Das Ziel dieser Arbeit ist es eine Unterrichtsvideografie auf die von Thiel zusammengefassten Gesichtspunkte des Klassenmanagement hin zu analysieren. Dafür wird im ersten Schritt die Unterrichtsvideografie in einem Protokoll zusammengefasst. Im nächsten Schritt folgt die Analysearbeit, bevor im letzten Schritt die Ergebnisse zusammengefasst werden (Fazit).
Bei der vorliegenden Unterrichtsvideografie aus dem Jahr 2016 handelt es sich um eine Sportstunde (60 Minuten) zum Thema „Bodenkampf“. Insgesamt nehmen 14 SuS einer siebten Klasse eines Gymnasiums an der Unterrichtstunde teil.
Als Analyseschemata werden die von Meseth und Kollegen beschriebene Sach-, Zeit- und Sozialdimension verwendet. Diese Dimensionen werden von Meseth und Kollegen wir folgt beschrieben: „Unterricht ist zentriert um die Darstellung kultureller Repräsentation, d.h. er hat ein Thema (Sachdimension); er findet in einer bestimmten Schule/Klasse statt und ist in einen rechtlichen und organisatorischen Rahmen eingebettet, der Erwartungen über die Art und Weise formuliert, wie miteinander interagiert und kooperiert wird [...] (Sozialdimension); und er ist Teil einer Sequenz von vergangenen und künftigen Einheiten, die wiederum Anfang und ein absehbares Ende haben (Zeitdimension).“ (Meseth et al., 2011)
Zudem ist das von Breidenstein beschriebene „Ethnografische Beobachten“ von zentraler Bedeutung für diese Arbeit. Das Ethnographisches Beobachten ist dadurch gekennzeichnet, schulischen Unterricht als eine „fremde Kultur“ zu betrachten, mit dem Ziel in diesem vertrauten Geschehen Neues zu entdecken. Der Ethnograph beobachtet das Unterrichtsgeschehen mit dem einzigen Interesse der präzisen Beschreibung.
Thiel und Kollegen fassten die Gesichtspunkten des Klassenmanagement wie folgt zusammen: (1) das Monitoring der Schüleraktivitäten, (2) die Explikation klarer Verhaltenserwartungen, (3) die Standardisierung von Handlungsabläufen (Prozeduren), (4) die V erknüpfung von Aktivitätsstrukturen durch Übergänge, (5) die Steuerung des Aktivitätsflusses und (6) der Umgang mit Störungen.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Protokoll
3. Analyse
3.1. Die Standardisierung von Handlungsabläufen
3.2. Der Umgang mit Störungen
3.3. Die Explikation klarer Verhaltenserwartungen
3.4. Die Verknüpfung von Aktivitätsstrukturen durch Übergänge
3.5. Steuerung des Aktivitätsflusses
3.6. Monitoring der Schüleraktivitäten
4. Fazit
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, eine Unterrichtsvideografie einer Sportstunde zum Thema „Bodenkampf“ auf Basis der sechs von Thiel et al. definierten Gesichtspunkte des Klassenmanagements zu analysieren. Dabei wird untersucht, inwiefern die beobachtete Lehrkraft durch spezifische Routinen, Interaktionsformen und Steuerungsmaßnahmen ein effizientes Lernumfeld gestaltet und ob sich dabei Anzeichen für professionelles Expertentum oder novizenhaftes Verhalten zeigen.
- Analyse von Klassenmanagement-Prozeduren im Sportunterricht
- Untersuchung von Übergangsgestaltung und Aktivitätssteuerung
- Evaluation des Umgangs mit Störungen im Unterricht
- Anwendung des ethnografischen Beobachtungsansatzes
- Vergleich von Beobachtungen mit dem aktuellen Forschungsstand
Auszug aus dem Buch
3.2. Der Umgang mit Störungen
Die Lehrkraft hat bei Unterrichtstörungen zu entscheiden, ob sie eingreift (vgl. Thiel et al., 2012, p. 732). Erfahrene Lehrkräfte schaffen es einer Interaktionsfalle aus dem Weg zu gehen. Es werden Konfrontationen mit den SuS vermieden (vgl. Sutherland & Morgan, 2003). Außerdem sind die eingesetzten Zurechtweisungen von Novizen häufig weniger wirkungsvoll und unterbrachen oft den Unterrichtsfluss (vgl. Westerman, 1991, p. 297 f.)
Insgesamt gibt es in der Unterrichtsstunde zum Thema Bodenkampf sehr wenige Störungen. Die Klasse scheint sehr konzentriert und diszipliniert mitzuarbeiten. Zum Ende der Stunde lässt die Konzentration jedoch nach und Störungen werden häufiger. So rollt sich ein Schüler im Sitzkreis auf die Seite, der Lehrer tadelt den Schüler mit einem strengen Blick und einem leisen „Tsch“. Daraufhin setzt sich der Schüler wieder normal hin und verhält sich weiter unauffällig. Ein paar Sekunden später fangen zwei Mädchen an zu tuscheln, der Lehrer nimmt dies sofort wahr und reagiert wie zuvor mit einen etwas bestimmteren „Tsch gleich“.
Nach Sutherland und Morgan 2003 ist die gewählte Form der Interaktion der Lehrkraft als gelungen zu bewerten (vgl. Sutherland & Morgan, 2003). So vermeidet die Lehrkraft durch ein einfaches „Tsch“ eine Interaktionsfalle und gibt keinen Raum für Diskussionen. Auch der Fokus auf das Unterrichtsgeschehen kann durch diese kurze Form der Ermahnung aufrechterhalten werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Dieses Kapitel führt in die theoretischen Grundlagen des Klassenmanagements nach Thiel sowie in das methodische Vorgehen der theoriegeleiteten Videoanalyse ein.
2. Protokoll: Hier wird der detaillierte Ablauf der beobachteten Sportstunde zum Thema „Bodenkampf“ nachgezeichnet und chronologisch dokumentiert.
3. Analyse: In diesem Hauptteil wird das unterrichtliche Handeln systematisch anhand der sechs Dimensionen des Klassenmanagements von Thiel et al. untersucht und fachspezifisch reflektiert.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Analyseergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die beobachtete Lehrkraft die Kriterien für ein effizientes Klassenmanagement erfolgreich erfüllt.
5. Literaturverzeichnis: Dieses Verzeichnis listet sämtliche für die Analyse herangezogenen wissenschaftlichen Quellen und Studien auf.
Schlüsselwörter
Klassenmanagement, Unterrichtsvideografie, Sportunterricht, Bodenkampf, Interaktionsfalle, Handlungsabläufe, Verhaltenserwartungen, Übergangsgestaltung, Aktivitätsfluss, Monitoring, Unterrichtsstörungen, pädagogische Kompetenz, Lehrer-Schüler-Beziehung, situative Prozeduren, Ethnografisches Beobachten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Analyse der Qualität des Klassenmanagements in einer spezifischen Sportstunde, basierend auf einer Unterrichtsvideografie.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder sind die Standardisierung von Handlungsabläufen, der Umgang mit Störungen, die Explikation von Verhaltenserwartungen, die Gestaltung von Übergängen, der Aktivitätsfluss und das Monitoring.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Überprüfung, ob die im Video gezeigte Unterrichtsgestaltung den gängigen wissenschaftlichen Standards für effizientes Klassenmanagement entspricht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine theoriegeleitete Videoanalyse durchgeführt, die durch ethnografische Beobachtungsansätze und spezifische Analyse-Dimensionen (Sach-, Zeit- und Sozialdimension) ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in sechs Analyseabschnitte, in denen jede der von Thiel et al. definierten Dimensionen des Klassenmanagements auf die konkrete Sportsituation angewendet wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Klassenmanagement, Unterrichtsvideografie, Monitoring, Aktivitätsfluss, Prozeduren, Routinen und Interaktionsfallen im Unterricht.
Wie geht die Lehrkraft in diesem Video konkret mit Störungen um?
Die Lehrkraft nutzt minimalistische, präzise Interventionen wie einen „strengen Blick“ oder ein kurzes „Tsch“, um Unterrichtsunterbrechungen zu vermeiden und den Fokus auf das Geschehen zu lenken.
Warum ist die Analyse des „Päckchen“- und „Schildkrötengriffs“ relevant?
Diese Übungen dienen als Fallbeispiele, an denen die Lehrkraft demonstriert, wie klare Regeln (Kopf/Hals Tabu) und methodische Anweisungen für Disziplinarstabilität sorgen.
- Arbeit zitieren
- Sebastian Seifert (Autor:in), 2022, Effizientes Klassenmanagement. Eine theoriegeleitete Analyse einer Unterrichtsvideografie, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1365526