In dieser tiefgreifenden Analyse von Ethnographie und ihrem Einfluss auf interkulturelle Dynamiken wird die Arbeit der renommierten Anthropologin Ruth Behar und die damit verbundenen Herausforderungen des ethnographischen Schreibens untersucht. Die Arbeit beleuchtet den aktuellen Diskurs über das Genre der Ethnographie und seinen Wert für verschiedene akademische Disziplinen. Indem sie Behars "Translated Woman" in den Vordergrund stellt, wird die Arbeit die Probleme und Fragen, die das ethnographische Schreiben mit sich bringt, in den Fokus rücken und Wege zur Bewältigung dieser Herausforderungen in der Ethnologie vorschlagen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historische Kontextualisierung
2.1 Krisen in der Anthropologie: Writing Culture und Repräsentation
2.2 Woman Writing Culture
2.3. Ruth Behar über das Schreiben von Frauen in der Ethnologie
3. Translated Woman als Antwort auf die Krise der Repräsentation
3.1 Translated Woman: Lebensgeschichtenerzählung und Repräsentation
3.1.1 Das Problem der Sprache und des „Sprechen über“
3.1.2 Ruth Behars Position innerhalb ihrer Forschung
3.1.3 Der Vergleich zwischen Bahar und Esperanza
3.1.4 Was erhält Esperanza im Gegenzug für ihre Mitarbeit am Buch?
4. Ethnographisches Schreiben als Aufgabe: Sichtweisen auf Anthropologie heute
4.1 Ruth Bahar und andere Stimmen zu Ethnographie heute
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, wie in Ruth Behars Werk Translated Woman: Crossing the Border with Esperanza’s Story über Kultur geschrieben wird, welche Problematiken dies im Kontext anthropologischer Repräsentation aufwirft und wie die Disziplin der Ethnologie mit diesen Herausforderungen umgehen kann.
- Die Krise der Repräsentation und das Konzept des "Kultur schreibens"
- Die Rolle und Bedeutung von Frauen in der anthropologischen Forschung
- Methodische Reflexion über das Schreiben von Lebensgeschichten ("life history")
- Das ethische Dilemma der Machtverhältnisse und des Ausgleichs im Forschungsprozess
- Zukunftsvisionen für ein künstlerisch-kreatives ethnographisches Schreiben
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Das Problem der Sprache und des „Sprechen über“
Bahar reflektiert in Translated Woman ihre Rolle als Zuhörerin und Übersetzerin von Esperanzas Lebensgeschichtenerzählung und legt offen, welche Widersprüche sie in ihrer Rolle sieht und welche Gefühle der Übersetzungsprozess in ihr auslöst:
But the most quotation-thick form of ethnography has long been the life history, which allows ethnographers to place the words of their subjects at the center of the text. In my book, Translated Woman: Crossing the Border with Esperanza’sStory (1993), I felt that I acted as a scribe and translator for Esperanza. She had much to say, breathlessly filling my tape recorder with accounts of her rage, her sorrows, and her quest for redemption. But to transport her story into the academic world on the other side of the border, I also ended up having to become her editor, snipping at her tales to give them artistic form, which made me anxious about cutting her tongue, rather than “giving her voice“ (Behar 2014: 149).
Ihrem Gefühl nach führt die Übersetzung von Esperanzas Worten und deren geographischer Verlagerung in die USA zu Verlusten innerhalb ihrer Geschichte, wodurch sich Behar eher schuldig fühlt, ihre Worte zu verändern, als ihnen Raum zu geben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in den Diskurs über Ethnographie und das Schreiben von Frauen ein und skizziert das Ziel der Analyse von Behars Werk im Kontext der Writing-Culture-Debatte.
2. Historische Kontextualisierung: Dieses Kapitel bettet das Werk in die anthropologische Fachgeschichte ein und thematisiert kritisch die Repräsentationskrise sowie die Marginalisierung weiblicher Stimmen.
3. Translated Woman als Antwort auf die Krise der Repräsentation: Hier wird das Werk als komplexes Genre zwischen Lebensgeschichte, Autobiographie und Ethnographie untersucht.
4. Ethnographisches Schreiben als Aufgabe: Sichtweisen auf Anthropologie heute: Dieses Kapitel diskutiert Ansätze, wie Ethnographie durch Reflexion und künstlerische Methoden zukunftsfähig gestaltet werden kann.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Behar ein Tabu brach, kritisiert jedoch zugleich ihr Festhalten an Selbstzweifeln und plädiert für ein selbstbewussteres, gesellschaftlich wirksames Schreiben.
Schlüsselwörter
Anthropologie, Ethnographie, Repräsentation, Writing Culture, Lebensgeschichte, Ruth Behar, Esperanza Hernández, Feministisches Schreiben, Feldforschung, Machtverhältnisse, Übersetzung, Autorität, Reflexivität, Culture, Identität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit diskutiert das Werk "Translated Woman" von Ruth Behar unter dem Aspekt, wie anthropologisches Schreiben als Repräsentation fungieren kann und welche ethischen Herausforderungen dabei für die Forschenden entstehen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Krise der Repräsentation, das Schreiben von Frauen in der Wissenschaft, die Problematik der "life history" als Genre sowie die Machtasymmetrien zwischen Anthropologin und Forschungssubjekt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es herauszufinden, wie die Ethnologie mit den Problemen des ethnographischen Schreibens, die Behar aufzeigt, konstruktiv umgehen kann und welche Bedeutung dies für die Disziplin heute hat.
Welche wissenschaftliche Methodik findet Anwendung?
Es handelt sich um eine diskursanalytische Arbeit, die theoretische Ansätze der Anthropologie (z.B. Writing Culture Debatte, kritische Anthropologie) auf ein spezifisches Fallbeispiel anwendet und durch Rezensionen und eigene Reflexionen der Autorin ergänzt.
Welche Inhalte werden im Hauptteil fokussiert?
Der Hauptteil analysiert das Verhältnis von Sprache und Macht, die Rolle von Behar als Übersetzerin der Geschichte von Esperanza sowie die Vergleiche, die zwischen den Lebenswelten der Autorin und ihres Forschungsobjekts gezogen werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Analyse?
Wichtige Begriffe sind unter anderem "Kulturelle Repräsentation", "Blurred Genres", "Feministische Ethnographie", "Lebensgeschichtenerzählung" und "Positionierung".
Wie bewertet die Autorin Behars Umgang mit Esperanzas Lebensgeschichte?
Die Autorin der Arbeit kritisiert, dass der Ausgleich für die Mitarbeit Esperanzas am Buch unzureichend war und dass Behar Gefahr lief, Esperanzas Geschichte eher als Spiegel für ihre eigene Identitätssuche zu instrumentalisieren.
Welche Konsequenz zieht die Arbeit für die zukünftige Gestaltung von Ethnographien?
Die Arbeit plädiert für ein "künstlerisch-qualitativ-quantitatives Schreiben", das über reine Selbstkritik und Zweifel hinausgeht, um gesellschaftliche Relevanz zu erzielen und ein echtes, gegenseitiges Austauschverhältnis mit den erforschten Gemeinschaften zu fördern.
- Quote paper
- Kiane Wennemann (Author), 2018, Ethnographisches Schreiben im Fokus. Eine Untersuchung von Ruth Behars 'Translated Woman' und ihrem Einfluss auf die Ethnologie, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1371556