Das Ziel dieser Arbeit ist es, zu untersuchen mit welchen Methoden der Textreduktion die Untertitelung des Films La Vie Scolaire vom Französischen ins Deutsche vorgenommen wurde und welche aktuellen Trends bezüglich der geltenden Untertitelungskonventionen darin erkennbar sind.
Zuerst werden in der vorliegenden Arbeit die Definition der Untertitelung und die Besonderheiten der Übersetzung in dieser Form dargelegt. Dann werden typische Strategien der Textverkürzung und -vereinfachung bei der Untertitelung erklärt. Anschließend werden diese anhand der deutschen Untertitel des Films La Vie Scolaire auf Netflix untersucht. Die Ergebnisse der Analyse werden nachfolgend bewertet und zusammengefasst, gefolgt von einer Einschätzung zu aktuellen Herausforderungen in diesem Feld, sowie möglichen Veränderungen in den Untertitelungskonventionen.
Um Interessierten den Zugang zu Fernsehen und Filmen verschiedener Kulturen zu ermöglichen, wenn sie die original darin verwendete Sprache noch nicht gut genug verstehen können, sind übersetzte Untertitel sehr wertvoll. Alle Facetten der verwendeten Umgangssprache korrekt zu übersetzen setzt ein hohes Maß an Sprachkompetenz, sowohl in der Ausgangs- als auch in der Zielsprache, und an sprachlichem Einfühlungsvermögen voraus. Dies stellt immer noch eine gewisse Hürde dar, daher ist dieses Forschungsfeld bei weitem noch nicht erschöpft. Die Erkenntnisse können darüber hinaus auch sinnvoll in der Ausbildung künftiger Übersetzer_innen verwendet werden.
Da nach den räumlichen und zeitlichen Vorgaben für die Untertitelung in Filmen und Serien durchschnittlich zwei Wörter pro Sekunde geschrieben werden können, aber im durchschnittlichen Sprechtempo mehr als zwei Wörter gesprochen werden können, muss in den Untertiteln etwas gekürzt oder der Text zur besseren Lesbarkeit angepasst werden. Die Frage ist dabei, was ausgelassen oder geändert werden kann, ohne dass relevanter Inhalt verloren geht.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Untertitelung
2.1 Definition
2.2 Charakteristika der Untertitel-Übersetzung
2.3 Besondere Herausforderungen
2.4 Notwendigkeit der Textreduktion
3 Strategien zur Textverkürzung und -vereinfachung
3.1 Allgemeines Vorgehen
3.2 Auslassung
3.2.1 Wortebene
3.2.2 Satzebene
3.3 Paraphrasierung
3.3.1 Zusammenfassung
3.3.2 Syntax
3.3.3 Vokabular
3.3.4 Standardisierung
4 Analyse der Untertitel für La Vie Scolaire
4.1 Materialvorstellung und methodisches Vorgehen
4.2 Umsetzung
4.3 Auswertung der Analyse
5 Herausforderungen und Ausblick
5.1 Arbeitsbedingungen
5.2 Zielpublikum
5.3 Konzeptionelle Schriftlichkeit
5.4 Technische Möglichkeiten
6 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht, mithilfe welcher spezifischen Strategien zur Textverkürzung und -vereinfachung Untertitel für das französische Filmdrama La Vie Scolaire vom Original ins Deutsche übertragen wurden und welche aktuellen Konventionen sich dabei beobachten lassen.
- Definition und Charakteristika der filmischen Untertitelung
- Methodische Ansätze zur Textreduktion (Auslassung und Paraphrasierung)
- Analyse der Übertragung von Umgangssprache und vulgären Ausdrücken
- Einfluss technischer Rahmenbedingungen auf die Untertitelgestaltung
- Die Rolle von Zielpublikum und Konformität bei der Übersetzung
Auszug aus dem Buch
2.3 Besondere Herausforderungen
Neben der Synchronisation ist die Untertitelung die gebräuchlichste Methode, um Filme oder Serien einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Untertitelung ist nicht nur oft kostengünstiger und weniger zeitintensiv als Synchronisation (vgl. Heinze 2005: 3), sondern macht es auch möglich, den Film oder die Serie in der originalen Wortwahl und Intonation zu hören (vgl. Dries 1995, zit. nach Heinze 2005: 3), sowie die eigene Fremdsprachenkompetenz zu verbessern (vgl. Heinze 2005: 2). Sie ist jedoch nicht ohne gewisse Nachteile. Laut Dries stört Untertitelung die original intendierte Bildkomposition und lenkt Zuschauende ab, sowie behindert Zuschauende mit Seh- bzw. Leseeinträchtigungen (vgl. Dries 1995, zit. nach Heinze 2005: 3).
Beim technischen Anlegen der Untertitel, dem Spotting, „muss der anschließende Übersetzungsprozess also schon mitgedacht werden“, so der Berufsverband für audiovisuelle Übersetzer*innen (AVÜ Die Filmübersetzer*innen o.J.). Schwierigkeiten ergeben sich nicht nur daraus, für historische, regionale, soziokulturelle Sprachvarianten, Dialekte und Akzente Äquivalente in der Zielsprache zu finden. Diese werden konventionell als störend betrachtet und in den Untertiteln nur abgeschwächt bzw. angepasst übertragen (vgl. Schafroth 2016: 139). Weiterhin sind auch die nonverbalen Komponenten, prosodischen und paralinguistischen Merkmale zu beachten, vor allem wenn diese essentiell zur Bedeutung beitragen (vgl. Rosa 2001: 214). Diese Polysemiotizität der audiovisuellen Medien beeinflusst jede Übersetzungsentscheidung (vgl. Reinart 2018: 133). Dass diese mit einbezogen werden muss, ist auch im Code of Good Subtitling Practice festgehalten (vgl. Ivarsson; Carroll 1998: 157). Ein weiterer Einflussfaktor ist „die direkte Vergleichbarkeit zwischen Original und Übersetzung“ (AVÜ Die Filmübersetzer*innen o.J.), wenn Zuschauende die Originalsprache genügend beherrschen. Dies gehört zum sogenannten Feedbackeffekt, dem Zusammenspiel der verschiedenen Kommunikationskanäle in audiovisuellen Medien, die intersemiotische Redundanzen ermöglichen (vgl. Panier 2012: 45).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung stellt die Bedeutung von Untertiteln für den interkulturellen Austausch dar und definiert das Ziel, die Reduktionsstrategien im Film La Vie Scolaire zu untersuchen.
2 Untertitelung: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Untertitelung, deren definitorische Merkmale sowie die spezifischen Herausforderungen bei der Übersetzung für audiovisuelle Medien.
3 Strategien zur Textverkürzung und -vereinfachung: Hier werden die methodischen Verfahren wie Auslassungen (auf Wort- und Satzebene) sowie verschiedene Formen der Paraphrasierung und Standardisierung detailliert erörtert.
4 Analyse der Untertitel für La Vie Scolaire: Das Praxiskapitel stellt das Untersuchungsmaterial vor, beschreibt das methodische Vorgehen bei der Analyse der Netflix-Untertitel und wertet die angewandten Techniken aus.
5 Herausforderungen und Ausblick: Dieses Kapitel diskutiert die Rahmenbedingungen professioneller Untertitelung, wie Arbeitsbedingungen und die Erwartungen unterschiedlicher Zielgruppen, und reflektiert über technische Entwicklungen.
6 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Reduktionsstrategien im Film erfolgreich angewandt wurden, um die Lesbarkeit trotz umgangssprachlicher und teils vulgärer Originaldialoge zu gewährleisten.
Schlüsselwörter
Untertitelung, Audiovisuelle Übersetzung, Textreduktion, La Vie Scolaire, Synchronisation, Spotting, Paraphrasierung, Sprachwissenschaft, Filmuntertitel, Intersemiotik, Sprachtransfer, Zielsprache, Ausgangssprache, Netflix, Übersetzungskonventionen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den linguistischen und technischen Aspekten der Untertitelung von Filmen, insbesondere damit, wie Sprache für ein schriftliches Medium auf einem Bildschirm gekürzt und vereinfacht werden muss.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretischen Definitionen der Untertitelung, die angewandten Strategien zur Textverkürzung wie Auslassung und Paraphrasierung sowie die Analyse der Umsetzung dieser Strategien in einem konkreten Filmbeispiel.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, am Beispiel des Films La Vie Scolaire zu untersuchen, welche spezifischen Methoden bei der Übersetzung vom Französischen ins Deutsche gewählt wurden, um den Text für das Publikum lesbar und verständlich zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein deskriptiv-analytischer Ansatz verfolgt, bei dem die französischen Originaldialoge mit den entsprechenden deutschen Untertiteln auf Netflix verglichen und die angewandten Übersetzungsstrategien anhand aktueller Untertitelungskonventionen kategorisiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil über Reduktionsverfahren und einen praktischen Analyse-Teil, in dem unter anderem die Übertragung von umgangssprachlichen Phänomenen, Slang und vulgären Ausdrücken untersucht wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Untertitelung, Audiovisuelle Übersetzung, Textverkürzung, Paraphrasierung, Sprachkonventionen und intersemiotische Redundanz.
Warum ist eine Textreduktion bei Untertiteln überhaupt notwendig?
Da Zuschauer nur eine begrenzte Zeit haben, um die eingeblendeten Untertitel zu lesen, muss das Erzähltempo der Untertitel an die Lesegeschwindigkeit angepasst werden, weshalb Überflüssiges weggelassen oder der Text sprachlich gestrafft werden muss.
Wie geht die Autorin mit vulgärer Sprache im untersuchten Film um?
Die Autorin analysiert, wie vulgäre Ausdrücke und Schimpfwörter aus dem französischen Original ins Deutsche übersetzt wurden – teils wurden sie abgemildert, teils jedoch konsequent übernommen, um den Charakter der Gespräche und des Milieus beizubehalten.
- Arbeit zitieren
- Hanna Mirjam Bendin (Autor:in), 2021, Verkürzung und Vereinfachung bei der Verschriftlichung gesprochener Sprache. Am Beispiel der Untertitel des Films "La Vie Scolaire", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1372073