus. Für ihn ist das Vielgestaltige ein wichtiger Aspekt seiner literarischen Ästhetik.

Das Werkzeug dazu besitzt er, denn er verfügt über umfangreiches theologisches Wissen, kennt sich in der Antike bestens aus, scheut sich nicht vor ungewöhnlichen Wortkompositionen und lebt im Wechsel der literarischen Strömungen, sodass er in seiner Lyrik eigenständig mit verschiedenen Elementen, gerade im metrischen Bereich, experimentieren kann.

Zusammenfassung der Kapitel

A EINHEIT UND VIELFALT DES PEREGRINA-ZYKLUS’: Einführung in die Thematik und Definition des Forschungsziels, die Peregrina-Gedichte als Variationszyklus zu untersuchen.

B ENTWICKLUNG UND AUFNAHME DER PEREGRINA-DICHTUNG: Historische und biografische Analyse des Urbilds Maria Meyer sowie Darstellung der literarischen Einflüsse und zeitgenössischen Rezeption.

C DER GEDICHTZYKLUS UND SEINE VARIANTEN: Detaillierte philologische Untersuchung der fünf Peregrina-Gedichte und ihrer spezifischen Veränderungen über die Jahrzehnte hinweg.

D DIE PEREGRINADICHTUNG IM WERKKONTEXT DES „MALER NOLTEN“: Analyse der Funktion der Gedichte als lyrische Einschübe im Roman und deren Bedeutung für die Charakterisierung der weiblichen Figuren.

E EDUARD MÖRIKES PROZESS „MITLEID-SCHÖNER QUAL“: Synthese der Ergebnisse mit dem Fokus auf die Tendenz zur Entdämonisierung und die literarische Ästhetik des Dichters.

Schlüsselwörter

Eduard Mörike, Peregrina-Zyklus, Maler Nolten, Maria Meyer, Textgenese, Literaturwissenschaft, Lyrikanalyse, Biedermeier, romantische Dichtung, Motivgeschichte, Wahnsinn, Entmythifizierung, Variantenforschung, Intertextualität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die verschiedenen Fassungen der Peregrina-Gedichte von Eduard Mörike und fragt danach, wie sich der Zyklus über vier Jahrzehnte hinweg verändert hat.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Neben der Textgeschichte stehen der biografische Kontext (Maria Meyer), die literarischen Vorbilder und die Funktion der Lyrik innerhalb des Romans "Maler Nolten" im Mittelpunkt.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Es soll geklärt werden, ob Mörike durch seine lebenslangen Überarbeitungen eine systematische Verharmlosung und Entmythifizierung der dämonischen Elemente des Zyklus angestrebt hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine deduktive, textanalytische Herangehensweise, die philologische Datierung mit einer literaturwissenschaftlichen Interpretation der variierenden Textstellen verbindet.

Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Biografie, Vorbilder), die detaillierte Gedichtanalyse der fünf Peregrina-Stücke und die Einordnung in den Werkkontext des "Maler Nolten".

Was sind die charakteristischen Schlüsselwörter?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Peregrina-Zyklus", "Mörikes Ästhetik", "Textgenese" und "Entdämonisierung" geprägt.

Inwiefern beeinflusste Maria Meyer das Werk?

Sie gilt als das biografische "Urbild" der Peregrina, wobei die Autorin betont, dass die Gedichte nicht eins zu eins als Liebesdokumentation zu lesen sind, sondern als literarische Stilisierung.

Wie verändert sich die Darstellung von Peregrina in späteren Auflagen?

Die Tendenz geht dahin, die dämonischen, wahnsinnigen Züge der Figur zu mildern und sie in ein bürgerlicheres, menschlicheres Umfeld zu rücken, während mythische Anspielungen zunehmend zugunsten eines realistischeren Erzählstils reduziert werden.

Ende der Leseprobe aus 129 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Das „Bildniß mitleid-schöner Qual“ - Ein Vergleich der Varianten von Eduard Mörikes Peregrina-Zyklus zwischen 1824 und 1867
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg  (Germanistik)
Note
1,7
Autor
Michelle Bayona (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2008
Seiten
129
Katalognummer
V137766
ISBN (eBook)
9783640456369
ISBN (Buch)
9783640456475
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nolten Mörike Eduard Biedermeier Maria Meyer Gedichtzyklus Peregrina Peregrina-Zyklus
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Michelle Bayona (Autor:in), 2008, Das „Bildniß mitleid-schöner Qual“ - Ein Vergleich der Varianten von Eduard Mörikes Peregrina-Zyklus zwischen 1824 und 1867, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/137766
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