Der technische und wissenschaftliche Fortschritt hat die Beschäftigten fast nahezu aller Branchen in die Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft katapultiert: Überfüllte E-Mailfächer, eine Besprechung jagt die nächste und der Druck zur ständigen Weiterbildung offenbaren sich nicht selten in einem Gefühl der Überforderung. Der rapide Wissenszerfall auf der einen und der rasante Zuwachs neuer Informationen auf der anderen Seite ist nur ein Charakter dieser gegenwärtigen gesellschaftlichen Megatrends. Die mittlerweile so deutlich wie noch nie propagierte Forderung nach einem selbstgesteuerten Lernen am Arbeitsplatz ist nur eine konsequente Folge eines berufskulturellen Wandels. Der Erwerbstätige kann den rasanten Wissenswandel nur mit einer permanenten und selbstständigen Erneuerung seines Wissens bezwingen. Eine wichtige Rolle übernehmen hierbei seine Lernstrategien. Die Strategien kognitiver Art dienen der Verarbeitung der Informationsflut. Die metakognitiven Strategien kontrollieren diesen Prozess. Daher soll im Zentrum dieser Arbeit die Frage stehen: Über welche kognitiven und metakognitiven Lernstrategien muss der Erwerbstätige verfügen, um die Anforderungen des selbstgesteuerten Lernens bewältigen zu können? Gestützt wird diese Frage durch die sicherlich gewagte Hypothese, dass der Erwerbstätige, obwohl er Experte auf seinem Gebiet ist, über Lernstrategien verfügt, die ihm beim selbstgesteuerten Lernen wohl kaum helfen dürften. Denn nicht selten wurde er im Laufe seiner Lernbiographie fremdbestimmt unterrichtet; eine Krux, die ihn womöglich bei der eigenständigen Bewältigung des rasanten Wissenswandels bremst.
Diesem Aspekt soll in dieser Arbeit nachgegangen werden. Das anknüpfende Kapitel widmet sich den Theorieansätzen zum selbstgesteuerten Lernen, wobei die Bedeutung der kognitiven und metakognitiven Lernstrategien für das selbstgesteuerte Lernen näher beleuchtet wird. Im dritten Kapitel soll mit einer empirischen Erhebung im Bereich der öffentlichen Verwaltung aufgezeigt werden, über welche kognitiven und metakognitiven Strategien der Beschäftigte konkret verfügt, um selbstgesteuert lernen zu können. Anhand der Befunde sollen Wege zur Förderung des selbstgesteuerten Lernens aufgezeigt werden. Ein reflektierendes Resümee mit der Darbietung der Ergebnisse der Arbeit sowie einem Ausblick auf die künftige Verwirklichung des selbstgesteuerten Lernens in der beruflichen Bildung der öffentlichen Verwaltung rundet die Arbeit ab.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Betrachtung der (meta-)kognitiven Lernstrategien beim selbstgesteuerten Lernen
2.1 Begriffliche Klärung und Merkmale des selbstgesteuerten Lernens
2.2 Lerntheoretische Begründung des selbstgesteuerten Lernens
2.3 Kognitive Komponente des selbstgesteuerten Lernens
2.3.1 Zum Begriff der Lernstrategien
2.3.2 Klassifizierung der (meta-)kognitiven Lernstrategien
2.4 Drei-Schichtenmodell des selbstgesteuerten Lernens
3 Diagnose des selbstgesteuerten Lernens: Empirische Analyse der (meta-)kognitiven Lernstrategien des Erwerbstätigen in der öffentlichen Verwaltung
3.1 Design und Durchführung der empirischen Erhebung
3.2 Auswertung und Interpretation der Befunde der Erhebung
3.3 Implikationen für die Förderung des selbstgesteuerten Lernens
4 Zusammenfassende Bewertung mit Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die kognitiven und metakognitiven Lernstrategien von Beschäftigten in der öffentlichen Verwaltung, um deren Fähigkeit zum selbstgesteuerten Lernen am Arbeitsplatz zu diagnostizieren und Förderansätze abzuleiten.
- Grundlagen des selbstgesteuerten Lernens und der Lerntheorien
- Kognitive und metakognitive Lernstrategien (u.a. nach Weinstein & Mayer)
- Empirische Untersuchung mittels des „WLI-Schule“ Fragebogens im Verwaltungskontext
- Ableitung der Selbstlernkompetenz anhand von Strategie-Kategorien
- Entwicklung von direktem und indirektem Lernstrategietraining
Auszug aus dem Buch
2.1 Begriffliche Klärung und Merkmale des selbstgesteuerten Lernens
Der Fachliteratur mangelt es an einem einheitlichen Begriffsverständnis zum selbstgesteuerten Lernen. Selbstgesteuertes, selbstorganisiertes, selbstreguliertes Lernen sowie self-directed oder self-regulated learning stehen für eine Begriffsvielfalt, werden aber häufig synonym und abhängig von der jeweiligen wissenschaftlichen Disziplin verwendet (vgl. SCHIERSMANN 2007, S. 73f). In der deutschsprachigen Literatur hat sich jedoch der Begriff des selbstgesteuerten Lernens durchgesetzt (vgl. DOHMEN 1996, S. 44). So knüpft die Ihnen vorliegende Arbeit ebenfalls an diese Ausrichtung an.
Hinsichtlich dieser Begriffsvarietät verwundert es nicht, dass sich diese in den Definitionsversuchen fortsetzt. Da die Lernstrategien das Interesse dieser Arbeit leiten, greife ich daher Definitionen auf, die deren Rolle beim selbstgesteuerten Lernen betonen.
Folgt man dem ersten Autor, den ich zu Wort kommen lasse, so ist selbstgesteuertes Lernen ein Prozess, „...in which individuals take the initiative, with or without the help of others, in diagnosing their learning needs, formulation goals, identifying human and material resources for learning, choosing an implementing appropriate learning strategies, an evaluation learning outcomes” (KNOWLES 1975, S. 18).
Blickt man wiederum zu SIMONS so hebt er zwar nicht wörtlich die Lernstrategien hervor, er betont jedoch den Steuer- und Kontrollprozess des selbstgesteuerten Lernens, welches er als „…Ausmaß, in dem eine Person fähig ist, ihr eigenes Lernen, ohne Hilfe anderer Instanzen, zu steuern und zu kontrollieren“ versteht (SIMONS 1992, S. 251).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Notwendigkeit des selbstgesteuerten Lernens im Kontext des rasanten Wissenswandels und stellt die Forschungsfrage zur Bedeutung kognitiver und metakognitiver Strategien.
2 Theoretische Betrachtung der (meta-)kognitiven Lernstrategien beim selbstgesteuerten Lernen: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen, lerntheoretischen Konzepte und klassifiziert die kognitiven und metakognitiven Lernstrategien nach dem Modell von Weinstein und Mayer.
3 Diagnose des selbstgesteuerten Lernens: Empirische Analyse der (meta-)kognitiven Lernstrategien des Erwerbstätigen in der öffentlichen Verwaltung: Das Kapitel beschreibt das empirische Design der Befragung, wertet die erhobenen Daten zur Lernstrategieanwendung aus und formuliert Implikationen für die betriebliche Lernförderung.
4 Zusammenfassende Bewertung mit Ausblick: Das Fazit bestätigt, dass Beschäftigte der Verwaltung Lücken in ihrem Lernstrategierepertoire aufweisen und unterstreicht die Notwendigkeit einer methodischen Umorientierung von Bildungskonzepten.
Schlüsselwörter
Selbstgesteuertes Lernen, Lernstrategien, Kognitive Lernstrategien, Metakognition, Öffentliche Verwaltung, Informationsverarbeitung, Lernkompetenz, Wissenswandel, Arbeitsplatzlernen, Lernstrategietraining, Organisationsstrategien, Elaborationsstrategien, Wiederholungsstrategien, Selbstreflexion, Personalentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die kognitiven und metakognitiven Lernstrategien von Beschäftigten in der öffentlichen Verwaltung, um herauszufinden, inwieweit diese in der Lage sind, ihre Lernprozesse selbstgesteuert zu bewältigen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind das selbstgesteuerte Lernen, die Einordnung von Lernstrategien in den kognitiv-konstruktivistischen Rahmen sowie die empirische Diagnose der Lernfähigkeit in einem spezifischen Verwaltungskontext.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, über welche kognitiven und metakognitiven Lernstrategien Erwerbstätige verfügen müssen, um den Anforderungen des selbstgesteuerten Lernens erfolgreich zu entsprechen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine empirische Fragebogenerhebung (basierend auf dem „WLI-Schule“ Instrument von Metzger) bei 18 Beschäftigten der öffentlichen Verwaltung durchgeführt und quantitativ ausgewertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Definition und Modellierung von Lernstrategien sowie die empirische Analyse, welche Stärken und Schwächen im Lernverhalten der Befragten aufdeckt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Schlüsselwörtern zählen selbstgesteuertes Lernen, Metakognition, Lernstrategien, öffentliche Verwaltung, Selbstlernkompetenz und Wissensmanagement.
Welches Ergebnis lieferte die Analyse der Strategie des Organisierens?
Das Organisieren erzielte als einzige kognitive Strategie einen hohen Wert (4,19), was darauf hindeutet, dass die Beschäftigten gut darin sind, große Informationsmengen zu strukturieren und auf das Wesentliche zu reduzieren.
Wie schneiden die metakognitiven Strategien in der Erhebung ab?
Die metakognitiven Strategien (Planen, Überwachen, Regulieren) wiesen im Vergleich zu den kognitiven Strategien schlechtere Ergebnisse auf, wobei das Planen mit einem Wert von 2,78 besonders stark förderungsbedürftig ist.
- Quote paper
- Christiane Kahl (Author), 2009, Selbstgesteuertes Lernen in der beruflichen Bildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/136315