Einleitung
„Frauen sind erstaunt, was Männer alles vergessen.
Männer sind erstaunt, woran Frauen sich erinnern“.
Peter Bamm
Die Kommunikation ist das Hauptcharakteristikum unserer heutigen gesellschaftlichen Welt. Sie produziert, etabliert und verfestigt zwischenmenschliche Beziehungen. Niemand ist in der Lage, sich sprachlichen Auseinandersetzung mit der Umwelt vollkommen zu entziehen. Kommunizieren im allgemeinen ist ein grundsätzliches Bedürfnis und ein wichtiger Bestandteil menschlicher Existenz.
Das primäre und wichtigste Medium der Kommunikation ist die Sprache, die „ein Konglomerat verschiedener Subsysteme und Äußerungsvarianten ist, die von innersprachlichen und außersprachlichen Faktoren bestimmt sind“ (Löffler 1994, S. 23).
Der Reichtum der potentiellen Kommunikationsmöglichkeiten ist unbegrenzt, dabei sind nur einige Variablen zu nennen, die die Kommunikation beeinflussen: Alter, Geschlecht, Herkunft, Ausbildung, sozialer Status, ethnische Zugehörigkeit usw. Eine dieser Variablen erscheint besonders interessant. Es handelt sich um die Sprache und das Geschlecht.
Dass Frauen und Männer anders sind, ist kein Geheimnis. Das Geschlecht, die Kleidung, der Gang, die Stimme und noch vieles mehr machen einen Unterschied. Geschlechtsspezifische Unterschiede wurden schon in verschiedenen Kulturen seit länger Zeit beobachtet. Dabei gibt es zu untersuchen, wie sich Frauen und Männer beim Sprechen verhalten.
In der vorliegenden Arbeit gehe ich auf die folgende Problemstellung ein:
Ist die Geschlechtszugehörigkeit die Basis für eine sprachliche Differenzierung?
Wird durch Geschlechtszugehörigkeit ein geschlechtsspezifischer Sprachgebrauch bzw. ein geschlechtsspezifisches Sprachverhalten produziert? Ist es gerechtfertigt, von ”Frauen - und Männersprache” zu sprechen?
Zum Einstieg in das Thema möchte ich auf die sprachliche Sozialisation der Geschlechter eingehen und Geschlechterdifferenzen im Sprachgebrauch untersuchen. Im Weiteren konzentriere ich mich auf die Erklärungsansätze, die es ermöglichen, den Zusammenhang zwischen Sprache und Geschlecht, die Bedingungen und Ursachen für geschlechtsspezifisches Sprachverhalten aufzuhellen und von verschiedenen Perspektiven her zu beleuchten. Anschließend geht es um die Diskussion der Gleichberechtigung im Sprachverhalten.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2 Sprachliche Sozialisation der Geschlechter
2.1 Geschlechtsstereotypen und ihre soziale Bewertung
2.2 Geschlechtsspezifische Gesprächserwartungen
3 Sprachgebrauch
3.1 Phonologie
3.2 Syntax
3.3 Semantik
3.4 Pragmatik
4 Nonverbale Kommunikation
5 Kohärenz von Status und Geschlecht
6 Erklärungsansätze
7 Gleichberechtigung im Sprachverhalten
Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, ob die Geschlechtszugehörigkeit eine valide Basis für sprachliche Differenzierungen bildet und ob die Zuschreibung von spezifischen Sprachmustern an Männer oder Frauen wissenschaftlich fundiert oder eher fiktiv ist. Dabei wird der Fokus auf die Sozialisation, den Sprachgebrauch auf verschiedenen linguistischen Ebenen sowie den Einfluss von Status und Macht gelegt.
- Sprachliche Sozialisation und Geschlechterstereotypen
- Geschlechtsspezifische Unterschiede in Phonologie, Syntax und Semantik
- Pragmatische Aspekte und nonverbale Kommunikation
- Kohärenz von Status, Macht und Sprachverhalten
- Diskurs um Gleichberechtigung in der Sprache
Auszug aus dem Buch
3.1 Phonologie
Geschlechterunterschiede auf der phonologischen Ebene beziehen sich auf die Differenzen in der Tonhöhe bzw. Stimme, Aussprache und Intonationsmustern.
Die Stimme scheint ein wichtiger Indikator für die Geschlechtszugehörigkeit zu sein. In der Regel ist die weibliche Sprache höher als die eines Mannes. Neuere Untersuchungen weisen darauf hin, dass sich die Unterschiede in der durchschnittlichen Grundfrequenz bei Männer- und Frauenstimmen nur zum Teil biologisch erklären lassen.
Die hohen Stimmen der Frauen und die tieferen Stimmen bei Männern scheinen zumindest teilweise das Produkt einer nicht biologisch begründbaren 'Verschiebung der Stimme' innerhalb des zur Verfügung stehenden Stimmumfangs zu sein: Männer wie Frauen nutzen den ihnen verfügbaren Umfang nicht gleichmäßig, sondern einseitig aus, wobei Männerstimmen eher im unteren, Frauenstimme eher im oberen Teil des ihnen zur Verfügung stehenden Grundfrequenzbereichs angesiedelt sind. Es kommt auf diese Weise zu einer nicht notwendigen, die sozialen Geschlechtsstereotype jedoch unterstützenden Polarisierung von Männer- und Frauenstimmen (Graddol & Swann 1989, S. 18). Studien von Lieberman (1967), Mattingly (1966), Sachs et al. (1973) haben gezeigt, dass die Stimmhöhe auch von gelerntem Verhalten bestimmt wird. So gilt eine hohe Stimme als Indiz für Weiblichkeit, wobei die Tonhöhe auch von den Intonationsmustern der jeweiligen Sprache abhängig ist.
Die Sprachwahrnehmung wird nach Befunden von Elizabeth Strand (1999) von Geschlechterstereotypen mitbestimmt. Nach experimentellen Studien von Ohala wird eine tiefere Stimme als vertrauenswürdiger und dominanter, eine hohe Stimme als weniger kompetent und generell weniger potent eingeschätzt (Graddol/Swann 1989, S. 32).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung der Sprache als zentrales Medium der Kommunikation und führt in die Problemstellung ein, ob Geschlechtsunterschiede tatsächlich existieren oder fiktiv sind.
2 Sprachliche Sozialisation der Geschlechter: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung von Geschlechtsrollenbildern durch soziale Erziehung und die damit verbundenen unterschiedlichen Gesprächserwartungen.
3 Sprachgebrauch: Hier werden Unterschiede im Sprachverhalten detailliert auf den Ebenen der Phonologie, Syntax, Semantik und Pragmatik analysiert.
4 Nonverbale Kommunikation: Das Kapitel befasst sich mit der Körpersprache, Gestik, Mimik und dem Blickverhalten als komplementäre oder ersetzende Ausdrucksmittel zur verbalen Kommunikation.
5 Kohärenz von Status und Geschlecht: Es wird untersucht, inwiefern Statuspositionen, Machtverhältnisse und das Geschlecht als Gesamterscheinungsbild die Bewertung von Kommunikation beeinflussen.
6 Erklärungsansätze: Dieser Abschnitt diskutiert verschiedene Theorieansätze, die die Komplexität und die Vielfalt der Faktoren für geschlechtsspezifisches Sprachverhalten erklären.
7 Gleichberechtigung im Sprachverhalten: Das Fazit der theoretischen Betrachtung fordert eine geschlechtergerechte Sprache, die Frauen und Männer gleichermaßen sichtbar macht und nicht auf blinder Anpassung basiert.
Schlüsselwörter
Sprache, Geschlecht, Kommunikation, Sprachverhalten, Sozialisation, Geschlechtsrollen, Phonologie, Syntax, Pragmatik, Nonverbale Kommunikation, Status, Macht, Stereotype, Gleichberechtigung, Linguistik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Debatte um geschlechtsspezifisches Sprachverhalten und untersucht, ob Unterschiede zwischen „Frauensprache“ und „Männersprache“ existieren oder ob es sich dabei primär um soziale Konstruktionen handelt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die sprachliche Sozialisation, Unterschiede in den sprachlichen Ebenen (Phonologie bis Pragmatik), der Einfluss von Status und Macht sowie die nonverbale Kommunikation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Bedingungsfaktoren für geschlechtsspezifisches Sprachverhalten aufzuhellen und kritisch zu hinterfragen, ob eine rein geschlechtsbasierte Differenzierung wissenschaftlich haltbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auswertung empirischer linguistischer Studien und sozialwissenschaftlicher Erkenntnisse zur Geschlechterforschung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie sich Geschlechterrollen in der Aussprache, dem Satzbau, der Wortwahl und den Interaktionsstrategien (z. B. Unterbrechungen) manifestieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Sprache und Geschlecht, Sozialisation, Sprachgebrauch, Geschlechtsstereotype, Nonverbale Kommunikation und Gleichberechtigung.
Warum spielt die soziale Bewertung eine so große Rolle für das Sprachverhalten?
Weil soziale Rollen Erwartungen an das Verhalten knüpfen; Menschen passen ihre Sprache oft an diese kulturell erwünschten Normen an, um in ihrem sozialen Kontext akzeptiert zu werden.
Wie bewertet die Autorin die Unterbrechung in Gesprächen?
Unterbrechungen werden oft als männliches Dominanzverhalten interpretiert, wobei die Autorin differenziert, dass Frauen Unterbrechungen häufiger als unterstützende „kooperative Überlappungen“ nutzen.
- Arbeit zitieren
- Marina Lindekrin (Autor:in), 2007, Frauensprache und Männersprache, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/136717