Gerade bei religiösen Gebilden, stellt sich die Frage, inwiefern ein gezielt herbeigeführter kultureller Wandel diesen Toträume neue gesellschaftliche Bedeutung schenkt und diese mit dem dadurch konservierten Wert aus vergangener Zeit fusioniert? Oder trägt dies eher zur Degradierung und Zerstörung der Gotteshäuser bei? Ist eine Neunutzung und Umgestaltung ohne den vollständigen Verlust der vergangenen Identität, sowie unter Wahrung des nötigen Respekts überhaupt möglich?
Immer mehr Gebäude, besonders Kirchen, werden dem Leerstand und dem daraus resultierenden Verfall überlassen. Bausubstanz und Ressourcen, aber auch Geschichte, Erinnerungen und Kultur fallen mit dem Mauerwerk in sich zusammen. Parallel zu der immer größeren Menge an leerstehenden Gebäuden wächst langsam aber stetig das bürgerliche Interesse an einer Umnutzung und Umgestaltung nicht mehr genutzter Gebäude.
Hierbei geht es nicht nur um die bildende Umgestaltung vorzeitlicher Industriegebäude wie beispielsweise alter Kotten in Museen, sondern auch um vom ursprünglichen Gebäudenutzen abgelöste Umnutzungen. So werden Kirchen zu Konzerthallen und Eventbühnen oder zu Wohnhäusern.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Methodik und Argumentationsstruktur
Leerstand
Definition Leerstand: Was bedeutet Leerstand?
Leerstand in Kirchen und wie kommt es dazu?
Neue Nutzung für leerstehende Kirchen
Was passiert nun mit überflüssigen Kirchen?
Formen der Nutzungserweiterung und vollständigen Umnutzung
Ablauf der Vorbereitung für eine Umnutzung
Modelversuch
Verfahrensvorschlag des Ministeriums für Bauen und Verkehr des Landes Nordrheinwestfalen
Schwierigkeiten und Kritik
Individualität von Sakralbauten
Einzigartige Kirchen
Soziale Komplexität
Denkmalschutz
Einschränkungen durch die Institution Kirche
Limitierte Nutzungsmöglichkeiten durch erläuterte Bedingungen
Kirchen aus der Nachkriegszeit und ihre vermeintliche Wertlosigkeit
Mangelnde Erfahrung im Umbau von Sakralbauten
Nachhaltigkeitsaspekte der Umnutzung
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob eine Um- oder Neunutzung von Sakralgebäuden angesichts des zunehmenden Kirchenüberflusses eine zukunftsfähige Alternative zum Verfall darstellt. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie eine solche Umnutzung gestaltet werden kann, ohne den emotionalen, sozialen und kulturellen Wert der Gebäude zu verletzen.
- Ursachen für den Leerstand von Kirchengebäuden in Deutschland.
- Unterscheidung zwischen kircheninterner Nutzungserweiterung und kirchenexterner Umnutzung.
- Prozessuale Abläufe und behördliche Verfahrenswege bei der Umnutzung.
- Herausforderungen durch Denkmalschutz und kirchliche Vorgaben.
- Nachhaltigkeitspotenziale bei der Bewahrung von Bausubstanz durch Nachnutzung.
Auszug aus dem Buch
Formen der Nutzungserweiterung und vollständigen Umnutzung
Zunächst wird noch einmal unterschieden zwischen kircheninterner und kirchenexterner Umnutzung. Bei der kircheninternen Umnutzung bleibt das Gebäude fest in der Hand der Kirche und wird so umgestaltet, dass ein religiöser Bezug erhalten bleibt. Hierbei entstehen teils Nutzungserweiterungen in Kooperationen mit höheren kirchlichen Organisationen oder anderen christlichen Kirchen in Form einer Verpachtung. Vollständig kircheninterne Umnutzungen wären beispielsweise die Umgestaltung zu einer Jugendkirche, Platz für Karitative Zwecke wie die Tafel (Kirche Heilige Familie, Oberhausen) oder die Nutzung als Ruhestätte, so zum Beispiel als Standort für Kolumbarien, wie die St. Konrad in Marl-Hüls.89 Hierbei könnten die Kauf- bzw. Mietpreise der Urnenkammern für die Endstandhaltung der Kirche genutzt werden und entlasten damit den Kirchenfond.10
Bei der kircheninternen Nutzungen spielen hauptsächlich die zuvor erklärten Nutzungserweiterung eine Rolle. So zum einen die geteilte Nutzung, ausschließlich in Hand der Kirche, zum Beispiel als Gotteshaus und gleichzeitig als Gemeindebüro oder die kulturelle Nutzungserweiterungen für Veranstaltung oder Gastronomie, bei welcher das Hausrecht und Entscheidungsgewalt allerdings bei der Kirche bleibt.11 Hier findet sich in der St. Bernadus Kirche in Oberhausen eine besonders stilvolle Fusion aus Restaurant und Gebetsraum. Beide Funktionen des Kirchenraumes sind durch eine schlanke Glaswand getrennt und ermöglichen so nicht nur das Speisen in einer spannenden Atmosphäre, sondern bieten auch Möglichkeiten für ein Zusammenkommen nach Gottesdiensten und der Veranstaltung von Hochzeiten und Taufen mit darauffolgendem Speisen am gleichen Ort.12
Dieses Hausrecht wird bei der kirchenexternen Umnutzungen abgegeben. Hier bei wird das Gebäude zunächst meist verkauft um dann umgebaut und angepasst zu werden auf den neuen Nutzen. Es wird auf die weitere kirchliche Nutzung für Gottesdienste et cetera verzichtet und es wird eine komplette Trennung zur ursprünglichen Funktionalität vorgenommen. Hierbei sind die Möglichkeiten, unter Einhaltung verschiedener im weiteren Verlauf erläuterter Vorgaben und Einschränkungen, deutlich weitreichender. Als beliebte Umnutzung sticht ganz klar, die Nutzung als Bühne und Veranstaltungsort in der Eventbranche, aber auch für Theaterzwecke hervor.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den zunehmenden Leerstand und Verfall von Kirchen sowie das wachsende bürgerliche Interesse an einer Umnutzung dieser Gebäude.
Methodik und Argumentationsstruktur: Dieses Kapitel erläutert das Vorgehen mittels Literaturrecherche und die Struktur der nachfolgenden Untersuchung von Umnutzungsbeispielen und Problemfeldern.
Leerstand: Das Kapitel definiert den Begriff des Leerstands im architektonischen Kontext und analysiert die spezifischen Ursachen für den Kirchenüberfluss in Deutschland.
Neue Nutzung für leerstehende Kirchen: Hier werden unterschiedliche Konzepte der Nutzungserweiterung und Umnutzung bei Wegfall der ursprünglichen kirchlichen Funktion vorgestellt.
Ablauf der Vorbereitung für eine Umnutzung: Es werden Modellversuche und offizielle Verfahrensvorschläge beschrieben, wie eine Umnutzung von Kirchen strukturiert vorbereitet werden kann.
Schwierigkeiten und Kritik: Dieses Kapitel behandelt die komplexen Hindernisse, darunter Denkmalschutzauflagen, kirchliche Vorgaben sowie soziale und administrative Herausforderungen.
Nachhaltigkeitsaspekte der Umnutzung: Hier wird der ökologische und soziale Mehrwert betont, der durch die Umnutzung statt eines Neubaus oder des Abrisses entsteht.
Fazit: Das Fazit bekräftigt, dass eine Umnutzung trotz der bürokratischen und kirchlichen Hürden einen respektvollen Umgang und den sinnvollsten Weg zur Erhaltung der Bausubstanz darstellt.
Schlüsselwörter
Umnutzung, Sakralbau, Kirchenleerstand, Denkmalschutz, Nutzungsänderung, Nachhaltigkeit, Gebäudebestand, Kirchbauten, Stadtbild, Instandhaltung, Nachkriegsarchitektur, institutionelle Vorgaben, soziale Komplexität, Kulturdenkmäler, Kirchenbau
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Problematik des zunehmenden Leerstands von Kirchengebäuden in Deutschland und untersucht Möglichkeiten zur deren Umnutzung als Alternative zum Abriss.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Ursachen des Kirchenüberflusses, die verschiedenen Formen der Umnutzung, notwendige Planungsprozesse sowie die rechtlichen und institutionellen Hindernisse, die bei der Umgestaltung von Sakralbauten auftreten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu klären, ob Sakralbauten durch Um- oder Neunutzung zukunftsfähig erhalten werden können, ohne dabei den Respekt vor ihrer ursprünglichen religiösen und kulturellen Bedeutung zu verlieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert primär auf einer Literaturrecherche, mittels derer der Ablauf von Umnutzungen analysiert, mit praktischen Beispielen verknüpft und kritisch reflektiert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Definition von Leerstand, die Vorstellung von Umnutzungsszenarien, die Darstellung bürokratischer Abläufe sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit Schwierigkeiten wie dem Denkmalschutz und kirchlichen Auflagen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Umnutzung, Sakralbau, Kirchenleerstand, Denkmalschutz, Nachhaltigkeit und soziale Komplexität.
Welche Rolle spielt der Denkmalschutz bei der Umnutzung von Kirchen?
Der Denkmalschutz fungiert zwiespältig: Er rettet die Substanz vor dem Abriss, kann aber gleichzeitig durch formale Auflagen die Kosten in die Höhe treiben oder geplante Umnutzungskonzepte aufgrund des Schutzes der Innenausstattung verhindern.
Wie unterscheidet sich die evangelische Kirche bei der Umnutzung im Vergleich zur katholischen Kirche?
Die evangelische Kirche zeigt sich zwar nach den vorliegenden Regeln etwas kulanter und flexibler in der Handhabung, stellt jedoch ebenso wie die katholische Kirche strenge Bedingungen für eine Umnutzung, um ihr Image zu wahren.
Warum wird die Umnutzung als nachhaltig eingestuft?
Nachhaltigkeit ergibt sich aus der Ressourcenschonung: Da vorhandene Bausubstanz genutzt wird, entfallen energieintensive Neubauprojekte und der Flächenverbrauch für zusätzliches Bauland wird vermieden.
- Quote paper
- Leonie Lang (Author), 2022, Neunutzungen als Lösungsansatz gegen den Verfall von Sakralgebäuden von Kirchenüberfluss. Nutzung und Umnutzung von bereits Bestehendem, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1372062